Interessant ist auch, wie subtil der Ehemann von Trudel Ulmen ein intensives Nachhaken der Familie seiner Frau wegen des Verschwindens verhindert hat. Er hat gezielt Gerüchte gestreut über sexuelle Eskapaden seiner Frau, um damit zu erreichen, dass die streng katholische Mutter eine Aufklärung der Umstände des Verschwindens aus Scham nicht mit dem erforderlichen Nachdruck verlangt hat.
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„Doch der Ehemann habe damals glaubhaft versichert, dass sowohl die Kleidung der "unbekannten Toten" als auch die Konfektionsgröße und das Zahnbild auf keinen Fall zu seiner Frau passten. Kernenbach: "Er hat uns belogen und in die Irre geführt." Nicht nur die Polizei. Auch die Familie in Mayen sowie Freunde und Nachbarn in Rheinbach. Gezielt wurden Gerüchte gestreut, Trudel Ulmen sei mit einem reichen portugiesischen Geschäftsmann ins Ausland durchgebrannt.
Der streng katholischen Mutter des Opfers, die sich schon um ihren schwer krebskranken Mann zu kümmern hatte, wurde suggeriert, dass ein intensiveres Nachhaken bei der Polizei nur dazu führe, dass der gute Name Lenerz in den Schmutz gezogen werde, wenn dadurch zwangsläufig all die sexuellen Eskapaden ihrer Tochter bekannt würden. Dabei gab es nicht wenige Menschen in Rheinbach, die vielmehr dem Ehemann eine ausgesprochene Neigung zu außerehelichen Beziehungen nachsagten. Die heute 84-jährige Liesel Lenerz erinnert sich auch noch gut an Sätze des Mannes, der einst die Jugendliebe ihrer Tochter gewesen war: "Du hast zwar deine Tochter verloren - aber mich, deinen guten Schwiegersohn, wirst du nie verlieren."
Als ihr guter Schwiegersohn, der mutmaßlich ihre geliebte Tochter getötet hatte, später regelmäßig seine kleine Tochter aus zweiter Ehe mit zu Besuch nach Mayen brachte, wurde das der alten Frau irgendwann zu viel, weil es sie ständig daran erinnerte, dass ihre eigene, kinderlose Tochter unmittelbar vor ihrem spurlosen Verschwinden noch eine Fehlgeburt erlitten hatte. Als Liesel Lenerz ihn deshalb bat, künftig lieber alleine zu kommen statt mit dem Kind, drehte sich der gute Schwiegersohn jedoch erbost auf dem Absatz um und rief: "Jetzt siehst du mich nie wieder!" Dennoch erschien er später zur Beerdigung des an Krebs gestorbenen Mannes - wieder mit dem kleinen Mädchen an der Hand.“
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