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7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity "Toller Bomberg" (Mordfall Vesna Nasteva)

in Studiofälle 01.02.2011 07:19
von bd-vogel • 570 Beiträge
Dieses Review sei Lotty gewidmet, dem mir seit Sommer 2010 liebsten aller aktuell existierenden XY-Hunde: I miss you, and see you in Eckernförde 2011!

EISENBAHNMORDE BEI XY: Folge 1
“Toller Bomberg“ – Mord im Intercity

Tatzeit: 1.11.1980, gegen 22.15 Uhr
Tatort: InterCity 620 auf der Fahrt nahe Düsseldorf Hbf
Zuständig: Kriminalpolizei Düsseldorf
XY-Ausstrahlung: 7.11.1980 Fall 9 (= Studiofall 6)
Status: ungeklärt (per 1.2.2011)


Seit es die Eisenbahn gibt (inzwischen ist das schon mehr als 175 Jahre her), gibt es auch „Eisenbahnmorde“ – Morde im fahrenden Zug, Morde an der Bahnstrecke (etwa durch Attentate auf die Gleise oder Überfälle auf stehende Züge), und die „Koffermorde“, also per Bahnfracht oder in Gepäckablagen der Abteile entsorgte Leichen in Koffern oder Reisetaschen. Letzteres ist scheint immer noch „modern“ zu sein, wie 7.12.2001 FF1 (Nürnberg) Leiche im Koffer beweist.

Aber auch Morde im fahrenden Zug beschäftigten immer wieder die Fahnder bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“: Dank Kurt Grimms herausragender Verfilmung, die sowohl szenisch als auch technisch wohl zu den besten jemals für XY gedrehten Filmen zählt, ist allen voran der Mord an Elena di Bez im „Jugoslawien-Expreß“ (12.9.1969 FF1, Landesgendarmeriekommando Kärnten) zur Legende geworden. Aber auch der unheimliche Tod des wochenendheimfahrenden Bundeswehroffiziers Hans-Heiko Wolters im Abendschnellzug nach Bremen (3.3.1972 FF1, Kripo Bremerhaven) und die brutale Tat im „Sachsenzug“ (16.1.1998 FF3 (Chemnitz) gehören in diese Kategorie.

Die besonderen Herausforderungen für die Ermittler bei solchen Fällen faßte Eduard Zimmermann 1971 (in seiner Anmoderation des Falls Wolters) in der ihm eigenen trockenen Art so zusammen: „Besonders schwierig werden die Ermitlungen immer dann, wenn der Tatort sich fortbewegt, also beispielsweise ein Schiff oder ein Eisenbahnwagen“.
(Ein genialer Satz für’s XY-Poesiealbum!)

Dieser Schwierigkeit sahen sich auch 1980 die Ermittler in einem Mordfall gegenüber, der als „Intercity-Mord“ bundesweit Schlagzeilen machte. Bei XY wurde er „nur“ als Studiofall behandelt – die Umstände freilich hätten, denke ich (zumal wenn man sich Wolfgang Grönebaum als Sprecher der Texte zu den Szenen des Falls vorstellt) alles Zeug dazu gehabt, bei Verfilmung zu einem weiteren Grimm-Eisenbahnklassiker zu werden.

Denn die Dynamik des Geschehens ist mehr als gruselig. Und noch dazu gibt es eine quasi jahrhundertübergreifende Parallele – nämlich die Notbremse....

Der Fall
Man denke sich Wolfgang Grönebaum als Sprecher.

I.
Am Samstag, der 1. November 1980, geht es in der Münchner Innenstadt ruhiger zu als sonst: Wegen des Feiertags Allerheiligen bleiben die Geschäfte geschlossen. Am Hauptbahnhof hingegen herrscht wie an jedem Tag ein buntes Treiben. Gegen 15 Uhr wird dort ein InterCity mit dem Fahrziel Münster in Westfalen am Bahnsteig bereitgestellt: Der Zug mit der Nummer 620 trägt den Namen „Toller Bomberg“. Im Faltbaltt „Ihr Zug-Begleiter“, das in den Abteilen ausliegt, können die Fahrgäste näheres über den Namensgeber des Zuges erfahren.

Gisbert Freiherr von Romberg (1839-1897) entstammte einer der ältesten und reichsten westfälischen Adelsfamilien mit Sitz auf Schloß Buldern bei Dülmen und hatte schon zu Lebzeiten als Salonlöwe und gelegentlich auch als Trunkenbold für überregionales Aufsehen gesorgt. 1923 nahm ihn der Schriftsteller Josef Winckler zum Vorbild seines populären Romans „Der tolle Bomberg“, der 1957 mit dem „blauen Hans“ Albers in der Hauptrolle auch in die Kinos kam.

Viele der bis heute populären Geschichten rund um das westfälische Original sind erfunden – historisch verbürgt ist jedoch, daß der Freiherr sich bei seinen Bahnfahrten aus Berlin zurück in die westfälische Heimat stets darüber ärgerte, daß es in Buldern kurz vor Dülmen keinen Bahnhof gab, obwohl die Bahnstrecke recht nah am Schloß vorbeiführte. Deswegen pflegte er jedesmal, kurz bevor der Zug den Vorort passierte, die Notbremse zu ziehen, um dann auszusteigen und bequem zu Fuß in sein nahegelegenes Schloß zu gelangen. Die fällige Strafgebühr für den Mißbrauch der Notbremse hielt er dabei stets lächelnd bereit.

Die Reichsbahndirektion hatte schließlich ein Einsehen und eröffnete einen neuen Bahnhof in Buldern, der noch heute (2011) besteht. Und ein knappes Jahrhundert später, Anfang der Siebziger Jahre, griff die Deutsche Bundesbahn die Figur des „Tollen Bomberg“ auf und benannte einen ihrer nach Münster führenden Schnellzüge nach ihm. Im Herbst 1980 ist das der InterCity 620, der täglich um 15.15 Uhr in München zur Abfahrt bereitsteht. So auch an diesem Samstag, dem 1. November 1980.

Pünktlich um viertel nach drei setzt sich der Zug in Bewegung.

II.

Knapp 200 Kilometer entfernt in Nürnberg macht sich an diesem Nachmittag die 28jährige Vesna Nasteva auf den Weg zum dortigen Hauptbahnhof.

Die junge Frau stammt aus Sofia und hat in der bulgarischen Hauptstadt ein Studium der Chemie mit Auszeichnung abgeschlossen. Über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der auch in Zeiten des „Kalten Krieges“ rege Kontakte zu Universitäten jenseits des „Eisernen Vorhangs“ pflegt, ist die junge Frau im März 1980 als Stipendiatin in die Bundesrepublik gekommen. Seit dem 1. April arbeitet sie am international renommierten Max-Planck-Institut für Kohleforschung in Mülheim an der Ruhr. Dort schätzt man neben ihrer herausragenden fachlichen Qualifikation auch ihr offenes und freundliches Wesen, mit dem sie bei ihren Kollegen schon in kurzer Zeit sehr beliebt geworden ist..

Ihre beiden kleinen Kinder sind derweil bei ihrer Familie in Sofia geblieben. Sie werden ihre Mutter nicht mehr wiedersehen.

Am 30. und 31. Oktober hat Vesna Nasteva im Auftrag des Mülheimer Max-Planck-Instituts in Nürnberg an einem fachwissenschaftlichen Symposium teilgenommen. Den anschließenden Vormittag des 1. November nutzt sie noch zu einem Stadtbummel durch die spätmittelalterliche Reichsstadt, die sich inzwischen von den schweren Kriegsschäden weitgehend erholt hat. Am späten Nachmittag steht die junge Frau dann pünktlich am Bahnsteig 7, um mit dem InterCity 620 „Toller Bomberg“ zurück ins Ruhrgebiet zu fahren.

Um 16.55 Uhr rollt der Zug in Nürnberg Hauptbahnhof ein.Wie jeder InterCity-Zug, so besteht auch der „Tolle Bomberg“ aus zwei Teilen: Einem längeren Teil mit Abteil- und Großraumwagen Zweiter Klasse, und einem kürzeren mit ebensolchen Wagen Erster Klasse; dazwischen läuft der Speisewagen. Die zweite Klasse befindet sich bei der Einfahrt des „Tollen Bomberg“ in Nürnberg im vorderen Zugteil, doch da der Zug über Augsburg gekommen ist, wird in Nürnberg Hbf „Kopf gemacht“: der Zug wird nach einem Lokwechsel in entgegengesetzter Richtung ausfahren. Vesna Nasteva steigt in den ersten Wagen hinter der einfahrenden Lokomotive ein, also den letzten Wagen des abfahrenden Zuges, einen Abteilwagen zweiter Klasse, und findet dort Platz. Der Zug ist an diesem Tag nur mäßig besetzt.

Ob sich zu diesem Zeitpunkt bereits ihr Mörder im Zug befindet, ist bis heute eine offene Frage. Fest steht allerdings: Hier in Nürnberg beginnt für die junge Frau eine Reise in den Tod.

Der „Tolle Bomberg“ ist an diesem Samstag in Nürnberg Hbf um 17.01 Uhr planmäßig weitergefahren. Zweieinhalb Stunden später hat er nach einem Halt in Würzburg über die Main-Spessart-Bahn Frankfurt erreicht, von wo ihn sein Weg über Wiesbaden, Koblenz, Bonn und Köln weiter ins Ruhrgebiet führen wird.

Im Frankfurter Kopfbahnhof wechselt der Zug dabei erneut die Fahrtrichtung. Die Wagen Zweiter Klasse befinden sich jetzt wieder im vorderen Zugteil, Vesna Nasteva sitzt also im ersten Wagen des Zuges.

Aber schon bei der nächsten Station, Wiesbaden Hauptbahnhof, wechselt der Zug zum dritten Mal die Fahrtrichtung - jetzt sitzt die junge Bulgarin wieder am Schluß des Zuges, im letzten Wagen des IC "Toller Bomberg". Sie hat noch knappe zweieinhalb Stunden Fahrt vor sich. Draußen ist es inzwischen längst dunkel geworden.

III.

Als der InterCity 620 an diesem Abend planmäßig um 22.02 Uhr den Kölner Hauptbahnhof verläßt, sitzt Vesna Nasteva allein in ihrem Abteil im letzten Wagen des „Tollen Bomberg“. Um 22:25 Uhr soll der Zug seinen nächsten Halt Düsseldorf Hauptbahnhof erreichen.

Einige Abteile weiter im letzten Wagen freut sich zur selben Zeit ein 33jähriger Mann aus dem Münsterland auf sein Wochenende – er ahnt zu diesem Zeitpunkt nicht, daß er schon wenige Minuten später zum Augenzeugen eines brutalen Verbrechens werden wird. Der Sonderschullehrer gilt bei seinen Kollegen und Bekannten als besonders gewissenhaft und penibel. Deswegen wird er später für die Kriminalpolizei zu einem wichtigen Zeugen.

Gegen zwanzig nach zehn, es ist kurz vor Düsseldorf, hört der Lehrer unvermittelt ein furchtbares schmerzerfülltes Stöhnen, das offenbar aus einem der Nachbarabteile kommt. Er beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen, und sieht sich dabei nur einige Abteiltüren weiter unvermittelt mit einer grauenhaften Szene konfrontiert: Eine ganz in schwarz gekleidete Gestalt kniet über einer bereits aus mehreren Wunden blutenden Frau und sticht wie wahnsinnig weiter auf sein Opfer ein.

Dem Lehrer entfährt ein Schrei, und der Täter wendet sich um, das blutverschmierte Messer noch immer in seiner Faust. Für eine Sekunde stehen er und der Zeuge sich Aug in Aug gegenüber. Noch bevor der Lehrer darauf reagieren kann, zieht der Unbekannte die Notbremse über der Abteiltür und stürzt an seinem überrumpelten „Entdecker“ vorbei in den Gang. In Höhe des S-Bahnhofs Düsseldorf-Reisholz (zwischen Düsseldorf-Benrath und Düsseldorf Hbf gelegen) kommt der Zug mit kreischenden Bremsen zum Stehen. Da ist der Unbekannte auch schon aus der Waggontür gesprungen. Er verschwindet im Dunkel der Nacht.

Über die Zugleitung alarmiert, sind schon nach wenigen Minuten Rettungskräfte und ein Notarzt zur Stelle. Die blutüberströmte junge Frau im Abteil ist Vesna Nasteva. Der Täter hat ihr 21 tiefe Messerstiche versetzt, vor allem im Brustbereich. Mit Blaulicht wird sie ins Düsseldorfer Universitätsklinikum gefahren. Dort kann die lebensgefährlich Verletzte mit wenigen Worten ihren Helfern noch von der Tat berichten: Ein ihr unbekannter Mann sei kurz vor Düsseldorf in ihr Abteil gekommen, so gibt sie ihren Begleitern zu verstehn, habe sich hingesetzt und sei dann unvermittelt mit einem Messer in der Hand über sie hergefallen.

Während die junge Bulgarin im Klinikum Düsseldorf um ihr Leben ringt, gibt der geschockte Lehrer den Beamten eine erste Beschreibung des Täters, dem er für eine Sekunde ins Auge sah: Ein junger Mann, etwa. 20 bis 25 Jahre alt, etwa 175cm groß, bekleidet mit einem Blouson aus schwarzem Nappaleder und schwarzen Handschuhen. Nackenlange dunkle, leicht fettige Haare habe er gehabt, und eine Brille mit Metallfassung getragen. Das Tatmesser habe eine feststehende Klinge gehabt, ähnlich wie bei einem Stilett.

Der „Tatort“ hat sich inzwischen fortbewegt: Der InterCity 620 steht jetzt im Düsseldorfer Hauptbahnhof. Dort koppelt man den Abteilwagen zweiter Klasse am Schluß des Zuges, in dem das Verbrechen geschehen ist, ab und überläßt ihn der Spurensicherung. Der restliche Zug aber setzt schließlich seine Fahrt nach Münster fort, ohne daß alle Reisenden im Zug befragt oder zumindest erfaßt worden sind. So muß die Kriminalpolizei später mühsam, und naturgemäß mit begrenztem Erfolg, nach Reisenden suchen, die an jenem Abend im „Tollen Bomberg“ unterwegs waren – denn jeder von ihnen könnte ein wertvoller Zeuge sein.

Kriminaloberrat Arnim Mätzler gibt mithilfe der Beschreibung, die ihm der Augenzeuge von dem Unbekannten geliefert hat, nach Mitternacht die ersten Fahndungsfragen an Presse und Rundfunk: Wer hat den Täter zusteigen sehen oder im Zug sitzen gesehen? Wer hat Beobachtungen am Ort der Notbremsung gemacht?

Kurz nach 1 Uhr trifft ein Anruf aus dem Düsseldorfer Universitätsklinikum ein. Dort war alle ärztliche Kunst vergebens: Vesna Nasteva ist tot.

IV.

In den folgenden Tagen wird die Fahndung nach dem InterCity-Mörder auf das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland ausgedehnt. Bald prangt überall das Phantombild, das die Ermittler nach der Beschreibung des Augenzeugen erstellt haben und auf dem der Gesuchte mit klassischem „Kassengestell“ dargestellt ist. Von Anfang an vermutet die Kripo, daß der Täter seine Flucht nach der Notbremsung im Bereich Düsseldorf-Reisholz per Anhalter oder mit einem Taxi fortgesetzt haben könnte.

Am kommenden Freitag, so wissen die Fahnder, steht die ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ auf dem Programm. Man kontaktiert die XY-Redaktion, und so wird der Mord im „Tollen Bomberg“ bereits sechs Tage nach der Tat bei XY behandelt.

Die Sendung

V.

Der Intercity-Mord kommt in der XY-Sendung vom 7. November 1980 ganz am Ende zur Sprache, als Eduard Zimmermann bereits die ersten Zuschauerreaktionen auf die zuvor behandelten Fälle aus dem Münchner, Wiener und Zürcher Aufnahmestudio abgefragt hat. Die Moderation der übrigen Studiofälle der Sendung hatte Irene Campregher übernommen – diesen letzten nun, den „Tollen Bomberg“, präsentiert Zimmermann selbst.

Die Dramatik der Ereignisse wird dabei für den Zuschauer nur ansatzweise erkennbar, als Ede das Geschehen in wenigen nüchternen Sätzen zusammenfaßt, während am Monitor das Farbfoto eines InterCity-Zuges eingeblendet ist.

Auch gibt man sich diesmal nicht mehr soviel Mühe wie einst beim „Jugoslawien-Expreß“-Fall (als eine Modelleisenbahn im Studio zur Anschauung diente) – Zimmermann sagt, das Opfer habe ab Nürnberg „in einem Zweiter-Klasse-Abteil des letzten Wagens“ gesessen. Daß dies von München bis Nürnberg und von Frankfurt bis Wiesbaden der erste Wagen hinter der Lok gewesen war, erfährt der Zuschauer aber nicht.

Auch wäre vielleicht eine Karte mit den Abfahrtszeiten des InterCity auf den Unterwegsbahnhöfen zwischen München und Düsseldorf hilfreich gewesen – denn irgendwo muß der auffällig gekleidete Mörder der jungen Frau ja zugestiegen sein.

Anhand des Phantombildes, das die Ermittler nach den Angaben des Lehrers erstellt haben, wird nach dem Verdächtigen gefahndet, der 20-25 Jahre alt und 1.70-1.75 Meter groß sein soll. Zimmermann weist darauf hin, der Gesuchte könne eventuell seine Flucht nach der Notbremsung in Düsseldorf-Süd per Anhalter fortgesetzt haben.

In der XY-Spätausgabe vom 7.11.1980 präsentiert dann Irene Campregher die bisher eingegangenen Zuschauerreaktionen. Zum Fall der getöteten Bulgarin seien verschiedene Hinweise eingegangen, der Mann auf dem Phantombild sei aber noch nicht identifiziert. Erneut werden alle Reisenden gebeten sich zu melden, die am Abend des 1.11.1980 mit dem InterCity „Toller Bomberg“ gefahren sind.
(Irene leistet sich dabei den charmanten Versprecher „Toller Bamberg(!)“ – wir sagen: vielen Dank, Frau Compregher(!) ).

Daß sich im Rahmen der Täterfahndung zu diesem Zeitpunkt die Ereignisse bereits überschlagen, scheinen weder Zimmermann noch Campregher zu ahnen, jedenfalls gibt es keinerlei Bemerkungen in diese Richtung. Vielleicht ist es aber auch so etwas wie kriminalistischer Instinkt, der Ede gerade an dieser Stelle keine aktuelle „Minutenmeldung“ bekanntgeben läßt...

Nach der Sendung

VI.

Während Millionen Zuschauer am Freitagabend des 7. November 1980 im ZDF die Ausstrahlung von „Aktenzeichen XY“ verfolgen, hat der Eilzug E 3111 auf seiner Fahrt von Frankfurt nach Nürnberg Aschaffenburg bereits hinter sich gelassen und die Spessartrampe erklommen. In einem der Waggons sitzt ein etwa 1.75 großer junger Mann mit nackenlangem schwarzen Haar, der eine schwarze Lederjacke und eine Brille mit Metallgestell trägt.

Der Mann verhält sich auffallend nervös, während der Zugbegleiter bei seiner Fahrkartenkontrolle immer näherrückt. Als ihn der Schaffner schließlich um die Fahrkarte bittet, stürzt der Mann, der offensichtlich keinen gültigen Fahrschein besitzt, an dem Beamten vorbei in den Korridor am Ende des Waggons und versucht dort, eine Tür des fahrenden Zuges zu öffnen, um abzuspringen. Zwei andere Fahrgäste reagieren am schnellsten und halten den Mann davon ab. Dieser jedoch zückt plötzlich ein Messer mit einer feststehenden Klinge und beginnt auf die beiden Passagiere einzustechen – letztlich ohne Erfolg. Zwar wird einer der beiden couragierten Fahrgäste leicht verletzt, doch gelingt es mit vereinten Kräften, den Messerstecher dingfest zu machen.

Um 21.18 Uhr erreicht der E 3111 den Bahnhof von Karlstadt am Main, etwa 25 Kilometer vor Würzburg. Dort wartet bereits die Bahnpolizei auf den renitenten Schwarzfahrer und bringt ihn zu einer ersten Vernehmung in den Karlstädter Polizeiposten. Einer der dort diensthabenden Beamten fährt beim Anblick des Mannes schlagartig zusammen: Er ist sich sicher, das Gesicht des Mannes noch vor wenigen Minuten im Fernsehen gesehen zu haben. Nämlich in der Sendung „Aktenzeichen XY“, als Phantombild des Mörders von Vesna Nasteva, die vor sechs Tagen dieselbe Bahnstrecke in umgekehrter Richtung an Bord des „Tollen Bomberg“ gereist war.

VII.

Rasch verständigen die Beamten in Karlstadt ihre Kollegen in Düsseldorf. Dort ist man verständlicherweise elektrisiert: Die Beschreibung des Mannes aus dem Eilzug weist in der Tat signifikante Ähnlichkeiten mit der Täterbeschreibung im InterCity-Mordfall auf. Während der in Karlstadt Festgenommene, ein Italiener namens Duilio S., nun ins Polizeipräsidium nach Würzburg gebracht wird, versuchen die Düsseldorfer Ermittler sofort, ihren wichtigsten Zeugen zu kontaktieren, der dem Intercity-Mörder ins Auge geblickt hatte. So schnell wie möglich wollen sie ihn dem in Karlstadt verhafteten Mann gegenüberstellen.

Doch der 33jährige Sonderschullehrer ist nicht zuhause an diesem Freitagabend, er ist über das Wochenende zu einem Jagdausflug ins Sauerland gefahren. Nach einigen Telefonaten machen ihn die Ermittler dort ausfindig und schicken einen Polizeihubschrauber, der den Zeugen aus dem „Tollen Bomberg“ direkt aus seinem Jagdrevier nach Würzburg fliegt. Dort wird er am Samstag dem Mann gegenübergestellt, der im Eilzug mit dem Messer um sich gestochen hat.

Kriminaloberrat Mätzler aus Düsseldorf notiert: „Der Zeuge hält den Italiener zu 70 Prozent identisch mit unserem Täter - Statur, Brille, schwarzes Haar stimmen jedenfalls überein. Und auch er trug eine schwarze Lederjacke wie der Intercity-Täter.“

Genau will sich der Zeuge, von dem die Kripo inzwischen weiß, daß er eine äußerst penible Beobachtungsgabe besitzt, allerdings nicht festlegen. Auch hatte er das Alter des Intercity-Mörders unmittelbar nach der Begegnung im Zug auf 20 bis 25 Jahre geschätzt – Duilio S. hingegen ist bereits 34 Jahre alt. So bleiben einige Zweifel. Trotzdem wird der Italiener am Sonntag, dem 9. November 1980, von Würzburg nach Düsseldorf gebracht und dort am Montag dem Haftrichter vorgeführt. Der erläßt Haftbefehl wegen Verdachts des Mordes an Vesna Nasteva.

In den folgenden Verhören gibt der Verdächtigte zwar zu, im Eilzug mit dem Messer um sich gestochen zu haben, auch sei er schon „öfters in psychatrischer Behandlung“ gewesen. Doch den Mord an der Bulgarin streitet er vehement ab: Zum Zeitpunkt der Tat habe er in Kopenhagen in einem Lokal als Kellner gearbeitet.

Den Ermittlern bleibt keine Wahl: Beamte aus Düsseldorf reisen in die dänische Hauptstadt, um das Alibi des Festgenommenen zu überprüfen. Das Ergebnis ihrer Recherche ist ernüchternd für die Düsseldorfer Mordkommission – denn der Verhaftete hat die Wahrheit gesagt. Als Vesna Nasteva am Allerheiligenabend im „Tollen Bomberg“ ihrem Mörder begegnete, hielt sich Duilio S. zweifelsfrei in Kopenhagen auf. Am 23. November 1980 wird er aus der Untersuchungshaft entlassen.

VIII.

Von den Ereignissen am Abend der XY-Sendung und den Entwicklungen in den folgenden Wochen erfährt der XY-Zuschauer nichts – das allerdings mag der Tatsache geschuldet sein, daß Eduard Zimmermann in der folgenden Sendung vom 5. Dezember 1980 den ansonsten üblichen Rückblick auf Ergebnisse früherer Sendungen ausließ, um ein kurzfristig geändertes Programm mit dem Entführungsfall Stoll (Erdhöhle bei Waldshut) zu präsentieren. Auch in den folgenden Sendungen ist vom Mord im „Tollen Bomberg“ nicht mehr die Rede.

So bleiben Fragen in diesem Fall:
Wer war der unheimliche schwarze Mann, der an jenem Allerheiligentag kurz vor Düsseldorf das Leben einer zweifachen Mutter und hochqualifizierten Wissenschaftlerin brutal beendete?
War sie das Zufallsopfer eines irren Messerstechers?
Warum mußte Vesna Nasteva sterben?


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Quellen:
*Artikel im Hamburger Abendblatt 3.11.1980/S. 22; 10.11.1980 S. 28; 24.11.1980 S. 22
*Eigene Fahrplanstudien (DB-Kursbuch Ausgabe Winter 1980/81, Zugbildungsplan IC 620 am 1.11.1980)

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Antworten?

Bernhard.
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#2

Re: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity "Toller Bomberg" (Mordfall Vesna Nasteva)

in Studiofälle 01.02.2011 23:40
von bastian2410 • 1.543 Beiträge
tolles und spannendes Review. Wer Bernhard etwas genauer kennt, der weiß: Er hat eine Vorliebe für Eisenbahnkriminalfälle. Das erkennt man anhand dieses Review.

Und auch in diesem Punkt hat Bernhard Recht: der Mord im "Toller Bomberg" ist eigentlich viel zu schade für ein Studiofall. Mit diesem Stoff hätte Grimm einen kinoreifen Filmfall rekonstruiert. Dieses Review hätte ein perfektes Drehbuch geliefert. Stellt euch mal vor, der Fahrgast hört das Stöhnen des Opfers. Dann eine längere Kamerafahrt aus Sicht des Zeugen. Man sieht schon ein Abteil vorher, dass ein Mann auf den Boden kniet, in seiner Hand ein Messer, mit dem er immer wieder mit voller Wucht zustößt. Die Kamerafahrt wird von einer typischen Spannungsmusik der 80er begleitet. Der Rücken des Täters kommt immer näher und plötzlich sieht der Zuschauer für ein paar Sekunden das Gesicht des Täters. Ich glaube, dass hätte einen Gruselfaktor hoch 10.

Da hätte unsere liebe Ricky ihre Lotta aber ganz nah an sich gedrückt- und hätte ne schlaflose Nacht gehabt.

Großes Lob für das Review, Bernhard.
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#3

Re: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity "Toller Bomberg" (Mordfall Vesna Nasteva)

in Studiofälle 04.02.2011 22:32
von bd-vogel • 570 Beiträge
Danke, freut mich, wenn es sich gut liest. Spannend fände ich natürlich auch, wenn wir irgendwas zum weiteren Gang der Ermittlungen herausbekämen. Vielleicht läßt sich ja noch ein weiteres Kapitel in diesem Fall schreiben?

Bernhard.
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#4

Re[2]: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity "Toller Bomberg" (Mordfall Vesna Nasteva)

in Studiofälle 05.02.2011 01:05
von bastian2410 • 1.543 Beiträge
Sollte es zu diesem Fall noch ein Nachspiel geben, gibt es ein weiteres Kapitel, versprochen! Da der Prozeß wahrscheinlich in meiner Heimatstadt Düsseldorf stattfinden würde, würde ich sogar hingehen.

Nie die Hoffnung aufgeben: Es wurden soviele Altfälle in den letzten 5 Jahren gelöst, warum auch nicht dieser!
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#5

Re: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity "Toller Bomberg" (Mordfall Vesna Nasteva)

in Studiofälle 10.02.2011 20:44
von Rickybaby1977 • 299 Beiträge
Welch große Ehre der netten Widmung für Lotty! Gebe das sehr gerne weiter an sie mit einem dicken Extra-Knuddeln!
Bastian hat mich wie schon öfters richtig durchschaut - Lotta mußte schon mehr als einmal als Wachhund während einer besonders schlimmen XY-Szene herhalten. Seit bei uns in der Siedlung vor ein paar Wochen in einem Haus nachmittags (!) eingebrochen wurde, habe ich die Ärmste völlig kirre gemacht. Ab Dämmerung knurrt und bellt sie jedes Spiegelbild in unseren Terrassenfenstern an , was mich wiederum völlig gaga macht. Aber meistens ist das ziemlich lustig, weil sie in der Regel ihr eigenes Spiegelbild anknurrt, was meistens ein ziemlich witziger Anblick ist...

Großes Kompliment für das klasse Review. Was wäre das für ein Filmfall geworden! Tolle Arbeit!!!

Ganz liebe Grüße von eurer Hundemama (und leider immer noch Meme)

Ricky
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#6

Re: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity "Toller Bomberg" (Mordfall Vesna Nasteva)

in Studiofälle 13.02.2011 07:42
von Heimo • 1.278 Beiträge
Bernhard,

ein tolles Review. Ich habe mir tatsächlich vorgestellt, dass Grönebaum uns diesen Fall schildert. Einige Textpassagen sind dabei sehr Grönebaum-like. (Ob er uns allerdings die Geschichte des Namensgebers "Toller Bomberg" auch vorgestellt hätte.. )

In der Tat hast Du recht, die Rekonstruktion im Studio war recht dürftig. Man beschränkte sich leider nur darauf, anhand der Täterbeschreibung nach diesem zu fahnden. Anhand dieses Hintergrund war da natürlich mehr drin. Für die Rangiervorgänge hätte dann allerdings das Eisenbahnmodell größer sein müssen als beim Jugoslawien-Express.

_Jetzt fehlt nur noch die Aufklärung
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#7

Re[2]: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity "Toller Bomberg" (Mordfall Vesna Nasteva)

in Studiofälle 22.02.2011 03:29
von bd-vogel • 570 Beiträge
Heimo>Einige Textpassagen sind dabei sehr Grönebaum-like. (Ob er uns allerdings die Geschichte des Namensgebers "Toller Bomberg" auch vorgestellt hätte.. )

Wohl eher nicht - aber mit Blick auf die erfolgte Notbremsung im behandelten Fall dürfte sich wohl kein Reviewer (erst recht kein Historiker) die Pointe entgehen lassen...

Heimo>Jetzt fehlt nur noch die Aufklärung

Eben - einer der Gründe, warum ich den Review hier mal reinstellen wollte. Ich konnte bei kursorischer Suche gar nichts finden, auch nichts über den Fortgang der Ermittlungen seit "Erledigung" der kurzfristigen Spur mit dem Mann aus dem Spessart-Eilzug. Deswegen auch die Fragen am Ende - wir haben ja hier einige Mitleser und Mittuer aus der Region Düsseldorf, vielleicht graben die bei Gelegenheit was aus?

Bernhard.
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#8

Re: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity "Toller Bomberg" (Mordfall Vesna Nasteva)

in Studiofälle 19.01.2013 20:14
von bd-vogel • 570 Beiträge
Ich hole den Thread mal nach oben - ist zwei Jahre her, seither sind ja ein paar Neue hier im Forum dazugekommen, vielleicht weiß jemand noch etwas neues zu diesem Fall?

Mir selbst ist dieser Tage durch puren Zufall ein kurzer Bericht in der spanischen Zeitung "La Vanguardia" (Barcelona) in die Hände gefallen, der drei Tage nach dem Mord erschien - dort ist davon die Rede, die später ermorderte bulgarische Wissenschaftlerin sei in Nürnberg in Begleitung eines unbekannten jungen Mannes gewesen. Davon ist in der Fernsehfahndung und den späteren Berichten aber nicht mehr die Rede.
(PDF-Link zum Bericht, ganz rechte Spalte der Zeitungsseite, Mitte):
RFA: Asesinato de una académica búlgara ("La Vanguardia" vom 4.11.1980, S. 44 Sp. 5).

Bernhard.
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#9

RE: Re: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity

in Studiofälle 22.04.2014 03:12
von Ede-Fan • 589 Beiträge

Zunächst einmal "Hut-Ab" vor diesem Review. Ein Review, das mit den dramaturgischen Fähigkeiten von Grimm und Grönebaum sicherlich einen Klassiker der Fernsehfahndung geschaffen hätte. Damit wäre "16 Uhr 50 ab Paddington" als Krimi abgemeldet gewesen. Aber wie heißt es so schön: "Entscheidend ist, was hinten herauskommt."
Und da dieser Fall "nur" als (liebloser) Studiofall präsentiert wurde, war das Ergebnis dann doch eher ernüchternd. Wenn man dann die "Wochenzeitschrift für Münster" namens "na dann" befragt (KW 45 vom 06.11.2013), kommt man zu dem Schluß, daß der Fall noch ungeklärt ist: "Mord im Intercity »Toller Bomberg«! Was klingt wie ein Derrick-Titel war gruselige Realität – und wurde nie aufgeklärt."

Quelle: na dann! In dieser Woche vor 33 Jahren: Mord im IC »Toller Bomberg«!

Als Bahnfan distanziere ich mich jedoch ausdrücklich von dem in der Quelle gezeigten Bild einer Baureihe 601 für den genannten Fall!

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#10

RE: Re: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity

in Studiofälle 06.10.2014 02:35
von bd-vogel • 570 Beiträge

Danke noch (wenn auch spät) für die netten Worte zum Review. Leider bietet der verlinkte Beitrag im Münsteraner Wochenmagazin außer einer zusammenfassenden Paraphrase des geschilderten Tathergangs tatsächlich nur den einen Satz am Schluß ("...nie aufgeklärt") ohne jede Quellenangabe für diese Feststellung. Es bleibt also Recherche-Bedarf...

Viele Grüße,
Bernhard.

PS: "Eisenbahntechnische" Fehler bei XY wären auch mal einen eigenen Thread wert - obwohl die in der XY-Sendung gezeigten Bilder in diesem Fall alle paßten (Wagenleistung mit 103). Es gibt aber auch XY-Bahnfälle mit Dieselbetrieb auf E-Strecken (und umgekehrt), Eilzugwagen am Intercity, usw....

Der von Dir gelinkten Münsteraner Artikel-Quelle (die auch sonst nicht besonders tiefschürfend zu sein scheint) würde ich immerhin zugute halten, daß die 601er ja immerhin eine zeitlang (wenn auch eine ganz andere Zeit lang) die Zugleistung "Toller Bomberg" tatsächlich bestritten haben.


...und damit verliert sich zunächst seine Spur.

zuletzt bearbeitet 06.10.2014 02:42 | nach oben springen

#11

RE: Re: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity

in Studiofälle 06.10.2014 23:44
von Ede-Fan • 589 Beiträge

Hallo Bernhard! Wer sich die Mühe macht, solch ein Review zu schreiben, der darf auch positives Feedback bekommen. Ich beschränke mich selbst ja sonst eher auf die Nennung/Verlinkung aktueller Zeitungsartikel zu diversen Fällen. Da ist -im Gegensatz zu solch einem Review- nicht viel eigene schöpferische Leistung erforderlich.

In dem hier verlinkten Artikel lag der Reiz in der Aktualität. Ein paar Zeilen aus dem November 2013 zu einem SF vom November 1980 sind da ja schon echte Neuigkeiten. Und sicherlich wird man (das Passiv dient der Täterverschweigung) bei dieser Wochenzeitschrift für Münster vor der Veröffentlichung alle Quellen ausgeschöpft haben. Die Gleichung "Keine Klärung im Netz berichtet = ungeklärt" wird da sicherlich nicht gegolten haben. [/IronieOff]

Die von Dir genannte Rubrik "Eisenbahntechnische Fehler bei XY" wäre dann aber was für echte Experten. Ich bin da ja mehr Hobbyist. Bei den klassischen Fällen (FF1 vom 11.09.1970), sowie "Monsieur X" (FF3 vom 20.1.1978) war meiner bescheidenen Meinung nach jedenfalls alles fehlerfrei.

Gruß
Chris

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#12

RE: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity

in Studiofälle 09.10.2014 10:17
von northernstudio • 236 Beiträge

Hallo Bernhard, auch von mir ein bewunderndes "Helau". Da der Fall noch ungeklärt ist (scheinbar jedenfalls), hier noch mal das Phantombild des potentiellen Mörders von Vesna Nasteva. Er wurde wie folgt beschrieben:

20-25 Jahre alt
170-175 gross, untersetzt,
schwarze nackenlange Haare

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"I musch Medigamentt off da Balggruffbringa. Isch gebb dia zeh Moak wennsch mirhülscht..."
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#13

RE: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity

in Studiofälle 09.10.2014 15:43
von northernstudio • 236 Beiträge

Zugegeben, das Phantombild sieht der Person des "Gregor" aus dem Film "Ronin" nicht unähnlich...
gregor.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)


"I musch Medigamentt off da Balggruffbringa. Isch gebb dia zeh Moak wennsch mirhülscht..."
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#14

RE: 7.11.1980 SF 6 (Kripo Düsseldorf) Mord im Intercity

in Studiofälle 01.11.2016 22:19
von Ede-Fan • 589 Beiträge

Zum 36. Jahrestag des Verbrechens hat der Kölner "EXPRESS" einen natürlich boulevardesk aufgemachten Artikel zu dem Fall gebracht:

express.de vom 01.11.2016: Auf Fahrt nach Düsseldorf Heute vor 36 Jahren: Mord im IC „Toller Bomberg“

Auf Fahrt nach Düsseldorf Heute vor 36 Jahren: Mord im IC „Toller Bomberg“


01.11.16, 16:35 Uhr

Düsseldorf

Es war auf den Tag genau vor 36 Jahren, am 1. November 1980. Die ganze Stadt spricht über ein rätselhaftes Verbrechen. Mord im InterCity „Toller Bomberg“, der gerade durch Reisholz fährt!

Mörder aus Zug gesprungen

Ein Mord wie bei Francis Durbridge. Doch der im Luxus-Zug ist echt. Der Mörder springt mit schwarzen Handschuhen und Stilett nachts aus dem Zug.

In einem Abteil liegt die tote Wissenschaftlerin Vesan Nasteva (28). Der Vater ist UN-Botschafter. Der legendäre Ermittler Armin Mätzler übernimmt den Fall.

Ein geheimnisvolles Verbrechen. Ein Mord wie im Drehbuch. Ein Mörder in einem fahrenden Luxus-Zug. Eine Frauenleiche in einem Abteil. Ein Zeuge, der um 22.20 Uhr einen Schrei hört und den Mörder im Nachbarabteil über dem Opfer sieht.

„Tolle Bomberg“

Ein Täter, der die Notbremse zieht. Die Bahn koppelt den „Leichenwagen“ ab. Die Fahrgäste steigen um und damit alle Zeugen. Der „Tolle Bomberg“ fährt weiter, mit den Zeugen! Bloß keine Verspätung – Mord stand nicht im Fahrplan.

Der Düsseldorfer Mord-Kommissar Armin Mätzler ist erschüttert. Über den Mord und über die Bahn. Seine ganze Zeugen sind weg. Bis auf einen: Es ist ein Sonderschullehrer (33), der den Mörder sah. Immerhin!

Das Opfer

Die hübsche und kluge 28-Jährige arbeitete im Max-Planck-Institut für Kohleforschung in Mülheim. Sie ist Bulgarin und eine exzellente Forscherin. Sie kam von einem Symposium in Nürnberg. Wollte zurück nach Mülheim.

Die Tat

Zwischen Reisholz und dem Hauptbahnhof hält der InterCity mit kreischenden Bremsen. Der Mörder hat die Notbremse gezogen. Für eine kurze Zeit steht er dem Zeugen Aug in Aug gegenüber, reißt dann die Wagentür auf und entkommt in die dunkle Nacht.

Wenige Minuten später umstellt die Polizei die Umgebung. Der Mörder ist längst weg. Der Zugleiter ruft den Notarzt. Vesan Nasteva wurde durch 21 Stiche verletzt. Sie liegt im Sterben, kommt sofort in die Uni-Klinik. Ihre letzten Worte: „Ich habe diesen Mann nie gesehen.“

Die Ärzte können die zweifache Mutter nicht retten. Als die Mordkommission kommt, steht nur noch der abgekoppelte Waggon da. Der „Tolle Bomberg“ ist schon weg. Kriminaloberrat Armin Mätzler rauft sich die Haare.

Nach und nach sickert durch, wer das Opfer ist, wer der Vater ist: Ein hoher bulgarischer Diplomat. Das macht es Mätzler nicht leichter. Was ist hier passiert? Ein Sex-Täter? Ein Dieb? Oder ein Mörder von einem Geheimdienst?

Die Fahndung

Alle Spuren führen ins Leere. Nur mühsam gelingt es Mätzler über öffentliche Fahndungen und „XY..ungelöst“, die von der Bahn weggefahrenen Zeugen zu finden. „Fall 9, Kripo Düsseldorf“ sagt Ede Zimmermann, „Zeugen gesucht.“

Während am 7. November 1980 die Sendung noch läuft, sticht im E 3111 von Frankfurt nach Würzburg ein Mann eine Frau nieder. Er sieht aus wie der Mörder von Düsseldorf. Als er vom Zug abspringen will, halten ihn Zeugen fest. Aber für die Tatzeit in Düsseldorf hat er ein Alibi.

Nach langen Ermittlungen steht Mätzler mit leeren Händen da. Der legendäre Ermittler behält einen ungelösten Fall. Und davon hatte er nur wenige.

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