#1

03.07.1992 FF4 (Kripo Mainz) Tödlicher Raubüberfall auf Peter Witte

in Filmfälle 30.04.2011 13:41
von TheWhite1961 • 1.160 Beiträge

Gestern habe ich mal wegen einigen Mainzer Kriminalfällen im Stadtarchiv recherchiert. In den Ausgaben der Mainzer AZ vom 07.12.91, vom 09.10.98 und vom 26.04.2000. konnte ich zu diesme Fall folgendes in Erfahrung bringen.

Die Tat geschah am 05.12.91 gegen 22 Uhr. Sie wurde von einer Nachbarion, welche durch die hilfeschrei von Peter W. aufemerksam wurde, der Polizei gemeldet. Peter W. starb am 07.12.91 in der Mainzer Uni.

Nach einer Neuaufnahme der Ermittlungen im Jahr 1998 wurden 2 Exfreundinen des Schützen Arved W.(damals 49) ermittelt. Auf Grund der hohen Belohnung(70 000DM) gaben sie schließlich den entscheidenden Hinweis. Arved W., der ebnso wie der Mittäter Vincnez S.(damals 41) saßen in Baden Württemberg in Haft, wurden dort aufesucht und gestanden die Tat. Sie führten die Ermittler zu dem vergrabenen Revolver, der neben anderen Waffen, 1 Woche vor der Tat bei einem Wohnungseinbruch in Mainz-Bretzenheim(nicht Hechtsheim wie im Film gesagt) erbeutet wurde. In jenem Revolver fehlte auch nur jene verhängnisvolle 1 Kugel.

Beide Täter waren auch vor Gericht geständig. Sie hatten ein Vorstrafenregister von über 50 Taten. Sie wurden für diese Tat(juristisch Raub mit Todesfolge) am 26.04.2000 zu einer Strafe von 10 Jahren verurteilt. Für den Einbruch zusätzlich zu 4 bzw. 5 Jahren, was eine Gesamtstrafe von 14 Jahren für den Schützen Arved W. und 13 Jahren für den Fahrer des Fluchtwagens Vincenz S. führte. WEGEN DES "OPULENTEN VOSTRAFENREGISTERS"(O-Ton des Richters) WURDE GEGEN BEIDE TÄTER DIE ANSCHLIESSENDE SICHERHEISVERWAHRUNG VERHÄNGT. O-Ton des Richters bei Verkündung des Urteil im Falle Arved W.: "Hätten andere Rcihter ihnen nicht so viele Bewährungen zugestanden, könnte der Mann(Anm:: Peter W.) heute noch leben." Dem ist von meiner Seite nichts hinzuzufügen.

P.S: K-H. W., der Seniorchef der Firma Rhemata, gab sein Geschäft als Folge der Tat im Jahre 1992 auf.

Wenn ich mal wieder Zeit habe, werde ich im Archiv in Mainz nach weiteren XY Fällen suchen, so z. b. nach dem Fall Manuela R*(Name geändert) aus Ockenheim. Dies ist ein Studiofall aus dem Jahre 1987. Die junge Frau kannte ich, ebenso wie Peter W., ebenfalls vom Sehen her. Sie wurde vor der St. Jakobskapelle in Ockenheim von hinten mit einem schweren Stein niedergeschlagen. Sie hat die Tat zum Glück überlebt, lag aber wochenlang im Koma. Die Tat ist bis heute ungeklärt. Im Falle der Rheinleiche aus Bingen(Sendung 07.07.78) konnte ich leider gar nichts finden. Weder etwas vom Leichenfund, geschweige denn von Ermittlungsergebnissen. Der Fall ist lt. XY Wiki ja auch ungeklärt.


zuletzt bearbeitet 07.12.2013 14:50 | nach oben springen

#2

Re: Raub mit Todesfolge am Tabakhändler Peter W. - Sendung 05.07.92

in Filmfälle 30.04.2011 13:49
von TheWhite1961 • 1.160 Beiträge
Immer diese Tippfehler von mir: In der vorletzten Zeile ist die Sendung vom 07.07.78 gemeint. Ich habe übrigens auch mal nach dem Theodor-Heuss-Brückenfall in der AZ gesucht. Konnte aber nix finden, obwohl Mannheim ja nicht so weit von Mainz weg ist. Es ist aber auch ein sehr mühsames Suches, auf alten Mikrofilmen gespeicherte Zeitungen haben sogar nichts gemein mit einer bequemenn Google suche im Internet.
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#3

Re: Raub mit Todesfolge am Tabakhändler Peter W. - Sendung 05.07.92

in Filmfälle 05.05.2011 18:29
von bastian2410 • 1.543 Beiträge
Da war der liebe Thomas etwas schneller als ich. Ich hatte mich auch mit ein paar Artikel zu diesem Fall eingedeckt. Das Wichtigste hat Thomas ja schon geschrieben.

Vielleicht noch eine Anmerkung, warum hier das Gericht „nur“ auf Raub mit Todesfolge erkannt hat und nicht auf Mord aus Habgier. Es war nicht möglich, den Angeklagten eine Tötungsabsicht nachzuweisen. Dies wurde auch vehement bestritten von den Angeklagten. Das Gericht hat in seiner Urteilsbegründung folgenden Tatablauf zugrunde gelegt, der sich auch etwas von der Rekonstruktion in Aktenzeichen xy unterscheidet.


Arwed W. bedroht am 5. Dezember 1991 den Tabakhändler Peter W., der kurz nach 22 Uhr gerade das Geschäft in der Göttelmannstraße verlassen hat, mit einer Pistole. Arwed W. will sich Zugang zu den Tresorräumen in der ersten Etage des Geschäfts verschaffen. Vinzenz S. wartet im Auto. Doch W. wehrt sich. Dabei löst sich in maximal drei Zentimeter Entfernung ein Schuss, der W. in den Kopf trifft. Arwed W. rennt weg, springt über eine Hecke, besinnt sich und kehrt zum Opfer zurück, um dessen Aktentasche zu stehlen. Dann fahren die Räuber zu einer Weisenauer Wohnung, in der die damalige Frau von Arwed W. das Duo erwartet.

In der Aktentaschen finden die Angeklagten jedoch nichts Brauchbares. Die beiden wussten, dass sich an diesem Tag gut 150000 DM im Tresor der Firma befinden würden, trotzdem wäre es fast unmöglich gewesen, an diese Beute heranzukommen bzw. wegzuschaffen. Im Tresor liegen nur Münzen, gut 100 Säcke, alle gut 5 KG schwer. Das wussten die Angeklagten wohl nicht. Aus Wut über den Misserfolg erzählen sie noch am Tatabend in Gegenwart der damaligen Frau von Arwed W. , dass sich das Opfer „doof angestellt“ hätte und W. ihm aus einer Art Notwehr in einem Handgemenge erschossen hätte. Die Angeklagten geben der Ehefrau jedoch damals klar zu verstehen, dass sie über diesen Vorfall schweigen soll.

Erst 1998 kommen die Ermittler dem Räuber- Duo auf die Spur. Auch gegenüber seiner neuen Freundin hat Arwed W. über die Tat gesprochen. Als die Beziehung in die Brüche geht, geht die Frau zu Polizei. Auch die Exfrau bestätigt gegenüber der Polizei, dass die beiden am Tattag ihr gegenüber ebenfalls die Tat gestanden haben. Beide Tatverdächtige, die zum damaligen Zeitpunkt in Baden Württemberg wegen mehrfachen Raubes in Haft sitzen, gestehen sofort die Tat.

Vinzenz S. sagt jedoch aus, nur im Auto gewartet zu haben und nach dem Schuss weggefahren zu sein. Dies glaubt das Gericht jedoch nicht. Dagegen spricht die Aussage der Ex-Frau seines Komplizen, dass beide gemeinsam zurückkehrten, und die Schilderungen von Nachbarn, die zunächst einen Knall, dann zwei aufgeregte Männerstimmen und erst dann ein davonrasendes Auto gehört haben.
Im April 2000 werden beide Angeklagten zu hohe Haftstrafen (siehe Posting ober) verurteilt. Vielleicht noch das: Die beiden Frauen verweigerten vor Gericht die Aussage, sie wurden im Vorfeld massiv telefonisch bedroht und u.a. wurden die Fahrzeuge demoliert.
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#4

Re: Raub mit Todesfolge am Tabakhändler Peter W. - Sendung 05.07.92

in Filmfälle 05.05.2011 23:20
von TheWhite1961 • 1.160 Beiträge
Hallo Bastian,

danke für die Ergänzungen zu dem Fall. Hätte ich gewusst, daß Du Dir schon Artikel besorgt hast, hätte ich Dir natürlich gerne das Feld überlassen.

Übrigens hatte der ermittelnde Komissar Gläser die beiden Täter schon damals in Verdacht. Auch als er schon in Ruhestand war gab er seinen Nachfolgern noch Tipps. Nun ja, Mainz -Weisenau ist nicht so groß. Eigentlich ein Wunder, daß die Klärung des Falls so lange gedauert hat. Ich kann mich noch gut an den Tatabend erinnern. Ich kam damals gerade vom Geburtstag meiner Schwester nach Hause (zu der Zeit wohnte ich in Mainz-Gonsenheim). Jede Menge Polizeiautos und mehrere Krankenwagen düsten an mir vorbei. Was passiert war erfuhr ich erst am nächsten Tag auf der Arbeit.
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#5

Re[2]: Raub mit Todesfolge am Tabakhändler Peter W. - Sendung 05.07.92

in Filmfälle 06.05.2011 16:11
von bastian2410 • 1.543 Beiträge
TheWhite1961>Hallo Bastian,

TheWhite1961>danke für die Ergänzungen zu dem Fall. Hätte ich gewusst, daß Du Dir schon Artikel besorgt hast, hätte ich Dir natürlich gerne das Feld überlassen.

Um Gottes Willen. Nein, nein. Ich finde es toll, wenn Mitglieder sich die Mühe machen, in Zeitungsarchiven nach Infos zu suchen. Ausserdem: Ein Teil von Dir und ein Teil von mir, schon haben fast ein Ganzes. Ist doch toll.... Zudem konnte ich mich in Frankfurt auch mit Artikeln zu anderen Fällen eindecken, es gibt somit viel zu tun.
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#6

Re: Raub mit Todesfolge am Tabakhändler Peter W. - Sendung 05.07.92

in Filmfälle 28.12.2011 10:47
von TheWhite1961 • 1.160 Beiträge
Ich bin in letzter Zeit mangels Gelegenheit kaum online. Deshalb möchte ich hier etwas verspätet - das genaue Datum wäre der 07.12. gewesen - an dieser Stelle an den 20. Todestages des Opfers Peter Witte erinnern. R.I.P. Peter
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#7

RE:

in Filmfälle 23.01.2016 23:31
von juuulcheeen • 1 Beitrag

Hallo, ich habe eure Beiträge mehr oder weniger zufällig gefunden und wollte gerne wissen ob ihr noch mehr Informationen habt bzw. wo ich mehr Infos herbekommen könnte?

Peter ist/ war mein Patenonkel. Ich hab mich gerade heute Abend mit seiner Witwe über ihn unterhalten und das was damals passiert ist. Niemand aus seiner Familie glaubt, dass die Tat sich so zugetragen hat wie es von den beiden Tätern geschildert worden ist, er war einfach nicht der Mensch, der sich gewehrt hätte wenn er angegriffen geworden wäre... und dazu kommt noch dass in der Firma, die damals ihm und seinem, inzwischen ebenfalls verstorbenen Vater gehörte niemals so viel Geld war...

Insbesondere würde mich passieren was aus den Tätern geworden ist? Ich hab selbst Jura studiert, vielleicht auch ein bißchen deswegen und würde gerne wissen was aus der Sicherungsverwahrung geworden ist, zu der beide verurteilt wurden? Die Haftstrafen von 14 und 15 Jahren haben sie ja nun abgesessen. Und auch wenn das eine lange Zeit ist, kann es nichts von dem wieder gut machen, was sie Peter und seiner Familie angetan haben, mit diesem Mord haben sie nicht nur ein Leben zerstört.

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