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FF 1 10.05.2023/ SF 2 01.06.2022 (LKA Berlin) Mord an der Promi- Kosmetikerin

in Filmfälle 16.07.2026 23:06
von bastian2410 • 1.758 Beiträge

FF 1 10.05.2023/ SF 2 01.06.2022 (LKA Berlin)
Mord an der Promi- Kosmetikerin
Der Kieselstein- Mord/ Der Mordfall Oksana Romberg
Teil 1


Am 1. April 2021 wird die 50-jährige Kosmetikerin Oksana Romberg in ihrer Wohnung in Berlin- Charlottenburg am Kurfürstendamm 61/Ecke Leibnizstraße ermordet aufgefunden. Eine Obduktion ergibt, dass sie durch schwere Verletzungen an Kopf und Oberkörper gestorben ist. Der Fall erfährt daraufhin ein hohes Medienecho in der Boulevardpresse.

Oksana Romberg stammt aus Kiew, ist in der damaligen Sowjetunion aufgewachsen und kommt 1993 mit 22 Jahren nach Deutschland. Sie hatte zunächst in Berlin Philosophie studiert und sich schließlich als diplomierte kosmetische Therapeutin und Heilpraktikerin nach mehreren Ausbildungen selbständig gemacht. Sie betreibt das renommierte Kosmetikstudio Bonadea am Walter-Benjamin-Platz- nur 200 Meter von Ihrer Wohnung entfernt. Zwei Angestellte gehen ihr zur Hand, mit denen sie ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegt. Spezialisiert ist die Beauty-Expertin auf Botoxbehandlungen und Hyaluron-Anwendungen. Auch (Z-) Promis lassen sich von ihr die Lippen aufspritzen oder die Stirnfalten glätten.

Um den Jahreswechsel war der Salon aufgrund der Corona- Pandemie geschlossen. Diese Auszeit hatte die 50-jährige für einen mehrwöchigen Trip an die Cote d`Azur genutzt und dabei Frankreich und Monaco besucht. Obwohl Oksana Romberg einen sehr großen Freundschafts- und Bekanntenkreis hat, ist ihre einzige enge Vertraute ihre Mutter, die sie auch auf ihrer großen Reise nach Frankreich begleitet hat. Mit ihr teilt sie ein Geheimnis, von denen sie ihren Freunden und Bekannten nichts erzählt hat. Die Kosmetikerin lebt ohne Beziehung in ihrer 2,5 Zimmer großen Dachgeschosswohnung in Charlottenburg, hat keine Kinder, hat aber im Vorjahr heimlich, still und leise einen Freund aus Russland geehelicht- es soll jedoch keine Liebesheirat gewesen sein. Die Gründe für die Heirat sind aber auch ihrer Mutter nicht bekannt.

Oksana Romberg hat einen großen Freundes- und Bekanntenkreis, verkehrt in illustren Kreisen, ist lebensfroh, liebenswert und großzügig zu ihren Mitarbeitern. Sie ist sowohl privat als auch geschäftlich sehr in den sozialen Medien aktiv- allein bei Facebook hat sie über 4500 Freunde. Es ist ein offenes Geheimnis in ihrem Freundeskreis, dass Oksana regelmäßig Kokain konsumiert- auch wenn sie das nicht öffentlich macht. Erst die Obduktion ergibt jedoch, dass die Ukrainerin kokainsüchtig war und täglich Kokain zu sich nahm. Der Konsum macht sich bereits körperlich bemerkbar, so nahm Oksana in den letzten ein, zwei Jahren sichtlich an Gewicht zu und ihre Nase verlor an Stabilität und wurde schief- umgangssprachlich wird von einer „Koksnase“ gesprochen. Auch ihre Arbeit litt unter ihrer Sucht, so kam es immer mehr zu Beschwerden von Kunden aufgrund fehlerhafter Behandlungen.

(Anm: dieser Aspekt wird etwas unterschlagen im Filmfall von Aktenzeichen xy)

Zudem ist in der Öffentlichkeit auch bekannt, dass die 50-jährige vermögend ist und dies nach außen auch gerne zeigt. Handtaschen und Accessoires von Chanel, Dior, Bottega Veneta- sie macht aus dem Luxus, den sie sich leisten kann, keinen Hehl. Shoppen ist ihre Leidenschaft, Einkäufe für mehrere Tausend Euro im Monat sind keine Seltenheit. Ihr lascher Umgang mit Geld in der Öffentlichkeit könnte daher auch Fremden aufgefallen sein.

Die Ukrainerin träumt von einem Leben in Frankreich, daher spart sie auf eine Eigentumswohnung in Frankreich. Sie bewahrt daher größere Geldsummen zu Hause auf- die Polizei schätzt die Summe zum Tatzeitpunkt auf 200000 Euro. Auch die Einnahmen aus dem Kosmetiksalon werden zum Teil von Oksana zu Hause aufbewahrt, bevor sie zur Bank gebracht werden.

Der 31. März 2021 ist der Mittwoch vor Ostern, es ist ungewöhnlich warm in Berlin für einen Tag Ende März. Den Tag verbringt Oksana in ihrem Salon und behandelt ihre Kunden. Um genau 18.40 Uhr verlässt die 50-jährige ihren Salon am Walter-Benjamin-Platz mit den Tageseinnahmen vom 2300 Euro. Bis zu ihrer Wohnung am Kurfürstendamm 61 sind es nur 2 Minuten zu Fuß. Ob Oksana an diesem Tag sofort nach Hause geht oder eventuell noch ein Lokal aufsucht, kann danach nicht mehr ermittelt werden. Fest steht nur, dass sie die Tageseinnahmen nicht zur Bank gebracht hat und mit in ihre Wohnung genommen hat.

Am nächsten Tag- Gründonnerstag- hat Oksana Romberg um 15.30 Uhr einen Kundentermin in ihrem Kosmetiksalon- sie erscheint jedoch nicht. Die beiden Mitarbeiter versuchen sie über Handy zu erreichen- es ist ausgeschaltet. Da ihre Chefin als zuverlässig gilt und sie auch zu Hause nicht die Wohnungstür öffnet, verständigen die beiden die Polizei und die Feuerwehr. Da nach einem Einbruch in die Wohnung von Oksana mehrere Sicherheitsschlösser angebracht wurden und diese verschlossen sind, kann die Feuerwehr die Haustür nicht öffnen. Der Einstieg kann nur über eine Drehleiter durch ein Fenster in die Dachgeschosswohnung im 5. Stock erfolgen. Am 1. April 2021 gegen 18 Uhr wird die 50-jährige Oksana Romberg bäuchlings und vollständig bekleidet in einer Blutlache tot aufgefunden- mit schweren Kopfverletzungen.

Die Polizei findet keine Aufbruchsspuren an der verschlossenen Tür und nimmt an, dass die Ukrainerin den Täter selbst- ob freiwillig oder unfreiwillig- in die Wohnung gelassen hat und dann überwältigt wurde. Es gehörte nämlich zur Gewohnheit der 50-jährigen, ihre Schuhe sofort beim Betreten ihrer Wohnung auszuziehen- beim Auffinden ihrer Leiche hatte sie ihre dunkelblauen Schuhe jedoch noch an. Ein weiteres Indiz für einen überraschenden Angriff ist, dass ihre Handtasche und Einkaufstüten aus dem KaDeWe mit Weinflaschen verstreut an der Eingangstür herumliegen. Ob die Wohnung durchsucht wurde, kann die Polizei zunächst nicht feststellen. Die Kripo kann nur ermitteln, dass dem Täter die Tageseinnahmen aus dem Kosmetiksalon i.H.v. ca. 2300 Euro in die Hände gefallen sind. Weiteres Geld findet die Kripo in der Wohnung nicht. Erst spätere Ermittlungen ergeben, dass der Täter einen höheren Geldbetrag (je nach Quelle 20000 bis 60000 Euro, möglich ist sogar ein Betrag bis 200000 Euro) erbeutet hat. Oksana hatte größere Geldbeträge unter anderen in mehreren Vasen versteckt, dieses Geld war nach der Tat verschwunden. Die Polizei findet Fotos, auf denen erkennbar ist, dass Oksana im Schlafzimmer Geld in „Ananas-Gefäßen“ versteckt hatte.

(Anm: Der Diebstahl des Geldes wird weder im Filmfall noch in der Nachbesprechung bei Aktenzeichen xy erwähnt-obwohl dieser Aspekt bei Ausstrahlung bekannt war. Lediglich die Geldverstecke werden angedeutet.)

Der Täter nimmt das Handy des Opfers- ein goldenes IPhone 12 Pro Max- und die Wohnungsschlüssel mit einem auffälligen roten herzförmigen Anhänger mit. Das IPhone wird nach der Tat nicht mehr eingeschaltet und ist bis heute verschwunden. Beim Verlassen der Wohnung schließt der Täter sämtliche Schlösser ab.

Zeugen für die Tat gibt es keine. Die Kurfürstendammstraße 61 ist ein herrschaftlicher Altbau, eine exquisite Wohnlage im Herzen Charlottenburgs. In dem Anwesen sind hauptsächlich Anwaltskanzleien und Arztpraxen untergebracht. Weil Publikumsverkehr herrscht, steht die Eingangstür auch noch am Abend offen. Trotzdem kriegt kein Nachbar etwas von dem Verbrechen mit.

Neben der Leiche und in den weiteren Räumen der Dachgeschosswohnung finden die Beamten mehrere mittelgroße Kieselsteine (Durchmesser 4-6 cm) mit Blutanhaftungen des Opfers. Es ist schnell offensichtlich, dass diese Steine nicht in die Wohnung gehören und vom Täter mitgebracht wurden. Diese Steine geben der Kripo Rätsel auf. Aufgrund der Größe der Steine waren sie nicht geeignet, den Tod der Frau herbeizuführen. Die Kripo vermutet, dass der Täter eventuell die Steine in ein strumpfähnliches Gebilde gesteckt und die Steine so als Waffe genutzt hat, um sein Opfer wehrlos zu machen. Eine andere Mutmaßung ist, dass der Täter die Steine nach der Tat auf das Opfer geworfen hat. Eine Art Fetisch im Bezug auf die Tatausführung bzw. ein Ritual- Mord- z.B. eine Bestrafung durch Steinigung im biblischen Sinne- kann daher zunächst nicht ausgeschlossen werden. An den Kieselsteinen werden jedoch auch Blutanhaftungen vom Täter gefunden und es gelingt, genetisches Material zu isolieren. Der Täter muss aber nach Ansicht der Kripo zusätzlich auch noch ein weiteres Tatwerkzeug eingesetzt haben, denn sonst sind die schweren Verletzungen am Kopf und Körper des Opfers nicht erklärbar.

Die Kripo findet am Tatort auch einen einzelnen zerrissenen schwarzen Latex-Handschuh. Die kriminaltechnische Untersuchung ergibt, dass dieser Handschuh vom Täter stammt und sich dieser bei der Tat auch verletzt haben muss. Das Opfer muss heftigen Widerstand geleistet haben und hat den Täter wahrscheinlich in die Hand gebissen. Es werden Blutspuren und ein Fingerabdruck des Täters am Handschuh gefunden und es gelingt, wie an den Kieselsteinen eine DNA- Spur zu extrahieren. Auch im Badezimmer werden Blutanhaftungen des Täters gefunden. Der Mörder der 50-jährigen muss sich nach der Tat die Hände gewaschen haben.

Warum der Täter die Latexhandschuhe- auch mehrere unbenutzte- am Tatort zurückgelassen hat, kann das LKA Berlin nicht beantworten. Der Abgleich der Tatortspuren mit den beim Bundeskriminalamt gespeicherten DNA-Datensätzen ergibt jedoch keinen Treffer. Der Mörder der 50-jährigen Ukrainerin ist höchstwahrscheinlich vorher polizeilich noch nicht in Erscheinung getreten.

Teil 2: Die Suche nach dem Täter beginnt. Kam der Täter aus der Drogenszene? Im BH des Opfers werden zwei Hundert-Euro-Scheine gefunden- Geld für ein Drogenkauf? Auch taucht ein Video auf, welches in den Fokus der Kripo gelangt. Zeigt es den Täter bei der Suche der bei der Tötung eingesetzten Kieselsteine?


Zwei Fälle, die wieder einmal nachdenklich machen, gerade im Hinblick auf das Anhalterunwesen." (Zitat Zimmermann FF 3 17.01.1986)
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RE: FF 1 10.05.2023/ SF 2 01.06.2022 (LKA Berlin) Mord an der Promi- Kosmetikerin

in Filmfälle 20.07.2026 03:32
von bastian2410 • 1.758 Beiträge

FF 1 10.05.2023/ SF 2 01.06.2022 (LKA Berlin)
Mord an der Promi- Kosmetikerin
Der Kieselstein- Mord/ Der Mordfall Oksana Romberg
Teil 2


Unmittelbar nach der Tat wird die Öffentlichkeit eingeschaltet. Die Kripo Berlin fragt vor allem, wer Oksana Romberg nach dem Verlassen ihres Salons gegen 18.40 Uhr noch gesehen hat. Die Rechtsmedizin kann nämlich den exakten Todeszeitpunkt nicht mehr feststellen. Fest steht nur, dass Oksana am Abend des 31.3. durch massive Gewalteinwirkung gegen den Kopf und Oberkörper getötet wurde. Auch weist das Opfer Würgemerkmale am Hals auf- der Kehlkopf ist gebrochen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Täter mit massiver Gewalt gehandelt hat. Die Mediziner gehen davon aus, dass das Opfer im bewusstlosen Zustand von hinten- eventuell mit dem Unterarm oder einen anderen Tatwerkzeug- erwürgt bzw. erdrosselt wurde. Während der Obduktion beim Entkleiden der Leiche werden in der Kleidung des Opfers Fragmente weiterer Steine gefunden. Zudem werden im BH des Opfers zwei Hundert- Euro- Scheine gefunden. Für die Kripo ein Anzeichen dafür, dass Oksana an diesem Tag noch Kokain kaufen wollte.

In den Tagen nach dem Mord startet die Polizei eine Flyer- Aktion rundum dem Kudamm und befragt Zeugen. Polizisten gehen den Heimweg des Opfers vom Kosmetiksalon zu ihrer Wohnung ab und befragen Geschäftsinhaber, Angestellte und Passanten nach Hinweisen. Ohne großen Erfolg, es gehen insgesamt nur zwölf Hinweise ein. Bereits am 11.4.2021 berichtet das erste Mal der rbb über das Verbrechen in der Sendung „Täter, Opfer, Polizei“. Zudem wertet die Kripo Videoaufnahmen aus, jedoch existieren aus verschiedenen Gründen keine Aufnahmen aus Überwachungskameras von Oksana Romberg auf ihrem Heimweg.

Die Kripo konzentriert sich zunächst auch auf die Kunden vom Romberg. Aufgrund ihrer Kokainsucht war es in der Vergangenheit vermehrt zu Beschwerden gekommen wegen fehlerhafter Behandlungen. Die Kripo Berlin sieht hier ein Motiv für die Tat, ein Tatverdächtiger kann jedoch nicht ermittelt werden. Auch die Klientel ihrer Kundschaft- hauptsächlich vermögende Frauen- schließt eine Täterschaft aufgrund der Brutalität der Tat eigentlich aus. Zudem weist das genetische Material einen männlichen Täter aus.

Erst zwei Monate nach der Tat stoßen die Ermittler auf die Bilder einer Überwachungskamera, die in einem Innenhof am Benjamin-Schreiber-Platz installiert ist- nur 60 Meter vom Kosmetikstudio des Opfers entfernt. Der Hausmeister des Wohnkomplex hatte sich bei der Kripo gemeldet und die Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Für die Beamten sind die Aufnahmen sehr interessant, denn nach der Tat hatte die Kripo Mantrailer Hunde eingesetzt, die die Ermittler von der Wohnung des Opfers unmittelbar zu diesem Innenhof geführt haben. Die Kamera hatte am Tattag um genau 17.26 Uhr einen 1,75 bis 1,85 Meter großen Mann aufgenommen und lässt vermuten, dass er etwas suchen, sich kurz bücken und etwas aufheben würde. Der Mann trägt ein helles Basecap, einen hellen Mundschutz, eine hellgraue Jacke, eine grünblaue Hose und zudem einen großen Rucksack. Die Steine, die neben der Leiche sichergestellt werden, weisen eine große Ähnlichkeit mit den Steinen auf, die in diesem Innenhof gefunden werden. Ob die Steine wirklich von diesem Innenhof stammen, lässt sich jedoch mangels individueller Merkmale nicht feststellen.

Am 1.6.2021 berichtet Aktenzeichen xy das erste Mal über den Mordfall. In dem Studiofall steht insbesondere die Identifizierung des unbekannten Mannes aus dem Überwachungsvideo im Vordergrund. Obwohl die Staatsanwaltschaft die Belohnung auf 5000 Euro erhöht hat, ist das Hinweisaufkommen schwach- eine Identifizierung des Gesuchten gelingt nicht. Am 16.11.2021 berichtet auch die Sendung „Achtung Fahndung“ bei Bild live über den Fall Romberg.

Zwei Jahre kommt die Kripo in diesem Fall nicht weiter, insbesondere kann der Mann vom Video nicht identifiziert werden. Auch das Motiv des Mordes können die Ermittler nicht klären. Möglich ist, dass der Mörder aus dem Drogenmilieu stammt. Für ein bevorstehendes Treffen mit einer Person zum Drogenkauf sprechen die zwei Hundert Euro Scheine, die im BH des Opfers gefunden wurden. Auch die Tat eines psychisch Kranken schließt die Kripo zu diesem Zeitpunkt nicht aus, dass zum Teil irrationale Verhalten des Täters am Tatort lässt diesen Schluss zu. Vielleicht hat der Täter aber auch den leichtsinnigen Umgang des Opfers mit Geld beobachtet und ist der Kosmetikerin gefolgt- eine Tat eines sogenannten Nachläufers.

Obwohl die Ermittlungen im Freundes- und Bekanntenkreis bisher nichts ergeben haben, fokussieren sich die Beamten erneut auf die engeren Beziehungen des Opfers. Da die Wohnung nach der Tat nicht durchsucht wurde, die Ermittlungen jedoch ergeben, dass der Täter außer den Tageseinnahmen aus dem Salon einen weiteren größeren Geldbetrag mitgenommen hat, sind sich die Beamten sicher, dass der Täter die Gewohnheiten des Opfers kannte und daher aus den Freundes- bzw. Bekanntenkreis von Oksana stammen muss. Das LKA Berlin rückt daher von seiner anfänglichen Theorie ab, dass zwischen Opfer und Täter keine vorherige Beziehung bestehen haben muss.

Das ist jedoch gar nicht so einfach. Das Opfer hat allein in ihrem Handy (das stellt die Kripo trotz fehlenden Handys fest) fast 6000 Kontakte, hinzu kommen ihre Social- Media- Kontakte. Die Beamten erstellen zunächst eine Liste von 130 Leuten, die mit Oksana kurz vor ihrem Tod Kontakt hatten. Diese Bekannten bittet die Kripo dann zur DNA- Analyse ins Labor des LKA Berlin.

Die Beamten entschließen sich dann auch dazu, den Fall erneut der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Mord an Oksana Romberg wird am 26. März 2023 dann zum dritten Mal in der Fernsehsendung „Täter, Opfer, Polizei“ des rbb Berlin vorgestellt. Am 10.5.2023 wird der Fall dann auch zum zweiten Mal als Filmfall in Aktenzeichen xy vorgestellt. In den Tagen nach der Ausstrahlung gehen ca. 30 Hinweise ein, auch wollen zwei Anrufer den Mann aus dem Überwachungsvideo erkannt haben.

Neben der erneuten Öffentlichkeitsfahndung werden weiter Bekannte von Oksana Romberg zur Speichelprobe gebeten. Zunächst werden die Personen gebeten, mit denen das Opfer vor ihrem Tod intensiven Kontakt hatte- dieser Personenkreis wird immer weiter ausgedehnt. Es gibt jedoch bereits beim ersten Aufruf mehrere Personen, die die Abgabe der Probe verweigern.

Einer der Personen, der sich besonders weigert, eine Speichelprobe abzugeben, ist der damalige 53-jährige Dirk S. Dirk S. ist mit dem Geschäftsführer von Oksanas Kosmetiksalon befreundet und hatte damit auch regelmäßig Kontakt zu der Kosmetikerin. Das LKA Berlin bittet daher den Mann zum Verhör. Der Geschäftsmann gibt zwar an, Oksana zu kennen, bestreitet jedoch ein enges Verhältnis. Zudem verneint er, jemals in der Wohnung der 50-jährigen gewesen zu sein. Ansonsten verhält er sich nett und kooperativ- die Kripo muss zunächst seine Aussage akzeptieren. Dirk S. war einer von 4 bis 5 Personen aus dem Kreis von 130 Personen, die keine Speichelprobe abgeben wollte- in Verdacht gerät er aber zunächst nicht.

Jedoch werden durch die Reihenuntersuchung immer mehr Personen ausgeschlossen. Daher geraten die Personen, die eine Abgabe verweigert haben, immer mehr in den Fokus der Ermittlungen- auch Dirk S.

Auch Dirk S. bewegt sich in der Berliner Promi- Welt. Markantes Gesicht, Glatze, grauer 7-Tage-Bart, tätowierte Arme. gepflegtes Äußeres- so gibt er sich auf Instagram. Die Freundschaft zu einer sehr bekannten Schauspielerin, die früher als Tatort- Kommissarin in der ARD ermittelte, zeigt er auf mehreren Fotos auf Social Media. Mit weiteren prominenten Frauen zeigte er sich zum Beispiel bei der Verleihung der Goldenen Kamera 2019. S. führt eine Nobel-Boutique für Second-Hand-Designer-Mode an der Schlüterstraße in der Nähe zum Kudamm und verkauft gebrauchte Luxus-Handtaschen von Chanel für 8500 Euro oder Mäntel von Versace für 1800 Euro. Sein Laden ist nur 450 Meter von der Wohnung von Oksana Romberg entfernt.

Aufgrund seines Ladens in unmittelbarer Nähe zur Wohnung des Opfers und den Verkauf von Luxusartikeln halten es die Ermittler für sehr wahrscheinlich, dass Dirk S. doch häufiger Kontakt zu Oksana hatte, als er zugeben möchte. Die Kripo hält es für verdächtig, dass S. die Abgabe der Speichelprobe verweigert und erwirken daher einen richterlichen Beschluss, die Dirk S. dazu zwingt, an der Reihenuntersuchung teilzunehmen.

Im März 2024 gibt Dirk S. beim LKA Berlin aufgrund eines richterlichen Beschlusses seine Speichelprobe ab. Das ganze Prozedere von der ersten Vernehmung bis zur Abgabe der Probe des S. hat fast zwei Jahre gedauert. Anfang April kommt dann das Ergebnis: Spur 91 stimmt mit dem DNA- Profil auf einem Kieselstein und mit den Blutspuren in den Latexhandschuhen überein- Spur 91 gehört zu Dirk S. Am 2. April 2024 wird S. in seiner Boutique in der Schlüterstraße in Berlin- Charlottenburg festgenommen.

Am nächsten Tag erlässt das Amtsgericht Haftbefehl wegen Mordes gegen den 53-jährigen und ordnet Untersuchungshaft an. In den ersten Vernehmungen bestreitet Dirk S. den Mord an Oksana, räumt jedoch jetzt ein, doch schon mal in der Wohnung des Opfers gewesen zu sein. Er habe mit einem Freund die Wohnung auf Wunsch von Oksana Romberg vor kurzer Zeit renoviert. Er hatte am Anfang seiner Vernehmung diesen Umstand aus dem Grund bestritten, um nicht in den Fokus der Ermittlungen zu geraten. Wie jedoch seine DNA- Spuren an tatrelevante Gegenstände wie den Handschuhen, den Kieselsteinen und der Leiche gekommen ist, kann Dirk S. nicht beantworten.

Die Kripo ist sich sicher, den Mörder von Oksana gefunden zu haben. Sie ermittelt weiter, um auch ein Motiv für die Tat zu finden. Dirk S. hatte finanzielle Schwierigkeiten und Schulden- auch bedingt durch die Corona- Krise- angehäuft. Er hatte hochwertige Waren für sein Geschäft gekauft, um diese auf Kommission mit Profit weiterzuverkaufen. Dirk S. stand kurz vor der Pleite und brauchte Geld.

Zudem findet die Kripo heraus, dass Dirk S. am Morgen nach der Tat einen höheren Geldbetrag auf sein Konto einbezahlt hat und sogar versucht hatte, ein Auto zu kaufen. Dirk S. wollte das Auto sogar in bar bezahlen, musste also nach dem Mord über einen größeren Bargeldbetrag verfügt haben.

Dann wird auch ein Video für die Ermittler interessant, welches am Tattag von der Kripo gesichert wurde. Aus dem Video eines Linienbusses, der am Tattag die Leibnizstraße entlang fuhr, ist nur in 100 Meter Entfernung zur Wohnung von Oksana Romberg ein auffälliger Motorroller mit besonderen Anbauten erkennbar. Das Kennzeichen ist nicht erkennbar, jedoch gelingt aufgrund der Anbauten der Nachweis, dass dieser Motorroller Dirk S. gehört. Der Tatverdächtige hatte am Tag nach dem Mord auf Instagram ein Foto hochgeladen, dass ihn und sein Motoroller zeigt. Das Foto wurde bei Dunkelheit aufgenommen, zeigt Dirk S. und seinen Hund sowie sein Motorroller. Die Kripo schließt nicht aus, dass S. das Foto aus dem Grund hochgeladen hat, um ein Alibi vorzutäuschen. Der Motorroller ist identisch mit dem Roller am Tatort, welches von dem Linienbus aufgenommen wurde. Für die Polizei steht fest, dass Dirk S. somit zum Tatzeitpunkt am Tatort war.

Im August 2024 erhebt die Staatsanwaltschaft Berlin Anklage gegen den Geschäftsmann wegen Raubes mit Todesfolge in Tateinheit mit heimtückischem Mord aus Habgier zur Ermöglichung einer Straftat. Der Prozess soll im November 2024 vor dem Landgericht Berlin beginnen.

Drei Jahre hat die Suche nach dem Täter gedauert. Die Kripo ist sich sicher, den Mörder von Oksana Romberg gefasst zu haben. Die Staatsanwaltschaft sieht genug Beweise, um Anklage zu erheben. Trotzdem wird es zu keinem Prozess kommen und der Fall Romberg bleibt juristisch ungeklärt. Am 20. Oktober 2024 nimmt sich Dirk S. in der JVA das Leben und erhängt sich. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn wird nach seinem Suizid sofort eingestellt.

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Der Fall beginnt tragisch und endet tragisch mit dem Suizid des Tatverdächtigen. Die Frage ist jetzt, wie man den Fall bewertet. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt in Deutschland die Unschuldsvermutung. Ich bin zu sehr Jurist, daher ist der Fall für mich nicht juristisch abgeschlossen. Die Schuld eines Tatverdächtigen kann in einem Rechtsstaat nur ein Gericht feststellen und das ist in diesem Fall nicht passiert. Aber natürlich kann man vor den für mich doch erdrückenden Indizien nicht die Augen verschließen. Dirk S. wäre nach meiner Ansicht in einem Gerichtsverfahren verurteilt worden. Er hatte die Gelegenheit (war am Tatort zum Tatzeitpunkt), das Motiv (Geldprobleme) und die Mittel (DNA auf den Kieselsteinen) für die Tat- das klassische kriminologische Dreieck für die Begehung einer Straftat. Für einen Juristen und Kriminologen wichtige Fragen, die in diesem Fall durch die Ermittlungen der Kripo meines Erachtens beantwortet wurden.

Im Fall des Pumpgun-Ronnie, der ja aufgrund seines Selbstmordes für seine Taten nie verurteilt wurde, haben wir hier in dem Forum den Begriff des „vermutlich geklärt“ erfunden. Diese Formulierung passt zu diesem Fall am besten. Leider werden dadurch nicht alle Fragen zu diesem Fall geklärt, vieles bleibt rätselhaft. Mit diesen Rätseln müssen die Angehörigen, die Ermittler und auch wir im Kieselmord leider leben.


Zwei Fälle, die wieder einmal nachdenklich machen, gerade im Hinblick auf das Anhalterunwesen." (Zitat Zimmermann FF 3 17.01.1986)

zuletzt bearbeitet 20.07.2026 03:33 | nach oben springen


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