#1

1958 Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 17.09.2008 11:13
von blofeld • 111 Beiträge

Bin im Internet auf eine interessante Sache gestoßen. Die Entführung von Joachim Göhner im Jahre 1958. Es war der erste Fall von Kidnapping in Deutschland und nicht der Fall Timo Rinnelt 6 Jahre später.
Der Fall Göhner wurde auch innerhalb der Stahlnetz-Reihe verfilmt. Titel: "Rehe".
Man findet bei Wikipedia eine Seite darüber und auch auf der Seite vom Staatsarchiv Ludwigsburg. Da kann man sogar den Fahndungsaufruf von damals hören. Es war zum erstenmal in der deutschen Kriminalgeschichte, daß die Stimme des Täters ( Mitschnitt des Erpresseranrufs) zwecks Fahndung im Radio ausgestrahlt wurde.
Hier der Link zur Seite: "O-Töne eines Kidnappers -Vor fünfzig Jahren -: erste Kindesentführung in Deutschland. Akten und Tondokumente im Staatsarchiv Ludwigsburg":
http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/det...=8484sprache=de


zuletzt bearbeitet 12.01.2014 22:16 | nach oben springen

#2

Re: Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 27.10.2008 18:09
von bdvogel (gelöscht)
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Schöne Netzpräsentation, die das Archiv da gemacht hat (überhaupt sind die Ludwigsburger da recht kompetent), danke für den Link.

Kleine Anmerkung aus Sicht des Historikers: "Erste Kindesentführung in Deutschland" ist mindestens irreführend, denn Entführungen von Kindern hat es zu allen Zeiten gegeben, auch in deutschen Breiten. (Man denke nur an die vielen Fälle des 19. und frühen 20. Jahrhunderts).
Gemeint ist wahrscheinlich eher der erste überregional aufsehenerregende Fall von "Kidnapping" in der 1949 gegründeten Bundesrepublik, bei dem auf Öffentlichkeitsfahndung gesetzt wurde, wie sie später (nicht zuletzt dank Eduard Zimmermann) zur Regel geworden ist.

Bernhard.
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#3

Re: Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 28.10.2008 08:41
von blofeld • 111 Beiträge
Ja stimmt, Es müßte heißen die erste Kindesentführung im Nachkriegsdeutschland bzw. in der BRD.
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#4

Re: Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 28.10.2008 16:47
von Konrad Gedöns • 69 Beiträge
Grüezi miteinand,

ich muss mich hier bei dieser Gelegenheit als derjenige outen, der den Wikipedia-Eintrag zum Entführungsfall Göhner erstellt hat.

(Ja, es gibt nicht nur XY und Kurt Grimm, auch Jürgen Roland hat es mir mit seinen Stahlnetz-Folgen angetan!)

Der Fall hat mich fasziniert, nachdem ich in meiner Stahlnetz-DVD-Sammlung den Fall "Rehe" gesehen hatte. Diese Folge wurde merkwürdigerweise seither nicht mehr im Fernsehen wiederholt, im Gegensatz zu vielen anderen Stahlnetz-Folgen, daher habe ich sie auf DVD das erste mal gesehen.

Da ich gebürtiger Stuttgarter und selbst Vater von zwei kleinen Söhnen bin, war ich von diesem Fall und den historischen Aufnahmen aus Stuttgart sofort fasziniert und habe angefangen zu recherchieren, um welchen Fall es sich in der Realität gehandelt haben könnte, denn obwohl ich mich schon lange für Kriminalistik interessiert und in Stuttgart gewohnt habe, hatte ich noch nie etwas von diesem Fall gehört.

Immer wieder habe ich im Internet recherchiert, wobei ich nicht wußte, in wie weit die Stahlnetz-Folge der Realität entsprach und ob der Original-Fall überhaupt in Stuttgart stattfand.
Die Lösung kam dann mit dem seit kurzem frei zugänglichen Spiegel-Archiv im Frühjahr diesen Jahres, in dem man bis zum Anfang des Spiegel zurück suchen konnte. Bei der Suche nach Kidnapping landete ich den Treffer mit Göhner. Nun hatte ich den Namen des Opfers und konnte weiter recherchieren. Dabei fand ich den Hinweis im Handwörterbuch der Kriminologie. Den Artikel habe ich dann vorbereitet und zum 50. Jahrestag der Entführung am 15. April d. J. in die Wikipedia hochgeladen.

Erstaunlicherweise haben wohl die Leute vom Staatsarchiv LB und von der Redaktion einestages denselben Gedanken und unmittelbar darauf ihre Dokumente veröffentlicht, die ich noch nicht kannte, aber meinen Eintrag sehr gut ergänzten.

Was mich überrascht hat, war, wie genau sich der Stahlnetz-Fall an den Original-Fall gehalten hat. Es waren nur die Namen der Beteiligten und die genaue Strasse des Opfers abgeändert, alles andere stimmte mit Informationen zum Originalfall soweit verfügbar, haargenau überein! Ich habe deshalb eine Verlinkung zu Stahlnetz in der Wikipedia eingefügt, in der Hoffnung, dass andere Interessierte ebenfalls versuchen herauszufinden, auf welchen Original-Fällen die anderen Stahlnetz-Folgen beruhen, aber bisher hat sich ausser mir leider noch niemand diese Mühe gemacht.

Deshalb meine Bitte an Euch, auch wenn es etwas ausserhalb XY ist: Falls Ihr Infos zu den Stahlnetz-Original-Fällen habt, bitte in der Wikipedia eintragen!

Zu der hier von bdvogel geäusserten Behauptung, es habe schon vorher im 19./20. Jahrhundert in Deutschland "zahlreiche Entführungsfälle von Kindern gegeben", kann ich nur sagen, ich habe bei meiner Recherche keinerlei Infos dazu gefunden. Der erste bekannte Fall von Kindesentführung gegen Lösegeld in der Neuzeit war der Fall des Lindbergh-Babys in den USA 1932.
Falls Ihr andere Informationen habt, bitte ich um diese, am Besten mit Quellenangabe!

Ich würde mich freuen, wenn ich zu meinen o. a. Anliegen hier Resonanz bekäme!

Auf wiaderluage

Konrad Gedöns
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#5

Re: Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 28.10.2008 19:54
von bdvogel (gelöscht)
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Konrad Gedöns >Zu der hier von bdvogel geäusserten Behauptung, es habe schon vorher im 19./20. Jahrhundert in Deutschland "zahlreiche Entführungsfälle von Kindern gegeben", kann ich nur sagen, ich habe bei meiner Recherche keinerlei Infos dazu gefunden. Der erste bekannte Fall von Kindesentführung gegen Lösegeld in der Neuzeit war der Fall des Lindbergh-Babys in den USA 1932.

Kindesentführungen gegen Lösegeld gab es zu allen Zeiten der Geschichte, bis zurück in die griechische Antike, also mehr als zwei Jahrtausende. In unseren Breiten ist sie schon aus der vorrömischen Zeit bekannt; zahlreiche Beispiele gibt es natürlich auch aus allen Jahrhunderten des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Mitunter wurde damit auch "Politik gemacht" (durch "Kidnapping" von Thronerben, Kinderkönigen, minderjährigen weltlichen und kirchlichen Amts- bzw.Würdenträgern usw.), prominentestes Beispiel aus der Gegend des heutigen Deutschland vielleicht die Entführung Heinrichs IV. im Jahre 1062. Die durch solche Aktionen erpreßten Zugeständnisse (Belehnungen usw.) kann man durchaus als "Lösegeld" betrachten.

Ein allgemeiner Tip: Das "weltweite Internet" () ist sicher keine gute Grundlage für die Einarbeitung in diese komplexe Materie - ich würde empfehlen, mal in eine Bibliothek zu gehen und die Literatur z.B. unter dem Sachkomplex "Geschichte der Kindheit" zu sichten (da hat jüngst besonders die französischsprachige Geschichtsforschung einiges geleistet, was das europäische Gebiet betrifft), da geben die jeweiligen bibliographischen Anmerkungen eine ganze Menge zu dem Thema her.

Ein anderer Ansatz ist natürlich über die Rechtsgeschichte möglich, sprich in Rechtsquellen nachzuspüren, wann wie wo der Tatbestand des 'Menschenraubes' in Strafrechtskatalogen/Gesetzeswerken usw. auftaucht, mit welchen Strafen er belegt ist usw. Das kann mitunter mühsam sein, wegen der starken territorialen Zersplitterung unserer Breiten bis ins 19. Jahrhundert hinein und der dementsprechend hohen Anzahl verschiedenster "Strafordnungen", die insgesamt kaum zentral erschlossen sind, manche sind bis heute nichtmal gedruckt.

Lohnt aber ggf. dennoch, denn nur Taten, die auch vorkommen, lohnte es in solche Ordnungen aufzunehmen. Oft enthalten solche Ordnungen (beispielsweise aus dem 17. oder 18. Jahrhundert) auch Schilderungen konkreter Fälle, die Anlaß für die jeweilige Bestimmung boten.

Lange Literaturlisten möchte ich hier nicht posten, führt doch etwas vom Forumsthema ab - gerne aber mehr vielleicht per Mail.

Beste Grüße in die Schweiz...
Bernhard.
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#6

Re: Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 29.10.2008 07:19
von blofeld • 111 Beiträge
Lieber Konrad Gedöns,

da haben wir beide fast dasselbe Hobby. Auf meiner Homepage erscheint demnächst ein Bericht über die ersten Kindesentführungen im Nachkriegsdeutschland. Schwergewicht ist der Fall Timo Rinnelt, der sich im Jahre 1964 in Wiesbaden abspielte. Die Ergreifung des Täters war erst 3 Jahre später.War zur Recherche im Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden und bekam dort Ermittlungsakten die im Polizeimuseum archiviert sind zur Einsicht. Auch wurde mir authentisches Fotomaterial aus dem Polizeiarchiv zu diesem Fall überlassen. Ist alles bis Anfang kommender Woche auf meiner Homepage.Im Wiesbadener Polizeimuseum befindet sich sogar noch das Original-Schild der Pressekonferenz von 1967 die anläßlich zur Ergreifung des Täters abgehalten wurde. Davon machte ich natürlich ein schönes Foto. Laßt Euch mal überraschen!
Der Fall Goehner wird auch eingangs erwähnt und ich bekam vom Staatsarchiv Ludwigsburg die schriftliche Erlaubnis 2 Fotos vom Goehner-Fall für meine HP verwenden zu dürfen.
Stahlnetz-Fälle mit authentischem Hintergrund sind z. B. "Der fünfte Mann", sowie die erste Stahlnetz-Folge über den Banküberfall in Oberhausen.Mich würde einmal brennend interessieren, welchem authentischem Kriminalfall die Stahlnetz-Folge "Ein Toter zuviel" zugrunde liegt.
Übrigens sollte die Stahlnetz-Folge "Rehe" im März 1964 ausgestrahlt werden, wurde dann jedoch aus aktuellem Anlaß, Fall Rinnelt, verschoben und erst im Juni 1964 ausgestrahlt.
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#7

Re: Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 29.10.2008 19:30
von bdvogel (gelöscht)
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Klingt spannend, Mr B - halt uns am Laufenden!
(Die ARD-Doku zum Fall Rinnelt kennst Du bestimmt schon - wäre dann interessant zu erfahren, wie Du sie auf der Basis eigener Recherchen beurteilst).

Bernhard.
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#8

Re: Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 30.10.2008 08:12
von blofeld • 111 Beiträge
Na ja, neue Erkenntnisse sind leider nicht zu erwarten. Als Grundstock nahm ich auch die ARD-Sendung, sowie zeitgenössische Zeitungsberichte. Der Beamte sagte mir, wenn sie alle Akten durchlesen wollen, müßten sie wochenlang Tag für Tag hierher kommen.
Interessant war das Protokoll über das graphologische Gutachten sämtlicher Hausbewohner, auch über den Täter Klaus L. Dies wurde gemacht, als der bekritzelte Erpresserbrief auf der Kellertreppe gefunden wurde. Auch las ich über die Befragung vom engsten Freundeskreis L.´s, ob denen bei L. eine sexuelle, abnormale Veranlagung aufgefallen sei. Das Rätsel des Motivs ist heute immer noch offen. Der Täter schweigt bis heute und schiebt einen "Blackout" (heutiger Sprachgebrauch) vor.
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#9

Re: Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 30.10.2008 11:54
von bdvogel (gelöscht)
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***Der Beamte sagte mir, wenn sie alle Akten durchlesen wollen, müßten sie wochenlang Tag für Tag hierher kommen.***

Na, aber das ist doch mal ne Chance! Wann hat man schon mal so ne Gelegenheit? Also das würd ich auf jeden Fall ausnutzen & alle Akten sorgfältig studieren. Nicht grad "neuer Erkenntnisse" wegen (zumal der Fall kriminalistisch gelöst ist), sondern des präzisen Einblicks in Ermittlungen in einem der prominentesten Kriminalfälle der jüngeren BRD wegen... das ist doch superspannend: Wie/wann/wo wurde was/wie verfolgt usw etc - das kann ja durchaus spannender sein als die ohnehin schon bekannte "Auflösung".

Bernhard.
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#10

Re: Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 30.10.2008 12:57
von blofeld • 111 Beiträge
Um die zig Ordner in Ruhe zu studieren, müßte ich eine Menge Zeit haben. Die habe ich erst im Rentenalter, oder wenn ich durch einen Lottogewinn finanziell unabhängig werde und nicht Tag für Tag ins Büro müßte.
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#11

Re: Erster Fall von Kindesentführung in Deutschland

in Kriminalität 30.10.2008 22:34
von blofeld • 111 Beiträge
So, seit heute Abend steht die neue kriminalhistorische Seite auf meiner HP:

www.blofelds-wallace.de

Titel: "Haben Sie das Geld bereit...?"
Mit authentischen Fotos aus dem Polizeiarchiv.
Viel Spaß beim Stöbern
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