#16

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 06.03.2015 04:38
von bastian2410 • 1.543 Beiträge

Schildi hat Recht- die Sache mit den Anrufen wurde bei RTL 2 nicht genannt. Wäre interessant zu wissen, ob dieser Umstand erst kurz bekannt ist und die Polizei dies erst erfahren hat, als die Mutter letztes Jahr verstorben ist zB durch die Tochter. Der Kripobeamte im Studio hat sowas angedeutet ...

Ede- Fan hat natürlich auch Recht: Die Ausstrahlung von cold case Fällen hat mE in erster Linie das Ziel, Mittäter emotional anzusprechen. Der Mord an der Juristin liegt jetzt über 30 Jahren zurück, jetzt sind wirklich alle Nebentaten neben dem Mord verjährt- sollte also ein Mittäter an der Tat beteiligt gewesen und war dieser am eigentlichen Mord nicht beteiligt, sind die Taten mit Todesfolge zB die Freiheitsberaubung, Körperverletzung oder gar eine Vergewaltigung mit Todesfolge (wurde eig das Opfer vergewaltigt- ich weiß das gar nicht?) verjährt, dh, der Mittäter kann sich ohne Furcht vor der Strafverfolgung offenbaren. Evt. vermutet die Kripo dahinter den Sinn der Anrufe. Vielleicht wurde deshalb so ausführlich über das Leben des Opfers informiert.

Sollte die Kripo in diesem Fall Erfolg haben würde mich das sehr freuen- trotzdem: Cold- Case- Fälle haben unter Cerne Tradition und das sogar erfolgreich- jedoch waren die anderen cold case Fälle auf jeden Fall besser umgesetzt als dieser...


Zwei Fälle, die wieder einmal nachdenklich machen, gerade im Hinblick auf das Anhalterunwesen." (Zitat Zimmermann FF 3 17.01.1986)
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#17

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 06.03.2015 04:44
von bastian2410 • 1.543 Beiträge

by the way: 10 Hinweise sind nach der Ausstrahlung bei der Kripo bzgl. des Mordes an der Juristin eingegangen. Die Auswertung läuft...



http://www.focus.de/kultur/kino_tv/akten...id_4523423.html


Zwei Fälle, die wieder einmal nachdenklich machen, gerade im Hinblick auf das Anhalterunwesen." (Zitat Zimmermann FF 3 17.01.1986)

zuletzt bearbeitet 06.03.2015 04:44 | nach oben springen

#18

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 06.03.2015 12:59
von Oma Thürmann • 705 Beiträge

Die Darstellung des Mordes an der Hamburger Juristin hat mich etwas irritiert; ich versuche mal - ein wenig ungeordnet - die Gründe zusammenzufassen.

Das Opfer entsprach gar nicht so recht dem Bild von der anspruchsvollen, zielstrebigen Karrierefrau, sondern wirkte eher unsicher und von den Geschehnissen getrieben (das Ende der Model-Karriere bestimmt nicht sie, sondern ein Unfall; bei der Mutter taucht sie nur aus der Not auf; im Bewerbungsgespräch sitzt sie vor dem Chef wie das Kaninchen vor der Schlange). Nebensächlich, aber trotzdem eigenartig: Die Filmfigur (Darstellerin übrigens Carolin von der Groeben) war nicht blond (oder war das nur so ein visueller Effekt wie letztens bei dem Internet-Aufruhr um ein blau-schwarzes oder weiß-goldenes Kleid?). Normalerweise werden solche auffälligen Abweichungen nicht grundlos inszeniert.

Warum dieser dubiose (und empört dementierte) SM-Hinweis im Gespräch mit der Schwester (verbunden mit der Bemerkung, dass der Täter das Opfer quälte, aber niemand Schreie gehört hat)?

Bereits in "Ungeklärte Morde", also weniger als 20 Jahre nach der Tat, betonte eine damalige Ermittlerin, dass der Täter verstorben sein könnte. Gibt es da vielleicht Hinweise auf einen älteren Täter (auch jetzt wurde sich ja ausdrücklich an mögliche Hinterbliebene des Täters gewandt)?


Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

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#19

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 06.03.2015 13:48
von Punker • 321 Beiträge

@Oma Thürmann
Zu der gewählten Schauspielerin: 100% Zustimmung. Zumal die Schauspielerin auch gerade mal 19-20 Jahre ist; das Opfer aber über 30.
Blonde Haare lassen sich heute doch super-schnell herstellen...und sie spielte wirklich die Unsicherheit in Person.

Ist hier die Kosten/Nutzen Analyse zum Tragen gekommen (Schauspielerin war billiger zu haben?)
Wäre sehr schade, wenns so wäre.
Also, Authentizität -bezogen auf das Opfer-sieht dann wirklich anders aus...


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#20

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 06.03.2015 13:52
von Punker • 321 Beiträge

Zur Vergewaltigung in Euskirchen: 15 Anrufe.
http://www.ksta.de/euskirchen/vergewalti...4,30043232.html

Spurensuche im Fall Erdmann:
http://www.bild.de/regional/hamburg/akte...36702.bild.html

Überfall auf Juwelier: Brachte Aktenzeichen XY den Durchbruch?
http://www.augsburger-allgemeine.de/augs...id33268642.html


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#21

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 06.03.2015 14:21
von Konrad Gedöns • 69 Beiträge

Grüezi miteinand,

die Sendung fand ich so lala, immerhin wurden diese dämlichen Fake-Telefonate im Studio nicht mehr geführt, wenn kein Telefonat zu führen war, blieb der Ermittler eben ruhig sitzen und schaute in seine Unterlagen. Auch scheint wieder eine angemessene Ernsthaftigkeit im Studio eingekehrt zu sein.

Zum Fall Erdmann: Unfreiwillig komisch war hier die Wahl von Michael Gaedt von der schwäbischen Comedy-Truppe "Die kleine Tierschau" als Fotograf in Hamburg. Die ausführliche Darstellung der Model-Karriere hat mich gewundert, aber evtl. hat das einen Hintergrund, den wir nicht kennen.

Zu den ganzen Juwelierfällen: Ich versteh den Unmut, aber es gibt eben immer weniger potentielle Opfer, die per Anhalter fahren und ich denke, Eduard Zimmermann wäre froh, dass diese Deliktgruppe nach seinen jahrzehntelangen Warnungen vor dem Autostopp tatsächlich in den Hintergrund rückt. Vielleicht gibt es ja mal einen Fall, in dem ein Juwelier einen Anhalter mitnimmt...

Positiv fand ich die Erinnerung an den verstorbenen Konrad Toenz, immerhin eines meiner Idole.

In diesem Sinne auf wiaderluege

Konrad Gedöns

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#22

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 06.03.2015 17:07
von Ludwig • 523 Beiträge

Hallo zusammen!

Auch ich möchte einige Anmerkungen zu dieser Sendung einfließen lassen, von der ich doch ausgesprochen enttäuscht war.

FF1, die Vergewaltigung: Hier hätte es in Anbetracht des recht guten Phantombildes des Tatverdächtigen auch ein Studiofall getan, zumal die Darstellung des Verbrechens selbst reichlich geschmacklos und völlig überflüssig war (Wie denken darüber eigentlich die Mädels hier im Forum?) und sicherlich auch Kinder zuschauen. Oder sollte das ein Vorbeugungsbeitrag werden nach dem Motto: Wie betätige ich eine Schließanlage mit der gebotenen Vorsicht?
Sinngemäß gilt dies auch für den Einbruch in das self-storage Lagerhaus und den Blitz-Einbruch beim Juwelier (hier hat übrigens RC den gezeigten Kadett E als Corsa bezeichnet). Auch hier lagen ordentliche Fotos vor, so dass sich mir der Eindruck aufdrängt, man habe die Sendezeit aus Mangel an geeigneten Alternativen irgendwie füllen müssen.
Bei der Juwelier-Raubserie (Fürth/Augsburg) hatte der Polizei-BMW ein Münchener Kennzeichen, obwohl er ein Nürnberger hätte haben müssen - in Bayern tragen die Polizeiautos die Ortskennzeichen des Sitzes des jeweils zuständigen Polizeipräsidiums! Aber das nur nebenbei. Übrigens gehören zu dieser genannten Serie m.E. mit Sicherheit auch die beiden Überfälle auf den Juwelier Kerler in Ulm an nördlichen Münsterplatz - der Modus operandi war nahezu identisch (aber das wird die zuständige Kripo Augsburg sicherlich schon eruiert haben, auch wenn Ulm in Baden-Württemberg liegt.
Und nun zum Fall Erdmann, und zur eigentlichen Enttäuschung der Sendung: Es werden in epischer Breite irgendwelche Belanglosigkeiten geschildert bzw. recht wahllos aneinander gereiht - Spannung entsteht so jedenfalls nicht. Für mich ist das so eine Art "Quoten-Fall", d.h. ein Filmfall, der in erster Linie dazu dient, die Einschaltquote zu steigern. Wäre dieser cold-case denn behandelt worden, wenn das Opfer eine eher unscheinbare Juristin gewesen wäre, die sich das Studium mit einer Tätigkeit als studentische Hilfskraft und nicht durch Modeln verdient hätte? Diesen Eindruck hatte ich auch schon bei Ungeklärte Morde. Und warum, aber das ist schon angesprochen worden, besetzt man die Rolle des Opfers nicht mit einer langbeinigen typähnlichen Blondine - so selten ist dieser Frauentyp nun auch wieder nicht? Eine Anmerkung zum Fall selbst: Jemanden mit dem Messer zu bedrohen und gleichzeitig zu fesseln ist motorisch und koordinativ eine anspruchsvolle Aufgabe, weswegen ich nicht ausschließen möchte, dass hier eine frühe Variante der "Fifty Shades of Grey" vorliegen könnte. Spontan musste ich an den Fall Andrea Bergmeir (Porschefahrer) denken, wobei dessen Verfilmung ungleich gelungener ist....

Viele Grüße
Ludwig


Hier hält aber auch der Bus zur Siedlung Muckensturm, den Anja benutzt, wenn sie bei Dunkelheit allein nach Hause kommt.
(Sendung vom 15.01.1988, Filmfall 1, Mord an Anja A.)
Ihr Interesse gilt, so wie das von Tausenden Gleichaltriger, heißer Musik und effektvoll ausgeleuchteten Discotheken.
(Sendung vom 06.04.1979, Filmfall 1, Sexualmord an Christiane "Kiki" M.)
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#23

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 06.03.2015 22:31
von Rickybaby1977 • 299 Beiträge

@ Ludwig
Wie immer ein brillianter Beitrag von dir!!! Nun - was soll ich sagen: Die Einschätzung der Darstellung der Vergewaltigung hast du ja präzise auf den Punkt gebracht: Geschmacklos und völlig überflüssig. Ich denke, damit ist alles gesagt.Das sehe ich als eines der Mädels hier im Forum ganz genauso. Es ist wohl bei den wenigsten Zuschauern nötig, der Phantasie derart drastisch "auf die Sprünge zu helfen"... Da wäre weniger sicher mehr gewesen.

Zum Fall "Erdmann": Ich gehöre nicht unbedingt der Fraktion: "Nach Ede gabs nur noch Schrott" an, ABER:
Ich konnte nicht anders und war /bin noch sehr in Überlegungen darüber, was Kurt Grimm mit einem solchen Fall gemacht hätte! Ich meine - der Ansatz, dass ein bildhübsches Mädchen trotz ihres überdurchschnittlich guten Aussehens es schwer hat, ihren Platz in der Welt zu finden , finde ich gar nicht schlecht. Dass auch solche "Traum-Mädels" straucheln, stolpern und lernen müssen wieder aufzustehen. Find ich alles super.
Aber nach den Filmfällen von Kurt Grimm hatte ich immer das Gefühl, ich hätte die vorgestellten Leute ein wenig kennengelernt. Verstanden. Manche sogar innerhalb dieser sehr kurzen "Schauspiel"-Sequenzen, ja - ich kann es so sagen: Lieb gewonnen.
Das ist einfach bei diesen "neumodischen" Darstellungen überhaupt nicht möglich. Jedenfalls mir nicht. Die Menschen bleiben austauschbar, ohne Konturen, ohne Rätsel, ohne Abgründe, ohne Glanz - leere Hüllen.

Überdies erschließt sich mir überhaupt nicht, warum dieser Fall gerade jetzt nochmal abgedreht und gesendet wurde. Kann sein, ich hab nicht richtig aufgepaßt, aber neues Dna-fähiges Material gibt es ja wohl auch in etlichen anderen "Cold Cases". Warum wurde also gerade genau dieser verfilmt? Welche neue tatrelevanten Hinweise gab es denn in der letzten Zeit, die Hoffnung gaben, den Fall jetzt noch lösen zu können??? (Die mysteriösen Anrufe an die arme Mama des Opfers können es doch wohl nicht gewesen, oder???)

Ich glaub, was ich heutzutage bei den neuen Filmfällen vermisse: HERZBLUT der Macher. Ich gucke eine Sendung, und hab am Ende die meisten Fälle bereits vergessen. Geschweige denn, dass ich mir die Orte merken könnte. Wenn ich als Zuschauer schon das Gefühl habe, dass den Filmemachern das Resultat , sprich das Vorankommen der Ermittlungen in einem Fall, eigentlich relativ "egal" ist (Hauptsache, die Quoten stimmen...) , warum soll ich mir dann als 08/15 Zuschauer die genannten Hinweise und Fakten merken???
Soweit jedenfalls meine Meinung.

Love & Peace Ricky

P.S.: Ja - ich weiß. Es gab auch in den vergangenen Jahren gut gemachte Filmbeiträge. Aber mir ist die "Ausbeute" gute gegen schlechte Beiträge einfach zu gering...


"Ich kann nicht alleine sein mit einem ungeklärten Fall." (aus: "Rücksicht" von Hoffmann & Hoffmann 1978)
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#24

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 07.03.2015 10:08
von Unbekannter Toter • 46 Beiträge

Das kann man wohl so sagen, welche Fälle aus den letzten 10 Jahren sind einem denn wirklich im Gedächtnis geblieben? Bei mir kaum eine Handvoll, während ich mich bei Sendungen aus den 90ern oft noch an kleinste Details und teilweise sogar an den genauen Wortlaut erinnern kann. Man hat das Gefühl, dass die Regisseure ihre Eigendarstellung völlig übertreiben, statt stringenter Erzählung, die man notfalls auch Jahre später noch abrufen kann, gibt's nur den ewig selben Brei, an den sich am Tag danach keiner mehr erinnert. Heutzutage werden selbst interessante und mysteriöse Fälle zu oft vergeigt. Kann mich daher nur der Forderung anschließen, wieder einen einzigen Regisseur zu suchen, der die Filme macht. Voraussetzung für die Einstellung: Er muss sich alle alten Sendungen in der Tube anschauen.

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#25

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 07.03.2015 22:18
von Ludwig • 523 Beiträge

Hallo zusammen, liebe Ricky!

Aber nach den Filmfällen von Kurt Grimm hatte ich immer das Gefühl, ich hätte die vorgestellten Leute ein wenig kennengelernt. Verstanden. Manche sogar innerhalb dieser sehr kurzen "Schauspiel"-Sequenzen, ja - ich kann es so sagen: Lieb gewonnen.
Das ist einfach bei diesen "neumodischen" Darstellungen überhaupt nicht möglich. Jedenfalls mir nicht. Die Menschen bleiben austauschbar, ohne Konturen, ohne Rätsel, ohne Abgründe, ohne Glanz - leere Hüllen.

Liebe Ricky, genau das trifft es! Ich habe mir den Fall Erdmann nochmals angesehen, und ich schaffe es einfach nicht, eine empathische Beziehung zum Opfer aufzubauen, auch wenn mir dessen Werdegang rational betrachtet hohen Respekt abnötigt. Mir fehlt einfach der "Mensch dahinter", und dieses Mitfühlen anzuregen fällt mir bei einer anderen Art der Darstellung deutlich leichter. Um einmal ein positives Beispiel zu nennen (auch ein Hamburger Fall, auch eine langbeinige Blondine als Opfer): der Mord an Andrea Grube-Nagel (eines der Opfer des "Heidemörders" Thomas H., FF2 vom 15.7.1988). Und in diesem Fall wären eigentlich alle Zutaten für einen richtigen "highlight"-Fall vorhanden gewesen!

Positiv vermerkt habe ich an der Sendung, dass Konrad Toenz' gedacht wurde, und, als hätte der gute Konny es vom Paralleluniversum aus inszeniert, es bei "XY international" eine Personenfahndung für die Kantonspolizei Zürich nach den mutmaßlichen Mördern Jeton Gjinaj und Iznavur Soslambekov gab - Konny hätte seinen Zungenbrecher daran gehabt, stellvertretend stotterte Rudi herum. Es muss wohl nicht eigens erwähnt werden, dass die zugehörigen Visagen richtiggehend furchteinflößend wirkten - so wie früher halt!

Viele Grüße
Ludwig


Hier hält aber auch der Bus zur Siedlung Muckensturm, den Anja benutzt, wenn sie bei Dunkelheit allein nach Hause kommt.
(Sendung vom 15.01.1988, Filmfall 1, Mord an Anja A.)
Ihr Interesse gilt, so wie das von Tausenden Gleichaltriger, heißer Musik und effektvoll ausgeleuchteten Discotheken.
(Sendung vom 06.04.1979, Filmfall 1, Sexualmord an Christiane "Kiki" M.)
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#26

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 08.03.2015 01:01
von Punker • 321 Beiträge

Ich finde es nicht so gut, wenn man immer oder oft auf alte Fälle verweist (Ludwig, bitte nicht böse sein, Dein Statement hat mir gut gefallen).
Warum?

Es sollte keine Heiligenverehrung Rund um Kurt Grimm und Ede geben, sondern eine Kritik über XY im Jahre 2015.


Nun:
Man darf, bei aller berechtigten Kritik, nicht vergessen, dass wir heute nun mal auch in einer ganz anderen Zeit leben. Während man in den 70er, 8oer Jahren noch von Quoten ausging, die einen alleinigen Regisseur berechtigten, leben wir heute nun mal in einer TV-Landschaft, die wir uns zu Jugendzeiten sicherlich nicht so erträumt hätten...
Haben viele Menschen vor Jahrzehnten noch manchen Fall des Freitag-Abends mit den ungeklärten Mordfällen Wochen oder gar Monate nach der Ausstrahlung in Erinnerung (oder sogar nach Jahren), so geht heute doch vieles in der quantitativ breit, aber doch qualitativ dünnen TV-Landschaft unter. Die Reizüberflutung ist gewaltig. Diese wird durch Umschalten mit der Fernbedienung oder durch Handy-Klingeltöne eher geprägt , als durch konzentriertes Zuhören/Zusehen.Zumindest bei der Jugend.
Auch wenn ich sehr viel Wehmut habe und der alten Zeit manchmal, aber nicht immer ,hinterher trauere, denke ich, dass die Diskussion "unter Kurt Grimm und Ede war alles besser" abgelutscht ist. Es war nun mal eine andere Zeit.

Was bleibt ist die Hoffnung, dass sich die guten Fälle des sogenannten neuen Format es, nebst Milieu -Studie, einpendeln.

An dem neuen Format, die 90 Minuten, nebst der Moderation von Cerne gibt es m.E. nichts auszusetzen. Natürlich merkt man Cerne an, dass er nur seinen Job macht und öfters nicht so dicht bei den Fällen ist. Ihm fehlt die Liebe zum Detail, was man dem Erfinder nicht abstreiten konnte.
Aber der Erfinder ist tot und der Regisseur auch.
So bleibt dem ZDF nix anderes übrig, als Cerne (der auch vertraglich Sportmoderator ist) und andere Regisseure für XY einzusetzen. In der Kosten/Nutzen-Analyse wäre ein Kurt Grimm 2015 wohl zu teuer.
Anders kann ich mir die Situation einfach nicht erklären.

So werden auch öfters junge Schauspieler aus Agenturen angeheuert, die nur mal eben einen Job unter vielen machen.
Die Orginalität der Drehbücher und die Zusammenarbeit mit der Aktenlage fällt da halt auch öfters mager aus. Es wird termingerecht gedreht. Mehr nicht. Und wenn dann halt nix heraus kommt...die Quote stimmt doch?
Wie man am Mittwoch (leider) wieder beobachten konnte...so folgt m.E. ein Zufallsprinzip der Harmonie aus Aktenlage, Schauspielern und dem jeweiligen Regisseur: Filmfall im neuen HD-Format.
Oft nicht so überzeugend; manchmal jedoch gelungen.

Eine 2.te Stimme, eine Frau z.B., will ebenfalls bezahlt werden...wie etwa die Komposition geeigneter aber dafür signifikanter Spannungsmusiken. Aber : Auch das kostet wiederum Geld.

Da greift man halt auf "billigere" Handy-Töne...oder sucht sich, wie im Fall Erdmann mal eben eine 19Jährige Schauspielerin ohne blonde Haare, die aber hochglanz-pulliert in HD-Quali daher kommt.
Wir werden keine Machart mehr wie vor Jahrzehnten erleben. Es dreht sich letzen Endes alles ums Geld. Und das war früher lockerer. Einen einzelnen Regisseur, der hauptberuflich XY-Fälle dreht werden wir nicht mehr erleben. Das ist sehr Schade.
Ich bin zumindest froh, dass die Sendung nicht mehr so ganz zu einer Soap-Oper verkommen ist, wie das vor Jahren der Fall war. Und gute Fälle gabs in den letzten Jahren ja auch. Wollte einer von Euch den das Format von vor ca. 5-8 Jahren zurück haben? Ich jedenfalls nicht...
Es bleibt zu hoffen, dass sich zukünftig (zumindest) ein Regisseur auf XY fixiert, der nicht unbedingt ein zweiter Kurt Grimm sein will, aber sich die Aktenlage zu den Filmfällen genauer anschaut und (von mir aus auch neue) Orginalität nebst Spannung in den Filmfällen weitaus besser einbringen kann, als wie das in letzter Zeit der Fall war.Die Sendung dient der Aufklärung von Kriminalfällen und sollte s.o kein plumpes Zufallsprodukt "nach Auftrag" sein. Das Unterschied und unterscheidet die Sendung von anderen ja.Von mir aus auch mit Laien-Schauspielern aber dafür besseren und konstanten Spannungsmusiken (die auch den Namen verdienen).

Aber bitte keine "Kreissäge" oder eine Isolde mehr zurück holen. Die waren genial zu ihrer Zeit.

Das ist meine Meinung.


zuletzt bearbeitet 08.03.2015 01:45 | nach oben springen

#27

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 08.03.2015 13:06
von Oma Thürmann • 705 Beiträge

Zitat von Punker im Beitrag #26
[...] ein Regisseur [...], der nicht unbedingt ein zweiter Kurt Grimm sein will, aber sich die Aktenlage zu den Filmfällen genauer anschaut.


Das trifft meiner Meinung nach den Kern des Problems: Gedankliche Klarheit in den Filmfällen, Fokussierung auf die Fakten - das Ergebnis der bisherigen Ermittlungen filmisch zusammengefasst, so ähnlich hat es Eduard Zimmermann gelegentlich genannt. Davon kann es natürlich Abweichungen geben, wenn der Zweck des Filmfalls ein anderer ist - den Täter oder Mitwisser anzusprechen beispielsweise.

Von einer nennenswerten Änderung der finanziellen Rahmenbedingungen bei der Produktion bin ich nicht überzeugt - auch Eduard Zimmermann wollte verdienen: "Da Eduard Zimmermann das Budget für die Inszenierung der Filmfälle stets knapp bemaß. musste der Regisseur oft auf 'billige' Schauspieler zurückgreifen, deren Fähigkeiten er manchmal als unzulänglich empfand. [...] Kurt Grimm ist besonders stolz darauf, dass es in den vielen Jahren zwar häufig Zwistigkeiten mit Eduard Zimmermann meist über finanzielle Fragen gab, diese aber meist freundschaftlich gelöst werden konnten." (Ummenhofer/Thaidigsmann: Aktenzeichen XY ... ungelöst, S. 45)

Völlig einer Meinung bin ich mit Punker darin, dass es auch in letzter Zeit sowohl gute darstellerische Leistungen als auch gut inszenierte Filmfälle gab (spontan einfallen würden mir Meike Gottschalk und Salvatore Pascale als vermisstes Unternehmer-Ehepaar Hagen, Hans-Maria Darnov als Mordopfer in der Notunterkunft, Billie Zöckler als überfallene Rentnerin [trotz schlimmer Inszenierung eine starke Darstellung], Ulas Kilic in diversen Rollen [in der aktuellen Sendung als Bielefelder Juwelier, aber häufig auch zwielichtig], der Raubüberfall auf den illegalen Spielsalon oder auch der "Magic Meyer"-Fall des verschwundenen Physiotherapeuten). Das ist, wie es Punker schreibt, wesentlich besser als noch vor einigen Jahren, aber Luft nach oben ist halt auch noch.


Auch die neuen Blumen wird Heidi B. mit sich herumtragen, bis sie verwelkt sind.
Sie besitzt keine Vase und auch keinen Platz, wohin sie die Blumen stellen könnte. (19.06.1970, FF 2)

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#28

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 08.03.2015 22:47
von Ludwig • 523 Beiträge

Hallo zusammen, lieber Punker!

Um nicht missverstanden zu werden: ich bin kein Retro-Fan um jeden Preis! Natürlich ist mir klar, welche Veränderungen die Fernsehlandschaft, das Internet und die sozialen Medien gebracht haben, und wie schwer es mittlerweile geworden ist, mit seriösen, ansonsten aber eher unspektakulären Beiträgen in der vielstimmigen Kakophonie Gehör zu finden. Insofern sind durchschnittlich gut 5 Millionen Zuschauer eine sehr ordentliche Zahl, auf die der Sender stolz sein kann, die aber auch eine gewisse Verpflichtung bedeutet, und dies heißt für mich auch, in dieses erfolgreiche Format auch zu investieren, und zwar nicht nur in aufwändige Technik und ein großzügiges Studio und einen neuen Vorspann, sondern auch in die angemessene Sorgfalt bei der Erstellung der Filmbeiträge. Natürlich ist mir bewusst, dass vollständiges und sorgfältiges Arbeiten als Kulturtechnik immer seltener anzutreffen ist (um ein Beispiel zu nennen: vor zwanzig Jahren hat noch ein einziges Rundschreiben für eine vollständige Mitarbeiterinformation gereicht, heute bedarf es dazu etlicher e-mails samt entsprechender Nachfragen), dennoch wären für mich, um auf den Fall Erdmann zurückzukommen, einige elementare Mängel leicht zu vermeiden gewesen: Warum also besetzt man die Rolle des Opfers nicht mit einer typähnlichen Frau im selben Alter und zieht ihr das an, was sie an jenem Tag getragen hat: einen Pelzmantel (ob echt oder nicht sei dahingestellt). Oder traut man sich das nicht mehr, weil man Ärger mit PETA oder einer anderen Tierschutzorganisation befürchtet?
Im Übrigen muss das Outsourcing von Leistungen nicht zwangsläufig einen Einspareffekt bewirken (ich weiß, wovon ich rede), einmal ganz abgesehen davon, dass meine Wünsche den Sender bestimmt nicht in die Insolvenz treiben würden: bei weiblichen Opfern sollte der Sprechertext grundsätzlich auch von einer Frau gesprochen werden, um mehr Empathie zu erzeugen. Das muss - auf den Fall Erdmann übertragen - nicht heißen, dass nach dem Besuch der Sprachenschule "der weitere Verlauf des Abends nur sehr lückenhaft rekonstruiert werden konnte" - da bin ich für zeitgemäßere Alternativen durchaus aufgeschlossen, nur sachlich richtig sollten sie halt sein!
Abschließen sei bemerkt, dass die von mir sehr geschätzte "Oma" vollauf richtig liegt mit ihrem Urteil, dass sehr überzeugende schauspielerische Darstellungen zu vermerken sind, und das nicht nur in Einzelfällen, und auch Punker hat recht, dass das heutige Format richtig und die Sendung erheblich besser ist als vor etwa zehn Jahren, als die Filmfälle im wesentlichen nur aus Betroffenheitslyrik bestanden.

Viele Grüße, und auf Euch ein !
Ludwig


Hier hält aber auch der Bus zur Siedlung Muckensturm, den Anja benutzt, wenn sie bei Dunkelheit allein nach Hause kommt.
(Sendung vom 15.01.1988, Filmfall 1, Mord an Anja A.)
Ihr Interesse gilt, so wie das von Tausenden Gleichaltriger, heißer Musik und effektvoll ausgeleuchteten Discotheken.
(Sendung vom 06.04.1979, Filmfall 1, Sexualmord an Christiane "Kiki" M.)
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#29

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 10.03.2015 22:05
von Rickybaby1977 • 299 Beiträge

Ludwig hat alles perfekt zusammen gefaßt, was ich denke. Brauche also kaum noch was nachzusetzen.

Ich wollte nur noch kurz betonen, dass ich auch kein Fan der ewigen: "Früher war alles besser Fraktion" bin. Es gibt durchaus neue Fälle, die im Gedächnis hängen bleiben. Und das ist doch genau der Punkt. Die Leute KÖNNEN das doch.
Und die Ähnlichkeit von Schauspieler/in zum Opfer ist eben nicht egal. Wie oft hatte ich früher ne Gänsehaut wegen der Übereinstimmung, wenn nach dem Filmfall ein Originalfoto gezeigt wurde! Ich denke, ich brauch hier keine Namen nennen - da hat jeder sicher seine eigenen Kopfbilder. Ach, komm - ich nenn doch einen Namen, der mir da sofort einfällt: YOGTZE. Da braucht es keine weiteren Worte.

Bißchen mehr Herzblut der Macher. Akteneinsicht, bis alle sie auswendig können. Und größtmögliche Sorgfalt. Ich finde, das ist nicht zuviel verlangt.

Außerdem ist meine Meinung, dass nicht nur 5 Millionen Zuschauer eine Verpflichtung darstellen. Die allergrößte Verpflchtung ergibt sich aus der einzigartigen Chance, das Schicksal eines Opfers oder seiner Angehörigen nach einem Verbrechen positiv zu beeinflussen. Punkt.

Im Übrigen: Ich bin eigentlich keine Zicke, echt nicht, aber das wollte ich doch noch mal sagen...

Love & Peace Ricky & Lotty


"Ich kann nicht alleine sein mit einem ungeklärten Fall." (aus: "Rücksicht" von Hoffmann & Hoffmann 1978)
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#30

RE: Sendung vom 04.03.2015

in XY-Hauptsendungen 11.03.2015 04:14
von bastian2410 • 1.543 Beiträge

der Studiofall aus Zürich (Türsteher- Mord) ist teilweise aufgeklärt- einer der Gesuchten wurde im Bezirks Dielsdorf gefasst. Nach dem zweiten mutmaßlichen Mörder wird weiterhin international gefahndet...

http://www.blick.ch/news/schweiz/zuerich...-id3539489.html


Zwei Fälle, die wieder einmal nachdenklich machen, gerade im Hinblick auf das Anhalterunwesen." (Zitat Zimmermann FF 3 17.01.1986)
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