#1

1952-1954 (Worms) Pralinenmord von Worms

in Kriminalität 14.02.2011 18:00
von bastian2410 • 1.558 Beiträge
Der Pralinenmord von Worms aus den Jahren 1952- 1954. Einen Meilenstein der Rechtsmedizin. Der Fall erzählt die Geschichte der Serienmörderin Christa L., die ihren Mann, ihren Schwiegervater und (versehentlich) ihre Freundin umbringt. Ihre Waffe: Sie versetzt Pralinen mit dem Pflanzenschutzmittel E 605, das bis dahin im Körper nicht nachweisbar war. Der Nachweis gelingt den Gerichtsmedizinern der Mainzer Uni: Eine Sensation und ein Meilenstein in der Analysetechnik. Im Prozeß hätte Christa L. durchaus die Todesstrafe gedroht, kurz vor den Taten wird jedoch das Grundgesetz geändert und das Verbot der Todesstrafe eingeführt. L. wird im September 1954 in Mainz zu lebenslanger Haft wegen Mordes in zwei Fällen und des versuchten Mordes in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung verurteilt und 1977 entlassen.

Das Pflanzenschutzmittel E 605 wurde zum Modegift und wurde vor allem bei Selbsttötungen oft verwendet. Es erhielt in der Folgezeit den Beinamen Wormser Gift

Eine ausführliche Doku (ca.25min) über den spektakulären Fall des SWR

http://www.swr.de/schwarzweissejahre/sendungen/-/id=5585814/nid=5585814/did=5637142/15fq0k8/index.html
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#2

1952-1954 (Worms) Pralinenmord von Worms

in Kriminalität 14.02.2011 18:23
von Astrid • 149 Beiträge
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
trat am 23. Mai 1949 24:00 Uhr in Kraft und sah u.a. die Abschaffung der Todesstrafe vor. (*)
Bis zu diesem Zeitpunkt verhängte und noch nicht vollstreckte Todesurteile wurde in lebenslange Haft umgewandelt.

Somit ist es Unsinn darüber zu schreiben das Christa
Lehmann für die Morde in einem Prozess im Jahre 1954
hätte zum Tode verurteilt werden können.
Sie bekam die höchstmögliche Strafe und wurde zu
lebenslanger Haft verurteilt und saß davon 23 Jahre ab.



((*) galt natürlich nicht für die amerikanische Militärjustiz die weiter Todesurteile vollstreckte...)
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#3

1952-1954 (Worms) Pralinenmord von Worms

in Kriminalität 14.02.2011 20:59
von schorsch • 162 Beiträge
Was den pralinenmord von 1954 betrifft, so gab es bei SAT 1 in der Reihe "verbrechen die Geschichte machten" eine Film-Doku. Ausserdem hat Ernst Klee Christa Lehmann oft im Knast besucht und ein Buch veröffentlicht mit dem Titel "Geständnis einer Giftmörderin".
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#4

1952-1954 (Worms) Pralinenmord von Worms

in Kriminalität 15.02.2011 02:15
von bastian2410 • 1.558 Beiträge
Astrid hat natürlich Recht, beim Prozeß gegen L. war die Todesstrafe bereits 5 Jahre abgeschafft, eine Verurteilung zum Tode wäre natürlich nicht möglich gewesen. Das habe ich auch nicht sagen wollen, habe mich da ein wenig missverständlich ausgedrückt. Ausserdem hatte ich noch die Zahl 1951 im Kopf, diese Jahr bezieht sich jedoch auf die Abschaffung der Todesstrafe in West- Berlin, da hier das Grundgesetz keine Gültigkeit besaß und es hier eines eigenen Gesetzes zur Abschaffung der Todesstrafe bedurfte.

Vielleicht mal erwähnenswert- gerade in diesem Thread- die letzten Hinrichtungen in Deutschland.

Die letzte Hinrichtung ausserhalb West- Berlin wurde in Tübingen im Februar 1949 an dem Raubmörder Richard Schuh vollstreckt. In West Berlin wurde der Raubmörder Berthold Wehmeyer im Mai 1949 als letzter hingerichtet, hier wurde die Todesstrafe im Januar 1951 abgeschafft.

Die letzte nicht politische Vollstreckung der Todesstrafe in der DDR war die Hinrichtung des Kindermörder Erwin Hagedon(September 1972 ), die letzte Hinrichtung überhaupt 1981 gegen Werner Teske wegen versuchten Landesverrates. Erst 1987 wurde die Todesstrafe auch in der DDR abgeschafft.
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#5

1952-1954 (Worms) Pralinenmord von Worms

in Kriminalität 15.02.2011 11:29
von Gelöschtes Mitglied
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bastian2410>Astrid hat natürlich Recht, beim Prozeß gegen L. war die Todesstrafe bereits 5 Jahre abgeschafft, eine Verurteilung zum Tode wäre natürlich nicht möglich gewesen. Das habe ich auch nicht sagen wollen, habe mich da ein wenig missverständlich ausgedrückt. Ausserdem hatte ich noch die Zahl 1951 im Kopf, diese Jahr bezieht sich jedoch auf die Abschaffung der Todesstrafe in West- Berlin, da hier das Grundgesetz keine Gültigkeit besaß und es hier eines eigenen Gesetzes zur Abschaffung der Todesstrafe bedurfte.

bastian2410>Vielleicht mal erwähnenswert- gerade in diesem Thread- die letzten Hinrichtungen in Deutschland.

bastian2410>Die letzte Hinrichtung ausserhalb West- Berlin wurde in Tübingen im Februar 1949 an dem Raubmörder Richard Schuh vollstreckt. In West Berlin wurde der Raubmörder Berthold Wehmeyer im Mai 1949 als letzter hingerichtet, hier wurde die Todesstrafe im Januar 1951 abgeschafft.

bastian2410>Die letzte nicht politische Vollstreckung der Todesstrafe in der DDR war die Hinrichtung des Kindermörder Erwin Hagedon(September 1972 ), die letzte Hinrichtung überhaupt 1981 gegen Werner Teske wegen versuchten Landesverrates. Erst 1987 wurde die Todesstrafe auch in der DDR abgeschafft.

Hallo Bastian!
Vielen Dank für diese Informationen zu der Todesstrafe in Deutschland.
Ich hätte nicht gedacht, das in der DDR die letzte Hinrichtung 1981 vollstreckt wurde. Höchst erstaunt war ich auch, das die Todesstrafe in der DDR erst 1987 abgeschafft wurde-und das zwei Jahre vor der Wende!
So denn, einen schönen Gruß von schildi
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#6

1952-1954 (Worms) Pralinenmord von Worms

in Kriminalität 19.02.2011 16:08
von Astrid • 149 Beiträge
Zur Todesstrafe in Westberlin:

Der Anwalte des letzten Hingerichteten, Berthold Wehmeyer, versuchten (auch im Hinblick auf die durch das kommende Grundgesetz vorgesehene Abschaffung der Todesstrafe) vor dem Kammergericht (als damals zuständiges höchstes Gericht) eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Dies lehnte das Kammergericht ab. Veröffentlicht im Verordungsblatt Berlin vom 12.05.1949, einen Tag nach der Hinrichtung also.
Kurz danach wandelte der Magistrat selbst die über weitere neun Möder verhängten Todesstrafen, im Hinblick auf Art. 202 GG, in lebenslanges Zuchthaus um.
Legal beendet war das Zeitalter der Todesstrafe in Westberlin erst am 20.01.1951, als das Gesetz über ihre Abschaffung vom 09.01.1951 in Kraft trat.
(Diese wurde hier schon so richtig festgestellt.)

Quelle: Friedrich Scholz: Berlin und seine Justiz, Die Geschichte des Kammergerichtsbezirks 1945 bis 1980, (Walter de Gruyter Berlin und New York, (1982) S. 88 (ISBN: 3-11-008679-4) )
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