#1

3.12.1976 FF1 (Kripo Nürnberg) Mordfall Harald Schestak

in Filmfälle 23.09.2013 15:35
von mimu • 6 Beiträge

Dieser Filmfall war für mich mit 6 Jahren DAS Kindheitstrauma schlechthin. Der schwarze Arm im Heu hatte mir damals viele schlaflose Nächte bereitet. Ich weiß noch wie ich abends nach der Sendung zitternd unter der Dusche saß weil ich die schrecklichen Bilder im Kopf hatte. Es ist unglaublich wie klar mir der Film noch im Detail im Kopf war, jetzt wo man ihn bei einem Videoportal youtube wiedersehen kann.

Erst 2004 wurde der Fall aufgeklärt. Der Kommissar in den ZR, der diesen Fall damals bearbeitete wirkte zuversichtlich, meine Mutter erzählte mir das damals, die ZR hatte ich nicht mehr gesehen. Aber leider wurde der Fall erst nach dem Tod des Täters geklärt als seine ehemalige Freundin zur Polizei ging.

Ich fand die alte Bäuerin, die die Schreie des 9-jährigen Jungen ignorierte echt beknackt ! Es klingt ja mit Sicherheit anders wenn ein Kind in Todesangst schreit als wie es bei einem Familienzwist klingt.

Wer hat an diesen Fall noch Erinnerungen von damals ?

LG
mimu


zuletzt bearbeitet 04.12.2013 19:31 | nach oben springen

#2

RE: XY vom 3.12.1976 FF1 (Kripo Nürnberg) Mordfall Harald Schestak

in Filmfälle 23.09.2013 17:38
von XYAkten • 35 Beiträge

Es gibt ihn auch in besserer Qualität:


Diese Plastikschale meine Damen und Herren, habe ich, als ich sie zum ersten Mal sah zunächst für ein Küchengerät gehalten.
(Eduard Zimmermann, Sendung 276 vom 02.06.1995)

zuletzt bearbeitet 27.09.2013 14:14 | nach oben springen

#3

RE: XY vom 3.12.1976 FF1 (Kripo Nürnberg) Mordfall Harald Schestak

in Filmfälle 23.09.2013 17:58
von XYAkten • 35 Beiträge

Hier der zugehörige Hörzu-Artikel (Nr. 45):


Diese Plastikschale meine Damen und Herren, habe ich, als ich sie zum ersten Mal sah zunächst für ein Küchengerät gehalten.
(Eduard Zimmermann, Sendung 276 vom 02.06.1995)

zuletzt bearbeitet 23.09.2013 17:59 | nach oben springen

#4

RE: XY vom 3.12.1976 FF1 (Kripo Nürnberg) Mordfall Harald Schestak

in Filmfälle 23.09.2013 18:40
von mimu • 6 Beiträge

Danke für die bessere Qualität. Die komplette Folge war früher auch in besserer Qualität in youtube, aber dieser Kanal wurde wegen Urheberrechtsverletzungen leider geschlossen. Dort waren auch die ZR zu sehen. Dadurch fiel mir das wieder ein wie meine Mutter damals sagte, dass der Kommissar zuversichtlich war den Mörder zu schnappen.

Danke auch für den Hörzu-Bericht.


zuletzt bearbeitet 23.09.2013 18:44 | nach oben springen

#5

RE: XY vom 3.12.1976 FF1 (Kripo Nürnberg) Mordfall Harald Schestak

in Filmfälle 26.09.2013 16:26
von Hasenqnui • 2 Beiträge

Hallo mimu,
du sprichst mir aus der Seele! Auch ich habe den Mordfall `Harald Schestak` aus der Sendung vom 03.12.1976 noch gut in Erinnerung. Damals (mehr) wie heute, immer noch ein gewisses Unbehagen beim Betrachten des Filmfall. Angefangen mit den hilfesuchenden Rufen des Jungen bis zum grausamen Fund im Heu. Wobei ich mich allerdings heute frage, warum der Arm im Heu schwarz war?!

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#6

RE: XY vom 3.12.1976 FF1 (Kripo Nürnberg) Mordfall Harald Schestak

in Filmfälle 29.09.2013 22:59
von mimu • 6 Beiträge

Hallo Hasenqnui,

danke für Deine Anmerkung. Ich vermute, dass der Arm irgendwie ausgetrocknet war, also sozusagen mumifiziert, warum auch immer. Wäre er verwest gewesen hätte man ja nur noch den Knochen gesehen.

In Bödefeld im Hochsauerlandkreis gibt es eine Kirche, dort ist eine mumifizierte Kinderhand hinter einer Glaswand ausgestellt. Auch diese Hand ist schwarz, sieht aus wie Holz. Es ranken viele Legenden um diese Hand, z. B., dass ein Kind ungehorsam war und die Hand immer wieder aus dem Grab herauswuchs, das ist nur eine Variante. Es wird aber wohl so gewesen sein, dass im Mittelalter ein Mörder vor Gericht in "Anwesenheit" der Leiche überführt werden sollte, später soll man nur noch die Hand vor Gericht gebracht haben um die Angehörigen nicht zu schocken.

Ich wohnte früher in Olpe, der Hochsauerlandkreis war unser Nachbarkreis, deswegen kannte ich als Kind schon diese Kirche mit der schwarzen Hand von Bödefeld. Ich hatte schreckliche Angst und Alpträume als ich mit meinen Eltern dort war. Vielleicht oder sogar bestimmt hat mich dadurch dieser Filmfall um so mehr geschockt. Noch heute kann man die schwarze Hand von Bödefeld in der dortigen Kirche sehen.

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#7

RE: XY vom 3.12.1976 FF1 (Kripo Nürnberg) Mordfall Harald Schestak

in Filmfälle 29.04.2016 08:32
von llork • 1 Beitrag

Hallo,

ich bin zufällig auf dieses Forum gesteoßen, da mein Sohn nach dem Fall gefragt hat. Ich komme aus dem Dorf bei dem der Junge damals gefunden wurde. Die Frau die den Arm damals beim Heumachen gefunden hat, ist meine Nachbarin.

Ich war damals acht Jahre alt und mich hat die Sache sehr mit genommen. Wir - meine Schwester und ich - wurden damals umgehend nach dem Fund und dem Rummel in unserem kleinen Dorf zu Verwandten ins Schwäbische "verbracht". Das war wohl auch sinnvoll. Auch heute denke ich immer wieder an den Fall, da ich an der Fundstelle nahezu täglich vorbei komme.

Grüße
llork

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#8

RE: XY vom 3.12.1976 FF1 (Kripo Nürnberg) Mordfall Harald Schestak

in Filmfälle 07.05.2020 18:56
von Metropolis 1971 • 31 Beiträge

Hier ein Artikel aus dem Spiegel aus dem Jahr 2004

EINE MELDUNG UND IHRE GESCHICHTE
Schuld ohne Sühne
Wie die Polizei einem Toten dessen Geheimnis entriss
Von Hauke Goos
28.06.2004

Der Tag, an dem der neunjährige Harald seinen Mörder traf, war ein warmer, sonniger Frühlingstag im Mai 1976. Die Nürnberger genossen den verkaufsoffenen Samstag, im Frankenstadion spielte der 1. FCN gegen Schweinfurt 05, in Stein, einer Stadt bei Nürnberg, freuten sich Motorsportfans auf die Metz-Rallye, eine Rennveranstaltung von internationalem Ruf. Harald, jüngstes von drei Geschwistern, durfte zuschauen. Er sieht älter aus als neun, seine Eltern wussten, dass sie sich auf ihn verlassen können.

Harald trägt an diesem Tag eine kurze Lederhose, einen ärmellosen Pulli und braune Sandalen. Am Nachmittag war er kurz zu Hause gewesen, hatte seine Mutter um Geld gebeten für ein Eis. Gegen 19 Uhr wird er das letzte Mal gesehen.
Als Harald am Abend noch immer nicht aufgetaucht ist, macht sich sein Vater auf die Suche, zusammen mit Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr. Am Montag kommt der Fall des vermissten Kindes zu Horst Elbacher, einem jungen Beamten bei der Mordkommission.

Der 36-Jährige ist zuversichtlich, es gibt eine viel versprechende Spur: Ein Junge, der mit Harald dieselbe Schule besucht, hat der Polizei erzählt, er habe beobachtet, wie Harald am Rand der Rallye in ein rotes Auto eingestiegen sei.

Elbacher schreibt alle deutschen Sportfotografen an und bittet um die Fotos und Negative, die sie an jenem Rallye-Wochenende gemacht haben. Tatsächlich ist Harald auf einem Bild zu sehen: Er steht in der Nähe einer Pfütze, durch die gerade ein Wagen rast. Aber es gibt keine Spur, die zu dem Unbekannten mit dem roten Auto führt.

Schließlich gibt der Schulkamerad zu, alles erfunden zu haben. So verlieren sie vier wertvolle Wochen.

Ende Juli, beinahe drei Monate nach seinem Verschwinden, wird Haralds Leiche in einem Roggenfeld gefunden, rund zehn Kilometer vom Haus seiner Eltern entfernt. Sie ist so stark skelettiert, dass selbst der Gerichtsmediziner nicht mehr sagen kann, wie er zu Tode kam.

Die Polizei lässt Flugblätter drucken. Das Foto zeigt einen Jungen mit einer Zahnlücke, der ein gestreiftes Hemd mit riesigem Kragen trägt. Harald versucht ein Lächeln für den Fotografen, ein aufgewecktes, selbstbewusstes Kind. Bis heute weiß niemand, wo er seinem Mörder begegnete.

Als Erste meldet sich eine Bauersfrau, die in der Nähe des Fundorts wohnt: Sie habe am 8. Mai, abends in der Zeit der Dämmerung, gehört, wie ein Kind laut "Mama" gerufen habe. Kurz sei eine Autotür zugeworfen worden.

Wenig später beschreiben Zeugen einen jungen Mann, der an jenem Abend in einer Gastwirtschaft ganz in der Nähe aufgefallen war, weil er mehrere Tassen Kaffee trank, mit den Fingern trommelte, an den Nägeln kaute und sich erschrocken umdrehte, wenn die Tür aufging. Die Polizei zeigt ihnen die Lichtbilddatei, hofft, dass der nervöse junge Mann vielleicht vorbestraft ist. Vergebens. Er bleibt der Verdächtige Nummer eins, viele Jahre lang, ein Phantom.

Am Tag, als sich der Mord zum ersten Mal jährt, fährt Elbacher zu jenem Waldstück, wo die Leiche gefunden wurde. Vielleicht, denkt er, kehrt der Mörder noch einmal an den Tatort zurück. Elbacher bleibt allein.

Nach drei Jahren schreibt er seinen Bericht für den Staatsanwalt. Sie haben 1239 Einzelspuren gesammelt, 30 Aktenordner voll. Elbacher empfindet jeden ungelösten Fall als Niederlage. Er hat selbst einen kleinen Sohn. Manchmal träumt er von Harald.

Schließlich hilft der Zufall. Im Sommer 2003 erstattet eine Frau Anzeige wegen Kindesmissbrauchs. Bei dieser Gelegenheit erzählt sie den Beamten, dass sie vor vielen Jahren mit einem Mann befreundet gewesen sei, der ihr eines Tages gestanden habe, einen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Er habe sein Opfer "mundtot" gemacht, als es um Hilfe gerufen habe.

Endlich hat die Polizei einen Namen: Erwin T., damals ein Student mit pädophilen Neigungen, der immer wieder Jungen zu sich nach Hause bestellt hatte, um ihnen Nachhilfe zu geben. Im Mai 1976 hatte er seine Mutter um 20 000 Mark gebeten, er müsse überraschend ins Ausland.

Die Polizei bittet die Eltern von Erwin T. um ein Foto und legt es einem der Zeugen aus der Gastwirtschaft vor, der damals den nervösen jungen Mann beschrieben hatte. Die Beamten haben eine Reihe von Indizien, aber sie brauchen Gewissheit. Der Zeuge erkennt Erwin T. sofort wieder. Jetzt ist die Polizei sich sicher: Haralds Mörder ist gefunden, 28 Jahre nach der Tat.

Haralds Eltern sind erleichtert: Es war kein Nachbar, kein Bekannter. Quälender noch als die Ungewissheit erschien ihnen die Vorstellung, sie könnten all die Jahre neben Haralds Mörder gelebt haben.

Elbacher ist inzwischen pensioniert, ehemalige Kollegen riefen ihn an. "Haben wir damals was verpennt?", fragt er sich immer wieder. "Es gab den Mörder ja. In unserer Stadt. Warum sind wir nicht draufgekommen? Was haben wir versäumt?"

Für Horst Elbacher bleibt eine "Teilunzufriedenheit", das Gefühl, trotz allem zu spät gekommen zu sein. Erwin T. starb vor vier Jahren, 47 Jahre alt, an Krebs. Die Schwestern auf der Pflegestation hatten bis zuletzt den Eindruck, dass ihn etwas bedrückte. Ihm blieb die Gewissheit, sein Geheimnis bewahrt zu haben.

Hier nochmal der Link, falls sich jemand den Artikel als pdf runterladen möchte.
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31329804.html

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