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01.10.1999 Mord an Nenad Vuckovic (Kripo Frankfurt/Main)

in Filmfälle 07.04.2021 12:20
von Metropolis 1971 • 40 Beiträge

Hab mich an Ostern mal mit dem Fall des "Paten vom Main" befasst und bin dabei über zwei Artikel gestossen. Einen fand ich bei Genios und einen im Presseportal der Polizei. Der Artikel bei Genios stammt aus der Frankfurter Allgemeinen. vom 20.02.1999:

Mord im Westend mit rätselhaftem Hintergrund

Geschäftsmann in einem Leihwagen durch Kopfschuß getötet / Suche nach Zeugen

tk. FRANKFURT. Der 39 Jahre alte Kaufmann Nenad Vuckovic, der in Frankfurt zwei kleine Hotels besaß, ist in der Nacht zum Freitag im Westend erschossen worden. Die Kriminalpolizei hatte bis gestern kaum Anhaltspunkte, die auf Täter oder Motiv hinweisen. Der im früheren Jugoslawien geborene deutsche Staatsbürger wurde von einem Projektil, das seinen Kopf durchschlug, getötet. Nach dem Ergebnis der Obduktion, die noch in der Nacht im Zentrum der Rechtsmedizin ausgeführt wurde, wurde Vuckovic zweimal getroffen.

Die Leiche wurde in einem BMW-Mietwagen mit Solinger Kennzeichen (SG- ES 3707) an der Wolfsgangstraße vor dem Bürohaus des Landeswohlfahrtsverbands aufgefunden. Ein Nachbar hatte es kurz vor 23 Uhr mehrmals knallen gehört, auf der Straße nachgeschaut und die Polizei verständigt. Ob zwei Fahrzeuge, ein dunkler BMW der Dreier-Reihe und ein heller VW Golf älterer Bauart, die beim Wegfahren aus Tatortnähe gesehen worden sind, mit dem Verbrechen in Verbindung zu bringen sind, ist ebenso unklar wie der gesamte Hintergrund. Ein Raub scheint jedenfalls nicht die Absicht der Täter gewesen zu sein, denn der Getötete hatte einen großen Geldbetrag bei sich.

Das Auto mit der Leiche war verkehrsbehindernd auf der relativ schmalen Wolfsgangstraße geparkt, die Fahrertür stand offen, die Innenbeleuchtung war eingeschaltet, die Heizung lief. Es sah aus, als habe der Fahrer in der zweiten Reihe nur kurz anhalten wollen. Beide Beine des Toten befanden sich außerhalb der Karosserie, ein Fuß berührte den nassen Asphalt. Der Oberkörper lag seitwärts zum Beifahrersitz, im Sterben weggekippt oder durch die Wucht der tödlichen Projektile ins Wageninnere geschleudert. Der Tote lag teilweise auf den Seiten einer weit aufgeschlagenen Zeitung.

Nach Auskunft der Polizei ist unbekannt, was den Getöteten am späten Donnerstag abend in die Wolfsgangstraße geführt hatte. Es bestehen offenbar auch Unklarheiten über seine geschäftliche Tätigkeit. Die Polizei wandte sich daher gestern mit der Bitte um Hinweise an die Bevölkerung. Von Interesse sind Auskünfte über die Arbeit und die letzten Aufenthaltsorte des Getöteten. Auch Autofahrer, die zwischen 22.48 und 22.50 Uhr Verdächtiges auf der Wolfsgangstraße, auf dem Reuterweg oder der Parkstraße beobachtet haben, werden um Mithilfe gebeten.

Presseportal vom 04.07.2001

POL-F: 010704 Pressemitteilung Teil 1, Pressestelle Polizei Frankfurt am Main

Der Frankfurter Staatsanwaltschaft und der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift Polizei/Zoll (GER) gelang es in einer
hervorragenden Zusammenarbeit mit den niederländischen bzw. spanischen Behörden und den GER-Dienststellen in Berlin sowie
Nürnberg, eine deutsche siebenköpfige Rauschgiftgruppierung zu zerschlagen.
Diesen Drogenring leitete maßgeblich ein 57jähriger Dealer mit dem Spitznamen Joe M., der in Frankfurt am Main verschiedene
konspirative Wohnungen unterhielt. Nach Unterweisung seiner Mitglieder über die arbeitsteilige Rauschgiftbeschaffung setzte sich
der Kopf der Bande vorsichtshalber nach Spanien ab. Aufgrund eines bestehenden internationalen Haftbefehls des Amtsgerichts
Frankfurt am Main erfolgte jedoch am 24.06.01 seine Verhaftung in einem Hotel auf Ibiza durch die spanische Polizei. Zuvor
konnten seine 6 Mittäter, die für ihn als Drogenabnehmer, Einfuhrschmuggler, Kurierfahrer oder Gehilfen fungierten, im Raum
Frankfurt am Main, in Berlin und Nürnberg dingfest gemacht werden. Dabei konfiszierten die Beamten insgesamt rund 174 kg
Haschisch, 2 kg Amphetamin sowie 72.000 Ecstasy-Tabletten.
Über Ermittlungen in anderer Sache erlangten die Spezialisten der GER in November 2000 entsprechende Hinweise, wonach der
57jährige Joe M. plane, von Frankfurt am Main aus bundesweite Rauschgiftgeschäfte abzuwickeln. Diese Einschätzung
konkretisierte sich im Verlauf der anschließend durchgeführten mehrwöchigen operativen Maßnahmen. Sie führten auch im
weiteren Verlauf zur Aufdeckung der vorhandenen Organisationsstruktur und zur Identifizierung der handelnden Personen. Die
Folge waren zeitlich abgestimmte und gezielte Festnahme- und Durchsuchungsaktionen.
So geriet am 14.06.01gegen 17.45 Uhr ein 55jähriger Nürnberger an der BAB-Raststätte Weißkirchen bei Frankfurt am Main mit
seinem Pkw Opel Omega in eine Fahrzeugkontrolle. Hierbei entdeckten die Fahnder im doppelten Boden des Kofferraumes
versteckt ca. 5 kg Haschisch, 2 kg Amphetamin sowie 72.000 Ecstasy-Tabletten. Nach Erkenntnissen der niederländischen Polizei
dürfte der 55jährige Drogenkurier das sichergestellte Rauschgift auftragsgemäß im Amsterdamer Rotlichtviertel besorgt und nach
Deutschland illegal eingeschmuggelt haben. Die entsprechenden Ermittlungen hinsichtlich der dortigen Rauschgiftlieferanten sind
noch nicht abgeschlossen. Wie soeben bekannt wurde, ging der Amsterdamer Polizei mit Unterstützung von Beamten der GER in
den heutigen Vormittagsstunden der dort agierende Drogenlieferant, ein 53jähriger US-Amerikaner, der auch Mitglied der Hell
Angels sein soll, ins Netz.
Zeitgleich wurde im Rahmen einer Observation beobachtet, wie ein 49jähriger Berliner im Auftrag des Gruppenchefs einen
angemieteten Pkw Mercedes Benz zunächst in eine Tiefgarage im Berliner Stadtteil Reinickendorf abstellte und die
Fahrzeugschlüssel im Wageninnern deponierte.
Kurze Zeit später erschien ein 57jähriger mutmaßlicher Drogenlieferant, holte den E-Klasse-Mercedes ab und fuhr hinter einem
VAN-Fahrzeug her. Am Lenkrad saß seine 62jährige Ehefrau. Die Fahrt endete in diesem Stadtteil auf einem Parkplatz eines
Einkaufszentrums. Vom «Einkauf» zurückgekehrt, verstaute er 4 große Tragetaschen in den Kofferraum des Mietautos.
Danach fuhr man den Wagen wieder zurück in die Tiefgarage. Als nach einer Stunde der 49jährige Drogenabnehmer zusammen
mit einem 34jährigen Komplizen dort auftauchte und im Begriff war, mit der heißen Fracht wegzufahren, griffen die Beamten zu. In
den Tragetaschen befanden sich insgesamt 155 kg Haschisch. Aufgrund dieser Sachlage erfolgte auch die Festnahme des
Lieferantenehepaars, das sich noch in einer benachbarten Gaststätte aufhielt. Eine anschießende Durchsuchung ihrer Wohnung in
Stadt Sangerhausen/Sachsen-Anhalt förderten nochmals 14 kg Haschisch zutage. Ein weiterer 50jähriger Mittäter, der an den
Vorgesprächen dieser Rauschgifttransaktionen beteiligt gewesen sein soll, wurde ebenfalls an diesem Tag in seiner Nürnberger
Wohnung festgenommen. Sowohl der 34jährige als auch der 50jährige, die lediglich als Gehilfen anzusehen sind, wurden nach
ihrer Vernehmung entlassen. Alle anderen Festgenommenen sitzen derzeit in deutschen bzw. spanischen Haftanstalten ein. Das
Ergebnis des vorliegenden Ermittlungskomplexes zeigt erneut auf, daß die Bekämpfung des organisierten Rauschgifthandels nur
durch eine gut funktionierende Kooperation der Strafverfolgungsbehörden auf nationaler und zwischenstaatlicher Ebene zu leisten
ist.
Anzumerken wäre noch, daß nach hiesigen Erkenntnissen der 57jährige Joe M. offenbar auch mit dem 39jährigen Nenad
Vuckovic, der am 18.02.1999 in einem Leihwagen in Frankfurt am Main durch Unbekannte erschossen wurde, Drogengeschäfte
abgewickelt hat. Hintergrund für die Tat sind nach dem bisherigen Ermittlungen umfangreiche Rauschgiftgeschäfte, in die der
Getötete seit mehr als 10 Jahren involviert war. Über die Aufhellung ihrer damaligen «Geschäftspartnerschaft» sowie Angaben
zu ihrem Umfeld, ihren Aufenthaltsorten sowie möglichen Komplizen erhofft sich das zuständige Fachkommissariat zusätzliche
Anhaltspunkte zur Aufklärung dieses Tötungsdeliktes.
Für Hinweise, die zur Aufklärung dieser Straftat bzw. zur Festnahme des/der Täter führen, hat die Frankfurter
Staatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 10.000 DM ausgesetzt. Sachdienliche Mitteilungen nehmen die Polizei in
Frankfurt am Main unter Tel.: 069/755-5648 bzw. der Kriminaldauerdienst, Tel.: 069/755-5050 oder jede andere
Polizeidienststelle entgegen.

Zugegeben, nichts weltbewegendes, aber ich wollte die beiden Artikel dem Forum auch nicht vorenthalten. Außerdem gab es bisher auch noch keinen Thread zu dem Fall, jedenfalls habe ich keinen gefunden.

Hier noch der Link zum Presseportal:

https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/4970/262914


zuletzt bearbeitet 07.04.2021 12:21 | nach oben springen


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