#1

Mordserie des jugoslawischen Geheimdienstes

in Filmfälle 15.10.2014 18:20
von der_kommissar • 69 Beiträge

Der Bayerische Rundfunk strahlt heute Abend eine Doku über eine Mordserie, die in Deutschland zwischen 1968 und 1989 gelaufen ist. Angeblich wurden 29 Menschen im Auftrag des jugoslawischen Geheimdienstes ermordet. Ob da auch Fälle aus XY dabei sind?
Hier der Text vom BR:

Es schien eine rätselhafte Mordserie: Der frühere jugoslawische Geheimdienst liquidierte mindestens 29 Exilkroaten in der Bundesrepublik zwischen 1967 und 1989. Josip Perkovic und Zdravko Mustac, zwei mutmaßliche Drahtzieher, müssen sich ab 17. Oktober vor dem Oberlandesgericht (OLG) München verantworten.
Viele kroatische Oppositionelle gegen die Regierung von Josip Broz Tito lebten damals im Ausland, München war ein Zentrum des Exil-Widerstands. Der jugoslawische Geheimdienst wollte die Dissidenten mundtot machen - deshalb ließ er viele von ihnen durch Killer ermorden. So wurde 1983 im oberbayerischen Wolfratshausen Stjepan Djurekovic auf brutale Weise getötet. Rund 31 Jahre nach dem Mord an dem Kroaten beginnt in diesem Herbst der Prozess vor dem OLG gegen die mutmaßlichen Auftraggeber: Josip Perkovic und Zdravko Mustac.

Bundesregierung wusste Bescheid

Die blutige Mordserie war nur scheinbar rätselhaft. Die Bundesregierung wusste spätestens seit Ende der 1970er-Jahre Bescheid, intervenierte aber nicht offen bei der jugoslawischen Regierung. Das ergaben gemeinsame Recherchen der BR-Redaktion "Kontrovers" und der Deutschen Welle. Aber auch im später unabhängig gewordenen Kroatien blieben die mutmaßlichen Hintermänner unbehelligt.

"Mord in Titos Namen - Geheime Killerkommandos in Deutschland": Die exklusiven Recherchen von "Kontrovers" und Deutscher Welle werden am 15. Oktober um 21.00 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt.

Quelle: Bayerischer Rundfunk

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#2

RE: Mordserie des jugoslawischen Geheimdienstes

in Filmfälle 16.10.2014 07:15
von Ede-Fan • 588 Beiträge

Vielleicht gehört der Mordfall Georg K. (FF1 vom 16.08.1974) dazu. Das Opfer ist ein Exil-Jugoslave, der (1974) bereits 25 Jahre in der BR Deutschland lebt und mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Als Bauunternehmer beschäftigt er laut FF hauptsächlich Jugoslaven, die z.B. Weihnachten Urlaub in der Heimat machen. Die überfrankierten Droh-/Erpresserbriefe, die das Opfer erhielt, sind aus einer jugoslavischen Zeitung ausgeschnitten und es wird auf eine jugoslavische Untergrundorganisation hingewiesen. Die Polizei hat aber eine Verbindung ausgeschlossen.


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#3

RE: Mordserie des jugoslawischen Geheimdienstes

in Filmfälle 31.10.2014 14:26
von Heimo • 1.278 Beiträge

Hallo,

ich habe eine Liste gefunden, auf der die Opfernamen enthalten sind. http://www.cwc-hsk.de/sites/default/file...eimdienstes.pdf

Demnach scheidet der Fall Georg K. aus; denn er wurde 1973 umgebracht. Auf der Liste ist ein Kokic, der aber 1968 getötet wurde. Auf der Liste ist aber auch ein H. Ursa. Der Mord wurde als Studiofall am 25.10.1968 behandelt, wie ich meiner mal angefangenen Studiofall Netakte entnehmen kann. Dort hatte ich unter Bemerkungen notiert, dass es sich bei ihm um einen politisch motivierten Mord handeln könnte. Das Opfer sei Kroate. Hier, so nehme ich an, liegt eine Übereinstimmung vor. Weitere Namen der Liste kamen mir nicht bekannt vor - zumindest nicht in Bezug auf Filmfälle.


zuletzt bearbeitet 31.10.2014 14:31 | nach oben springen

#4

RE: Mordserie des jugoslawischen Geheimdienstes

in Filmfälle 01.11.2014 15:36
von Ede-Fan • 588 Beiträge

Hallo Heimo,

vielen Dank für die Liste. Auch wenn es juristisch nicht abgesichert ist, daß diese Liste korrekt ist, so scheint die Vermutung, daß der Fall Georg K. dazugehört, nun doch abwegig zu sein.
Der Fall ist mir halt nur spontan eingefallen, weil das Opfer ein Geheimnis mit sich herumträgt, das einen Mord mit diesen Begleitumständen (Drohbriefe, jugoslawische Untergrundorganisation, ...) hervorruft. Allerdings war mir auch nicht bekannt, ob das Opfer nun Exilkroate war, oder einer anderen Bevölkerungsgruppe des gescheiterten Vielvölkerstaates angehörte.


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#5

RE: Mordserie des jugoslawischen Geheimdienstes

in Filmfälle 03.08.2016 10:31
von vorsichtfalle • 667 Beiträge

http://www.br.de/nachrichten/perkovic-pr...urteil-100.html


Urteil im Perkovic-Prozess

Richter entscheiden auf lebenslang

Das Münchner Oberlandesgericht hat die beiden angeklagten Ex-Geheimdienstoffiziere Zdravko Mustac und Josip Perkovic zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie seien mitschuldig am Tod eines kroatischen Dissidenten im Juli 1983.



Stand: 03.08.2016

Das Gericht hatte nicht viele Möglichkeiten: Es galt zu entscheiden zwischen schuldig oder nicht, zwischen lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Mordes oder aber Freispruch. Der Vorsitzende Richter Manfred Dauster folgte dem Antrag der Bundesanwaltschaft. Sie hatte auf lebenslang plädiert. Auch Dauster sah es als erwiesen an, dass die ehemaligen jugoslawischen Geheimdienstoffiziere Zdravko Mustac und Josip Perkovic mitverantworlich sind für den gewaltsamen Tod des kroatischen Regimegegners Stjepan Durekovic im Juli 1983 in Wolfratshausen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ein Urteil ohne handfeste Beweise


Den Mord an Durekovic sollen sie zwar nicht selbst ausgeführt, wohl aber beide bewusst angeordnet haben. Handfeste Beweise dafür gibt es nicht, wohl aber ein reichhaltiges Mosaik aus den Aussagen von Zeugen, die im Laufe der 21 Monate währenden Beweisaufnahme gehört wurden, und einem riesigen Stapel von Akten, die Anklage und Verteidigung allerdings teilweise völlig unterschiedlich interpretieren.

Die Angeklagten selbst schwiegen während des gesamten Verfahrens. Erst am letzten Verhandlungstag nutzten sie die Gelegenheit zu kurzen Schlussworten. Der 71-jährige Josip Perkovic beschwerte sich über seine Haftbedingungen in den letzten Wochen, sein drei Jahre älterer einstiger Vorgesetzter Zdravko Mustac über Probleme beim Kontakt mit seiner Familie.

Angeklagter spricht von "fairem Prozess"



Bemerkenswert immerhin, dass Mustac den gesamten Prozess als ausgesprochen fair bewertete – ganz im Unterschied zu einigen Verteidigern, die in ihren Plädoyers kein gutes Haar an der Verhandlungsführung ließen und der Bundesanwaltschaft vorwarfen, wichtige Akten bewusst zurückzuhalten. Ein Vorwurf, dem Oberstaatsanwalt Lienhard Weiß energisch widerspricht.

"Die Bundesanwaltschaft hat in diesem wie in jedem Verfahren streng nach Recht und Gesetz agiert. Es gab überhaupt keinen Anlass hier für Verschwörungstheorien. Es hat auch überhaupt keinen Grund gegeben, irgendwelches Beweismaterial vorzuenthalten."

Ein Mordfall, der 33 Jahre zurückliegt. Die mutmaßlichen Täter und Hintermänner alle irgendwie verstrickt in Geheimdienst-Aktivitäten. Selbst um das Opfer ranken sich bis heute Verschwörungstheorien. Stjepan Djurekovic soll für den BND gearbeitet haben. Doch dieser Aspekt sei im ganzen Prozess nur am Rande zur Sprache gekommen, beklagt Peter Wagner, der Pflichtverteidiger von Josip Perkovic. Wagner bezweifelt, dass sein Mandant den Gerichtssaal nach dem Urteilsspruch als freier Mann wird verlassen können.

"Wenn es jetzt nicht gelungen ist den Verteidigern, durch die teilweise sehr detaillierten Plädoyers und durch die vielen Fakten aufzuzeigen, dass die Argumente für sich betrachtet jedes widerlegt wurde, dann wird, fürchte ich, kein erfreuliches Urteil herauskommen."

Der Prozess gegen Mustac und Perkovic war überhaupt erst möglich geworden, als Kroatien die beiden Angeklagten nach jahrzehntelangem Tauziehen auf Druck der EU Anfang 2014 endlich auslieferte. Kurz zuvor hatte die damalige sozialistische Regierung in Zagreb noch mit einem eigens verabschiedeten Gesetz, von Spöttern „Lex Perkovic“ genannt, versucht, die Überstellung nach Deutschland zu verhindern.

Das zeigt, wie groß der Einfluss der alten Seilschaften auf die heutige Politik in dem Balkanstaat immer noch ist. Sowohl Mustac als auch Perkovic verfügten bis zu ihrer Auslieferung über beste Beziehungen in den staatlichen Machtapparat Kroatiens.

Immerhin waren die kroatischen Archive aber diesmal offenbar zu größerer Kooperation bereit als vor acht Jahren. Damals wurde der Mordfall Djurekovic schon einmal vor dem Münchner Oberlandesgericht verhandelt. Angeklagt war ein Mittelsmann, der die Tat ganz konkret vorbereitet hatte. 2008 wurde er dafür zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.



Jörg Paas, Redakteur in der Redaktion Politik und Hintergrund | Bild: BR, Wolfgang Vichtl Jörg Paas


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