FF 3 (LKA Brandenburg) Sendung vom 03.06.2009)
LKA Brandenburg
Fahndung nach Maximilian K. und Gantuya Y. (Finance Invest Anlagebetrug)
Ein Zufallsfund, der mir bei der Recherche zum Fall Ulrike aus Eberswalde in die Hände gefallen ist. Jetzt nicht gerade der bekannteste und spektakulärste Fall, aber zur Abrundung unserer Netakte und der xy- wiki möchte ich euch die Informationen nicht vorenthalten.
Dass nach Personen in Filmfällen gefahndet wird, war früher- vor allem in der schwarz-weiß-Zeit- nicht gerade selten. Seit xy in Farbe ausgestrahlt wird, passiert dies jedoch nur noch selten. Hier geht es um die Fahndung nach dem Anlagebetrüger Dr. Maximilian K. und seiner Lebensgefährden Gantuya Y.
Da der Film nicht online ist, habe ich mir den Fall noch mal angeschaut. Bei der Einleitung zum Filmfall steht Rudi Cerne übrigens vor 20 Millionen Euro, verpackt in großen Geldkoffern. Im Filmfall sind Ort, Firma etc. verfremdet, in der Nachbesprechung werden jedoch die wahren Gegebenheiten angesprochen.
Maximilian K. (im FF Dr. Bertram Sturm), der sich auch Rüdiger Schleysing oder Herr Selbiger nennt und der fließend englisch und französisch spricht, gilt als Drahtzieher eines unglaublichen Millionenbetrugs. Von Hennigsdorf aus, einer Kleinstadt nördlich von Berlin, soll er als Verantwortlicher der Evantus Invest Beteiligungsgesellschaft (im FF Finance Invest genannt) seit dem Jahr 2003 zusammen mit Volker S., einem Unternehmer aus der Hennigsdorfer Region, im großen Stil Anleger geprellt und damit riesige Summen ergaunert haben. K. arbeitet in ganz Deutschland mit Finanzdienstleister zusammen und das bereits seit mehreren Jahren. Die Berater wissen, dass seine Geschäfte in der Regel riskant sind. Mit diversen Gutachten und einem unerschütterlichen Optimismus überzeugt er viele seiner Berater von seinem Finanzierungsmodell. Im Detail ist es jedoch sehr kompliziert, sodass niemand versteht, wie das Modell wirklich funktioniert. Der Betrug geht in kürzester Zeit vonstatten und eigentlich auf eine einfache Weise. K. macht sich dabei den Glauben vieler Menschen an eine wundersame Geldvermehrung zunutze.
In Zeitungen annonciert K. sogenannte Sorglos-Spezial-Pakete. Offeriert werden tilgungsfreie Darlehen- Millionen-Kredite, bei denen der Darlehensnehmer am Ende mehr herausbekommen soll, als er hätte zurückzahlen müssen.
Es waren Darlehen, wie sie angeblich auch Nationalstaaten bei Katastrophen oder Kriegen hätten aufnehmen können. Interessenten mussten dafür lediglich zehn bis zwanzig Prozent der Kredithöhe als Eigenkapitalbeitrag aufbringen. Das Geld sollten sie vor Vertragsabschluss bei einer durchaus renommierten Werttransportfirma im Allgäu hinterlegen, dessen Chef für K. arbeitete.
Für dieses Geld bekamen die Kunden eine sogenannte verwalterische Verwahrungsbescheinigung (SKR- Quittung). Dieses Zertifikat sollte ihnen die Sicherheit geben, jederzeit Zugriff auf ihr eingezahltes Vermögen zu haben. Das Geld wird jedoch von der Firma einmal in der Woche im gepanzerten Transporter von Bayern nach Hennigsdorf transportiert, wo K. dann Zugriff darauf hat.
Neben günstigen Krediten werden auch Geldanlagen angeboten, bei denen sich die Summe des Geldes innerhalb kürzester Zeit verdoppeln oder sogar verdreifachen sollte. Einem Ehepaar aus dem Saarland etwa wurde aufgetischt, man könne aus 250.000 Euro 2,5 Millionen machen binnen eines Monats. Finanzberater vermitteln Hunderte solvente, meist aus der Schweiz, Österreich oder Süddeutschland stammende Kunden an K. Es gibt Berichte, dass Menschen mit Plastiktüten voller Geld am Wochenende bei der Werttransportfirma Schlange standen.
Die ersten Anleger hat der Betrüger noch mit dem Geld der nachfolgenden Interessenten nach dem sogenannten Schneeballsystem ausbezahlt. Dennoch werden einige Kunden der Evantus-Gesellschaft nach einiger Zeit misstrauisch, sie wollen ihr Geld zurück. Dann berichtet die Stiftung Warentest über die krummen Geschäftsgebaren der Evantus Invest Beteiligungsgesellschaft und im September 2004 ermittelt dann auch die Staatsanwaltschaft Potsdam und das Landeskriminalamt Brandenburg gegen den mutmaßlichen Anlagebetrüger. Aber noch bevor die Fahnder die Dimension der Gaunerei ermessen könnten, flüchtet K. aus einem Berliner Hotel, in dem er seit einiger Zeit gelebt hat. Im Dezember 2004 wird dann ein internationaler Haftbefehl gegen K. erlassen.
Aber sechs Wochen zu spät. Zu diesem Zeitpunkt ist K. schon nicht mehr in Deutschland. Am 20. November 2004 steigt K. am Flughafen im brandenburgischen Finow bei Eberswalde (nur wenige hundert Meter entfernt wurde Ulrike von Stefan J. angefahren und verschleppt) gegen 8.30 Uhr morgens in ein Kleinflugzeug mit dem Ziel Wien- mit drei Geldkoffern und 18 Millionen Euro Beute. Mit auf der Flucht ist auch seine mongolische Lebensgefährtin Gantuya Y., die er in Berlin kennengelernt hatte und der Beihilfe zum Betrug vorgeworfen wird. Das Flugzeug fliegt jedoch nicht nach Wien, sondern über die Ukraine, Kasachstan und Russland nach Ulan Bator, der mongolischen Hauptstadt. Hier sind sie sicher, da kein Auslieferungsabkommen zwischen der Mongolei und Deutschland besteht.
In Ulan Bator quartiert sich das Paar in der überwiegend von Ausländern bewohnten Luxusanlage Royal Castle ein. Sie kaufen dort mehrere Wohnungen und hochwertige Autos, führen ein ausschweifendes Leben. Gantuya Y. reist regelmäßig nach Hongkong, Tokio und Macao, wie die Ermittler später feststellen.
Im Jahr 2009- 5 Jahre nach der Flucht- gibt es Anhaltspunkte dafür, dass sich der Gesuchte wieder in Europa aufhält, da K. bereits seit Jahren an der unheilbaren Darmerkrankung Morbus Crohn erkrankt ist und auf Medikamente angewiesen ist. Die Ermittler schließen nicht aus, dass er sich in Deutschland oder der Schweiz medizinisch behandeln lässt. Daher intensiviert das LKA Brandenburg erneut die Fahndung und geht noch einmal mit einem Foto von ihm und seiner mongolischen Partnerin an die Öffentlichkeit. Zudem setzen die Beamten für Hinweise eine Belohnung in Höhe von 20.000 Euro aus. Mitte 2009 fahndet auch Aktenzeichen xy nach den beiden Gesuchten- ohne Erfolg.
Schwerer Betrug verjährt nach 10 Jahren. Kurz vor der Verjährung stirbt Maximilian K. Ende 2013 mit 56 Jahren an seiner Erkrankung in der Mongolei. Ob seine Lebensgefährden Y. noch heute in der Mongolei lebt, ist unbekannt. Seit Eintritt der Verjährung 2014 steht sie aber nicht mehr auf der internationalen Fahndungsliste.
Zwei Personen werden jedoch wegen dem Anlagebetrug der Evantus Invest zur Rechenschaft gezogen. Der Chef der Werttransportfirma im Allgäu, dessen Unternehmen durch die Millionenbetrügereien in Konkurs geht und eigentlich nur für seine Dienstleistungen bezahlt worden ist, wird vom Landgericht Neuruppin zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Der Komplize von K.- Volker S.- wird ebenfalls in Neuruppin zu fünf Jahren und neun Monate Gefängnis verurteilt.
Insgesamt prellte Maximilian K. in wenigen Monaten über 400 Anleger. Der Schaden beträgt 18 Millionen Euro. Geld, dass die Geprellten nie mehr wieder sehen werden.
Quelle:
Berliner Kurier Ausgabe vom 05.03.2022
https://www.gomopa.io/artikel/nur-der-to...cht-auffliegen/