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RE: 50 Jahre XY - Sendung vom 15.11.2017 (Sondersendung "Aktenzeichen XY ... gelöst" zum Jubiläum)

in XY-Hauptsendungen 18.11.2017 13:27
von Oma Thürmann • 737 Beiträge

Meine Einschätzung zu Horn möchte ich präzisieren. Was ich meinte, war ausdrücklich die Darstellung seiner Arbeit im Filmfall, weder seine Arbeit noch seine Selbstdarstellung. Im Gegensatz zu anderen Vertretern seiner Zunft (ich denke an Axel Petermann, aber auch die US-Veteranen wie Robert Ressler; eine Rolle spielt natürlich auch der Hang der Medien, Profiler zu Wundermännern mit sechstem Sinn zu stilisieren) sieht sich Horn ausdrücklich als Zuarbeiter der Ermittler, er versucht nie den Eindruck zu erwecken, dass die Operative Fallanalyse mal eben so über den Tatort spaziert, anschließend die richtige Theorie aus dem Ärmel schüttelt und den Fall löst. Tatsächlich handelt es sich um eine akribische Analyse, die nachvollziehbaren Kriterien folgt und deren Zweck ist es, den Ermittlern die Entscheidung für eine Ermittlungsrichtung zu erleichtern. Die Notwendigkeit für eine solche Entscheidung wird in der Öffentlichkeit gemeinhin unterschätzt; es ist aus Gründen der personellen Kapazitäten schlechthin nicht möglich, in alle Richtungen zu ermitteln, obwohl das gelegentlich so kommuniziert wird (so wie es bei Vermisstenfällen eben nicht möglich ist, bei der Suche "jeden Stein umzudrehen", das ist eine Journalistenphrase; tatsächlich braucht es auch dort immer eine Entscheidung für eine Richtung). Im Fall der Mareike G. hat man sich bei den Vernehmungen auf den Arbeitskollegen konzentriert, weil fast alle Merkmale, die die OFA über den Täter herausgearbeitet hatte, auf ihn zutrafen - allein auf ihn aus dem großen Bekanntenkreis des Opfers. Die tatsächliche Überführung, das Erlangen eines Geständnisses waren natürlich Angelegenheit der Kommissare, bei der Festlegung auf diese Ermittlungsrichtung leistete die OFA aber gute Dienste. Für die Details sei nochmals auf den entsprechenden Abschnitt in Alexander Horns Buch "Die Logik der Tat" verwiesen, S. 122-143. Man könnte es so zusammenfassen: Komplexe Aufgaben erfordern die (möglichst eitelkeitsfreie) Zusammenarbeit von Spezialisten.


Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

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