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13.11.1981 FF1 (Anif) Mord an Christine Reitzl (Der Goldene-Mantel-Mord)

in Filmfälle 22.02.2013 16:46
von mcgarett • 23 Beiträge
Hallo liebe Leute!

Ihr bekommt mal wieder Post aus Wien. Ich habe zu dem Fall ein wenig recherchiert und dazu einen Artikel in den Salzburger Nachrichten vom 1.5. 1993 gefunden. Musste ihn reinkopieren, da verlinken nicht möglich war. Ich bitte daher gleich um Entschuldigung, wenn das Ganze dadurch etwas lang wird, aber der Text ist wirklich sehr ausführlich. Viel Spaß beim Lesen.

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"SN" vom 1.5.1993

Der mysteriöse Tod einer jungen Prostituierten


Gewürgt, geschlagen, an Schock gestorben - Opfer stieg an Stelle von Kollegin ins Auto

13. November 1981, 20.15 Uhr. 17 Millionen Menschen in Österreich, Deutschland und der Schweiz sitzen vor dem Fernsehapparat. Eduard Zimmermann bittet wieder um die Mithilfe der Bevölkerung in einem Mordfall. Diesmal kommt der erste Fall der Sendung "Aktenzeichen XY - Ungelöst" aus Salzburg. Gesucht wird der Mörder der 24jährigen Prostituierten Christine Reitzl. Das XY-Team hat den Prostituiertenmord in Wien nachgedreht, tatsächlich zugetragen hat er sich ein halbes Jahr früher in Salzburg und im etwa 20 Kilometer entfernten Elixhausen.

Am 21. Mai 1981 war eine Hausfrau aus Elixhausen im Aubergwald zum Holzsammeln unterwegs. Sie sah undeutlich etwas im Unterholz liegen, hielt es aber für einen Tierkadaver. Erst am Abend erzählte sie ihrem Mann von der Beobachtung. Der hielt Nachschau und entdeckte die nur mit einem schwarzen Pullover bekleidete Leiche.

Der Befund der Gerichtsmediziner: Die Frau war im achten Monat schwanger; sie war geschlagen und gewürgt worden; gestorben ist sie nicht an den Mißhandlungen, sondern am Schock.

In der Nacht zuvor arbeitete Reitzl in ihrem gewohnten Revier in der Elisabethvorstadt auf dem Straßenstrich. Bei der Elisabethkirche oder in der Franz-Josef-Straße stieg sie zu den Freiern ins Auto. In der Franz-Josef-Straße sahen Kolleginnen nach Mitternacht Reitzl auch zum letzten Mal.

Eine der Frauen schilderte der Polizei, was in jener Nacht geschehen war: Ein Wagen, ein Ford Taunus, rollt langsam an den Fahrbahnrand. Ein etwa 25 bis 30 Jahre alter Mann mit auffallend kräftigen Händen, blonden Haaren und einem Schnurrbart kurbelt das Fenster herunter. Der Kärntner, dafür hält ihn die Zeugin, wollte zunächst sie mitnehmen - in einen Wald außerhalb der Stadt. Die Frau lehnt ab, das ist ihr zu unheimlich. An ihrer Stelle steigt Reitzl zu dem Unbekannten in den Wagen. Das Auto fährt davon.

Übrig blieben nur Reifenspuren im Aubergwald in Elixhausen und ein kleiner grauer Hemdknopf an einem Stück hellblauer Nähseide. Nichts deutete darauf hin, daß sich in dem Waldstück nahe der Mattseer Bundesstraße ein Kampf abgespielt hatte. Reitzl war wahrscheinlich schon tot, als sie aus dem Wagen gestoßen wurde. Die rote Handtasche des Opfers und ihre Kleidung blieben verschwunden - der schwarz-weiße Rüschenrock ebenso wie der goldfarbene Lackmantel, den sich Reitzl von einer anderen Prostituierten geborgt hatte.

Die Suche nach dem Ford Taunus begann. Und zunächst sah es gar nicht schlecht aus für die Kriminalisten. Denn die Prostituierte, die zuletzt mit Reitzl zusammen gewesen war, hatte eine ganze Reihe Details beobachtet. Vielversprechend war ihre Beschreibung des Autos. Eine kleine ovale Plakette auf dem Spoiler mit dem Firmenlogo "Ford" wies nur eine beschränkte Serie der Automarke auf. Dazu kam noch der Kärntner Dialekt des letzten Freiers, der Anfang des Kennzeichens "K 139", das auf den Bezirk Wolfsberg deutete. Die Zeugin erinnerte sich, gehört zu haben, daß der Freier zeitweise in München arbeite.

Und trotzdem: Das letzte Stückchen im Puzzle konnte nie gefunden werden.

Zweimal reisten die Kriminalisten aus Salzburg nach Wolfsberg. 200 Fords, auf die die Beschreibung paßte, wurden untersucht, deren Besitzer genau unter die Lupe genommen. "Im Bezirk Wolfsberg lebten damals viele Leute, die in Deutschland gearbeitet haben", erinnert sich der Salzburger Kriminalbeamte Ingo Landerer. Ein Verdächtiger, den die Beamten in Wolfsberg einvernahmen, hatte ein einwandfreies Alibi.

Trotz aller Hinweise hatten die Salzburger nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen zu suchen.

200 Zuschauer riefen allein nach der XY-Sendung an. Jeder einzelnen Spur gingen die Kriminalbeamten nach und jede, noch so vielversprechende, verlief im Sand.

Daran änderte auch nichts, daß die Frauen vom Salzburger Straßenstrich und die Zuhälter der Kriminalabteilung halfen, so gut sie konnten. Den Frauen hatte der Tod der Kollegin zugesetzt, sie alle hatten laut Landerer Angst und waren deshalb zur Kooperation mit den Behörden bereit. Da mußte etwa das Auto eines Verdächtigen in München überprüft werden. Manfred Dürager, der jetzige Kommandant der Kriminalabteilung, damals noch Stellvertreter, fuhr in Begleitung einer Zeugin aus dem Milieu nach München. "So konnte geklärt werden, daß dieser Mann mit der Tat nichts zu tun gehabt hat", sagte Dürager.

Die Kriminalbeamten der Gendarmerie bewegten sich bei ihren Ermittlungen zunächst auf unbekanntem Terrain. Der Fall fiel in ihre Zuständigkeit, weil die Frauenleiche außerhalb der Stadtgrenzen gefunden worden war. Das Milieu, in dem sich die Tat ereignet hat, ist aber eindeutig ein städtisches. Mit Straßenprostitution haben die Kriminalisten von der Gendarmerie üblicherweise nichts zu tun. Landerer: "Auf dem Land spielt sich das eher in Klubs ab".

Eduard Zimmermann konnte nie via Bildschirm die Aufklärung des Salzburger Falles vermelden. Wichtige Fragen blieben offen:

War es Mord oder ein Unfall? "Wir haben den Fall als Mord laufen lassen", sagt Kommandant Dürager. Trotzdem: es sei nicht ganz auszuschließen, daß die 24jährige Christine Reitzl Opfer eines "Unfalls" bei sadomasochistischen Praktiken wurde. Sie starb an einem Schocktod, wie die Gerichtsmediziner festgestellt hatten. Wer immer seine Hände um den Hals der Frau gelegt und zugedrückt haben mag - er muß es nicht unbedingt in der Absicht zu töten getan haben. Sieben Monate, bevor Reitzl starb, war in der Wohnung eines Zuhälters in Salzburg eine andere Prostituierte tot aufgefunden worden: Auch sie war gewürgt worden und an den Folgen des Schocks gestorben.

Der Freier, zu dem Reitzl in der Franz-Josef-Straße ins Auto gestiegen ist, muß nicht der Täter gewesen sein. Die 24jährige, hochschwangere Frau kann durchaus auch später dem Würger begegnet sein.

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Soweit das Ende des Artikels. Noch eine kleine Zusatzinfo: Vor rund zwei Jahren wurde in Salzburg der Fall wieder unter die Lupe genommen, im Zuge mit anderen ungeklärten Morden - darunter auch jenen am Taxilenker Kurt Becker (FF1 25.8. 1995). Hier der Link: http://sbgv1.orf.at/stories/497495

Vielleicht ergibt sich ja noch was. Einstweilen ein herzliches "Servas" aus Wien.
LG
Mcgarett
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#2

RE: 13.11.1981 FF1 (Anif) Mord an Christine Reitzl (Der Goldene-Mantel-Mord)

in Filmfälle 06.03.2017 22:26
von Sachiko • 6 Beiträge

Bei der Frau Reitzl ist mir in meiner Jugend auch ein Mann begenet mit dem 1000 Schilling Schein.

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#3

RE: 13.11.1981 FF1 (Anif) Mord an Christine Reitzl (Der Goldene-Mantel-Mord)

in Filmfälle 06.03.2017 23:22
von Sachiko • 6 Beiträge

Ich war in meiner Jugend gut drauf und einer wollte mich mit mitnehmen im Auto. Ist gegen Bergheim gefahren Tennis Center damals.
Und der sprach plötzlich wenn ich möchte hättte er nur einen 1000 Schillingschein.

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