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12.12.2012 FF2 (Kripo München) (= 6.11.1992 SF6): Doppelmordfall Vidovic/Marx

in Filmfälle 22.01.2013 03:01
von bd-vogel • 570 Beiträge
Die XY-Sendung vom Dezember 2012 griff in Filmfall 2 einen beinahe auf den Tag genau 22 Jahre zurückliegenden Doppelmordfall auf: Am 4. Dezember 1990 wurden ein Gebrauchtwagenhändler und sein Mitarbeiter in ihrem Geschäft an der Moosacher Straße im Nordwesten Münchens auf brutale "professionelle" Weise erschossen.

Der FF rekonstruiert die Ereignisse aus der Sicht von Vidovics Witwe 2012: Thematisiert werden sein offenbar ertragreichen Gebrauchtwagenhandel, in dem "nur immer bar" abgewickelt wird, die Einstellung seines Mitarbeiters Gerhard Marx, seine großzügigen Gelage im "Tanzcafé Europa", einem "jugoslawischen Szenelokal" (so Michael Brennicke im Sprechertext) in München, und seine Wesensveränderung (guter Michael-Sprechertext dazu!) im November 1990. Dann die hinrichtungsgleiche Exekution von Vidovic und Marx in ihrem Geschäft, mit der der FF endet.
Im Fahndungsgespräch kann man über die erste knapp eine Minute nur lippenlesen - ein Tonfehler läßt das Gesprochene nicht hören (und wurde auch nicht nachgeholt, Rudi nimmt zwar ein Handmikro zur Hand, aber wiederholt nicht den vorherigen Dialog). Danach geht es vor allem um die speziell gefrästen Patronen und die Mordwaffe; von den technischen Besonderheiten verspricht man sich Fortschritte in der Fahndung. Gezeigt wird zudem die entwendete seltene Armbanduhr des Opfers Vidovic.
(Siehe auch Fahndungsseite zum Fall auf e110.de

Soweit so mysteriös - aber wir haben ja hier im Forum viele XY-Spürnasen, und eine davon, nämlich unsere liebe "Oma Thürmann", hat im Thread zur XY-Sendung vom 12.12.2012 am 21.1.2012 darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Kriminalfall schon einmal bei XY behandelt wurde - nämlich als Studiofall 6 (Fall 9 der gesamten Sendung, Kripo München) in der 250. XY-Sendung vom 6. November 1992.

Damals präsentierte Sabine Zimmermann den Fall allerdings mit ganz anderem Schwerpunkt: Des Doppelmordes an den beiden Münchner Autohändlern verdächtig sei ein (dann auch konkret mit Vor- und Nachnamen benannter und mit Portraitphoto vorgestellter) Mann, Christos A., dessen "Komplize sich bereits in Haft" befinde. Auffallend die hohe Belohnung: 35.000 D-Mark waren ausgesetzt. Es war also eine reine Personenfahndung, aus der die Zuschauer entnehmen konnten, daß man den gesuchten Mann konkret der Tat bezichtige.

Von alldem ist in der XY-Fahndung vom 12.12.12 aber nicht mehr die Rede.

Wiederum unser' Omma Thürmann wies im selben Posting auf einen Artikel in der "Münchner TZ" vom 25. Juli 2008 hin, der den Doppelmord 18 Jahre nach der Tat (und 16 Jahre nach jener XY-Ausstrahlung) thematisiert (Die Hinrichtung der Autohändler (Münchner TZ vom 25.7.2008 ).
Dort erfährt man einiges über das Vorleben der beiden Mordopfer, was im FF 2012 gänzlich unerwähnt blieb: beide hatten nämlich ein beachtliches Vorstrafenregister (daß die TZ sich das ausgedacht haben könnte, darf man wohl ausschließen, obwohl die TZ eine sehr boulevardeske Zeitung ist).

Und so haben wir hier also wieder mal einen Fall der Kategorie "XY-Studiofall, der zum Filmfall wurde", mit einigen Ungereimtheiten, die sich einstweilen nicht nachvollziehen lassen:

Hat sich die Personenfahndung von 1992 (mit Namen und Photo) und damit auch der Verdacht gegen den damals erwähnten "schon in Haft" befindlichen Komplizen erledigt? (Nicht einmal im rücklickenden Zeitungsartikel wird diese doch prominente Fernsehfahndung mehr erwähnt)?
Warum erfuhr man im FF der Dezembersendung 2012 nichts über das (doch offenbar aktenkundige?) "Vorleben" der beiden Opfer, das doch (falls tatsächlich vorhanden) Rückschlüsse auf das Umfeld zuläßt, aus dem der/die Täter hervorgegangen sein könnten?
Und warum fehlte wenigstens ein kurzer Hinweis auf die frühere Behandlung des Falls in XY?

Vielleicht ist einiges davon aber auch schon in der Presse geklärt/berichtet worden, ohne daß "unser Omma" oder einer von uns es mitbekommen hat? Weitere Infos willkommen!

Auf den Seiten der Münchner Kripo konnte ich außer einer fahndungsbezogen nichtssagenden Pressemitteilung vom 10.12.2012 zur XY-Sendung vom 12.12.2012 nichts zum Fall finden - eigentlich würde man sich doch wünschen, daß zu der Gelegenheit eine neue Fahndungsseite aufgebaut wird. (Das mag im Einzelfall an mangelnder Personalausstattung der Ermittlungsstellen liegen - ist auch andernorts zu beobachten, daß es daran oft mangelt; unverständlich, weil das Netz doch inzwischen so selbstverständlich sein sollte wie Telefonnummern.)

Schauen wir, was die Zukunft bringt... ein weiter spannender Fall.

Bernhard.
...und ein für die Thürmann fürs Aufspüren des 1992er Studiofalls!
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