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Ungesendete Filmfälle

in Filmfälle 22.07.2019 01:21
von Oma Thürmann • 758 Beiträge

In den letzten Jahren wurden gelegentlich Filmfälle für Aktenzeichen gedreht, aber nicht ausgestrahlt, weil der Fall zwischenzeitlich geklärt wurde. Eine kleine Übersicht mir bekannter Fälle:

Parkplatzmörder
Für Ende 2010 oder Anfang 2011 war die Ausstrahlung eines Falles geplant, der unter dem Arbeitstitel "Parkplatzmörder" von Tom Zenker gedreht wurde. Dabei handelte es sich um die Morde an dem arbeitslosen ehemaligen Bundeswehr-Soldaten Heiko S. (30) auf dem Parkplatz Hölzer See nahe Magstadt bei Stuttgart am 08.05.2010 und an dem Rentner Hans Friedrich L. (70) auf dem Parkplatz Steingrund in Mörfelden-Walldorf bei Groß-Gerau am 02.07.2010. Als Studiofall waren diese Taten bereits in der Sendung vom 06.10.2010 behandelt worden: Beide Opfer waren homosexuell, beide wurden erschossen, beide Tatorte waren Cruising-Treffpunkte. In beiden Fällen hatte es bald je einen Tatverdächtigen aus dem jeweiligen Umfeld der Opfer gegeben, bis die ballistische Untersuchung ergab, dass beide Morde mit derselben Waffe verübt wurden. Da die Verdächtigen für die jeweils andere Tat nicht in Frage kamen, wurden sie aus der Untersuchungshaft entlassen. Schließlich gab es einen DNA-Treffer, und zwar einen sogenannten Spur-Spur-Treffer: Am Tatort eines versuchten Überfalls auf einen Autofahrer in Freudenstadt am 06.06.2010 wurde dieselbe DNA sichergestellt wie bei dem Mord bei Stuttgart. Ermittlungen nach der Tat in Freudenstadt führten zum pensionierten Postbeamten Detlef S. (55) aus Esslingen, der am 11.12.2010 festgenommen wurde, Gewissheit brachte dann ein DNA-Abgleich. Die Festnahme wurde in der Sendung vom 12.01.2011 bekanntgegeben, dazu wurden neue Fragen zu Gegenständen gestellt, die beim Verdächtigen gefunden worden waren.

Am 29.08.2011 begann am Landgericht Stuttgart der Prozess gegen Detlef S., der zu seinem Motiv beharrlich schwieg; die Staatsanwaltschaft vermutete zum einen Mordlust und zum anderen Rache für eine HIV-Infektion, die er sich nach eigenen Angaben beim Verkehr mit einem Transsexuellen zugezogen habe - allerdings etwa zehn Jahre vor den Morden. Beiden Ansätzen folgte das Gericht nicht, es erkannte aber niedere Beweggründe als Mordmerkmal und verurteilte Detlef S. am 01.02.2012 zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung bei Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Im geplanten Filmfall wären Jan Baake als Mordopfer Heiko S., Nina Brandhoff als Frau L. sowie Lia Hoensbroech in einer weiteren Rolle zu sehen gewesen.

Stephan Harbort hat den Fall in einem Aufsatz ausführlich dargestellt.

Renate Höhne, die Ehefrau des Täters, hat über die Geschehnisse rund um Verhaftung und Verurteilung ihres Mannes ein Buch geschrieben: "Und ich habe nichts geahnt" (MVG-Verlag).

Zum Fall gibt es hier im Forum auch schon einen Thread.


Taunus-Bridge
Im Jahr 2012 sollte ein Filmfall gesendet werden, den Peter Ladkani unter dem Arbeitstitel "Taunus-Bridge" gedreht hat, als einer der Darsteller agierte Wolfram A. Guenther. Zu einer Ausstrahlung kam es nicht, da sich der Täter im Mai 2012 selbst stellte, als die Polizei die Sicherstellung von DNA in seinem Umfeld plante, nachdem er eine Speichelprobe verweigert hatte. Bei diesem Fall handelt es sich um den Mord an der Rentnerin Ingrid Z. (69) aus Kelkheim-Eppenhain im Main-Taunus-Kreis am 14.08.2011. Die Frau war nach einer Bridge-Runde, die sie in ihrem Haus für Freunde ausgerichtet hatte, überfallen und getötet worden. In dieser Runde lag auch der Schlüssel zur Klärung des Falls. Der Täter, der zur Tatzeit 50-jährige ehemalige Bank-Abteilungsleiter Dirk B., hatte ebenfalls zur Runde gehört, bis seine Frau sich von ihm trennte. Seinen Platz in der Runde nahm dann das spätere Opfer ein. Dirk B. präsentierte vor Gericht eine Version, die ihm nicht geglaubt wurde: Nachdem er die Bridge-Runde durch ein Fenster beobachtet habe, habe er lediglich einbrechen wollen, um eine Geldbörse zu entwenden, den Verdacht des Diebstahls später auf die am Bridge-Spiel Beteiligten zu lenken und sich so an seinen ehemaligen Mitspielerinnen und Mitspielern zu rächen. Dabei sei er von Ingrid Z. überrascht worden, habe sie im Kampf verletzt und bei Verlassen des Hauses angenommen, dass sie lebe. Das Landgericht Frankfurt/M. erkannte auf Mord zur Verdeckung einer Straftat und verurteilte Dirk B. am 06.11.2013 zu lebenslanger Haft.

Bemerkenswert ist, dass der Fall trotz seiner romanreifen Gemengelage (Beruflicher und finanzieller Abstieg eines leitenden Bankers finden ihren Tiefpunkt darin, dass er seine Nachfolgerin in einer Bridge-Runde tötet) im Nachklang wenig Beachtung fand.

Bericht über die Aufklärung in der Chronik der Stadt Kelkheim 2012 (Seite 32) und

Bericht über das Urteil aus der Frankfurter Rundschau.


Olesya
Für 2016 war die Ausstrahlung des Filmfalls "Olesya" in der Regie von Raoul W. Heimrich angedacht, mit Ida Kiefer als Olesya V., der Kinderdarstellerin Chiara als ihrer Tochter und Benjamin Schroeder als Polizist. Die zweifache Mutter Olesya V. (31) aus Dülmen wurde seit dem 16.08.2010 vermisst, ihre Leiche wurde erst am 11.08.2015 in einem Waldgebiet in Hagen nahe der A46 gefunden. Die russischstämmige Frau war von ihrem Ehemann Aleksander V. als vermisst gemeldet worden, wobei dieser angegeben hatte, dass es Streit wegen des Planes seiner Frau gegeben habe, zu einer Internet-Bekanntschaft nach Russland zu ziehen. Die Ermittler vermuteten früh ein Tötungsdelikt, fanden aber keine Beweise. Nach dem Leichenfund durch Waldarbeiter fünf Jahre später wurde der 42-Jährige festgenommen und am 23.08.2017 vom Landgericht Münster zu sieben Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt, da eine Tötungsabsicht nicht nachzuweisen war. Die Internet-Bekanntschaft, auf die Angeklagter und Verteidigung den Verdacht zu lenken versuchten, existierte tatsächlich, der Mann war aber zum Tatzeitpunkt in Russland inhaftiert.

Rätselhafterweise verzeichnet die Film-Datenbank imdb.com den Fall in der Sendung vom 25.08.2010 als Studiofall, was vom Zeitablauf zwar passen würde, in der mir verfügbaren Aufzeichnung aber nicht enthalten ist. Möglicherweise wurde der Studiofall kurzfristig aus dem Programm genommen (oder liegt mir gar eine geschnittene Version vor?).

Bericht über das Urteil aus der Dülmener Zeitung.


Brückenkind
Nachdem der Mord an der Schülerin Stephanie D. (10) aus Weimar bereits in der Sendung vom 05.06.1992 als Filmfall behandelt worden war (damals natürlich noch in der Regie von Kurt Grimm), nahm sich der Regisseur Robert Pejo im Jahr 2018 erneut dieses Deliktes an. Mirja Mahir spielte die Mutter des Opfers, Stefan Pfau den Onkel, Rainer Lott einen Getränkehändler. Bevor es zur Ausstrahlung kam, wurde in Berlin am 04.03.2018 Hans-Joachim G. (65) verhaftet und am 30.11.2018 vom Landgericht Gera zu lebenslanger Haft verurteilt. Auf die Spur des einschlägig vorbestrafen Mannes war die Soko "Altfälle" in Jena durch einen Abgleich mit ähnlich gelagerten Fällen gekommen. Er hatte das Mädchen entführt, vermutlich missbraucht und dann getötet, indem er es von der Teufelstalbrücke bei Jena warf. Bei der Bekanntgabe der Klärung wurden in der Sendung vom 28.03.2018 Ausschnitte aus dem ungesendeten Filmfall gezeigt.

Auch zu diesem Fall gibt es einen Thread hier im Forum.


In einer Reihe weiterer Fälle ist es mir nicht gelungen, ihnen einen gesendeten Filmfall zuzuordnen, möglicherweise handelt es sich auch hier um Fälle, die aufgrund aktueller Entwicklungen nicht ausgestrahlt wurden. Wenn jemand eine Idee hat, bitte mitteilen:

Afro-Schocker
Jahr: 2011
Regie: Erwin Keusch
Darsteller:
Felix von Frantzius: Kunde
Agnieszka Wellenger: unbekannt
Thea Prison: unbekannt
Sonja Beck: unbekannt

Regen-Nacht
Jahr: 2012
Regie: Wilhelm Engelhardt
Darsteller:
Elinor Eidt: Daniela Siebeck
Julia Sophie Schabus: Klara
Ivanka Brekalo: unbekannt
Laura Parker: Maia
Simon David Riggers: unbekannt
Xenija Dirr: Nadine

Leergut-Desaster
Jahr: 2015
Regie: Bettina Braun
Darsteller:
Holger Doellmann: Günther Vogel
Sven Waasner: unbekannt
Sebastian Freigang: unbekannt

Pizza due
Jahr: 2015
Regie: Robert Sigl
Darsteller:
Stefan Voglhuber: Dirk Schwebel
Dimitri Bilov: unbekannt
Marion Schneider: unbekannt

Kassenbon
Jahr: 2017
Regie: David Carreras
Darsteller:
Thomas Hessdörfer: Nachbar Rüdiger
Steffen Jung: Täter


Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

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