#1

01.06.1979 FF3 (Mönchengladbach) Mord an Andrew R. (Spukhaus)

in Filmfälle 04.02.2008 00:07
von XY-Webmaster • 300 Beiträge

Beitrag Verfasst am Mi 22. Aug 2007, 08:40 von Heimo
31. Tod eines Jungen im Spukhaus

Tatzeit: 26. Oktober 1978
Tatort: Bahnhofsbaracke in Willich
Zuständig: Kripo Mönchengladbach
XY-Ausstrahlung: 01. Juni 1979


Der Fall:

Richard P. (13) ist britischer Staatsbürger und lebt zusammen mit seinen Eltern in Willich. Sein Vater ist Ende der 70er Jahre bei der britischen Rheinarmee stationiert. Die Familie hat sich in einer englischen Wohnsiedlung in dem Ort niedergelassen, unterhält aber auch Kontakte zu deutschen Staatsangehörigen. Der Junge, der über gute deutsche Sprachkenntnisse verfügt, gestaltet seine Freizeit mit britischen und deutschen Kindern. Außerdem fährt er gerne mit seinem Fahrrad oder fällt durch seine Fähigkeiten auf dem Skateboard auf.

Mit seinen Freunden erkundet Richard öfter die Umgebung, wie es in diesem Alter üblich ist. Bei den Kindern zählt ein unbewohntes Haus zu den gerne besuchten Spielplätzen. Das Gebäude gehörte der Deutschen Bundesbahn und wurde in der Vergangenheit von deren Angestellten bewohnt. 1978 jedoch wirkt es sehr herunter gekommen, wohl auch, weil es seit einiger Zeit unbewohnt ist. Es wird gelegentlich von Landstreichern als Nachtquartier zweckentfremdet.

Die Eltern von Richard und dessen Freunde wissen später zu berichten, dass der Schüler eine innerliche Abneigung gegenüber dem Haus verspürte. Es kam ihm unheimlich vor. Möglicherweise hat er bereits zu Lebzeiten eine Vorahnung, dass sich in diesem Haus, das von den Kameraden als Spukhaus bezeichnet wird, sein Schicksal entscheiden wird. Diese Örtlichkeit meidet er jedenfalls, wie die späteren Ermittlungen ergeben.

Am Abend des 26. Oktobers diskutiert der Junge mit seinen Eltern über die Zuteilung des Taschengeldes. Er möchte es einen Tag früher als üblich erhalten, da am selben Abend im Ort der englische Jugendclub neu eröffnet und eingeweiht werden soll, bei dessen Renovierung er mitgeholfen hat. Schließlich geben seine Eltern nach und händigen ihm fünf Mark aus, so dass er beim Verlassen der Wohnung gegen 19 Uhr 7,50 D-Mark bei sich hat. Den direkten Weg zum Klub jedoch wählt er nicht, sondern fährt mit dem Rad in eine andere Richtung, möglicherweise wollte er vorab noch mit jemandem zusammentreffen, bevor er der Feier beiwohnt.

Noch zweimal wird Richard am Abend gesehen. Eine Zeugin beobachtet, wie er sich an einer Straßenecke mit zwei jungen Männern unterhält. Dieser Treffpunkt liegt unweit des Spukhauses. Die Zeugin kann nichts über den Gesprächsinhalt sagen, sie sieht aber, wie er gemeinsam mit den unbekannten Männern in einen angrenzenden Weg verschwindet. Dann verliert sich zunächst seine Spur. Im Jugendklub wartet man vergeblich auf sein Eintreffen.

Gegen 21 Uhr wird der Junge von seinen Eltern zurückerwartet. Entgegen seiner Gewohnheiten erscheint er nicht pünktlich zu Hause. Noch am selben Abend wird die Polizei informiert, als seine Eltern feststellen, dass er im Klub nicht gewesen war. Auch im weiteren Verlauf des Abends bleibt seine Heimkehr aus. Noch in der Nacht startet eine Suchaktion, an der sich britische und deutsche Polizeikräfte beteiligen. Sie bleibt aber zunächst ergebnislos.

Am nächsten Morgen wird sein Fahrrad jedoch vor dem Spukhaus entdeckt. Ein britischer Militärpolizist betrifft daraufhin das Haus. Er findet den Jungen entkleidet in einem der Räume. Richard wurde mit mehreren Messerstichen in den Brustkorb grausam ermordet. Anschließend hat der oder haben die Täter den Jungen mittels eines Messers versucht, den Jungen zu zerstückeln. Die Tatwaffe steckt in der Wand.

Aus dem Besitz des Jungen fehlen das von den Eltern erhaltene Geld, eine Halskette sowie eine recht auffällige Uhr, die in England gekauft wurde. Da man annimmt, dass Richard das Haus alleine nicht betreten hätte, vermuten die Ermittler, dass Richard P. seinen Mörder wohl gekannt haben musste. Von daher konzentriert sich die Suche nach dem Täter auf den Bekanntenkreis des Ermordeten. Daher werden die Ermittlungen in diese Richtung gelenkt. Es wird nach Personen gesucht, die mit Richard verkehrten und der Polizei bisher nicht bekannt sind.


Die Sendung

Noch Jahre später bleibt dem Zuschauer dieser Fall aufgrund mehrerer Umstände in Erinnerung. Zunächst handelt es um ein Verbrechen an einem Jugendlichen, außerdem wird das Mitgefühl aufgrund der Umstände und nicht zuletzt aufgrund des Bezugs des Jungen zum ominösen Tatort verstärkt. Im Mittelpunkt der Verfilmung wird die Person des Opfers gestellt. Dieses war Ende der 70er und Anfang der 80er typisch für XY.

Es wird sich zu Beginn der Verfilmung mit dem Wesen des Jungen befasst. Dabei wird auf seine Interessen und freizeitlichen Betätigungen näher eingegangen. Der Junge wird als aufgeschlossen und neugierig beschrieben. Die Abneigung zum späteren Tat- und Fundort wird im Film erwähnt und exemplarisch dargestellt. Auch wird die Behauptung aufgestellt, dass der Junge mit einem Unbekannten die Ruine niemals betreten würde. Das im Film gezeigte Haus vermittelt dem Betrachter einen heruntergekommenen Eindruck ? die reale Behausung hingegen galt durchaus als unheimlich.

Der letzte Abend des Knaben wird dem Kenntnisstand der Ermittler entsprechend wiedergegeben. Besonders verweist der Film darauf, dass Richard nicht den direkten Weg zum Jugendklub nimmt. Besonders in Erinnerung bleiben schließlich die Worte von Sprecher Grönebaum, als die Leiche von Richard gefunden wird: ?Der Junge ist in einem Haus gestorben, dass er - noch zumal bei Nacht - wohl freiwillig nie betreten hätte.?

Der Kommissar aus Mönchengladbach verbindet mit der Ausstrahlung die Hoffnung, die beiden Männer zu identifizieren, mit denen sich Richard in der Nähe des Tatorts getroffen hatte. Ferner setzt die Polizei darauf, den Täter mittels der gestohlenen Halskette und der auffälligen Armbanduhr zu überführen. Außerdem möchte man den Eigentümer des Tatmessers ermitteln. Zudem möchte die Polizei weitere Informationen über den Freundes- und Bekanntenkreis des Jungen sammeln, in dem sie den Täter vermutet.

Zur Aufklärung des Falls wird auch der britischen Soldatensender BFBS eingeschaltet. Dadurch sollten britische Zeugen gefunden werden, die der deutschen Sprache nicht mächtig wären, aber dennoch wichtige Angaben zu dem Verbrechen machen könnten.


Nach der Sendung

Die Ausstrahlung dieses Falles kann nicht zur Aufklärung des Verbrechens beitragen. Erst 1984 nimmt die Polizei einen Mann (damals 24) nach Begehung eines anderen Mordes fest. In den Vernehmungen gesteht der Täter aus freien Stücken insgesamt die Begehung von sechs Tötungsdelikten, zu denen auch der Mord an Richard im Spukhaus zählt. Hätte der Mörder diese Tat nicht freiwillig zugegeben, wäre der Mord in Willich vermutlich nie korrekt aufgeklärt worden, da zum Zeitpunkt des Geständnisses bereits ein anderer Mann die Tat gestanden hatte, die er gar nicht begangen hatte. Der richtige Mörder wird später aufgrund seiner scheußlichen Taten später als ?Monster vom Niederrhein? bezeichnet.

Nach den Schilderungen des Tatablaufes musste die Polizei einige ihrer getroffenen Annahmen zum Hergang und zum Täterkreis revidieren. Dazu zählt, dass sich Opfer und Mörder sich unmittelbar vor der Tat offensichtlich erstmals begegneten. Sie trafen sich zufällig an einer Ampel, wo der Täter den Jungen ansprach und unter einem Vorwand überredete, ins Spukhaus mitzukommen. Die Polizei befindet sich während der Fahndung also konsequent auf einer falschen Fährte, da es sich bei dem Verbrechen nicht wie erwartet um eine Beziehungstat handelte. Dieser Umstand erschwerte die Arbeit der Ermittler immens und machte einen Erfolg unmöglich.

Im Nachhinein lässt sich das Bild des integeren Jungen nicht vollständig aufrechterhalten. Er hielt weder den Verlockungen seines Mörders stand noch mied er das Haus, das ihm ? wie im Filmfall suggeriert ? suspekt erschien. Daraufhin wurde er zur leichten Beute für den Täter, der den begeisterten Skateboardfahrer ohne große Anstrengungen in die Falle lockte. Dort überwältigte er den Jungen und richtete ihn grausam zu. Das Motiv des Verbrechens dürfte in der Befriedigung der abnormen Bedürfnisse des Täters zu suchen sein.

Der Mörder wird von der 1. Jugendstrafkammer ? bei der Tatausübung war er 19 Jahre alt ? des Landgerichts Mönchengladbach wegen vierfachen Mordes angeklagt. Er wurde zu zehn Jahren Jugendstrafe mit Sicherheitsverwahrung verurteilt. Bei der Begehung des ersten Mordes war der Täter übrigens 14 und konnte für diese Tat nicht verantwortlich gemacht werden. Bei einem weiteren Tötungsdelikt, das er mit einem Komplizen verübte, konnte nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden, dass er dem Opfer die entscheidenden tödlichen Verletzungen beibrachte. Aufgrund seiner ?seelischen Abartigkeit? wurde die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.
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Re: Einige XY-Fälle in komprimierter Form


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Re: Einige XY-Fälle in komprimierter Form

Beitrag Verfasst am Mi 22. Aug 2007, 21:57 von derautoprinz
hallo zusammen!

ich bin zwar erst neu hier - habe aber schon seit einiger zeit immer wieder auf dieser seite hereingezeigt . jetzt will ich mich das erste mal auch was schreiben - den filmfall nr.31 - junge in dem spukhaus - finde ich sehr interessant, da ich selber seit anderthalb jahren im willicher stadtgebiet arbeite. von dem fall habe ich allerdings nie gehört, aber ich kenn die alten bahnanlagen und die ehemaligen britischen soldatenwohnungen. ich würde supergerne mal den film dazu sehen. hat jemand diesen fall auf video und könnte diesen einstellen. ich glaube dass auch andere ein interesse an diesem doch sehr mysteriösen fall hat. bittet meldet euch - vielen dank ....

derautoprinz
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Re: Einige XY-Fälle in komprimierter Form

Beitrag Verfasst am Do 23. Aug 2007, 06:37 von Bimbam
Hallo derautoprinz

Hier ist er. http://www.xy-ungeloest.tk/ Es ist der Filmfall der Kripo Mönchengladbach. :geek:
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Re: Einige XY-Fälle in komprimierter Form

Beitrag Verfasst am Do 23. Aug 2007, 07:39 von Heimo

Bimbam hat geschrieben:Hallo derautoprinz

Hier ist er. http://www.xy-ungeloest.tk/ Es ist der Filmfall der Kripo Mönchengladbach. :geek:

Der Mord wurde später Kurt Steinwegs alias dem "Monster vom Niederrhein" zugeschrieben.




Eine Anmerkung. Ich habe bewusst (wie auch das Buch es gemacht hat), die richtigen Namen des Täters bzw. der Opfer nicht genannt. Mir sind die Namen durchaus bekannt, aber ich habe sie aus unterschiedlichen Gründen entfremdet.

Es macht nicht viel Sinn, jetzt - nachdem ich hier die Fälle beschrieben habe - nachträglich die Namen in die Runde zu werfen.
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Re: Einige XY-Fälle in komprimierter Form

Beitrag Verfasst am Do 23. Aug 2007, 07:46 von Bimbam
Ich habe den Täternamen wegeditiert. Ansonsten würde das alle Filmfälle betreffen da dort die Opfernamen genannt werden. Das macht dann auch keinen Sinn.

Danke aber für die Fallaufstellungen. Ist sehr interessant. :)
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Re: Einige XY-Fälle in komprimierter Form

Beitrag Verfasst am Do 23. Aug 2007, 08:10 von Heimo

Bimbam hat geschrieben:Ich habe den Täternamen wegeditiert. Ansonsten würde das alle Filmfälle betreffen da dort die Opfernamen genannt werden. Das macht dann auch keinen Sinn.

Danke aber für die Fallaufstellungen. Ist sehr interessant. :)



Danke!

Ich habe die Opfernamen alle mit Phantasienamen besetzt.

Das gilt auch für den fünften Fall dieser Reihe, den ich bearbeitet habe und dabei auch hartnäckig blieb, bis ich alle Angaben hatte, um mir ein komplettes Bild zu machen.

Es ist ein Fall, bei dem ich eigentlich sagen muss, dass ich nicht ganz verstehe, dass dieser weder in einer Rückbetrachtung bei XY noch im Buch ausführlich behandelt wurde, da die Klärung des Verbrechens nur durch die Ausstrahlung der Sendung möglich wurde.


zuletzt bearbeitet 10.11.2018 12:25 | nach oben springen

#2

01.06.1979 FF3 (Mönchengladbach) Mord an Andrew R. (Spukhaus)

in Filmfälle 26.03.2010 15:38
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Hier eine aktuelle Info zu:

Beitrag Verfasst am Mi 22. Aug 2007, 08:40 von Heimo
31. Tod eines Jungen im Spukhaus

Tatzeit: 26. Oktober 1978
Tatort: Bahnhofsbaracke in Willich
Zuständig: Kripo Mönchengladbach
XY-Ausstrahlung: 01. Juni 1979


Kommissar und Täter haben nach wie vor Kontakt. Hier ein Link zu einem größeren Bericht in DIE ZEIT von September 2009:

http://www.zeit.de/2009/40/DOS-Todfreunde?page=all
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#3

01.06.1979 FF3 (Mönchengladbach) Mord an Andrew R. (Spukhaus)

in Filmfälle 01.05.2018 18:12
von Universe77 • 4 Beiträge

Hallo, ich hoffe dies ist die richtige Stelle für die Information.
Der besagte Artikel "Todfreunde" (siehe zwei Posts weiter oben) findet sich als Nachdruck im neuen Magazin "Die Zeit - Verbrechen" (Ausgabe 1, Mai 2018) auf den Seiten 72ff. Neben dem Bericht sind auch einige Fotos zu sehen, darunter solche aus dem Jahr 1984 sowie mehrere aus dem März 2018. Ein kleines Update findet sich im Anschluss an den urspünglichen Text. Der Fall Andrew R. steht nicht im Fokus, sondern das ungewöhnliche Verhältnis zwischen Täter und Ermittler.


zuletzt bearbeitet 01.05.2018 18:13 | nach oben springen

#4

01.06.1979 FF3 (Mönchengladbach) Mord an Andrew R. (Spukhaus)

in Filmfälle 08.05.2018 22:59
von Heimo • 1.288 Beiträge

Danke für die Info

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#5

01.06.1979 FF3 (Mönchengladbach) Mord an Andrew R. (Spukhaus)

in Filmfälle 22.05.2018 22:52
von Universe77 • 4 Beiträge

In Ergänzung zu meinem Hinweis zum Artikel "Todfreunde" kann ich nunmehr mit einem weiteren Link aufwarten. Zu der vorgenannten Geschichte ist auch ein Podcast der "Zeit" veröffentlicht worden. Hier der Link dazu: https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-05...kriminalpodcast
Auch hier: Der Einstieg erfolgt über den Fall Andrew R., steht aber nicht im Mittelpunkt der Betrachtung. Dennoch sehr interessant!

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#6

01.06.1979 FF3 (Mönchengladbach) Mord an Andrew R. (Spukhaus)

in Filmfälle 17.06.2018 10:06
von Ede-Fan • 592 Beiträge

Zitat von XY-Webmaster im Beitrag #1
Beitrag Verfasst am Mi 22. Aug 2007, 08:40 von Heimo
31. Tod eines Jungen im Spukhaus

Tatzeit: 26. Oktober 1978
Tatort: Bahnhofsbaracke in Willich
Zuständig: Kripo Mönchengladbach
XY-Ausstrahlung: 01. Juni 1979


Der Fall:

Richard P. (13) ist britischer Staatsbürger und lebt zusammen mit seinen Eltern in Willich. Sein Vater ist Ende der 70er Jahre bei der britischen Rheinarmee stationiert. Die Familie hat sich in einer englischen Wohnsiedlung in dem Ort niedergelassen, unterhält aber auch Kontakte zu deutschen Staatsangehörigen. Der Junge, der über gute deutsche Sprachkenntnisse verfügt, gestaltet seine Freizeit mit britischen und deutschen Kindern. Außerdem fährt er gerne mit seinem Fahrrad oder fällt durch seine Fähigkeiten auf dem Skateboard auf.

Mit seinen Freunden erkundet Richard öfter die Umgebung, wie es in diesem Alter üblich ist. Bei den Kindern zählt ein unbewohntes Haus zu den gerne besuchten Spielplätzen. Das Gebäude gehörte der Deutschen Bundesbahn und wurde in der Vergangenheit von deren Angestellten bewohnt. 1978 jedoch wirkt es sehr herunter gekommen, wohl auch, weil es seit einiger Zeit unbewohnt ist. Es wird gelegentlich von Landstreichern als Nachtquartier zweckentfremdet.

Die Eltern von Richard und dessen Freunde wissen später zu berichten, dass der Schüler eine innerliche Abneigung gegenüber dem Haus verspürte. Es kam ihm unheimlich vor. Möglicherweise hat er bereits zu Lebzeiten eine Vorahnung, dass sich in diesem Haus, das von den Kameraden als Spukhaus bezeichnet wird, sein Schicksal entscheiden wird. Diese Örtlichkeit meidet er jedenfalls, wie die späteren Ermittlungen ergeben.

Am Abend des 26. Oktobers diskutiert der Junge mit seinen Eltern über die Zuteilung des Taschengeldes. Er möchte es einen Tag früher als üblich erhalten, da am selben Abend im Ort der englische Jugendclub neu eröffnet und eingeweiht werden soll, bei dessen Renovierung er mitgeholfen hat. Schließlich geben seine Eltern nach und händigen ihm fünf Mark aus, so dass er beim Verlassen der Wohnung gegen 19 Uhr 7,50 D-Mark bei sich hat. Den direkten Weg zum Klub jedoch wählt er nicht, sondern fährt mit dem Rad in eine andere Richtung, möglicherweise wollte er vorab noch mit jemandem zusammentreffen, bevor er der Feier beiwohnt.

Noch zweimal wird Richard am Abend gesehen. Eine Zeugin beobachtet, wie er sich an einer Straßenecke mit zwei jungen Männern unterhält. Dieser Treffpunkt liegt unweit des Spukhauses. Die Zeugin kann nichts über den Gesprächsinhalt sagen, sie sieht aber, wie er gemeinsam mit den unbekannten Männern in einen angrenzenden Weg verschwindet. Dann verliert sich zunächst seine Spur. Im Jugendklub wartet man vergeblich auf sein Eintreffen.

Gegen 21 Uhr wird der Junge von seinen Eltern zurückerwartet. Entgegen seiner Gewohnheiten erscheint er nicht pünktlich zu Hause. Noch am selben Abend wird die Polizei informiert, als seine Eltern feststellen, dass er im Klub nicht gewesen war. Auch im weiteren Verlauf des Abends bleibt seine Heimkehr aus. Noch in der Nacht startet eine Suchaktion, an der sich britische und deutsche Polizeikräfte beteiligen. Sie bleibt aber zunächst ergebnislos.

Am nächsten Morgen wird sein Fahrrad jedoch vor dem Spukhaus entdeckt. Ein britischer Militärpolizist betrifft daraufhin das Haus. Er findet den Jungen entkleidet in einem der Räume. Richard wurde mit mehreren Messerstichen in den Brustkorb grausam ermordet. Anschließend hat der oder haben die Täter den Jungen mittels eines Messers versucht, den Jungen zu zerstückeln. Die Tatwaffe steckt in der Wand.

Aus dem Besitz des Jungen fehlen das von den Eltern erhaltene Geld, eine Halskette sowie eine recht auffällige Uhr, die in England gekauft wurde. Da man annimmt, dass Richard das Haus alleine nicht betreten hätte, vermuten die Ermittler, dass Richard P. seinen Mörder wohl gekannt haben musste. Von daher konzentriert sich die Suche nach dem Täter auf den Bekanntenkreis des Ermordeten. Daher werden die Ermittlungen in diese Richtung gelenkt. Es wird nach Personen gesucht, die mit Richard verkehrten und der Polizei bisher nicht bekannt sind.


Die Sendung

Noch Jahre später bleibt dem Zuschauer dieser Fall aufgrund mehrerer Umstände in Erinnerung. Zunächst handelt es um ein Verbrechen an einem Jugendlichen, außerdem wird das Mitgefühl aufgrund der Umstände und nicht zuletzt aufgrund des Bezugs des Jungen zum ominösen Tatort verstärkt. Im Mittelpunkt der Verfilmung wird die Person des Opfers gestellt. Dieses war Ende der 70er und Anfang der 80er typisch für XY.

Es wird sich zu Beginn der Verfilmung mit dem Wesen des Jungen befasst. Dabei wird auf seine Interessen und freizeitlichen Betätigungen näher eingegangen. Der Junge wird als aufgeschlossen und neugierig beschrieben. Die Abneigung zum späteren Tat- und Fundort wird im Film erwähnt und exemplarisch dargestellt. Auch wird die Behauptung aufgestellt, dass der Junge mit einem Unbekannten die Ruine niemals betreten würde. Das im Film gezeigte Haus vermittelt dem Betrachter einen heruntergekommenen Eindruck ? die reale Behausung hingegen galt durchaus als unheimlich.

Der letzte Abend des Knaben wird dem Kenntnisstand der Ermittler entsprechend wiedergegeben. Besonders verweist der Film darauf, dass Richard nicht den direkten Weg zum Jugendklub nimmt. Besonders in Erinnerung bleiben schließlich die Worte von Sprecher Grönebaum, als die Leiche von Richard gefunden wird: ?Der Junge ist in einem Haus gestorben, dass er - noch zumal bei Nacht - wohl freiwillig nie betreten hätte.?

Der Kommissar aus Mönchengladbach verbindet mit der Ausstrahlung die Hoffnung, die beiden Männer zu identifizieren, mit denen sich Richard in der Nähe des Tatorts getroffen hatte. Ferner setzt die Polizei darauf, den Täter mittels der gestohlenen Halskette und der auffälligen Armbanduhr zu überführen. Außerdem möchte man den Eigentümer des Tatmessers ermitteln. Zudem möchte die Polizei weitere Informationen über den Freundes- und Bekanntenkreis des Jungen sammeln, in dem sie den Täter vermutet.

Zur Aufklärung des Falls wird auch der britischen Soldatensender BFBS eingeschaltet. Dadurch sollten britische Zeugen gefunden werden, die der deutschen Sprache nicht mächtig wären, aber dennoch wichtige Angaben zu dem Verbrechen machen könnten.


Nach der Sendung

Die Ausstrahlung dieses Falles kann nicht zur Aufklärung des Verbrechens beitragen. Erst 1984 nimmt die Polizei einen Mann (damals 24) nach Begehung eines anderen Mordes fest. In den Vernehmungen gesteht der Täter aus freien Stücken insgesamt die Begehung von sechs Tötungsdelikten, zu denen auch der Mord an Richard im Spukhaus zählt. Hätte der Mörder diese Tat nicht freiwillig zugegeben, wäre der Mord in Willich vermutlich nie korrekt aufgeklärt worden, da zum Zeitpunkt des Geständnisses bereits ein anderer Mann die Tat gestanden hatte, die er gar nicht begangen hatte. Der richtige Mörder wird später aufgrund seiner scheußlichen Taten später als ?Monster vom Niederrhein? bezeichnet.

Nach den Schilderungen des Tatablaufes musste die Polizei einige ihrer getroffenen Annahmen zum Hergang und zum Täterkreis revidieren. Dazu zählt, dass sich Opfer und Mörder sich unmittelbar vor der Tat offensichtlich erstmals begegneten. Sie trafen sich zufällig an einer Ampel, wo der Täter den Jungen ansprach und unter einem Vorwand überredete, ins Spukhaus mitzukommen. Die Polizei befindet sich während der Fahndung also konsequent auf einer falschen Fährte, da es sich bei dem Verbrechen nicht wie erwartet um eine Beziehungstat handelte. Dieser Umstand erschwerte die Arbeit der Ermittler immens und machte einen Erfolg unmöglich.

Im Nachhinein lässt sich das Bild des integeren Jungen nicht vollständig aufrechterhalten. Er hielt weder den Verlockungen seines Mörders stand noch mied er das Haus, das ihm ? wie im Filmfall suggeriert ? suspekt erschien. Daraufhin wurde er zur leichten Beute für den Täter, der den begeisterten Skateboardfahrer ohne große Anstrengungen in die Falle lockte. Dort überwältigte er den Jungen und richtete ihn grausam zu. Das Motiv des Verbrechens dürfte in der Befriedigung der abnormen Bedürfnisse des Täters zu suchen sein.

Der Mörder wird von der 1. Jugendstrafkammer ? bei der Tatausübung war er 19 Jahre alt ? des Landgerichts Mönchengladbach wegen vierfachen Mordes angeklagt. Er wurde zu zehn Jahren Jugendstrafe mit Sicherheitsverwahrung verurteilt. Bei der Begehung des ersten Mordes war der Täter übrigens 14 und konnte für diese Tat nicht verantwortlich gemacht werden. Bei einem weiteren Tötungsdelikt, das er mit einem Komplizen verübte, konnte nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden, dass er dem Opfer die entscheidenden tödlichen Verletzungen beibrachte. Aufgrund seiner ?seelischen Abartigkeit? wurde die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.
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Re: Einige XY-Fälle in komprimierter Form




Gestern war wieder Crime-Time auf ZDF-Info. In Reihe "Ermittler!" geht in der Folge "Im Dunkel der Nacht" der ehemalige Ermittler Hennes Jöries auf den Spukhausfall ein. Hier der Link zur Mediathek:

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/ermittler-im-dunkel-der-nacht-102.html

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#7

01.06.1979 FF3 (Mönchengladbach) Mord an Andrew R. (Spukhaus)

in Filmfälle 31.08.2018 00:32
von vorsichtfalle • 687 Beiträge

Hallo zusammen,

Zu diesem Fall erschien nochmal ein Beitrag. Ich meine aber das er so ziemlich deckungsgleich zum von @Ede-Fan geposteten Beitrag ist

https://www.zdf.de/nachrichten/hallo-deu...oerder-100.html

Viele Grüße

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#8

01.06.1979 FF3 (Mönchengladbach) Mord an Andrew R. (Spukhaus)

in Filmfälle 07.11.2018 23:02
von Punker • 370 Beiträge

Zu dem o.a. Filmfall und dem Täter ein aktueller Zeitungsartikel des rheinländischen "Express":
https://www.express.de/duesseldorf/er-en...rhein--31522000

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#9

RE: 01.06.1979 FF3 (Mönchengladbach) Mord an Andrew R. (Spukhaus)

in Filmfälle 10.11.2018 12:28
von Heimo • 1.288 Beiträge

Ich habe aus dem Beitrag "XY-Fälle in komprimierter Form" diesen Fall herausgelöst. Besser: Er besteht dort zwar auch noch, aber ich denke, weil es von Zeit zu Zeit neue Artikel zu dem Täter gibt, dass dieser Fall einen eigenen Thread rechtfertigt. Deswegen kann man diesen Fall zweimal in diesem Forum nachlesen...

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#10

RE: 01.06.1979 FF3 (Mönchengladbach) Mord an Andrew R. (Spukhaus)

in Filmfälle 16.11.2018 14:31
von geislermohammed • 26 Beiträge

Wow sehr Interessant!

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