#1

Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 02.07.2013 20:18
von Oma Thürmann • 753 Beiträge

Die Liste der Darstellerinnen und Darsteller, die nach, trotz und gelegentlich auch vor Aktenzeichen-Auftritten zu dem gekommen sind, was man gemeinhin "Prominenz" nennt, ist nicht einmal so kurz - die Anzahl liegt jenseits der 30 (gedacht ist an Franz-Xaver Kroetz, Heiner Lauterbach, Otto Sander, Rolf Schimpf, Peer Augustinski, Anja Jaenicke, Christine Neubauer, Karl-Heinz von Hassel, Peter Bond, Natalia Avelon, Miroslav Nemec, Karl E. Scheydt, Marion Kracht, Sabine Kaack, Werner Schulze-Erdel und einige mehr). Um diese Kategorie soll es hier nicht gehen, vielmehr sollen in abgeschlossenen Themenbereichen weniger bekannte Querverbindungen verfolgt werden. Ein bisschen ist das auch ein Experiment; mal sehen, wohin es uns trägt.


Teil 1: Am grünen Strand der Spree
Malte Jaeger, Hans Zander, Kurt Hepperlin, Monika John, Nele Harlan


1975 wurden historische Waffen und Porzellan bei einem Einbruch in Schloss Marienburg bei Hannover erbeutet. Es ist der zweite Filmfall der Sendung vom 6. April 1979, und Malte Jaeger spielt den Schlossherren, Ernst August IV., Vater desjenigen Ernst August, den der heutige Boulevard gern wahlweise als Prügel-Prinzen oder Pinkel-Prinzen tituliert. Kurt Grimm inszeniert wieder einmal Oben und Unten: Jaeger gibt dem Museumsführer, der es verabsäumt hat, eine auffällige Beobachtung vom Vortage zu melden, so pseudo-kultiviert wie dezidiert eine unmissverständliche Maxime auf den Weg: "Wie Sie sehen, lieber einmal etwas zu oft gesagt als einmal zu wenig." Abgang Museumsführer mit devotem Diener.

Diesen Tonfall, der Widerspruch nicht einmal als eine Option duldet, diesen Tonfall beherrscht Jaeger. Am widerlichsten bewiesen hat er das 1940 in Veit Harlans "Jud Süß" als Karl Faber, eine Art "Gesundes Volksempfinden" auf zwei Beinen; einer, der den Juden sofort als solchen erkennt ("Ich irr' mich nicht, das ist ein Jude!") und ihm entschlossen droht: "Mein Herr, ich möchte Euch empfehlen, die nächste Post [gemeint ist Kutsche] nicht zu versäumen." Aber gleichzeitig auch einer, der seine Braut ("Reichswasserleiche" und Harlans dritte Ehefrau Kristina Söderbaum als Dummchen, das sich vom Juden täuschen lässt) bei ihren Gesangsdarbietungen gepflegt am Spinett begleitet. Jaeger spielt diese Rolle mit genau jener Mischung aus Intellekt, Hass und Führungswillen, die bis heute gefährlich geblieben ist; er ist auch unter Folter standhaft und am Ende entscheidend dafür, die Massen mitzureißen.

Jaegers Karriere fand in der Bundesrepublik ihre Fortsetzung, ist aber bis auf eine Ausnahme nicht erwähnenswert: 1960 besetzte ihn Fritz Umgelter für einen bemerkenswerten und leider viel zu unbekannten TV-Fünfteiler der ARD: "Am grünen Strand der Spree", eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Hans Scholz. Hier spielt Jaeger den ehemaligen Major Hans-Joachim Lepsius, der 1954 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrt und von einigen Freunden in das ihm unbekannte Leben im Nachkriegsdeutschland eingeführt werden soll. Zu diesem Zweck erzählt jeder der Herren bei einem abendlichen Treffen in einer Westberliner Bar eine Begebenheit mit historischem Bezug. Die Besetzung der Rolle des Lepsius mit Jaeger ist zweifellos kein Zufall, ein ausführlicher und höchst lesenswerter Artikel von Hans Schmid über diesen fast vergessenen Schatz der TV-Geschichte findet sich hier.


Malte Jaeger als Ernst August IV. (auf den gemaßregelten Museumsführer herabblickend) und später im Büro der Kripo (1979)


Malte Jaeger als Karl Faber in "Jud Süß" (mit Kristina Söderbaum, 1940) und als Hans-Joachim Lepsius in "Am grünen Strand der Spree" (1960)


"Am grünen Strand der Spree" hält im ersten Teil, "Das Tagebuch des Jürgen Wilms", eine Begegnung mit Charakterkopf und Fassbinder-Schauspieler Hans Zander bereit, der in der Aktenzeichen-Folge vom 8. März 1974 im ersten Filmfall den Kassierer auf der Fähre spielt, mit der die Täter anreisen, die kurz darauf den Wellkisten-Fabrikarbeiter Dietrich L. in Delmenhorst töten werden. Davor hatte er bereits einen Pelzdieb (17. April 1970, FF 2) und einen Trickdieb (16. Juni 1972, FF 2) dargestellt. In Umgelters TV-Roman hat Hans Zander einen kurzen Auftritt als deutscher Soldat.


Hans Zander als Fähr-Kassierer (1974), Soldat in "Am grünen Strand der Spree" (1960) und in Fassbinders "Faustrecht der Freiheit" als Barmann (1975)


Im zweiten Teil, "Der General", verteidigt Kurt Hepperlin einen des Verrats angeklagten jungen deutschen Leutnant. Hepperlin bringt es auf drei Aktenzeichen-Auftritte: Als Polizist in FF 3 vom 11. September 1970 (Tresoreinbrüche in Franken), als Kripo-Beamter in FF 2 vom 18. Juli 1980 (Banküberfälle in Darmstadt und Nürnberg) und als Wirt in FF 1 vom 14. Januar 1983 (Mord an dem Maurergesellen Fritz S. bei Würzburg). Die Erwähnung einer weiteren Kommissar-Rolle kann ich mir nicht verkneifen: 1971 in Kurt Nachmanns Soft-Sex-Schinken "Josefine Mutzenbacher" (nicht zu verwechseln mit Hans Billians pornografischer Produktion "Josefine Mutzenbacher - Wie sie wirklich war: 1. Teil", auf die noch zurückzukommen sein wird, versprochen!).


Kurt Hepperlin in XY (1970, 1980, 1983)


Kurt Hepperlin als Militär-Verteidiger in "Am grünen Strand der Spree" (1960) und als Mutzenbacher-Kommissar (1971)


Die nächste Zufallsbegegnung ist Monika John, die erst wesentlich später zu einem XY-Einsatz kommen sollte, nämlich am 25. Juli 2012 im zweiten Filmfall als 88-jähriges Mordopfer Hildegard H. aus Troisdorf. Inzwischen ist am 17. April 2013 (FF 2) ein Kurzauftritt als Nachbarin eines überfallenen Berliner Ingenieurs hinzugekommen. Für viele TV-Zuschauer dürfte Monika Johns Stimme am prägnantesten sein, Frau John synchronisierte den Vor- und Abspann der von 1974 bis 1976 produzierten Kinderserie "Trickfilmzeit mit Adelheit" ("Wird's Herz dir schwer, tank Heiterkeit - beim nächsten Mal mit Adelheid"). In "Am grünen Strand der Spree" hat Monika John einen komödiantischen Auftritt, und zwar im dritten Teil, "Preußisches Märchen". Dort verkauft sie im 7-jährigen Krieg als geschäftstüchtige Berliner Bäckerin einem chilenisch-spanischen Adeligen scheibchen- und augenplinkernderweise Informationen bezüglich einer in ihrer Nachbarschaft wohnenden jungen Dame. Von ähnlich humoristischer Qualität ist ihr Auftritt als Garderobenfrau in Hanns-Christian Müllers Versicherungs- und Betriebsfest-Satire "Kehraus" mit Gerhard Polt (1983), wo sie unablässig unappetitliche medizinische Details erörtert, ohne dabei ihre Arbeit zu unterbrechen (oder auch umgekehrt).



Monika John als Hildegard H. in XY (2012), als Bäckerin in "Am grünen Strand der Spree" (1960) und als Garderobenfrau in "Kehraus" (1983)


Schließen soll sich der Bogen, der mit Malte Jaeger und Veit Harlan aufgespannt wurde, mit Harlans Enkelin Nele. Nele Harlan ist die Tochter von Veit Harlans aus der Söderbaum-Ehe stammendem Sohn Caspar. Sie trat zweimal in Aktenzeichen auf, erstmalig am 6. Dezember 2002 im ersten Filmfall als bei Bremen ermordete 16-jährige Sybille S., danach am 5. Februar 2004 als Vergewaltigungsopfer aus Ludwigshafen in Filmfall 5.
2008 drehte Felix Moeller einen Dokumentarfilm mit dem Titel "Harlan - Im Schatten von Jud Süß". Das Werk ist keine Filmanalyse, sondern zeichnet vielmehr den Umgang der Familie Harlan mit dem schwierigen Erbe nach und ist recht sehenswert, was allerdings nicht an den eher hilflos und naiv wirkenden Äußerungen von Nele Harlan liegt, die über "Jud Süß" sagt: "Ich dachte halt, der wär viel krasser, viel brutaler.." und auch ansonsten nichts Tiefschürfendes beizutragen hat. Auch von weiteren schauspielerischen Aktivitäten Nele Harlans ist mir nichts bekannt.


Nele Harlan in Aktenzeichen (2002 und 2004) und mit ihren Schwestern Lotte (links) und Lena in Felix Moellers Doku (2008)


Teil 2 folgt demnächst und wird weniger inhaltsschwer - es geht um Sex!


Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

zuletzt bearbeitet 17.02.2017 14:04 | nach oben springen

#2

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 04.07.2013 16:49
von Haddock • 99 Beiträge

Vielen Dank - mehr davon!

Gruß

Haddock


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#3

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 05.07.2013 13:43
von Oma Thürmann • 753 Beiträge

Teil 2: Sex
Birgit Zamulo, Hans Billian, Franz Helminger, Franjo Marincic


Dieser Teil könnte länger sein, viel länger sogar, kein einziger (!) der dreizehn zwischen 1970 und 1980 gedrehten Schulmädchen-Reporte kommt ohne Aktenzeichen-Darsteller aus (tendenziell in eher bekleideten Rollen), und auch bei den übrigen Sexfilmchen der Siebziger ist die Liste der XY-Bekannten lang - hier eine (höchst unvollständige) Auswahl: Astrid Boner, Bertram Edelmann, Imo Heite, Peter Steiner, Peter Hamm, Claudia Höll, Wolfgang Hellmund, Ruth Küllenberg, Marion Kracht, Tonio von der Meden, Gernot und Gunther Möhner, Dieter Groest, Michel Jacot, Gerhard Acktun, Horst A. Reichel, Elfi Helfrich, Günter Clemens, Rolf Castell, Manfred Spies, Klaus Münster.
Aber da Filmchen nicht interessieren, sondern nur Filme, lassen wir diesen Part mal außen vor - fast jedenfalls, denn allzu konsequent ist ja auch wieder langweilig - und widmen uns dem wesentlich überschaubareren Hardcore-Bereich, um von dort den einen oder anderen Exkurs zu starten. Als einzige Darstellerin mit Hardcore-Reputation konnte ich Birgit Zamulo ausfindig machen, die im dritten Filmfall der Sendung vom 5. Oktober 1984 das Mordopfer Hannelore Z. aus Neumünster spielt (sehr trashig in diesem Fall die unbeholfen animierte Babyattrappe). Belegt sind drei pornografische Produktionen mit Birgit Zamulo: 1976 agierte sie in "Die Rammelkiste", ein 15-minütiger Streifen, der sich nicht mit Nebenhandlungen aufhält: Ein zurückgebliebener Tischler-Lehrling wird von der Tochter seines Chefs (Zamulo) vernascht, und als die beiden vom Chef in charmanter Begleitung einer Kundin (Karin Lorson) gestört werden, verstecken sie sich in einer großen Holzkiste und setzen dort ihr Werk fort, während sich die Älteren auf der Kiste vergnügen. Kurz und knackig. Aus demselben Jahr stammt "Ein guter Hahn wird selten fett" von Johnny Wyder, ein in Berlin (Westend und Grunewald) spielender Porno in Spielfilmlänge, der das Wirken des Allround-Reinigungs-Duos Frank & Fred thematisiert (einer muss fegen, einer darf bürsten). Aus dem Jahr 1978 datiert schließlich der bekannteste und beste Liebhab-Film mit Birgit Zamulo: "Josefine Mutzenbacher - Wie sie wirklich war: 1. Teil" von Hans Billian, ein echter Klassiker und, wie bereits vor einiger Zeit im Nacktheit-Thread erwähnt, in einem kleinen Ausschnitt (ohne Frau Zamulo, dafür mit Patricia Rhomberg) auch bei Aktenzeichen zu sehen (Filmfall 3 vom 20. Februar 1981, Mord an der Geschäftsführerin eines Sexkinos in Pirmasens). Zwei Szenen hat Birgit Zamulo im Mutzenbacher-Film: Spaß mit dem Kutscher bei einem Ausritt und geschmackvolle Zwei-gegen-zwei-Action mit Patricia Rhomberg und zwei Herren.
Dazu kommen reichlich Auftritte in soften Filmen, die ich nicht alle aufzählen will, ein paar Beispielfotos sollen genügen (allesamt Hingucker, insbesondere die Rolle im Autostop-Lustreport mit der kecken Kurzhaar-Frisur; eine konstante und zeitlose Qualität von Birgit Zamulo ist die Verkörperung ungezügelter Lebenslust, voller Hingabe an den Augenblick). So, genug gesabbert, auch die etwas jugendfreiere Rest-Filmographie Frau Zamulos hält noch Erwähnenswertes bereit, und das führt uns vom Leben zum Tod: 1977 spielte sie an der Seite von Werner Pochath im Kultstreifen "Mosquito - Der Schänder", einem Vampirfilm um einen kindheits-traumatisierten gehörlosen Büroangestellten, der nachts in Friedhofskapellen einbricht, um Leichen Blut abzuzapfen. Zamulos Rolle ist die einer verträumt-gestörten Nachbarstochter, die bei einem weltentrückten Dach-Tänzchen abstürzt (voller Hingabe an den Augenblick, nicht überraschend). Auch um ihre Leiche wird sich Pochath selbstverständlich noch kümmern. Das ist mindestens so durchgeknallt, wie es sich in dieser Kurzbeschreibung liest, und es endet mit einem Doppelmord, aber dazu später mehr.


Birgit Zamulo in Aktenzeichen (1984), in der "Rammelkiste" und in "Ein guter Hahn wird selten fett" (beide 1976)


1978 in der Mutzenbacher-Kutsche, 1973 im "Tanzstunden-Report" und 1974 in "Die Stoßburg"


1974 im "Autostop-Lustreport" und in "Girl meets Girl", 1977 mit Werner Pochath in "Mosquito - Der Schänder"


Vom Œuvre Birgit Zamulos ausgehend lassen sich mehrere Fäden in verschiedene Richtungen spinnen: Begonnen sei mit dem Regisseur der Mutzenbacher-Ferkelei, Hans Billian, dessen pornografische Filme (insbesondere sind noch "Kasimir der Kuckuckskleber" von 1977, "Massagesalon Elvira" von 1978 und "Heiße Löcher, geile Stecher" von 1979 zu rühmen) von ganz anderem Kaliber sind als der im gleichen Zeitraum produzierte Schulmädchen-Schrott. Es sind die Werke eines Pioniers im Porno-Entwicklungsland BRD; Werke, denen das in den Siebzigern übliche verklemmte pseudo-aufklärerische Salbadern völlig abgeht und die internationalen Standard erreichen. Im Spätherbst seiner Karriere war Hans Billian zweimal als Mordopfer in XY zu bewundern: Im dritten Filmfall vom 14. Januar 1994 als Solinger Rentner Wilhelm S. und im ersten Filmfall vom 23. Februar 1996 als Dr. Peter L. aus Hamburg.


Hans Billian 1994 und 1996 in XY


"Die Stoßburg", eine Rittersaga mit Peter Steiner unter der Regie von Franz Marischka, zwingt mich dann dazu, doch kurz auf Soft-Sex-Klamotten einzugehen, denn dort chargiert Franz Helminger, bei Aktenzeichen mit zwei legendären Auftritten vertreten, im ersten Filmfall vom 7. November 1975 (Mord an der Schwesternschülerin Gundula S. in Garmisch-Partenkirchen) als Ehemann der Zeugin, die sich immer die Kennzeichen der sie nervenden Autos notiert (nur dann nicht, als es drauf angekommen wäre), und natürlich als Vermisster Hans Himmelsdorfer im dritten Filmfall vom 18. April 1980 - Helminger ist soooo schräg, dass er einfach gewürdigt gehört.



Franz Helminger 1975 und 1980 in XY und als Vorkoster in der "Stoßburg" (1974)


Dritter und letzter Startpunkt der Zamulo-Story ist dann wie angekündigt nochmals "Mosquito", in dem sich zwei weitere Aktenzeichen-Darsteller verstecken: Fred Berhoff spielt einen Arbeitskollegen, der Pochath mobbt, war bei XY zweimal in den Siebzigern als Kripo-Beamter aktiv (FF 2 vom 4. Juni 1976, Mord an der Boutique-Verkäuferin Gisela G. in Gelsenkirchen und FF 2 vom 1. Dezember 1978, Einbruchserie im Vogelsberg-Kreis) und dann erst wieder am 4. März 2004 im fünften Filmfall als Mordopfer Hans-Martin P. aus Hamburg.
Im Finale von "Mosquito" richtet sich die Aggression des Vampirs schließlich gegen Lebende, er erschlägt ein Liebespaar mit einer Rohrzange, gespielt wird das männliche Opfer von XY- (und Schulmädchen-Report-) Stammdarsteller Peter Hamm, zwischen 1975 und 1991 in mindestens 18 Filmfällen aktiv.



Fred Berhoff in XY (1976 mit Eberhard Peiker [links] und Franz Hanfstingl, 1978 und 2004) sowie mit unbekannter Nebendarstellerin in "Mosquito - Der Schänder" (1977)


Peter Hamm als Kripo-Beamter (24.04.1981, Mord an Erika H. bei Bad Kreuznach), 1974 in "Girl meets Girl" und (noch) gut gelaunt in "Mosquito - Der Schänder" (1977).


Soviel zum Komplex Birgit Zamulo, aber auch von zwei männlichen Aktenzeichen-Darstellern ist Pornografisches überliefert: Der eine ist der spätere Glücksrad-Moderator Peter Bond, dessen Geschichte hinreichend bekannt sein dürfte, weswegen ich sie hier nicht noch einmal ausbreite. Der andere ist unbekannter, nämlich Franjo Marincic, der bei XY zwei Unsympathen spielte: Im ersten Filmfall vom 16. Juli 1982 den des Mordes an seiner in Düsseldorf vermissten Großmutter Verdächtigen Karl-Heinz R. und im zweiten Filmfall vom 5. Oktober 1984 einen schmierigen Firmenchef aus Castrop-Rauxel, der eine Versicherung mit dem angeblichen Diebstahl wertloser Metallfolienbilder zu betrügen versucht. In Enrico Calvis pornografischem Spielfilm "Heiße Feigen" (1978) darf sich Marincic mit der bezaubernden Dänin Anne Magle vergnügen.
Marincic gelangte vor einigen Jahren noch ein wenig in die Schlagzeilen, als er gegen Heiner Lauterbachs Autobiografie klagte, weil dieser darin schilderte, wie Marincic und er früher gepflegte Dreier oder auch Vierer mit willigen Damen schoben...



Franjo Marincic 1982 und 1984 in XY und 1978 mit Anne Magle in "Heiße Feigen"


Weitere Hardcore-Dokumente konnte ich bislang nicht ausgraben, aber wer weiß, was unter der seriösen Aktenzeichen-Oberfläche noch so alles schlummert. Im dritten Teil wird es jedenfalls wesentlich züchtiger zugehen, dann dreht sich alles um Populärkultur.


Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

zuletzt bearbeitet 18.02.2017 00:23 | nach oben springen

#4

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 06.07.2013 16:17
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Oma Thürmann!
Wirklich klasse diese Zusammenstellung!!! Ich bin schon sehr auf Neues zu diesem Thema gespannt.
So denn, einen schönen Gruß von schildi


Er bestellt sich zwar ein Bier, aber trinken wird er es nicht mehr(Sprechertext Wolfgang Grönebaum aus dem YOGTZE-Fall-FF1-12.04.1985).

zuletzt bearbeitet 06.07.2013 16:20 | nach oben springen

#5

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 06.07.2013 17:11
von TheWhite1961 • 1.160 Beiträge

Hallo oma Thürmann,

ein riesiges Kompliment für diese wieder einmal sehr interessanten Informationen. Eine Frage nach Darstellerrn hätte ich noch. In dem FF 3 vom 30.11.1990" Münzsammlung" spielt der Hauptdarsteller vom Hypnosefall mit. Wie heißt der Schauspieler und wie heißt sein Kumpel der Angst hat vor dem Fliegen(auch ein Mehrfachdarsteller in Y Fällen)? Danke im Voraus.

Gruß Thomas


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#6

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 06.07.2013 17:40
von Oma Thürmann • 753 Beiträge

Vielen Dank für die Ermunterungen! Für dich, Thomas, hier die Darsteller aus dem Münzsammlung-Fall: Gerd Calmar versteht etwas von Münzen und Ralf Maria Beils hat "Angst vorm Fliesche, ehrlisch!":



Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

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#7

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 07.07.2013 00:06
von TheWhite1961 • 1.160 Beiträge

Hallo Oma Thürmann.
Danke für die wirklich prompte Beantwortung meiner Frage. Jetzt bin ich wieder etwas schlauer geworden was die Namen der XY Akteure betrifft.
Ein schönes Wochenende wünscht Dir Thomas.


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#8

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 08.07.2013 14:58
von Oma Thürmann • 753 Beiträge

Teil 3: Populärkultur
Edith Krüger, Günter Geiermann, Frank Streffing, Martina Schölzhorn, Sara Gmuer, Petra Drechsler, Mirjam Novak, Inga Kulik, Veronika von Quast, Arno Görke


Ein Gemischtwarenladen soll dieser Abschnitt werden: legendäre, kultige oder auch einfach kuriose Auftritte von Aktenzeichen-Darstellern in Werbung, Comedy, Popmusik, Modelling und anderen Bereichen der Populärkultur.

Wenn es um Aktenzeichen und Loriot geht, sind zwei Schnittmengen naheliegend: Loriots Parodie und die Auftritte von "Lottogewinner" Heinz Meier. Weniger bekannt dürfte sein, dass Edith Krüger, 1974 Darstellerin im Sketch "Benimmschule", zwischen 1985 und 1997 mindestens zehn Aktenzeichen-Rollen spielte, zumeist als Zeugin, gelegentlich als Opfer.


Edith Krüger als Spielhallen-Aufsicht Gertrud S. aus Hamburg in FF 3 vom 15.01.1993, als Nachbarin eines Raubüberfall-Opfers bei Olpe in FF 2 vom 02.05.1997 und als Loriots gestrenge Benimmschulen-Partnerin


Von 1972 bis 1980 war Günter Geiermann als Werbe-Ikone "Herr Kaiser" für die Hamburg-Mannheimer-Versicherung im Einsatz und dadurch Dauergast in bundesdeutschen Wohnzimmern. Seine Zeit bei XY erstreckte sich von 1977 bis 1986 und führte zu mindestens sieben Rollen, unter anderem stellte er im zweiten Filmfall der Sendung vom 27.10.1978 den mysteriösen Mann mit den vielen Identitäten und den charmanten studentischen Begleiterinnen dar, den die bayerische Grenzpolizei zu identifizieren versuchte. Aktuell geht es Geiermann nicht gut: Im März 2013 titelte t-online: "Herr Kaiser kann sich keine neuen Zähne leisten"

Nachtrag: Günter Geiermann verstarb am 20.08.2013.


FF 1 vom 02.12.1977, Geiermann als Bankangestellter; 1978 mit Bart als mysteriöser Grenzgänger; FF 4 vom 07.11.1986, Geiermann als Casino-Geschäftsführer des vermissten Paul Gerd H. aus Wiesbaden


Günter Geiermann als "Herr Kaiser"


Als aktuelle Werbe-Figur tritt Frank Streffing in Erscheinung, und zwar als "Bernd Häusel" in diversen Bauspar-Kampagnen der LBS (zum Beispiel als Papa, der beim Monopoly keine Miete zahlen will). Ein einziger Aktenzeichen-Auftritt steht für Streffing zu Buche: Am 9. Juli 2008 spielte er im vierten Filmfall den Sohn des in Ilsenburg ermordeten Rentners Gunter R. (der Mann mit der "Schwalbe").


Frank Streffing in XY und als "Bernd Häusel"


Weitaus weniger markant und kultig ist der Werbe-Auftritt von Martina Schölzhorn (eine kurze Rolle in der Erdinger-Weißbräu-Werbung 2013), aber sie ist eine häufige Darstellerin der neueren XY-Geschichte und ein Blickfang dazu, also los: Mindestens zehnmal agierte Martina Schölzhorn seit 2005 bei Aktenzeichen, erstmals in FF 1 vom 30. Juni 2005 als Rostocker Punk im Mordfall Antje S., jüngst als McDonald's-Kassiererin (FF 3, 27. Februar 2013). Mein Favorit ist aber der zweite Filmfall vom 31. Mai 2007, in dem Frau Schölzhorn Zeugin eines Raubüberfalls auf ein Pelzgschäft in Hamburg wird und darüber ihr Eis vergisst...


Zeugin "Corinna Krämer" schleckt ein Eis: Noch ist sie voll bei der Sache – aber schon bald werden die Geschehnisse in der Umgebung wichtiger – und hinterlassen schließlich deutliche Spuren (2007)


Martina Schölzhorn angepunkt in XY (2005), als freundliche Nachbarin des Mordopfers Karl Heinz R. in München (10.10.2012, FF 3) und in der Erdinger-Reklame


Auch Sara Gmuer hat neben ihren Model-Aktivitäten einige Werbeproduktionen gedreht, die hier zu Gunsten von Wichtigerem vernachlässigt werden sollen. Im ersten Filmfall der Sendung vom 8. Januar 2004 spielte sie die bei Nürnberg vermisste Textilarbeiterin Mareike G., ihr Interesse gilt aber auch der Popmusik und der Literatur: 2012 agierte sie im Musikvideo "Fiasko" der Ärzte und hat inzwischen ihren ersten Roman veröffentlicht: "Karizma", die Geschichte einer Berliner Rapperin.


Sara Gmuer bei Aktenzeichen und bei den Ärzten


Bislang Einzigartiges für eine XY-Aktrice gelang Petra Drechsler: Sie schaffte es auf das Playboy-Cover! Das war im Juli 1978 und damit in dem Jahr, in dem ihr für lange Zeit einziger Aktenzeichen-Auftritt stattfand: FF 2 der Sendung vom 12. Mai 1978, Bankraub in Hamburg. Petra Drechsler spielte an der Seite von Heiner Lauterbach und Hans-Christian Fredersdorf eine Bankangestellte. Ein Wiedersehen in XY gab es erst am 29. April 2004 im dritten Filmfall in der Rolle der Bekannten eines in Bad Mergentheim überfallenen Juweliers, gefolgt von Auftritten am 10. März 2005 (FF 5, Kassiererin in einem überfallenen Supermarkt in Köln) und am 7. September 2006 (FF 2, Ehefrau des ermordeten Baufirmen-Inhabers Alfred S. aus Dinslaken).


Petra Drechsler in Aktenzeichen (1978 mit Hans-Christian Fredersdorf, 2004 und 2006)


Zweimal Derrick, einmal Playboy: "Ute und Manuela" (1978, mit Evelyn Palek) und "Stellen Sie sich vor, man hat Doktor Prestel erschossen" (1984, mit Peer Augustinski)


Auf andere Art und Weise machte Mirjam Novak abseits des Schauspielerischen auf sich aufmerksam: 2009 gelangte sie unter die letzten 16 im Wettbewerb um den "besten Job der Welt", Inselranger in Queensland, Australien, den dann ein 34-jähriger Brite ergatterte. Mirjam Novaks Auftritte in Aktenzeichen haben es durchaus in sich: Beim Debüt in Filmfall 4 vom 28. Mai 2008 spielte sie die in Heilbronn ermordete Polizistin Michèle K., in ihrer zweiten Rolle (FF 4 vom 11. Mai 2011) die Lebensgefährtin des in Kiel vermissten Tekin B. und schließlich eine Kripobeamtin in Filmfall 4 vom 9. Mai 2012 (Raubüberfall auf eine pensionierte Internistin in Grevenbroich).


Mirjam Novak in XY: 2008, 2011 und 2012


Inga Kulik, bei Aktenzeichen als überfallene Supermarkt-Kassiererin in FF 4 vom 10. Oktober 2012 zu sehen, war 2006 Kandidatin der Ukraine bei der Wahl zur Miss WM.


Inga Kulik


Veronika von Quast moderierte zwischen 1987 und 2001 die schrille Comedy-Show "Kanal fatal" im Bayerischen Rundfunk, am 11. Mai 2011 gab sie im fünften Filmfall ein Gastspiel bei XY als Stammkundin einer in Coburg überfallenen Juwelierin.


Veronika von Quast bei Aktenzeichen und als Fräulein Vroni in "Kanal fatal"


Nach so vielen attraktiven Damen geht es mit einem gesetzten Herren noch einmal weit zurück in die Vergangenheit: Arno Görke sorgte zusammen mit dem Hasen Cäsar ("Bitteschöööööön!") zunächst in "Schlager für Schlappohren" (Ende der Sechziger) und danach in "Dr. h.c. Cäsar" (Anfang der Siebziger) und "Spaß muß sein" (Ende der Siebziger) für Unterhaltung für Groß und Klein. Arno Görkes Auftritte bei Aktenzeichen datieren vom 29. November 1968, FF 1, dort spielte er einen Abteilungsleiter, der bei der Suche nach den Mördern eines vermutlich aus dem Autodiebe-Milieu stammenden Unbekannten als Zeuge agiert, vom 10.12.1971, FF 3, hier als geistesgegenwärtiger Hotelportier bei einem Bankraub in Aschaffenburg, sowie vom 15.06.1973, FF 2, Bankraub in Ulm, dort als Wirt.





Arno Görke 1968, 1971 und 1973 in XY und in den Siebzigern mit dem Hasen Cäsar


Damit wird der Gemischtwarenladen geschlossen, die nächste Episode ist inhaltlich wieder schärfer abgesteckt, es geht nach Österreich – zum Major Adolf Kottan. Inschpekter gibt's koan!


Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

zuletzt bearbeitet 18.02.2017 00:50 | nach oben springen

#9

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 16.07.2013 16:06
von Oma Thürmann • 753 Beiträge

Teil 4: Kottan ermittelt:
Linda Koch-Kaiser, Carlo Böhm, Franz Gary, Ulf-Dieter Kusdas, András Gönczöl, Rudolf Knor, Christiane Rücker, Gert Burkard, Ferdinand Kaup, Walter Scheuer, Veronika Faber, Brigitte Martzak, Günther Panak, Bruno Thost



Zwischen 1975 und 1992 wurden 26 österreichische Filmfälle ausgestrahlt, dabei fehlte Linda Koch-Kaiser nur elfmal; insgesamt erstreckt sich ihre XY-Karriere von 1972 bis 1997 und umfasst mindestens 18 Rollen. In drei frühen Kottan-Folgen stand sie als Polizei-Ärztin vor der Kamera.


Linda Koch-Kaiser als betrogene Heimarbeiterin (17.01.1975, FF 2), als Prostituierte (13.11.1981, FF 1, Mord an Christine R. bei Salzburg) und als Juwelier-Kundin des späteren Mordopfers Karl B. in Wien (04.11.1988, FF 1)


Die bislang letzten XY-Rollen als Juwelierin (07.06.1996, FF 1) und als Ehefrau des Würstchenstand-Betreibers Walter L. (24.10.1997, FF 2) sowie der Auftritt in der ersten Kottan-Folge "Hartlgasse 16a" (1976)


Carlo Böhm hatte nur einen Auftritt in XY, allerdings einen sehr markanten: In der Sendung vom 27. Oktober 1978 spielte er im ersten Filmfall das Mordopfer, den homosexuellen Werkstück-Kontrolleur Oskar G. aus Wien. Legendär sind seine Kottan-Auftritte als Obdachloser Erwin Drballa, der stets das Pech hat, eine Leiche zu finden.


Carlo Böhm 1978 als Oskar G. und zweimal in Kottan ermittelt: "So long, Kottan" und "Kansas City" (beide 1982)


Ein weiteres bemerkenswertes Wiener Mordopfer wurde von Franz Gary verkörpert: Der Gelegenheits-Schmuckhändler Josef S. ("Dschingis Khan") im ersten Filmfall der Sendung vom 2. Dezember 1983. Gary spielte zwei kleinere Rollen in Kottan: In der Folge "Räuber und Gendarm" (1980) einen zunächst verdutzten, schließlich aber doch handlungssicheren Passanten, der einsteckt, was die Posträuber verloren haben, und in "Kansas City" (1982) einen Fotografen.


Franz Gary als "Dschingis Khan" (1983) und bei Kottan (1980 und 1982)


Der "Dschingis-Khan"-Fall hält einen weiteren Kottan-Akteur bereit, Ulf-Dieter Kusdas, der einen Bekannten des Opfers spielt und außerdem den Leichenfinder im bereits erwähnten (und später nochmals zu erwähnenden) Christine-R.-Fall (13.11.1981, FF 1). Für Kusdas sind zwei Kottan-Auftritte zu verzeichnen: Als Spurensicherer in "Räuber und Gendarm" (1980) und als Wirt in "Hausbesuche" (1983), wo ihm die etwas gröberen Ermittlungsmethoden der Herren Lukas Resetarits und Eddie Constantine noch anzusehen sind.



Ulf-Dieter Kusdas: zweimal XY (1981 und 1983) und zweimal Kottan (1980 und 1983)


Für seine Rolle als Nachtbar-Geschäftsführer Vladimir K. applizierte man András Gönczöl im dritten Filmfall vom 13. Mai 1983 ein wärmendes Fell auf das Haupt, bei Kottan durfte er sechsmal seine wahre Frisur präsentieren; ein spätes Wiedersehen gab es 2010 im Kottan-Kinofilm "Rien ne va plus". Hier eine Auswahl:


András Gönczöl 1983 bei XY, 1980 als Posträuber in "Räuber und Gendarm" und als (zunächst) unkooperativer Casino-Rezeptionist in "Die Beförderung" (1981)



1982 in "Entführung" als Doppeldoktor-Rechtsanwalt, 1983 als Gangster in "Der Kaiser schickt Soldaten aus" und 2010 als zynischer Showmaster in "Rien ne va plus"


Viermal gab Rudolf Knor von 1978 bis 1980 Kottans Schwiegersohn, dazu 1983 in "Mein Hobby: Mord" einen Serienkiller, der von Frau und Mutter Kottan zur Strecke gebracht wird. In seinen vier Aktenzeichen-Rollen spielte er Opfer oder deren Nächste: Im ersten Filmfall vom 21. Februar 1997 den vermissten Bremer Gastronomie-Verkaufsleiter Helmut R. (meines Wissens der erste Filmfall, in dem ein Handy auftaucht; Knor hatte die Ehre), am 27. November 1998 einen überfallenen Bauunternehmer im Salzkammergut (FF 1), am 4. Oktober 2002 einen Bekannten des in Berlin ermordeten Immobilienverwalters Dr. Jürgen B. (FF 1) und am 31. Oktober 2003 den Bruder einer in Köln entführten Betreiberin eines Auktionshauses (FF 4).


Rudolf Knor in Aktenzeichen: 1997 gut getarnt mit schickem Schnäuzer, 1998 und 2002


Kottans Schwiegersohn ("Räuber und Gendarm", 1980), wahnsinniger Killer ("Mein Hobby: Mord", 1983) und ein Auftritt im Tatort "Telefongeld" (1991)


Geschmeidige 25 Jahre liegen zwischen Christiane Rückers letztem Kottan-Auftritt als des Majors Lieblings-Prostituierte Elvira Markl (1983) und ihrem Debüt bei Aktenzeichen - am 1. Oktober 2008 im dritten Filmfall als Opfer eines Trickdiebstahls. Seither sind zwei weitere XY-Rollen hinzugekommen: Bekannte der ermordeten Rentnerin Jutta A. aus Hamburg (13.01.2010, FF 4) und Zeugin im Mordfall Ingrid A. aus Gütersloh (09.06.2010, FF 3).


Christiane Rücker bei XY: 2008 und zweimal 2010


Christiane Rücker 1978 als Prostituierte (und späteres Mordopfer) Gerda in "Nachttankstelle", dann zweimal als Elvira: 1982 figurbetont in "Die Einteilung" und 1983 in "Hausbesuche"


Gert Burkard ist ein Sonderfall: Der Deutsche gab 1982 ein Gastspiel in "So long, Kottan" als penetrant querulatorischer Piefke mit saftigem Berlinisch im Schwimmbad. Zwei seiner fünf Aktenzeichen-Rollen stammen aus legendären Fällen: Im "Mutti-Mord" an Erna K. in Wilhelmshaven (22.05.1970, FF 3) spielte er einen Taxifahrer, im "Hochsitz-Mord" an Petra W. und Michael W. (09.11.1979, FF 1) den Vater des Jungen.


Gert Burkard im "Mutti-Mord" (1970), als mutiger Zeuge eines Bankraubs in Aschaffenburg (10.12.1971, FF 3) und als Kripo-Beamter (01.12.1978, FF 2, Einbruchserie im Vogelsberg-Kreis), der ...


... es packen wird, sich zu rasieren, nicht aber, sich umzuziehen (Vater W., 1979). 1982 in "So long, Kottan" und 1984 im Tatort "Rechnung ohne Wirt" als nerviger Zeuge (mit Traute Hoess)


Ferdinand Kaup wechselte (wie so einige in XY) die Seiten: Seine erste Rolle war die des Meisterschützen (ein kreisrundes Loch in die Fensterscheibe einer Bank bei Linz) und Tresorschweißers im western-ähnlichen Filmfall 2 vom 6. März 1970; nach zehn Jahren Pause durfte er dann im ersten Filmfall vom 5. Dezember 1980 im Fall der ermordeten "Besoffenen Paula" in Wien ermitteln. Eine zweite Ermittler-Rolle folgte schnell (zum dritten Mal in diesem Abschnitt der Fall Christine R. vom 13.11.1981). Den Abschluss von Kaups XY-Karriere bildet die Rolle als Geisel nach einem Postraub (06.04.1990, FF 1). Bei Kottan gab Kaup 1983 zweimal einen Journalisten, der den Präsidenten Pilch auf Pressekonferenzen stresst.


Ferdinand Kaup als illegaler Schweißer (1970), Kripo-Beamter (1981) und Postbeamter (1990)


Kaup als Journalist in der Kottan-Episode "Die Enten des Präsidenten" (1983)


Im Mordfall Paula O. ist auch der österreichische Volksschauspieler Walter Scheuer anzutreffen, und zwar als (von Kaup und Tatort-Kommissar Michael Bukowsky befragter) Wirt einer vom Mordopfer besuchten Kneipe (und damit in diesem Fall Berufskollege von Linda Koch-Kaiser). Sein zweiter XY-Auftritt datiert vom 3. September 1982 als Kripo-Beamter, der im zweiten Filmfall in einer Einbruchserie in Wien ermittelt. In "Fühlt wie du" (1983) liefert er sich als Fleischhauer ein pointiertes Wortgefecht mit Kottan: "Is das Herz frisch?" - "Wollens a EKG mochen?" Da Dialoge dieser Art für Kottan so prägend sind, sei ein Exkurs erlaubt: Auf einer Beerdigung in "Räuber und Gendarm" kommt ein Trauergast (Erich Schenk) mit Kottan ins Gespräch, gibt zu, sich nur "einig'schwindelt" zu haben, und fragt schließlich: "Wissen Sie vielleicht, wer der Tote is?" Kottans Antwort: "Der im Sarg"



Walter Scheuer als Wirt (1980) und Kriminalist (1982) sowie als Kottan-Fleischhauer (1983)


Ähnlich wie bei Christiane Rücker liegen auch bei Veronika Faber etliche Jährchen zwischen Kottan und XY. 1983 spielte sie in "Die Enten des Präsidenten" die Ehefrau eines Mordopfers, 15 Jahre (und viele TV-Produktionen) später gab es am 27. März 1998 im dritten Filmfall den ersten XY-Auftritt als Zeugin eines Raubüberfalls auf einen Geldtransporter (mit Blaulicht und Panzerfaust auf der Autobahn bei Heidelberg), es folgten eine Opfer-Rolle (31.10.2003, FF 3, überfallene Lebensgefährtin des Betreibers eines Tanzlokals bei Dortmund) und drei weitere Auftritte als Zeugin, zuletzt im zweiten Filmfall vom 25. Juli 2012 als Nachbarin des 88-jährigen Mordopfers Hildegard H. aus Troisdorf.


Veronika Faber in XY: 25.11.2004, FF 4, Zeugin im Mordfall Arne-Leif C.; 03.11.2010, FF 6, Zeugin bei Juwelierüberfall; 25.07.2012, Nachbarin im Mordfall Hildegard H.


Veronika Faber als Maria Magdalena Zaruba (1983): Major Adolf Kottan ist beeindruckt


Brigitte Martzak gab am 11. September 1987 im ersten Filmfall Evelyne P., die ermordete Betreiberin des schlechtgehenden "Club 33" in Wien. In Erinnerung bleibt dieser Filmfall vor allem dadurch, dass er eine bislang unbekannt gebliebene Sonnenfinsternis in Wien nachweist, denn als um 11 Uhr morgens die Tat entdeckt wird, ist es doch recht finster - mag aber auch am Milieu liegen. Frau Martzaks Kottan-Karriere ist ebenfalls kurz: In "Hausbesuche" (1983) hat sie einen kleinen Auftritt als Tresenkraft in dem Kegelbahn-Beisl, in das Präsident Pilch Frau Kottan ("Noch schöner wär's in einem Automaten-Restaurant") zum (Brezl-)Essen eingeladen hat. Aktuell ist Brigitte Martzak im Tierschutz engagiert und geriet Ende 2012 in diesem Zusammenhang heftig mit der Swarovski-Erbin Fiona Grasser aneinander; ich glaube, man nennt das Lady-Krieg. Überraschenderweise ging es unter anderem um – Geld ...


Brigitte Martzak 1987 als Mordopfer Evelyne P. und 1983 als Kegelbahnbrezlbeisltresenkraft


Günther Panak spielte im Fall der Lichtkuppel-Einbrüche in Wien einen Marktleiter (05.12.1986, FF 1) und beim Raubüberfall auf einen Wiener Supermarkt einen Zeugen (15.07.1988, FF 1). Bei Kottan wird er 1983 in "Genie und Zufall" von Gangsterboss Wasservogel mit der Sprengung einer Botschaft beauftragt, um von einem gleichzeitig geplanten Bankraub abzulenken, und hat im gleichen Jahr in "Der Kaiser schickt Soldaten" das Vergnügen, Schrammel zu schlagen.



Günther Panak 1986 und 1988 bei Aktenzeichen


1983 in Kottan als Sprengstoffattentäter und als prügelnder Gangster


Der Burgschauspieler Bruno Thost schließlich trat bei XY als Staatsanwalt im Carré-d'As-Fall in Erscheinung (05.12.1975, FF 3). 1982 spielte er in "So long, Kottan" den Redaktionsleiter eines TV-Studios (nicht den Ehemann des Mordopfers Irene Bernhard, imdb.com verwechselt hier leider Bruno Thost mit Michael Toost). Anfang 2013 wurde dem mittlerweile 76-Jährigen der Professoren-Titel verliehen.



Bruno Thost 1975 in XY, 1982 bei Kottan und 1976 als bundesdeutscher Krimineller im österreichischen Tatort "Annoncen-Mord"


Fürs erste soll es das gewesen sein, eine Fortsetzung ist geplant; wann und wie, ist offen. So bildet das Zitat eines (natürlich falschen!) Zitats den vorläufigen Abschluss: "Ha, ha!" (Hamlet, 3. Akt, 2. Szene, Zeile 301; zitiert in Kottan ermittelt: "Smokey und Baby und Bär", 1983)


Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

zuletzt bearbeitet 17.02.2017 23:00 | nach oben springen

#10

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 17.07.2013 09:33
von Marie Marchand • 48 Beiträge

Wahnsinn! Als Kottan-Fan (und auch generell) bin ich begeistert, was du alles herausfindest!!!

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#11

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 17.07.2013 12:01
von Jack_the_Ripper • 2 Beiträge

Auch von mir ein herzlicher Dank für diese detaillierten, faszinierenden Einblicke!

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#12

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 17.07.2013 17:51
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Oma Thürmann!
Es verdient meinen größten Respekt, was du so alles herausfindet-darauf ein(natürlich wird das in der Konrad-Toenz-Bar getrunken). Durch dich erfährt man erst, wer sich so alles hinter den "XY-Gesichtern" verbirgt. Mach bitte weiter!!!
So denn, einen schönen Gruß von schildi


Er bestellt sich zwar ein Bier, aber trinken wird er es nicht mehr(Sprechertext Wolfgang Grönebaum aus dem YOGTZE-Fall-FF1-12.04.1985).
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#13

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 17.07.2013 22:51
von TheWhite1961 • 1.160 Beiträge

Hallo Oma Thürmann,

dieser Beitrag ist wieder einsame Spitze. Dies sage ich obwohl ich kein Kottan Fan bin. Besondere Freude hat mir das Wiedersehen mit Christiane Rücker und Veronika Faber bereitet. Für beide habe ich früher schwerstens geschwärmt.

Gruß Thomas


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#14

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 18.07.2013 18:27
von TheWhite1961 • 1.160 Beiträge

Hallo Oma Thürmann,

ein einziges Mal möchte ich deine Hilfe nochmal in Anspruch nehmen. Es geht um FF1 vom 07.07.78, Arbeitstitel Fahrt in den Tod. Dies ist mein meistgesehener Fall, weil er für mich eine besondere Bedeutung hat, weil ich damals in Trechtingshausen gewohnt habe und bei der Bergung der Leiche dabei war. Mich würden die Namen der Schauspieler interessieren die
a) das Opfer
b) die Tante des Opfers
c) die 3 Beamten der Mainzer Kripo
d) der -Beamte der Bahnhofsfundstelle(er spielt im Fall Heinz Dreisbach von 1975 die Hauptrolle)

spielen. Für deine Mühe vielen Dank im Voraus!

Gruß Thomas


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#15

RE: Kreuz und quer - Darstellerisch Abseitiges

in Rund um XY 18.07.2013 20:19
von Oma Thürmann • 753 Beiträge

Hallo Thomas,

das ist eine harte Nuss. Spontan kann ich nur mit dem Namen des älteren Kommissars weiterhelfen, er wird von Erwin Scherschel gespielt, der unter anderem im allerersten XY-Fall (Grünes Minikleid) ebenfalls einen Kommissar spielte. Bin aber zuversichtlich, noch ein paar andere Informationen aufzuspüren. Demnächst mehr, und dir und allen anderen vielen Dank für die netten Worte!
Oma grüßt


Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

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