#1

Flucht von XY-Gesuchten und sonstigen Sraftätern in die DDR

in Kriminalität 10.07.2010 13:14
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Rund um das Thema XY und DDR gibt es viele Aspekte: Ede Zimmermann war als junger Mann jahrelang in Bautzen inhaftiert, diverse XY-Gesuchte stammten aus der DDR, in manchen XY-Fällen spielten Gegenstände aus DDR-Produktion eine Rolle, vor einiger Zeit verfilmte XY einen in der DDR verübten Frauenmord usw.

Ein besonders interessanter Aspekt ist die Flucht von Tatverdächtigen/Tätern in die DDR. Neben dem früheren Rechtsterroristen Hepp wählte ja eine Reihe von RAF-Mitgliedern diesen Weg, um sich mit Hilfe von DDR-Behörden der bundesdeutschen Strafverfolgung (vorübergehend) zu entziehen. Mal abgesehen von Terroristen: Gibt es weitere bisher bekanntgewordenen Fälle, in denen XY-Gesuchte in der DDR untertauchen konnten?
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#2

Re: Flucht von XY-Gesuchten in die DDR

in Kriminalität 16.07.2010 22:07
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Am 25.01.1974 fahndete XY nach einem Erpresser. In der Folgesendung am 08.03.1974 teilte Ede Zimmermann im Ergebnis-Rückblick mit, dass sich der Mann vor der XY-Fahndung in die DDR abgesetzt hatte, dann aber abgeschoben und vom Bundesgrenzschutz in Empfang genommen wurde.
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#3

Re: Flucht von XY-Gesuchten in die DDR

in Kriminalität 20.07.2010 20:17
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Es scheinen - soweit bisher bekannt - wohl doch nur ganz vereinzelt XY-Gesuchte in die DDR geflohen zu sein.

Losgelöst von XY:

Auch wäre es mal interessant zu erfahren, wie die DDR-Behörden ganz allgemein mit kriminellen Einwanderern aus dem Westen umgegangen sind (wenn sich deren Straffälligkeit herausgestellt hat).

Hier noch ein Bericht aus der WELT vom 27.02.10 über ein Buch, das sich wohl u.a. auch mit dieser Thematik beschäftigt:


Die Flucht von West nach Ost

Bernd Stöver untersucht, warum die DDR für nicht wenige Menschen attraktiv war
von Thomas Speckmann

Bis zum Mauerbau 1961 emigrierten mehr als eine halbe Million Westdeutsche in die DDR. Ihnen folgten bis zum Fall der Mauer 1989 jedes Jahr immer noch mehrere Tausend. Welche Motive hatten diese Übersiedler? Was erträumten sie sich? Wovor flohen sie? Bernd Stöver hat sich auf die Suche nach Antworten begeben. Der Potsdamer Historiker ist dafür der richtige Autor. Bereits vor zwei Jahren hat er sich mit einer nicht nur überaus lesenswerten, sondern darüber hinaus brillant komponierten und geschriebenen Darstellung des Kalten Krieges einen Namen gemacht. Dies gelingt ihm nun ein zweites Mal.

Den "Rübermachern" in die DDR haftete mehr als vierzig Jahre lang der Verdacht an, mit ihnen stimme irgendetwas nicht. Nach Abschluss seiner Recherchen steht für Stöver fest: Man kann diesen Verdacht mit der gleichen Berechtigung als weit übertrieben verstehen oder auch als exakt zutreffend bestätigt bekommen. Die Übersiedler sahen sich bis zur Wiedervereinigung dem Vorwurf ausgesetzt, hier gingen die Verlierer des Wirtschaftswunders, jene also, die in der Bundesrepublik keine Arbeit gefunden hatten, weil sie zu schwach oder zu unflexibel, auf jeden Fall aber nicht geeignet für den freien Wettbewerb der Marktwirtschaft gewesen seien. Eine andere Variation mit gleichem Tenor war die Vermutung, dies seien die Kriminellen, die Asozialen der westdeutschen Gesellschaft.

Unabhängig von diesen Mutmaßungen waren nach Stövers Analysen einige Übersiedler tatsächlich kriminell oder aber wirkliche Agenten der einen oder anderen Seite. Dass ein in der Bundesrepublik straffällig gewordener Deserteur wie Bundeswehrhauptmann Adam Gliga sich nur wenige Jahre nach seiner Übersiedlung in die DDR 1960 dem Bundesnachrichtendienst zur Verfügung stellte und dann dort verurteilt wurde, bevor er wieder nach Westdeutschland ausreisen durfte, wertet Stöver als Beleg für die wechselseitigen Vorwürfe.

Zwar wurden die Übersiedler in der DDR unterschiedslos als Sicherheitsrisiko angesehen, doch blieben sie zugleich ein Teil ihrer politischen Legitimierung. Im Systemkonflikt mit dem kapitalistischen Nachbarn waren sie so begehrt, dass Ostberlin in erheblichem Ausmaß um Zuwanderung warb. Die Motive der Übersiedler aus dem Westen zwischen 1949 und 1989 - um die 550 000 Menschen - waren meist persönlicher Natur. Es handelte sich, wie Stöver anhand von übereinstimmenden Erhebungen ost- und westdeutscher sowie alliierter Stellen zeigt, in erster Linie um familiäre Gründe, wozu allerdings auch die Flucht vor Strafen und Schulden gezählt wurde. An zweiter Stelle und nur mit geringem Abstand kam dann bereits das wirtschaftliche Motiv, die Annahme, sich durch den Umzug ökonomisch verbessern zu können. Erst weit dahinter folgten die engeren politischen Motive, wie sie etwa Wolf Biermann 1953 angab: Die DDR habe entschiedener mit den Naziverbrechen abgerechnet als die Bundesrepublik.

Entsprechend dieser Motiv-Rangfolge fällt auch Stövers Fazit aus: Erstens bildeten Übersiedlungen in die DDR keinen Sonderfall der Migrationsgeschichte. Entkleidet der politischen Konnotationen des Kalten Krieges und verglichen mit anderen Auswanderungen, etwa der westdeutschen in die USA, erweisen sie sich als höchst "normale" Entscheidungen. Zweitens machen die Übersiedlungen nach Stövers Studien deutlich, dass der Kalte Krieg für den menschlichen Alltag eine eher marginale Rolle spielte. Insofern betrachtet Stöver die vorhandene, wenn auch begrenzte Anziehungskraft der DDR, die sich in der West-Ost-Migration zeigte, vor allem als einen Teil der Erwartungsgeschichte nach der Katastrophe des "Dritten Reiches". Dies korrespondiert in seinen Augen auch damit, dass sich die Akzeptanz der Demokratie in der Bundesrepublik erst durchsetzte, als sich die zunächst skeptisch beurteilte Marktwirtschaft mit dem "Wirtschaftswunder" als langlebig und sogar als Erfolg erwies.

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall gebührt Stövers dritter Schlussfolgerung besondere Aufmerksamkeit: "Verpasste Chancen" hat die DDR trotz ihrer Anziehungskraft für über eine halbe Million Westdeutsche nicht gehabt. Moskaus Entscheidung, die SBZ als eine Diktatur sowjetischen Typs aufzubauen und dies trotz einiger marginaler Veränderungen so zu belassen, bedeutete zugleich, dass sie ein Staat wurde, der massiv in das von den Bürgern gewünschte "normale Leben" eingriff. Und eben dies erwies sich als Problem für die Zuwanderung aus dem Westen. Die Ironie dieser Geschichte: Heute sind es ebenfalls vor allem ökonomische und private Motive, die Menschen von Ost nach West ziehen lassen. Oder anders ausgedrückt: Spätestens seit 1989 wird zurückgewandert.

Bernd Stöver: Zuflucht DDR. Spione und andere Übersiedler. C. H. Beck, München. 383 S., 24,90 Euro.

Quelle: http://www.welt.de/die-welt/kultur/literatur/article6583380/Die-Flucht-von-West-nach-Ost.html
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#4

Re: Flucht von XY-Gesuchten in die DDR

in Kriminalität 21.07.2010 00:29
von bd-vogel • 570 Beiträge
xyzuschauerseit72>Losgelöst von XY:

Erlaube mir dann doch eine vorbeugende Bitte: Hier in diesem Forumsbereich bitte beim Bereichsthema, also "XY-Sendung", bleiben. Allgemeine Betrachtungen zu diesem (sicherlich spannenden) Thema könnten, wenn gewünscht, im Bereich "Sonstiges" stattfinden. (Kann den Thread hier auch gerne dorthin verschieben.)

Danke & Grüße,
Bernhard.
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#5

Re: Flucht von XY-Gesuchten in die DDR

in Kriminalität 21.07.2010 09:24
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Hi Bernhard, da wohl die passenden xy-Fälle sehr überschaubar sind, habe ich den Titel dieses Themas geändert und stimme nach sorgfältiger Abwägung aller Aspekte schweren Herzens einer Verschiebung nach Sonstiges zu.
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#6

Re: Flucht von XY-Gesuchten und sonstigen Sraftätern in die DDR

in Kriminalität 21.07.2010 23:57
von bd-vogel • 570 Beiträge
OK - hat anscheinend inzwischen schon einer der anderen Mods umgesetzt.

Viele Grüße,
Bernhard.
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#7

Re: Flucht von XY-Gesuchten und sonstigen Sraftätern in die DDR

in Kriminalität 22.07.2010 07:15
von bastian2410 • 1.543 Beiträge
ich habe mir erlaubt, den Thread zu verschieben. Ich persönlich halte diesen Standpunkt auch für besser, da die Relevanz zu xy- FF (z.Zt.noch) fehlt. Wir können diesen Thread ja jederzeit wieder zurückschieben.

Hoffe, das geht i.O.!
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#8

Re: Flucht von XY-Gesuchten und sonstigen Sraftätern in die DDR

in Kriminalität 02.09.2010 15:42
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Bei einigen auch von XY gesuchten früheren RAF-Mitgliedern stellte sich ja 1990 heraus, dass sie von DDR-Stellen in der DDR versteckt worden waren. 2009 strahlte der Südwestrundfunk unter dem Titel

„Wie kannst du mit dieser Vergangenheit leben?“
RAF-Aussteiger in der DDR

ein informatives Feature von Thomas Gaevert aus. Das Manuskript der Sendung findet sich hier:

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/feature/-/id=5364170/property=download/nid=659934/2l1jvl/swr2-feature-20091021.pdf
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