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Vermisste Kinder in Thüringen

in Kriminalität 13.01.2016 16:07
von vorsichtfalle • 687 Beiträge

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Thüringens vermisste Kinder: Teilweise seit Jahrzehnten keine Spur
13.01.2016 - 08:00 Uhr



Es ist für Eltern der reinste Horror, eine der schlimmsten Situationen: nicht zu wissen, wo ihr Kind ist. Die quälende Ungewissheit ist kaum auszuhalten, Eltern malen sich die furchtbarsten Szenarien aus. Manchmal verliert sich die Spur der Kinder für immer.



Erfurt. Es ist für Eltern der reinste Horror, eine der schlimmsten Situationen: nicht zu wissen, wo ihr Kind ist. Die quälende Ungewissheit ist kaum auszuhalten, Eltern malen sich die furchbarsten Szenarien aus.

In den meisten Fällen dauert es glücklicherweise nur Stunden, manchmal ein paar Tage, bis die Kinder wieder da sind. Manchmal aber bleiben Kinder auch über Monate und gar Jahre wie vom Erdboden verschwunden – und manchmal verliert sich ihre Spur für immer. Ein Albtraum.

Auch in Thüringen werden jede Woche Kinder durch ihre Eltern, Angehörige oder Erzieher als vermisst gemeldet – doch die meisten kehren spätestens nach drei bis sieben Tagen wieder zurück. 2013 wurden in Thüringen 85 Mädchen und Jungen im Alter bis 14 Jahre als vermisst gemeldet, 2014 waren es 95. Deutschlandweit werden jedes Jahr rund 100 000 Kinder und Jugendliche als vermisst gemeldet – und tauchen glücklicherweise in mehr als 99 Prozent aller Fälle wohlbehalten wieder auf.

Doch da gibt es eben auch die ungeklärten Fälle, die Fälle, in denen die Kinder auch nach Monaten oder Jahren nicht gefunden werden. Allein in Thüringen fehlt derzeit von insgesamt 28 Kindern jede Spur. Einige von ihnen wären längst im Erwachsenenalter – so lange liegt es schon zurück, dass sie als vermisst gemeldet wurden. Marko Ellmer aus Wernshausen (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) ist eines von ihnen. Er wäre heute 43 Jahre alt. Der damals Neunjährige wurde am Samstag, dem 23. Januar 1982, als vermisst gemeldet. Zuletzt gesehen wurde er, als er am späten Vormittag den Schulbus, der von Schmalkalden kam, an der Haltestelle Niederschmalkalden/Zwick verließ. Von da an verliert sich seine Spur.

Offenbar wird Hochwasser einem Kind zum Verhängnis
Da sich auch nicht der kleinste Hinweis auf den Verbleib des Jungen fand, konnten die Ermittler eine Straftat nicht ausschließen – genauso wenig wie ein Unglück. Denn die nahe gelegene Werra führte zu diesem Zeitpunkt „Hochwasser mit Randeis“, wie es seitens der für den Fall zuständigen Landespolizeiinspektion Suhl heißt. Bis in den Sommer 1982 hinein sei intensiv nach dem Jungen oder seiner Leiche gesucht worden, zumal es den gesamten Flusslauf der Werra entlang umfangreiche Uferabbrüche gab – ohne Erfolg.

Auch von einem Jungen mit dem Nachnamen Asmuddin fehlt seit mehr als einem Jahrzehnt jede Spur. Im März 2001 war der damals Elfjährige im Rahmen einer Hilfsaktion des „Friedensdorfes Oberhausen“ gemeinsam mit anderen verletzten afghanischen Kindern in die Bundesrepublik geflogen worden. Der Junge hatte eine Schussverletzung erlitten, die in seiner Heimat nicht richtig versorgt worden und deshalb auch nicht ausgeheilt war.

Zur Weiterbehandlung wurde der Junge in das Kreiskrankenhaus Schmalkalden gebracht, wo er jedoch ein paar Wochen später verschwand: Am Abend des 14. Mai 2001 besuchten ihn zwei Männer, beide Ausländer. Sie sollen die Klinik gegen 19 Uhr allein verlassen haben. Eine Viertelstunde später bemerkte das Personal jedoch, das auch sein afghanischer Patient nicht mehr da war. Nach fast vierstündiger Suche schaltete es gegen 23 Uhr schließlich die Polizei ein, die den Jungen aber bis heute nicht ausfindig machen könnte. Die Ärzte sagen, dass Asmuddin am 17. Mai 2001, also nur drei Tage später, das Krankenhaus regulär hätte verlassen und in seine Heimat zurückkehren sollen. Doch ob er dort jemals angekommen ist, das weiß bis heute niemand..

Noch länger zurück liegt die Vermisstenmeldung für zwei Jungen, die in Kahla in die Saale gefallen sein sollen und nie wieder aufgetaucht sind. Der Jüngere von ihnen – ein damals Dreijähriger – wird seit 1979 vermisst, der Zweite – ein damals Siebenjähriger – seit 1986. Ob die DDR-Presse über diese Fälle berichtete, können die Beamten der Landespolizeiinspektionen Jena, die für beide Vermisstenfälle zuständig sind, nicht rekonstruieren. Schließlich wurden derlei Informationen damals nur – wenn überhaupt – sehr spärlich an die Öffentlichkeit gegeben.

Nicht abgeschlossen werden konnten bislang auch zwei Vermisstenfälle im Bereich der Landespolizeiinspektion Gera. Dort fehlt zum einen seit 1983 von Michaela Wagner jede Spur. Zwar konnte die Polizei einen Tatverdächtigen ermitteln, der zunächst auch zugab, das Mädchen getötet zu haben. Doch der Mann soll seine Aussage später widerrufen haben. Bei der Suche nach Michaela durchkämmte die Polizei Wälder und suchte Gewässer ab. Die Leiche des Mädchens aber hat sie nie entdeckt.

Auch nach Marcel Thode suchten die Ermittler die Weiße Elster von Gera bis nach Zeitz in Sachsen-Anhalt ab, ohne den Jungen zu finden. Er war 1995 in der Nähe des Flusses zum letzten Mal gesehen worden. Wie nach dem Verschwinden von Michaela sei die Öffentlichkeit auch in diesem Fall um Mithilfe bei der Suche nach den Kindern gebeten worden, doch den entscheidenden Hinweis gab es bisher nicht.

Eine umfangreiche Öffentlichkeitsfahndung gab es auch in einem Fall in Remstädt (Landkreis Gotha), einem besonders grausamen Verbrechen im Jahr 1996: Zunächst waren eine 36-Jährige und ihre dreijährige Tochter am 3. August als vermisst gemeldet worden. Zwei Tage später entdeckte die Polizei die Leiche der Frau. Gabriele K. war erwürgt worden. Der Polizei gelang es, den Täter zu ermitteln, der schließlich wegen Totschlags rechtskräftig verurteilt wurde und bis 2014 seine Haft verbüßte. Doch es gelang ihr nicht, diesem Mann nachzuweisen, dass er etwas mit dem Verschwinden des Kindes zu tun hat. Bis heute ist unklar, was mit der damals dreijährigen Franziska geschehen ist.

Dabei ließen die Ermittler nichts unversucht: Sie befragten Wanderer und Spaziergänger im Bereich des Fundortes der Toten und suchten das Gelände sowie die Gewässer in der Nähe mehrfach ab. Doch es fehlt bis heute eine heiße Spur. Mit großer Wahrscheinlichkeit weiß allein der Mann, der Franziskas Mutter tötete, was mit dem kleinen Mädchen geschah.

Keine Kinder werden derzeit im Bereich der LPI Nordhausen vermisst, und auch im Zuständigkeitsbereich der LPI Saalfeld ist aktuell kein Vermisstenfall bei Kindern anhängig. Allerdings sucht die Polizei nach drei Jugendlichen, ohne dass sie indes Grund zu der Annahme hätte, dass diese Opfer von Straftaten geworden sind. So werde seit dem ersten Weihnachtsfeiertag 2015 ein 14-jähriger Afghane vermisst, der im Kinderheim Bad Blankenburg aufgenommen worden war. Zeugen haben beobachtet, wie er mit einem Landsmann im Zug wegfuhr. Auch ein 17-jähriger Afghane aus dem Kinderheim Unterweißbach soll einfach abgehauen und per Bahn weitergereist sein.

Mutter entführt ihre kleine Tochter nach Taschkent
Ähnliche Fälle bearbeiten derzeit auch Beamte der LPI Erfurt. Auch sie suchen nach drei minderjährigen Flüchtlingen aus Afghanistan, die unbegleitet nach Thüringen gekommen und offenbar nicht gewillt sind, hier zu bleiben. Zumindest in einem Falle sei bekannt, dass der Jugendliche nach Norwegen weiterreisen wollte.

Daneben haben die Erfurter Ermittler einen Fall von Kindesentziehung auf dem Tisch: Mit internationalem Haftbefehl gesucht wird demnach eine Frau, die ihre kleine Tochter dem Vater, der sowohl das Sorge- als auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht hatte, wie es heißt, „entzogen“ und nach Taschkent, die Hauptstadt ihrer usbekischen Heimat, gebracht haben soll. Für die Rückführung des Kindes sei aber das Jugendamt zuständig.

Sibylle Göbel / 13.01.16 / TLZ


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