#1

9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermisstenfall Birgit Meier

in Studiofälle 05.05.2009 01:10
von bdvogel (gelöscht)
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Damals als letzter (Studio-)Fall der XY-Sendung vom 9.2.1990 behandelt, ist das mysteriöse Verschwinden der Birgit Meier aus der Nähe von Lüneburg offenbar ungeklärt geblieben - 2006 wurde sie für tot erklärt. Ganz interessanter Hintergrundbericht (die Vermißte ist die Schwester des damaligen Präsidenten des Hamburger Landeskriminalamts!) aus der "Welt":
http://www.welt.de/print-welt/article861..._17_Jahren.html

Bernhard.


zuletzt bearbeitet 09.01.2014 23:51 | nach oben springen

#2

Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 16.08.2010 04:34
von bastian2410 • 1.543 Beiträge
Beim Vermisstenfall Meier ging die Kripo kurz nach dem Verschwinden der Frau auch von einem Zuhammenhang zu den Göhrde- Morden aus. Das Verschwinden bleibt bis heute rätselhaft.

Das HH- Abendblatt dazu kurz nach dem Verschwinden:

Wenige Wochen nach den spektakulären Doppelmorden an zwei Pärchen in der Göhrde (Kreis Lüchow- Dannenberg) beschäftigt die Kriminalpolizei Lüneburg ein weiterer rätselhafter Fall. Seit 14 Tagen ist die 41 Jahre alte Hausfrau Birgit Meier aus dem Dorf Brietlingen- Moorburg nördlich von Lüneburg verschwunden. Die Schwester des Chefs des Hamburger Landeskriminalamtes, Wolfgang Sielaff, hatte aus ihrem Bungalow am 14. August um 22.30 Uhr mit ihrer Tochter telefoniert. Danach verliert sich ihre Spur.

"Frau Meier hat ihre Wohnung ordnungsgemäß abgeschlossen. Wir wissen nicht, ob sie jemand abgeholt hat", sagte ein Sprecher der Kripo Lüneburg. Bereitschaftspolizisten durchsuchten ohne Erfolg nahegelegene Waldstücke, die Neetze und den Neetze-Kanal. "Wir haben bislang keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Morden in der Göhrde", sagte der Sprecher. Die 39köpfige Sonderkommission verfolgt in den Mordfällen Ursula und Peter Reinhold, Ingrid Warmbier und Bernd-Michael Köpping 900 Spuren - eine heiße ist nicht darunter.

Am Dienstag entdeckten Beamte im Hauptpostamt Hamburg den Personalausweis von Birgit Meier. Es gilt als wahrscheinlich, daß ein Finder den Ausweis in einen Briefkasten im Raum Hamburg eingeworfen hat. Die Kriminalpolizei Lüneburg bittet den Finder, sich zu melden, um Hintergründe des mysteriösen Falles aufzuhellen.

(HH- Abendblatt 31.08.1989)

Ein Artikel von November 2006



Vermisste nach 17 Jahren für tot erklärt. Aber Fahnder schließen Akten nicht.

Lüneburg. Eine offen stehende Terrassentür und hungrige Katzen im Garten - dieses Bild wird die Tochter von Birgit Meier wohl nie vergessen. So fand die damals 22-Jährige das Haus ihrer Mutter in Brietlingen-Moorburg bei Lüneburg vor, als sie am 15. August 1989 nach vergeblichen Telefonaten nach ihr sehen wollte. Die damals 41-Jährige ist bis heute spurlos verschwunden. Ihr Ehemann, mit dem sie nicht mehr zusammenlebte, ließ sie jetzt amtlich für tot erklären. Birgit Meier war die Schwester des inzwischen pensionierten Chefs des Hamburger Landeskriminalamts, Wolfgang Sielaff.

"In den 1950er- und 60er-Jahren gab es viele Todeserklärungen von Kriegsverschollenen. Heute finden nur noch vereinzelt Verfahren statt, in Lüneburg etwa zwei im Jahr", sagt Dietmar Hogrefe, Direktor des Amtsgerichts Lüneburg. Angehörige von Vermissten könnten zehn Jahre nach deren Verschwinden einen solchen Antrag stellen. Allerdings müsse durch eine eidesstattliche Versicherung glaubhaft gemacht werden, dass ernsthafte Zweifel daran bestünden, dass die betroffene Person noch am Leben sei.

Das Verschwinden von Birgit Meier hat den Ermittlern über Jahre Rätsel aufgegeben. In fünf Aktenbänden und mehr als hundert Spurenakten ist jede Aussage, jeder Hinweis bei der Lüneburger Staatsanwaltschaft festgehalten. "Wir wissen bis jetzt nicht, ob sie überhaupt tot oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Sie ist einfach weg", sagt Oberstaatsanwalt Manfred Warnecke. "Für die Ermittlungsbehörden, die Polizei und die Staatsanwaltschaft, sind die Akten nie geschlossen, solange ein Fall nicht aufgeklärt ist."

Tagelange Suchaktionen mit Hubschraubern, Hundestaffeln und Booten auf dem Elbe-Seitenkanal nach der Leiche der schlanken blonden Frau blieben damals erfolglos. Als Postbeamte zwei Wochen später ihren Ausweis in einem Berg von Briefsendungen im Hamburger Hauptpostamt fanden, wurde der Fall für die Kripo nur "noch mysteriöser". "Es sind seinerzeit eine Fülle von Spuren verfolgt worden, sie haben sich aber alle im Sande verlaufen", so Warnecke. Der gut betuchte Ehemann der Vermissten stand zeitweilig im Visier der Ermittler. "Natürlich ist er überprüft worden. Gegen ihn wurde jedoch nie ermittelt. Er ist immer nur als Zeuge vernommen worden", betont der Behördensprecher. Der damals 43-Jährige hatte am 15. August 1989 die Vermisstenanzeige aufgegeben und der Polizei gesagt, seine Frau sei zuletzt guter Stimmung gewesen. Anhaltspunkte, dass er mit ihrem Verschwinden etwas zu tun haben könnte, fanden die Ermittler nicht. Er habe sich immer kooperativ gezeigt. Auch ein vager Verdacht gegen einen flüchtigen Bekannten der Frau führte zu nichts. 1993 ließ die Kripo sogar ein Grab auf dem Lüneburger Waldfriedhof öffnen, weil man dort die Leiche der Vermissten vermutete - Fehlanzeige. Auch eine von Privatleuten ausgesetzte Belohnung über mehr als 12 000 Euro brachte niemanden zum Reden. Laut letztem Aktenbericht gehen die Ermittler davon aus, dass Birgit Meier Opfer eines Verbrechens wurde.

(HH- Abendblatt 27. November 2006, deckt sich teilweise mit dem o.g. Link)
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#3

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 27.05.2016 21:17
von Ede-Fan • 591 Beiträge

Deutschland, Deine Serienmörder!
Nun behauptet die Polizei den Fall geklärt zu haben. Und die Göhrde-Morde vielleicht noch so nebenbei.

landeszeitung.de vom 27.05.2016: Der Fall Birgit Meier: Polizei klärt Mord nach 26 Jahren

Der Fall Birgit Meier: Polizei klärt Mord nach 26 Jahren

ca Lüneburg.
26 Jahre nach der Tat ist der Mord an der Lüneburgerin Birgit Meier aus Sicht der Polizei aufgeklärt. Den mutmaßlichen Mörder, den Gärtner Kurt-Werner W., können die Ermittler allerdings nicht mehr festnehmen: Er hat sich 1993 das Leben genommen. Die Beamten, die den Fall seit September vergangenen Jahres wieder aufgerollt haben, gehen aufgrund „subjektiver und objektiver Beweise“ davon aus, dass W. die Frau eines Lüneburger Unternehmers umgebracht hat.

Birgit Meier verschwand im Sommer 1989 spurlos, ihre Leiche wurde bis heute nicht gefunden. „Noch nicht“, sagt Ermittlungsleiter Richard Kaufmann. Er und seine Kollegen haben Vermutungen, wo die Überreste der damals 41-Jährigen zu finden sein könnten.

Möglicherweise kommt W. für weitere Taten infrage. Die Ermittler prüfen sechs andere Tötungsdelikte, darunter auch die Göhrde-Morde, bei denen im Sommer 1989 zwei Paare nahe Röthen an der Kreisgrenze zu Lüchow-Dannenberg ermordet wurden.


Edit: Formatierung


zuletzt bearbeitet 27.05.2016 21:20 | nach oben springen

#4

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 27.05.2016 22:53
von Oma Thürmann • 731 Beiträge

Bei den Delikten, die neben den Göhrde-Morden geprüft werden, handelt es sich um den Mord an der Hausfrau Ilse G. (38) aus Lüneburg am 11.04.1968 sowie um einen XY-Fall: Mord an der Schülerin Ulrike B. (14) aus Adendorf bei Lüneburg am 14.05.1969, gesendet am 24.09.1971.

http://www.stern.de/panorama/stern-crime...r--6871632.html


Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

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#5

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 12.08.2016 16:15
von vorsichtfalle • 687 Beiträge
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#6

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 26.09.2016 09:17
von vorsichtfalle • 687 Beiträge

Spurensuche im Mordfall Birgit Meier

21. September 2016

Von Carlo Eggeling

Lüneburg. Mannschaftswagen stehen am Vrestorfer Weg, daneben Autos mit Spürhunden — rund 80 Polizisten durchsuchen am Montagmorgen das Streitmoor zwischen Vrestorf und Adendorf. Sie hoffen, dass sie die Überreste des Leichnams von Birgit Meier oder ihrer Kleidung in dem Waldstück finden. Die damals 41-jährige Meier verschwand im Sommer 1989. 27 Jahre später geht die Polizei davon aus, dass sie den Mörder ermittelt hat. Und der wohnte nur wenige Hundert Meter von der Stelle entfernt, die nun die Bereitschaftspolizei durchkämmt. Doch auch nach der Suche am Dienstag bleibt vieles offen — eine Leiche fanden die Beamten nicht.

Der Fall gehört zu den spektakulärsten und rätselhaftesten Kriminalfällen in der Region. Seit August 1989 fehlt jede Spur von Birgit Meier. Schon früh waren die Ermittler davon ausgegangen, dass die Frau eines Unternehmers ermordet worden war. Doch das Schicksal des Opfers wurde nicht geklärt, der Mörder nicht gefasst. Die Familie fand sich damit nicht ab. Der Bruder Birgit Meiers ist der ehemalige Hamburger Polizeipräsident Wolfgang Sielaff. Der überzeugte im vergangenen Jahr den Chef der Lüneburger Staatsanwaltschaft, Gerhard Berger, und Polizeipräsident Robert Kruse, den Fall erneut aufzurollen.

Kruse setzte, wie berichtet, den Rotenburger Ermittler Richard Kaufmann ein, der in der Vergangenheit ungelöste Verbrechen aufgeklärt hat. Er und seine Ermittlungsgruppe Iterum (der zweite Versuch) fanden einen Ansatz: Kurt-Werner W. ist aus ihrer Sicht der mutmaßliche Mörder. Der hatte damals auf einem Nachbargrundstück in Brietlingen-Moorburg gearbeitet und könnte so Kontakt zu Birgit Meier gehabt haben.
Friedhofsgärter war wegen Gewalt- und Sexualdelikten vorbestraft

W., 1959 geboren, war kein unbeschriebenes Blatt. Der Friedhofsgärter war wegen Gewalt- und Sexualdelikten vorbestraft. Fragen kann ihn keiner mehr: W. hat sich 1993 in einer Zelle erhängt. Dort saß er wegen anderer Delikte ein und hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er über sein Leben klagt.

Eine These von Kaufmann lautet, dass W. den Leichnam Birgit Meiers bei einer Beerdigung mitverschwinden ließ. Als Friedhofsgärtner hätte er die Möglichkeit gehabt, die Tote in ein Grab zu legen. Die Polizei hat daher unter anderem in Heiligenthal und Bardowick alte Gräber öffnen und Proben entnehmen lassen. Doch die passenden DNA-Treffer wurden nicht festgestellt.

„Wir haben einen Hinweis auf die Stelle im Streitmoor bekommen“, sagte der Hauptkommissar am Montag. So gingen Kollegen mit Stöcken ein 100 mal 1000 Meter großes Areal ab. Dass Hoffnung besteht, nach einem Vierteljahrhundert noch Spuren zu finden, begründet Kaufmann so: „Das Gelände hat sich abgesenkt, dadurch ist einiges nach oben gekommen.“ Auch würden durch das Moor Zersetzungsprozesse verzögert.

Allerdings war die Ausbeute auf den ersten Blick eher gering. Polizeisprecherin Wiebke Hennig bilanzierte: „Die Kollegen haben alte Flaschen, Tüten und Teile eines Schuhs gefunden.“ Ob irgendetwas davon von Birgit Meier stammt, bleibt offen. Kriminaltechniker und eine Anthro­pologin sollen die Asservate nun untersuchen.



http://www.landeszeitung.de/blog/lokales...ll-birgit-meier

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#7

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 05.10.2016 09:32
von vorsichtfalle • 687 Beiträge

Hallo,


die Leiche wurde zwar noch nicht gefunden, doch wird es mit dem Tatverdacht konkreter. man sei sich sehr sicher, den Mörder zu haben.

http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/56836/3446798

Polizeidirektion Lüneburg
POL-LG: Gemeinsame Presseinformation Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion Lüneburg ++ Ermittlungen im Fall Birgit Meier vorläufig abgeschlossen
04.10.2016 – 12:51

Lüneburg (ots) - Im Sommer 1989 verschwand die damals 41-jährige Birgit Meier unter ungeklärten Umständen ihre Wohnung in Brietlingen-Moorburg und gilt seither als vermisst. Durch die Polizei Lüneburg wurden damals umfangreiche Ermittlungs- und Suchmaßnahmen in Gang gesetzt. So wurde unter anderem auch in der ZDF-Fernsehsendung "Aktenzeichen XY-ungelöst" nach Frau Meier gefahndet. Hinweise zu ihrem Aufenthaltsort oder die Umstände ihres Verschwindens ergaben sich jedoch nicht. Dies änderte sich auch nicht in den Folgejahren, in denen die Polizei Lüneburg immer wieder neue Klärungsversuche unternahm.

Neue Bewegung kam in den ungelösten Fall im Spätsommer 2015, als Polizeipräsident (PP) Robert Kruse in Abstimmung mit dem Leitenden Oberstaatsanwalt Gerhard Berger die EG Iterum zur Klärung des Falles einrichtete. Unter Leitung des erfahrenen Mordkommissionsleiters EKHK Richard Kaufmann aus Rotenburg/Wümme rollte die EG Iterum den Fall Birgit Meier noch einmal komplett auf und suchte nach neuen Ermittlungsansätzen.

Ihre Ermittlungen fokussierten sich schließlich wieder auf einen -bereits damals im Zentrum der Ermittlungen stehenden- seinerzeit 40-jährigen Lüneburger Friedhofsgärtner, der mit Birgit Meier bekannt war. Aufgrund der Gesamtumstände war der Mann nach Birgit Meiers Verschwinden verdächtig, damit in Verbindung zu stehen. Der Mann hatte sich allerdings in der Untersuchungshaft, in der er in anderer Sache einsaß, im Jahre 1993 selbst getötet, so dass es seinerzeit zu einer Einstellung des Ermittlungsverfahrens kam. Aufgrund der neu aufgenommen Ermittlungen kann dieser Tatverdacht nun mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bestätigt werden:

Die EG Iterum arbeitete das gesamte vorliegende Akten- und Beweismaterial zum Vermisstenfall Birgit Meier in akribischer Kleinarbeit nochmals auf und ließ gefundene Spuren nach heute aktuellen wissenschaftlichen Methoden untersuchen. Ferner führte die EG Iterum auch diverse Suchmaßnahmen nach ihrem Leichnam durch. Außerdem wurden mehrere Exhumierungen vorgenommen, weil der damals Verdächtige zu Lebzeiten als Friedhofsgärtner tätig war. Die Suche ergab jedoch bis heute keine Hinweise auf einen möglichen Verbleib des Leichnams von Birgit Meier.

Letztlich brachten aber die neuesten forensischen Untersuchungsmethoden bei der DNA-Bestimmung den entscheidenden Durchbruch: Auf einer damals im Haus des Tatverdächtigen sichergestellten Handfessel konnte eine auswertefähige Gewebeanhaftung) festgestellt und untersucht werden. Die hierbei festgestellte DNA stimmt mit höchster Wahrscheinlichkeit (99,9 %) mit der DNA von Birgit Meier überein.

Danach halten Polizei und Staatsanwaltschaft es für sehr wahrscheinlich, dass der damals bereits tatverdächtige Friedhofsgärtner Birgit Meier entführt hat und sie hierbei aus nicht näher geklärten Umständen zu Tode gekommen ist. Anhaltspunkte dafür, dass der damals ebenfalls ins Visier der Fahnder geratene Ehemann mit dem Verschwinden von Birgit Meier zu tun haben könnte, haben sich durch die neuen Ermittlungen nicht ergeben. Auch der Verdacht gegen eine weiteren Person gegen die wegen einer möglichen Beteiligung am Verschwinden Birgit Meiers ermittelt worden ist, konnte nicht erhärtet werden, so dass das Verfahren eingestellt wurde.

Der damalige Tatverdächtige kommt nach übereinstimmender Einschätzung der Kriminalisten insbesondere aufgrund seines Persönlichkeitsprofils durchaus auch für andere schwere Gewalttaten in Frage, die er zu Lebzeiten begangen haben könnte. Obwohl er inzwischen über 20 Jahre tot ist, will die Polizei bei der Ermittlung anderer Altfälle diesen Aspekt einbeziehen.

"Unser Ansatz, weit zurück liegende, aber schwere Fälle, die noch ungeklärt sind, noch einmal mit neuen Augen und den neuesten technischen Möglichkeiten akribisch aufzuarbeiten, hat sich als absolut richtig erwiesen. Wir konnten in detaillierter Ermittlungsarbeit, verbunden mit den neuesten technischen Möglichkeiten, einen Fall mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aufklären. Die neuen Ermittlungen haben zu einem überzeugenden Erfolg geführt. Dies wäre ohne die gute Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Lüneburg unmöglich gewesen. Auch die Unterstützung durch andere Polizeien und insbesondere das Gerichtsmedizinische Institut der Medizinischen Hochschule Hannover waren sehr gut. Der damit verbundene Aufwand ist nicht nur dadurch gerechtfertigt, dass Mord nicht verjährt und die Täter sich nie sicher fühlen dürfen. Wir wollen auch und gerade den Angehörigen von Tötungsopfern möglichst große Gewissheit darüber bringen, was mit ihren Verwandten passiert ist.", so PP Robert Kruse.

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#8

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 30.10.2016 21:46
von Ede-Fan • 591 Beiträge

In der Zeit.de vom 27. 10.2016 ist ein sehr ausführlicher und lesenswerter Artikel über Kurt-Werner W. erschienen. Die Möglichkeit, daß Kurt-Werner W. auch die Göhrde-Morde begangen hat, wird ebenfalls erwähnt.

Serienmorde
:
Mörderischer Liebling
Kurt-Werner Wichmann führte ein Doppelleben als Frauenschwarm und Mörder. Die Ermittler rätseln jetzt, wie viele Verbrechen er noch verübte.

Von Anne Kunze und Felix Rohrbeck

27. Oktober 2016, 3:05 Uhr / Editiert am 30. Oktober 2016, 11:04 Uhr / DIE ZEIT Nr. 43/2016, 13. Oktober 2016
Welche Morde hat Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann noch begangen? © Lucas Wahl für DIE ZEIT

Ein riesiger schwarzer Hund stürmt auf das Gartentor zu. Hinter ihm stakst ein knurriger weißhaariger Herr. "Na, denn mal rein ins Mörderhaus", sagt er.

Hannes Rudloff ist 75 Jahre alt und fast blind. Er tastet sich ins Haus zurück. Dort ist es dunkel, Wände und Decken sind holzgetäfelt, wie es Mode war in den siebziger Jahren. Rudloff steigt hinunter in den Keller. Er bleibt vor einer Rigipswand stehen. Hier hatte 1993 bei der ersten Durchsuchung des Hauses – kurz vor dem Suizid Kurt-Werner Wichmanns in der U-Haft – ein Leichenspürhund angeschlagen. Aber erst 2016 hat die Polizei unter der Leitung der neuen Sonderkommission die Wand abtragen lassen – vergebens, Verbrechensspuren ließen sich nicht mehr feststellen.

Der Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann hat fast sein ganzes Leben in diesem zweistöckigen Backsteinhaus nahe Lüneburg verbracht. Hier wuchs der mutmaßliche Serienmörder auf, hier fanden die Ermittler sein Waffenarsenal und Kinderpornos. Das Haus ist so mysteriös wie Wichmann selbst. Es gibt eine schallisolierte Tür, dahinter ein geheimes Zimmer, zu dem nur Wichmann und dessen Bruder Zutritt hatten. Schon als Kind hatte er eine Abhöranlage installiert, um die Untermieter der Eltern belauschen zu können.

Er war 14 Jahre alt, als er eine Frau würgte und mit einem Dolch bedrohte

Wichmann hatte zahlreiche Vorstrafen wegen Körperverletzung, Betrug und Nötigung, und er saß wegen Freiheitsberaubung und Vergewaltigung fünf Jahre im Gefängnis. Seit vergangener Woche steht nun fest, dass er auch ein Mörder ist. Anhand eines erbsengroßen Blutstropfens an einer Handschelle – die im Backsteinhaus zwar schon vor Jahren sichergestellt, aber erst jetzt auf DNA hin untersucht wurde – konnte nachgewiesen werden, dass die 27 Jahre lang als vermisst gegoltene Birgit Meier von Wichmann getötet worden war (ZEIT Nr. 42/16). Alles deutet darauf hin, dass der Fall noch größere Dimensionen hat. Die Lüneburger Polizei schreibt in ihrer Pressemitteilung: "Der damalige Tatverdächtige kommt nach übereinstimmender Einschätzung der Kriminalisten insbesondere aufgrund seines Persönlichkeitsprofils durchaus auch für andere schwere Gewalttaten in Frage, die er zu Lebzeiten begangen haben könnte." Die Liste dieser möglichen Taten ist lang. In Lüneburg befasst sich eine neu eingerichtete Ermittlungsgruppe auch mit den sogenannten Göhrde-Morden, Bluttaten an zwei Liebespaaren im Naherholungsgebiet Göhrde bei Lüneburg. Die Morde geschahen 1989 – und wurden nicht aufgeklärt. Wichmann kommt auch hier als Täter infrage.

Der alte Rudloff wurde nach Wichmanns Selbstmord sein Nachfolger in doppelter Hinsicht: Er kaufte in den 1990ern nicht nur dessen Haus – er heiratete auch Wichmanns Witwe, Alice, eine ehemalige Schönheitskönigin aus Hamburg mit gutem Draht in die Hamburger Gesellschaft. Sie war zwar verheiratet, als sie Wichmann über eine Kontaktanzeige kennenlernte. Aber sie verfiel dem 13 Jahre jüngeren blonden Schönling mit der Fönfrisur, der so unverschämt charmant sein konnte. Sie verließ ihren Mann und zog zu ihm an den Rand Lüneburgs. Sie passte in Wichmanns Beuteschema: Er hatte eine Affinität zu erheblich älteren, wohlhabenden Frauen, denen er schmeichelte und von denen er sich aushalten ließ. Einige dieser Beziehungen liefen parallel, Sadomasochismus spielte wohl eine Rolle. Diese Frauen beschreiben ihn als "charmant", sie erzählen gern davon, wie er sie "bezirzt" habe.

Alice ist 2006 verstorben. Vom geheimen Leben Wichmanns habe sie nicht viel mitbekommen, meint Rudloff: "Wenn was los war, hat er sie weggeschickt für ein paar Tage." Er selbst hat Alice kurz nach dem Selbstmord seines Vorgängers kennengelernt. "Eine nette, hübsche Frau", sagt er. Und sie hatte Schulden. Also kaufte Rudloff ihr das Haus ab. Später hätten sie sich dann "zusammengetan". Über Wichmann hätten sie nie viel gesprochen. Rudloff scheint die Vorstellung, im Haus eines möglichen Serienkillers zu leben, eher als Kuriosum zu empfinden.

Wichmann war 14 Jahre alt, als er sein erstes aktenkundiges Verbrechen beging. Man darf sich sein Elternhaus nicht übermäßig liebevoll vorstellen – der Vater soll, laut Ermittlungsakten, die Mutter mit einem Beil bedroht und die Söhne misshandelt haben. Der verhaltensauffällige Teenager lebte damals nicht zu Hause, sondern im Wichernstift, einer Fürsorgeeinrichtung. Nach einem Weihnachtsurlaub im Jahr 1964 wollte Kurt-Werner nicht zurück ins Wichernstift, sondern abhauen. Deshalb stieg er mit Dolch und Taschenlampe in die Wohnung der Untermieter seiner Eltern ein, einer jungen Familie. Er suchte nach Geld. Im Schlafzimmer schliefen nur die Mutter und das Baby, der Mann war bei der Arbeit. Die Frau erwachte, als der Junge den Nachttisch mit dem Strahl der Taschenlampe abtastete. Sie schrie. Daraufhin trat er auf sie zu und würgte sie zweimal. Dann drehte er sich um und blieb vor dem Bettchen stehen, in dem der Säugling lag. Die Frau überkam "die Angst, er könne dem Kind etwas antun", so heißt es später im Urteil. Drei Wochen Jugendarrest gab es für den körperlichen Übergriff des Minderjährigen, "wegen versuchten schweren Diebstahls, versuchter Nötigung in Tateinheit mit versuchter schwerer Körperverletzung".

Dass Wichmann, viel später, ins Fadenkreuz der Mordermittler geraten ist, hat in erster Linie mit der Unermüdlichkeit von Wolfgang Sielaff zu tun. Der ehemalige Leiter des Hamburger LKA gab nach der Pensionierung keine Ruhe, bis der Fall Meier aufgeklärt wurde: Birgit Meier war Sielaffs Schwester. Der alte Kriminalist sammelte verschiedene Fachleute um sich, mit denen er Wichmanns Leben rekonstruierte und ein Täterprofil erarbeitete. Wichmann, sagt Sielaff, war eine "narzisstisch-psychopathische Persönlichkeit mit sadistischen Neigungen, einer gestörten Sexualität und einer Affinität zu Waffen". Er könnte mit mehreren ungeklärten Taten im Raum Lüneburg in Zusammenhang gebracht werden.

Wer war Kurt-Werner Wichmann, der 1949 zur Welt kam und sich 1993 das Leben nahm?

Ein instabiles Innenleben

Ein ehemaliger Schulkamerad und ein Arbeitskollege, die einander nicht kennen, beschreiben Wichmann fast wortgleich als "Eigenbrötler" und "arrogant". Er habe sich immer für etwas Besseres gehalten und keine Freunde gehabt. Später trug er zur Arbeit in einem Baustoffhandel gerne schwarze Ledermäntel. Er fuhr dicke Autos, die er sich vom Gehalt kaum hätte leisten können.

Schon als Siebenjähriger habe er "ein großes Geltungsbedürfnis" gehabt, erinnert sich ein ehemaliger Schulkamerad. "Wichmann war ein kleiner Aufschneider. Sonst hatte das niemand nötig. Wir waren alle Kinder kleiner Leute. Er wollte was Besonderes sein." Der einstige Klassenkamerad erzählt weiter, dass Wichmann mit dem Versprechen "Ich kann euch ein wunderschönes Schloss zeigen" die Jungen in sein Elternhaus am Waldrand lockte. Als die Kinder angekommen waren, stellte sich das "Schloss" als verfallenes Gutshaus heraus. Ein verfallenes Gutshaus, anderen als Schloss verkauft – das ist die Metapher für Wichmanns Leben.

Mit 22 Jahren muss Wichmann Anfang der siebziger Jahre wegen Vergewaltigung für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis, von dort antwortet er auf eine Kontaktanzeige von Helga H., der wohlhabenden Ex-Gattin eines Zahnarztes, damals 43 Jahre alt. Als sie Wichmann zum ersten Mal im Gefängnis besucht, ist dieser 26, "ein großer, schlanker, blonder Mann", erinnert sich Helga H. heute. "Er hätte mein Sohn sein können." Sie fühlte sich hingezogen zu dem jungen Schönling, schickte ihm Kassetten mit Musik ins Gefängnis und Liebesbotschaften. Dass er ein verurteilter Vergewaltiger ist, schien sie nicht zu stören. "Ich wusste nur, dass er als junger Mann irgendetwas angestellt hatte", sagt sie am Telefon. "Was sollte man da groß drüber reden?" Dass sie mit einem Serienmörder zusammen gewesen sein könnte, mag sie nicht glauben. "Er war ein guter Mensch." Ein Satz von damals hat sich ihr besonders eingeprägt. "Ich lasse mich nie wieder einsperren", sagte er zu ihr.

Helga H. setzte sich für seine vorzeitige Entlassung ein. Als er 1975 freikommt, zieht er bei ihr ein, in eine große Wohnung bei Karlsruhe. Sie genießt die Zeit mit dem jungen Mann, der sie immer gut behandelte, wie sie sagt. Drei Jahre geht das so, dann zieht Wichmann zurück zu seinen Eltern nach Lüneburg, angeblich "aus Heimweh". In Wichmanns Karlsruher Zeit wurden um die Stadt herum mehrere Morde an Anhalterinnen verübt, die bis heute ungeklärt sind.

Dass Wichmann auch dieser Verbrechen verdächtig ist, hat mit der Tat zu tun, wegen der er einsaß und von der Helga H. nichts wissen wollte. Wichmann hatte 1970 eine junge Anhalterin in seinem Wagen mitgenommen. Er legte eine Hand auf ihr Knie, sie wehrte sich. Da bog Wichmann vom Weg ab, hielt, zerrte die Anhalterin in den Wald und sagte: "Zieh dich aus!" Als sie in Unterwäsche vor ihm stand, warf er sie zu Boden und vergewaltigte sie. Er stürzte sich mehrmals auf sie, steht im Urteil, und rief: "Es geht noch nicht nach Hause!" Er würgte sie von hinten mit beiden Händen. Die Anhalterin verlor das Bewusstsein. Wichmann warf den scheinbar leblosen Körper in den Kofferraum und fuhr weiter. Die junge Frau kam zu sich und ertastete im Kofferraum einen Spaten. Als Wichmann anhielt – offenbar, um den vermeintlichen Leichnam zu vergraben –, griff sie ihn an. Wieder würgte er sie und schloss den Kofferraum. Als er ihn das nächste Mal wieder öffnete, hielt er eine Schusswaffe in der Hand.

Was nun geschieht, ist erstaunlich und lässt Rückschlüsse auf sein instabiles Innenleben zu: Die Anhalterin kann ihn überreden, sie laufen zu lassen, sie überzeugt ihn, dass er von ihr "nichts zu befürchten" habe. Wichmann lässt sie tatsächlich gehen. Kurz darauf liest er in der Tageszeitung einen Artikel über die Entführung und Vergewaltigung – und findet sich völlig falsch dargestellt. Deshalb geht er zur Polizei, um einiges "richtigzustellen", wie er den Beamten sagt. Schließlich, fährt er fort, gerate er ja dauernd in Verdacht, wenn es um "Sittlichkeitsdelikte" gehe, dem wolle er zuvorkommen.


Dem Narzissten kommt es auf das Bild an, das andere von ihm haben. Beim Vergewaltiger Wichmann ist der Wunsch nach der Kontrolle des Fremdbildes so immens, dass er seine Entdeckung in Kauf nimmt. Als die Polizisten seine Wohnung durchsuchen, finden sie zwei Kleinkalibergewehre und Mappen mit Zeitungsausschnitten. In einer hatte Wichmann alle Artikel zu einem Mord abgeheftet, der sich 1968, zwei Jahre zuvor, ereignet hatte: Eine 38-jährige Frau war durch einen Wald geradelt und mit einem Kleinkalibergewehr erschossen worden. Zeugen hatten einen Mann in einem knielangen Mantel gesehen. Der Fall ist nicht aufgeklärt. War Wichmann der Schütze?

Zurück ins Mörderhaus im Lüneburg des Jahres 2016. Der weißhaarige Rudloff erklimmt die Treppe hinauf ins erste Obergeschoss. Er bleibt vor einer grün gepolsterten, schweren Tür stehen. "Die hat Wichmann einbauen lassen", sagt Rudloff, "damit keiner was hören kann." Niemand durfte den Raum dahinter betreten. Nicht einmal Wichmanns Frau.

Es ist ein geräumiges Zimmer mit Dachschrägen, alles in hellem Holz getäfelt. Es herrscht Durcheinander, doch dann offenbart sich eine geheime Ordnung. Hier die Fotoalben, da die Bücher, und der Raum birgt Hohlräume mit Geheimverstecken. Fast nichts hat sich hier verändert seit Wichmanns Tod. Selbst der Teppichboden ist derselbe. Im Regal noch immer die Bücher des Mörders. Ich bin stolz, Deutscher zu sein lautet ein Titel. Ein anderer: Warum wir Adolf Hitler wählen. Rudloff sagt: "Der war ein halber Nazi, früher wehte hier noch die Reichskriegsflagge."

Ungeklärte Mordtaten im Raum Lüneburg

An Tischen und Regalen, in Winkeln und an Wänden sind immer wieder Teile ausgesägt und über Hohlräumen wieder verschlossen worden. Rudloff klopft gegen die Wand unter der Schräge. "Noch ein Hohlraum." Erst vor Kurzem hat die Polizei die gesamte Verkleidung abgenommen – 27 Jahre nach dem Verschwinden von Birgit Meier und den beiden Doppelmorden in der Göhrde. Zum Vorschein kam ein langes Hanfseil, allerdings ohne DNA-Spur.

Gegenüber der schallisolierten Tür gibt es noch eine zweite. Als Rudloff das Haus kaufte, führte diese Tür ins Nichts. Wer sie öffnete, blickte von oben in die Garage. Dort hatte Wichmann einen Strick befestigt. "Damit wollte er sich wohl umbringen, wenn ihm jemand auf die Schliche kommt", vermutet Rudloff.

Wichmann inserierte auch als Callboy in Pornozeitschriften, seine Anzeige warb für den "Mann mit Tagesfreizeit". Eine der Frauen, die sich 1990 darauf meldete, schildert die Beziehung heute als gleichberechtigt. Sie sei damals verheiratet, gleichwohl aber sehr in Wichmann verliebt gewesen, sagt sie, und habe sich nicht allzu viele Gedanken gemacht. Aber im Rückblick fällt ihr ein, dass Wichmann durchaus "ein eigenartiger Typ mit zwei Gesichtern" war. Er habe zwar immer wieder versucht, sie zu würgen und zu fesseln, aber von ihr abgelassen, wenn sie ihm sagte, "dass ich auf solche Spielchen nicht stehe". Dieser Frau hatte Wichmann auch vorgeschlagen, mit ihm die eigene Entführung zu inszenieren und von ihrem Ehemann Lösegeld zu erpressen.

War es Wichmanns blutiges Werk, das Blaubeersammler in der Göhrde entdeckten?

Der oft arbeitslose Wichmann war ständig in Geldnot. Seiner Ehefrau Alice und der Verlobten seines Bruders entwendete er heimlich Scheckkarten. Bei seinem Suizid war er völlig überschuldet.

Als 1993 nach dem Verschwinden der Birgit Meier sein Haus und auch das geheime Zimmer polizeilich durchsucht wurden, wusste Wichmann: Es ist vorbei. Vor seiner Festnahme versuchte er mehrmals, sich umzubringen, mit Tabletten und Autoabgasen. Nachdem er auf der Flucht in eine Verkehrskontrolle geraten war, erhängte er sich in seiner Zelle. Aus dem Gefängnis schrieb er noch Abschiedsbriefe an seine Frau voller Selbstmitleid. Darin finden sich Passagen, die sich wie verschlüsselte Botschaften lesen. "Pflegt mir ganz besonders das Tulpenbäumchen", steht darin, und an Alice: "Gestern habe ich schon ... (seinem Bruder, Anm. d. Red.) geschrieben, dass er Dir sagen möchte, Du möchtest die Madonnenfigur am Kamin zerschlagen und wegschmeißen – überlege einmal, mein Platz war direkt unter ihr, seitdem wir die neue Garnitur haben – und wann fing alles an?" In seinem letzten Brief schreibt er zum Schluss, sein Bruder solle "die Dachrinne über dem Kellereingang reinigen, aber sehr vorsichtig, er ist ja handwerklich nicht so sehr geschickt". Interessieren sich Menschen, die dem Tod ins Auge sehen, für Tulpenbäumchen und Dachrinnen?

Weder die Madonnenfigur noch das Tulpenbäumchen oder gar die Dachrinne wurden von der Polizei je untersucht. Im Raum Lüneburg gibt es über 40 ungeklärte Mordtaten an Frauen und Mädchen seit den sechziger Jahren. Welche passen noch zu Wichmanns Modus Operandi – dem eines Gewalttäters mit sadistischer Komponente? Und welche Rolle spielt der Bruder?

War es Wichmanns Werk, das Blaubeersammler am 12. Juli 1989 in der Göhrde entdeckten? Im Waldabschnitt "Jagen 138" stieg ihnen plötzlich ein süßlich-widerlicher Geruch in die Nase. Unter einer Kiefer entdeckten sie einen Haufen aus Zweigen und Reisig – aus dem die Hand eines Menschen ragte.

Fortsetzung folgt

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#9

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 30.10.2016 21:55
von Ede-Fan • 591 Beiträge

In der Zeit.de vom 20.10.2016 ist ein Artikel über Birgit Meyer erschienen. Einen kleinen Schuß Göhrde-Morde gibt es auch dazu.

Serienmord
:
Warum starb Birgit Meier?
Eine Frau verschwindet und erst jetzt, 27 Jahre später, klärt sich ihr Schicksal – und das könnte den Ermittlern den Weg zu einem Serienmörder weisen.
Von Anne Kunze und Felix Rohrbeck
20. Oktober 2016, 3:05 Uhr / Editiert am 25. Oktober 2016, 20:30 Uhr / DIE ZEIT Nr. 42/2016, 6. Oktober 2016

Als im Sommer 1989 Birgit Meier verschwindet, hat die Polizei gerade anderes zu tun. Wenige Wochen zuvor ist in der Göhrde, einem Erholungsgebiet nahe Lüneburg, ein Ehepaar auf grausame Art ermordet worden. Beerensammler finden, verscharrt unter Zweigen, die beiden "stark mumifizierten und größtenteils skelettierten Reste" der Leichen, wie es in den Ermittlungsakten heißt. Während die Polizei noch die Spuren dieses Doppelmordes sichert, wird nur 800 Meter weiter ein zweites Paar umgebracht, vermutlich vom selben Täter. Diese spektakulären Verbrechen beunruhigen viele Menschen. Aus der Göhrde, einem bislang beliebten Waldgebiet, wird über Nacht der "Totenwald".

Als Birgit Meier verschwindet, kommt niemand auf die Idee, dass es zu den Doppelmorden in der Göhrde eine Verbindung geben könnte.

Vor wenigen Tagen, erst jetzt in diesem Herbst, 27 Jahre später, wird aufgeklärt, dass Birgit Meier keines natürlichen Todes starb. Vieles deutet darauf hin, dass es sich um einen der rätselhaftesten Fälle der Nachkriegszeit handelt. Im Mittelpunkt steht wohl ein Serienmörder. Die ZEIT geht dieser Geschichte, die letztlich auch zu den Doppelmorden in der Göhrde führt, in einer dreiteiligen Serie nach.

Am Vormittag des 15. August 1989 klingelt bei dem Polizisten Wolfgang Sielaff das Diensttelefon. "Die Mami ist weg", sagt schluchzend Yasmine, Birgit Meiers 20-jährige Tochter. Wolfgang Sielaff ist der Bruder der Verschwundenen. Er sagt: "Ich wusste sofort, dass meine Schwester nicht einfach so verschwunden sein kann – niemals hätte sie ihre Tochter allein gelassen. Sie klebten zusammen wie Kletten."

Wolfgang Sielaff leitete im Jahr 1989 das Hamburger Landeskriminalamt (LKA) und wurde später Polizei-Vizepräsident. Heute trifft man ihn im Hamburger Büro des Weißen Rings an, eines Vereins, der sich für Kriminalitätsopfer einsetzt. Sielaff, der Mann, der gegen Täter ermittelt hat, kämpft nun für die Rechte von Opfern und ihrer Angehörigen. Damals konnte nicht einmal der einflussreiche LKA-Mann durchsetzen, dass im Fall seiner verschwundenen Schwester professionell ermittelt wurde.

Dass die Polizei so träge war, lag auch daran, dass sie früh einen Verdächtigen hatte: den Ehemann der Verschwundenen. Harald Meier.

Ein erfolgreicher Unternehmer in der Druckindustrie, von dem die Beamten vermuten, er habe seine Frau getötet. Das Paar hatte sich wenige Monate vor Birgit Meiers Verschwinden getrennt. Harald Meier war von da an mit einer anderen Frau zusammen. Birgit Meier, zum Zeitpunkt ihres Verschwindens Hausfrau, verkraftete die Trennung schlecht. Oft trank sie schon mittags, Cognac.

Am Abend des 14. August 1989 empfängt Birgit Meier, eine 40-jährige blond gelockte Frau mit feinen Gesichtszügen und einer Vorliebe für große Ohrringe, ihren Ehemann mit einem Lächeln. Sie scheint sich besser zu fühlen als die Tage zuvor. Die beiden sind verabredet, um den Hausstand aufzuteilen. Birgit Meier – darauf haben sie sich geeinigt – soll eine halbe Million Mark als Abfindung bekommen und aus dem gemeinsamen Haus bei Lüneburg ausziehen. Am nächsten Tag wollen sie beide zum Notar. In der halben Million sehen die Ermittler ein mögliches Motiv.

Die Tochter Yasmine Meier leidet unter dem Trennungsstreit der Eltern und erzählt heute, sie habe damals noch mit der Mutter am Abend vor dem Auszug telefoniert und sie gefragt: "Habt ihr euch gestritten?" – "Nein", habe die Mutter geantwortet. Am nächsten Morgen ist die Tochter die Erste am möglichen Tatort. Das Opel-Cabriolet der Mutter steht in der Garage. Sie ist weg. Die Bettdecke ist zurückgeschlagen, vom Nachthemd und den Kleidern, die sie trug, fehlt jede Spur. Eine grüne Dokumentenkassette steht offen. Birgit Meiers Papiere fehlen.

Der Ehemann Harald Meier wird von der Polizei vernommen, die Polizei kann ihm nichts nachweisen. Im vorläufigen Ermittlungsergebnis heißt es, dass nicht geklärt werden konnte, warum Birgit Meier "so plötzlich verschwunden ist".

Der Gärtner mit den "eiskalten Augen"

An einem Augustnachmittag des Jahres 2016 steht Harald Meier in einem rosafarbenen Hemd im Garten seines Anwesens. Es ist das Haus, aus dem seine Frau verschwand. Neben ihm ein Pool und ein Fischteich, in dem teure Koi-Karpfen schwimmen. "Birgit war für mich ein beständiger Kumpel. Ich konnte mich auf sie voll verlassen", sagt er. Als sie ihn an jenem Abend vor 27 Jahren empfing, hübsch zurechtgemacht, sei ihm sofort aufgefallen, dass sie diesmal "null Alkohol" getrunken hatte. "Na, hast du noch was vor?", neckte er sie. "Wer weiß", gab sie kokett zurück. So erinnert sich Meier an das Gespräch. Er beugt sich über den Gartentisch und flüstert: "Heute denke ich, vielleicht hat ihr Mörder schon im Nebenraum gewartet."

Harald Meier galt vielen als der Täter, der seine Ehefrau beseitigte. Er bemüht sich heute, all die Gerüchte zu überspielen, aber die Verletzungen sind geblieben. In seiner Firma hörte er seine Mitarbeiter über ihn tuscheln. Seine Frau ist verschwunden, und manche fragen sich: Hat Meier die Leiche vielleicht in seinem Porsche ans Meer gefahren und von seinem Motorboot aus im Meer versenkt? Selbst seine Tochter schaute ihn manchmal an, so als fragte sie sich: Kann etwas dran sein an dieser Vermutung, die ja auch von der Polizei geäußert wird?

Der ehemalige LKA-Chef Wolfgang Sielaff sagt über seinen Schwager: "Ich konnte nicht glauben, dass er es war. Um Geld haben sich die beiden nie wirklich gestritten."

Sielaff hatte ein sehr gutes Verhältnis zu seiner Schwester, und noch enger war das seiner Frau und seiner Töchter zu ihr. Wenige Wochen vor ihrem Verschwinden waren Birgit Meier und Sielaffs Frau noch gemeinsam im Urlaub auf Gran Canaria. "Sie kam mir stabiler vor als unmittelbar nach der Trennung", sagt Sielaff heute.

Und dann – sechs Wochen nach dem Verschwinden seiner Frau – stößt Harald Meier auf den ersten Verdacht. Eine Arbeitskollegin von seiner Frau erzählt ihm, am Tag ihres Verschwindens habe Birgit mit ihr gesprochen und lachend erwähnt, dass sie nun den "Hausfreund" der Nachbarin "übernommen" habe. Dieser habe bei Birgit geklingelt und gefragt, wie er die Nachbarin erreichen könne, bei der er den Garten gepflegt hatte – obwohl er die Adresse kannte.

Harald Meier ist irritiert. Er erinnert sich an eine Party bei der Nachbarin, auf der auch dieser Gärtner war. "Ein stiller Typ", sagt Meier, "blond, ein hübsches Gesicht, aber ganz schreckliche Augen. Ich habe noch nie solche Augen gesehen. Kalte, eiskalte Augen, die alles taxierten." Dann stellt sich heraus, dass Birgit Meier dem Gärtner wenige Monate vor ihrem Verschwinden noch einmal auf einer Party der Nachbarin begegnet war. Sie hatte zu viel getrunken, und der Gärtner trug sie nach Hause.

Harald Meier berichtet der Kripo von der Begegnung seiner Frau mit dem Gärtner. Die Beamten finden heraus: Der Gärtner arbeitet auf einem Friedhof und heißt Kurt-Werner Wichmann. Offenbar ein gefährlicher Mann. Er bedrohte schon als Kind eine Frau mit einem Messer. Als junger Erwachsener entführte er eine Anhalterin, vergewaltigte sie und würgte sie fast zu Tode. Dafür saß er fünf Jahre im Gefängnis.

Die Kripo lädt ihn vor. Zur Vernehmung erscheint er mit Schutzhandschuhen, wegen einer Allergie, wie Wichmann sagt. Zur Tatzeit, beteuert Wichmann, habe er ein Alibi. Im Protokoll der Vernehmung heißt es: "Ich kann nur pauschal sagen, dass ich an keinem Abend während der fraglichen Zeit meine Wohnung verlassen habe. Einschränken muss ich, dass ich abends auch nach 22 Uhr, aber höchstens für eine Viertelstunde, mit meinem Schäferhund nach draußen gehe." Seine Frau bestätigt das. Wichmann erwähnt nicht, dass er in jenen Tagen, in denen Birgit Meier verschwand, krankgeschrieben ist. Es wäre für die Polizei nicht schwer gewesen, dies herauszufinden, aber es kümmerte sich erstaunlicherweise kein Ermittler genauer um Wichmann.

"Spätestens jetzt hätte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden müssen", sagt Sielaff. Aber es geschah nichts. "Man ging stoisch von einem Vermisstenfall aus. Immer wieder hörte ich von den Kollegen: Wir tun ja alles, aber leider finden wir nichts", sagt Sielaff. Fragt er genauer nach, verstummen die Kollegen. So geht das Monate, Jahre, bis eine neue Staatsanwältin in Lüneburg für das Verfahren zuständig wird. Diese leitet 1993, dreieinhalb Jahre nach dem Verschwinden der Birgit Meier, ein Strafverfahren wegen des Verdachts des Mordes an Birgit Meier gegen Kurt-Werner Wichmann ein.

An einem kalten Februarmorgen des Jahres 1993 klingeln die Polizisten früh an einem Backsteinhaus am Rande der Stadt Lüneburg. Hier lebt Kurt-Werner Wichmann. Er ist nicht zu Hause. Seine Ehefrau öffnet. Im Keller schlägt ein Leichenspürhund an – vor einer Rigipswand, die erst kürzlich eingezogen wurde. Im ersten Stock stehen die Beamten vor einer mit Lederpolstern überzogenen, schallisolierten Tür. Auch sie habe dafür keinen Schlüssel, erklärt ihnen die Ehefrau, zu diesem Zimmer hätten nur ihr Ehemann und sein Bruder Zutritt. Die Beamten brechen die Tür auf. Sie finden zwei Kleinkalibergewehre, einen Revolver, Munition, Schalldämpfer, Elektroschocker, Messer, Kanülen, Schlafmittel, Ketten, Kordeln und eine Handschelle mit einer Blutspur. Die Polizisten nehmen alles mit. In einem VW Golf, der auf Wichmann zugelassen und bei Lüneburg geparkt ist, finden sie einige Zeit später Straßenkarten, ein Bundeswehrschlafsack, eine Thermoskanne und ein Fernglas. Eine solche Ausstattung passt zu einem Jäger. Oder zu einem Menschen, der viel Zeit damit verbringt, Menschen auszuspionieren, die er erlegen möchte.

Auch ohne Leiche ist der Fall geklärt

Als die Beamten den Garten auf Wichmanns Grundstück durchsuchen, schlägt ihr Metallsuchgerät aus. Sie bestellen einen Bagger, der den Boden aufreißt, und entdecken etwas Erstaunliches: Im Garten ist ein Auto vergraben, ein knallrotes neues Ford-Sportcoupé. Es sieht aus, als klebe auf dem Rücksitz Blut. Wieder schlägt der Leichenspürhund an. In dem Auto liegt jedoch keine Leiche.

In den darauffolgenden Wochen ist Wichmann auf der Flucht. Am 15. April 1993 verursacht er auf einer Landstraße bei Heilbronn einen Verkehrsunfall. Die Polizisten untersuchen sein Auto, finden Waffenteile und Munition, deswegen nehmen sie ihn mit zur Wache. Wichmann kommt in Untersuchungshaft. Dort erhängt er sich an seinem Gürtel. Es ist der 25. April 1993. Wichmann ist 43 Jahre alt geworden.

Damit enden die Ermittlungen. Die Polizei folgt einem Rechtsgrundsatz, der sich aus der deutschen Strafprozessordnung ergibt: Gegen Tote darf nicht ermittelt werden. Es ist dieses Prinzip, an dem viele Familien zerbrechen. Die Hinterbliebenen finden keine Ruhe, solange die Umstände des Todes des geliebten Menschen nicht aufgeklärt sind. "Ich bin 27 Jahre durch die Hölle gegangen", sagt Yasmine Meier, heute 47 Jahre alt. "Die jahrzehntelange Ungewissheit frisst mich von innen auf."

2002 geht Wolfgang Sielaff in den Ruhestand. Und nimmt sich den Fall seiner Schwester systematisch vor. Er bekommt Zugang zu den Ermittlungsakten und ist erschüttert. "Es war ein gespenstischer Moment", erinnert er sich. "Alle Beweismittel waren vernichtet worden." Sogar der rote Ford aus dem Garten ist verschwunden. Ein weiterer Fehler: Die Rigipswand im Haus des Friedhofgärtners ist nie genau untersucht worden. Heute möchte die Polizei zu diesen Vorgängen keine Stellung nehmen, das alles sei ja schon 27 Jahre her, teilt die zuständige Staatsanwaltschaft Lüneburg der ZEIT lapidar mit.

Mord verjährt nicht, die Beweismittel hätten aufbewahrt werden müssen. Und auch der Rechtsgrundsatz "Gegen Tote darf nicht ermittelt werden" galt in diesem Fall nicht – denn es gibt ja einen Menschen, den die Polizei immer noch für einen möglichen Täter hielt: Harald Meier, den Ehemann. Wenigstens um ihn zu entlasten oder zu überführen, hätte man die Beweismittel untersuchen und etwa die Nachbarn Wichmanns befragen müssen, die ja vielleicht mitbekamen, dass ein Auto vergraben wurde.

Sielaff gibt nicht auf. Er sammelt frühere Weggefährten um sich. Unter ihnen die Kriminalpsychologin Claudia Brockmann und der damalige Leiter des LKA Hamburg Reinhard Chedor – Experten auf ihrem Gebiet. Der Rechtsmediziner Klaus Püschel und der Rechtsanwalt Gerhard Strate beraten das Team. Immer wieder spekulieren sie über Motive, mögliche Tatabläufe und das Täterverhalten. Bald merken sie, dass es einen Zusammenhang geben könnte zu weiteren, bislang unaufgeklärten Morden. Sielaff und ein Ermittler aus seiner Truppe fahren noch einmal zu Wichmanns Haus. Das "geheime Zimmer" gibt es noch immer, nahezu unverändert. Sie entdecken Videos zweier Aktenzeichen XY ... ungelöst- Folgen: Über den Fall Birgit Meier. Und über die Göhrde-Morde. Sielaff teilt auch das der Polizei in Lüneburg mit. Wieder geschieht: nichts.

Im Jahr 2015 übernimmt der neue Polizeipräsident Robert Kruse die Führung des LKA Lüneburg. Ihn kann Sielaff überzeugen, eine Sonderkommission einzurichten, die den Fall seiner Schwester aufrollen soll. Die Kommission trägt den lateinischen Namen Iterum: "zum wiederholten Male". Die Einheit leitet der Ermittler Richard Kaufmann. Er erweist sich als großes Glück: Kaufmann ist ein akribischer Kriminalist, der in den vergangenen Jahren all seine Fälle aufgeklärt hat. Er lässt verschiedene Gräber auf dem Friedhof ausheben, auf dem Wichmann damals tätig war, genau jene sieben Gräber, die offenstanden, als Birgit Meier starb. Meiers Knochen findet man nicht. Kaufmann spricht mit Wichmanns Hinterbliebenen. Er befragt auch alte Schulfreunde und erfährt, dass Wichmann, früher Tiere gequält, getötet und in einem Waldstück vergraben haben soll.

Deswegen stapft an einem Septembermorgen 2016 eine Hundertschaft Polizisten durch einen Birkenwald bei Lüneburg. Sie tragen Gummistiefel, auf ihren Jacken steht der Name ihrer Einheit, NI7432. Alle paar Meter stechen sie mit Metallstäben tief in den Boden. Sie stochern nach dem Leichnam Birgit Meiers. Sie finden alte Glasflaschen, verrostete Dosen, und sie stoßen auf einen Schuh, halb aufgelöst. Aber sie finden keine menschlichen Überreste.

Doch auch ohne Leiche ist der Fall jetzt geklärt. Denn der Chefermittler Kaufmann findet heraus, dass die Handschelle aus Wichmanns geheimem Zimmer damals zur Untersuchung an die medizinische Hochschule Hannover gebracht wurde. Und der zuständige Experte sagt, er werfe nie etwas weg und verspricht, die Handschelle zu untersuchen. Das Ergebnis: eine Blutspur, groß wie ein Stecknadelkopf. Birgit Meiers Blut. Damit steht fest: Wichmann fesselte Birgit Meier und tötete sie. Kaufmann geht nun davon aus, dass Wichmann versucht habe, Birgit Meier zu entführen und von ihrem Mann Lösegeld zu erpressen. Und Kaufmann vermutet, dass ein zweiter Täter an der Entführung beteiligt war. Eine Nachbarin hat in jener Nacht einen laufenden Motor gehört. Aber etwas muss schiefgelaufen sein, etwas, das Birgit Meier das Leben kostete.

"Damit ist die Geschichte noch längst nicht zu Ende", sagt Sielaff. Er ist sich sicher, dass dieser Fall eine weitere, bislang unbekannte Dimension hat. Er wird keine Ruhe geben. Denn es gibt noch Angehörige von Opfern anderer Verbrechen, deren Fälle nie geklärt wurden. So wie Anja K., deren Eltern in der Göhrde ermordet wurden. Wer steckt dahinter? Wichmann, der Friedhofsgärtner, könnte die Schlüsselfigur zu all diesen Verbrechen sein, meint Sielaff. Kann sein Bruder, zu dem er eine sehr enge Beziehung hatte, entscheidend Auskunft geben? Polizeipräsident Kruse hat eine neue Sonderkommission gegründet, die klären soll, wer die Doppelmorde im Totenwald beging.

Erstaunlicherweise ist das Haus, in dem Wichmann wohnte, bis heute fast unverändert. Es steht nur wenige Meter von dem Waldgebiet entfernt, durch das die Hundertschaft Polizisten streift. Klingelt man, geschieht zunächst nichts. Dann ertönt von drinnen ein unheimliches Gebell. Sind das wirklich Hunde?

Fortsetzung nächste Woche

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#10

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 03.11.2016 20:14
von Ede-Fan • 591 Beiträge

Der dritte Artikel über Kurt-Werner W. aus der ZEIT befaßt sich fast ausschließlich mit den Göhrdemorden, so daß ich den Artikel dort gepostet habe.

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#11

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 30.09.2017 21:47
von Ede-Fan • 591 Beiträge

Birgit Meier gefunden!

1989 verschwand Birgit M. spurlos. Ihr Bruder Wolfgang Sielaff ließ bei den Ermittlungen nicht locker. Jetzt ist der Mord aufgeklärt.

Lüneburg/Hamburg. Die Polizei hat einen fast drei Jahrzehnte alten Mordfall aufgeklärt. Nach exklusiven Abendblatt-Informationen wurden jetzt die sterblichen Überreste der im Sommer 1989 plötzlich verschwundenen Unternehmerehefrau Birgit M. unter einer Garage im niedersächsischen Adendorf entdeckt und ausgegraben.

Bei der Toten handelt es sich um die Schwester des früheren Leiters des Hamburger Landeskriminalamtes, Wolfgang Sielaff, der viele Jahre ehrenamtlich in Hamburg auch die Opferschutzorganisation "Weißer Ring" führte. Der Pensionär ließ bei den Ermittlungen nicht locker, ermittelte und suchte weiter. Und machte nun den grausigen Fund.
...
...
...


abendblatt.de vom 30.09.2017: Früherer Hamburger LKA-Chef findet Skelett seiner Schwester

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#12

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 01.10.2017 21:01
von Ede-Fan • 591 Beiträge

Gefunden wurde sie nicht irgendwo, sondern auf dem Grundstück ihres Mörders. Das scheint von der Polizei in den 90ern aber nicht wirklich gescheit durchsucht worden sein.

landeszeitung.de vom 01.10.2017: Knochen von Birgit Meier gefunden

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#13

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 20.01.2018 00:21
von Heimo • 1.285 Beiträge
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#14

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 13.06.2018 19:33
von ViennaCalling • 6 Beiträge

Ein "Glück", dass Wolfgang Sielaff hartnäckig geblieben ist; sonst wäre seine Schwester womöglich nie gefunden worden.
Der Fall Birgit Meier ist damals ziemlich groß in den Lokalmedien gewesen.
Mich haben später die Morde in der Göhrde mehr beschäftigt, als ich begonnen hatte, die alten AZ-Folgen anzusehen.
Umso erschrockener war ich dann, als der Wichmann in diesem Zusammenhang in die Medien kam. Jahre lang macht man sich Gedanken und überlegt und dann kommt der mutmaßliche Täter aus dem gleichen Dorf wie ich.
Sofort musste ich an den Fall Ulrike Burmester denken. Meiner Meinung nach kommt Wichmann auch hier als Täter in Frage. Ulrike lebte ebenfalls in Adendorf, wie er, und beide hätten aus Lüneburg kommend den selben Weg nach Hause gehabt.
Ulrikes Fahrradlicht war defekt. Vielleicht hat er sie auf dem Wegstück am Lüner Holz vom Auto aus angesprochen und angeboten, sie mitzunehmen.
Wichmann ist früh auffällig geworden, zu dem Zeitpunkt des Mordes an Ulrike war er 19 Jahre alt und sicherlich viel mit dem Auto unterwegs.
Nur eine Vermutung natürlich, aber für mich passt das sehr gut zusammen.

zuletzt bearbeitet 13.06.2018 19:37 | nach oben springen

#15

RE: Re: 9.2.1990 Studiofall (Kripo Lüneburg) Vermißtenfall Birgit Meier

in Studiofälle 30.09.2018 20:50
von Mischa • 4 Beiträge

Mittlerweile werden 100 Mord- und Vermisstenfälle im In- und Ausland auf eine mögliche Verbindung mit Kurt Werner Wichmann untersucht.
Ich gebe zu, ich wüßte zu gerne welche.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/lu...-a-1230604.html

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