#1

Re: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 15.03.2012 05:59
von Haddock • 99 Beiträge
@The White: Mit deinem Wunsch nach einer Rückkehr von Butz Peters bist du keineswegs allein. Dafür würde ich auch plädieren.

Teilweise habe ich mich an Rudi Cerne gewöhnt, dann stoßen mir aber immer wieder flapsige Bemerkungen auf. Außerdem wäre es schön, wenn der Moderator primär mit XY identifiziert würde - und nicht auf zu vielen Hochzeiten tanzte.
Ich glaube aber nicht, dass sich unser Wunsch erfüllt...
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#2

XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 14.03.2010 17:28
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Hier mal ein Bericht aus dem ZDF-Jahrbuch 2007:

http://www.zdf-jahrbuch.de/2007/programmarbeit/reisse.html
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#3

Re: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 15.03.2010 19:32
von calux • 58 Beiträge
Ganz interessant, aber viel zu viel kritiklose Selbstbeweihräucherung. Ist aber auf den Internetseiten des zett-deh-eff auch nicht anders zu erwarten gewesen.
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#4

Re[2]: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 15.03.2010 21:15
von Heimo • 1.413 Beiträge
calux>Ganz interessant, aber viel zu viel kritiklose Selbstbeweihräucherung. Ist aber auf den Internetseiten des zett-deh-eff auch nicht anders zu erwarten gewesen.

Es wäre zu viel erwartet, wenn man ein hauseigenes Produkt in der Luft zerreißt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass man die Sendung in dem Gewand laufen lässt - als Trotzreaktion auf entsprechende Kritik.
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#5

Re: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 15.03.2010 21:57
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Ist eigentlich jemals nach außen gedrungen, warum Sabine Zimmermann ihren Moderationsjob bei xy aufgegeben hat?
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#6

Re[3]: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 16.03.2010 01:40
von XY-Webmaster • 300 Beiträge
calux>>Ganz interessant, aber viel zu viel kritiklose Selbstbeweihräucherung. Ist aber auf den Internetseiten des zett-deh-eff auch nicht anders zu erwarten gewesen.

Heimo>Es wäre zu viel erwartet, wenn man ein hauseigenes Produkt in der Luft zerreißt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass man die Sendung in dem Gewand laufen lässt - als Trotzreaktion auf entsprechende Kritik.

Die meisten Presse & PR-Agenturen arbeiten grundsätzlich mit Floskeln und einer geradezu peinlichen Schönrederei, die selbst für Laien so billig und durchschaubar ist, dass man sich fragt, ob solche Agenturen nun die Öffentlichkeit oder eher sich selber überzeugen wollen bei dem TV-Mist, den sie oft zu vertreten haben.

Das ganze Schöntun und Schönreden hat natürlich einen Grund: das aufgezwungene 100%ige Vertrauen in ein Produkt, selbst wenn dieses - gerade im Privat-TV-Bereich - schon längst abgeschrieben ist. Hauptsache man beschwichtigt damit nach außen.

Pressestellen des Fernsehens sind dazu verdammt, auch den letzten Mist zu verteidigen und gegenüber Kritiken zu rechtfertigen, anstatt sich sachlich damit auseinanderzusetzen. (Oft wissen solche weltfremden PRler nicht mal, dass es von draußen "doch tatsächlich" Reaktionen auf angepriesene Sendungen gibt...)

Die Äußerungen dieser Pressestellen sind im Grunde nichts anderes als Dampfplauderei, denn bevor man sich traut, einen Fehler oder eine Fehlprogrammierung zuzugeben, wird das Ganze grundsätzlich schöngeredet/schöngeschrieben und verharmlost.

In dem Zusammenhang empfehle ich eine Seite, die immer wieder hinter die Kulissen der Medien und ihrer Schönredepolitik blickt: DWDL
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#7

Re[4]: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 19.03.2010 11:16
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
XY-Webmaster> dass man sich fragt, ob solche Agenturen nun die Öffentlichkeit oder eher sich selber überzeugen wollen bei dem TV-Mist, den sie oft zu vertreten haben.


Webmaster, man sollte Dich mal als Gast in einen Kurs einladen, in dem angehende PR-Leute ausgebildet werden, würde bestimmt ne lustige Veranstaltung.

Zurück zu xy: Hier ein weiterer Link zu einem PR-Text mit Bezug zu xy, diesmal von einer Agentur, über die man z.B. unseren "Mann für Sport und Mord" buchen kann. Bemerkenswert finde ich vor allem eine Passage, die ich dem Rudi auch abnehme, aber bezogen auf die ZDF-Verantwortlichen eher meine Zweifel habe:


"Seit 2002 moderiert er äußerst erfolgreich diese für das ZDF und für die Polizei überaus wichtige Fahndungssendung, bei der für ihn stets die Aufklärungsquote wichtiger ist als die Einschaltquote."

Hier der Link: http://www.rudicerne.de/
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#8

Re: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 21.03.2010 21:45
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Hier noch ein weiterer PR-Text des xy-Teams (aufgebaut im Stil eines Interviews mit der Redaktionsleiterin Frau Reize), zwar schon einige Jährchen alt, aber sicher immer noch inhaltlich aktuell hinsichtlich des Selbstverständnisses der Redaktion:


"XY ist eine Arbeit mit messbarer Wirkung"
sagt XY-Redaktionsleiterin Ina-Maria Reize

Sie sind seit 12 Jahren Chefredakteurin der Sendung. Kriminalität, glaubt man, ist Männersache. Stimmt das? "Kriminalität ist in der Tat Männersache, Kriminalitätsbekämpfung schon lange nicht mehr! Ich befinde mich da in einer langen Tradition von Staatsanwältinnen, Kriminologinnen und Polizeibeamtinnen....

.... Außerdem begreife ich mich nach wie vor in erster Linie als Journalistin und Fernsehmacherin. Da sind wir Frauen zum Glück keine Exoten mehr. Übrigens wird die Produktionsabteilung von "XY" auch von einer Frau geleitet, meiner Kollegin Sabine Zimmermann.

Was dachten Sie, als man Ihnen die Redaktionsleitung dieser Sendung anbot?

Ich war bereits vier Jahre Redakteurin bei "XY", als mir Eduard Zimmermann offenbarte, dass er mich als seine Nachfolgerin in der Redaktion etablieren wollte. Ich, die damals Jüngste in der Redaktion, war natürlich überrascht. Eine solche Entscheidung hätte ich Eduard Zimmermann ehrlich gesagt nicht zugetraut. Von der Sache her wusste ich natürlich, auf was ich mich da einlasse: Ich habe mich immer für das Thema Kriminalität und ähnliche gesellschaftliche Erscheinungen interessiert, daher ja auch Soziologie und Recht studiert. "XY" ist bis heute eine Sendung, für die ich aus voller Überzeugung und aus ganzem Herzen arbeite. Ich empfinde es als Privileg, als Journalistin mit solch konkreter und messbarer Wirkung arbeiten zu können. Das ist in unserem Beruf doch eher eine Seltenheit.

Sie sehen Bilder, die der Öffentlichkeit oft nicht gezeigt werden können. Wie gehen Sie damit um?

Ich habe mir einen möglichst sachlichen und professionellen Umgang mit dem Thema angeeignet. Doch ganz kann man sich natürlich nicht vor dem Schrecken abscheulicher Verbrechen verschließen. Gerade auch wenn es um Kinder und Jugendliche als Opfer geht. Bei uns in der Redaktion hat jeder seine eigene Strategie entwickelt, mit den zum Teil sehr belastenden Details umzugehen. Ich hatte zum Beispiel nach einem Recherchetag vor Ort oft das Bedürfnis, ein heißes Bad zu nehmen, mir den Schmutz also quasi von der Seele zu waschen. Nachdem ich in den ersten Jahren meiner Tätigkeit für "XY" begierig war, jedes Detail aus den Obduktionsberichten zu erfahren, bin ich da heute zurückhaltender und erspare mir gerne mal all zu schaurige Einzelheiten.

Warum ist "Aktenzeichen XY... ungelöst" seit 40 Jahren erfolgreich?

Weil "XY" ein einmaliges Format ist, das mittlerweile weltweit kopiert wird. Kriminalität ist für viele Menschen aus unterschiedlichsten Gründen interessant und faszinierend. Die Sendung erfüllt zum einen das Bedürfnis nach Information, zum anderen unterhält sie mit spannenden, manchmal fast unglaublichen Geschichten. Außerdem hat der Versuch, den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen, bzw. eine große Öffentlichkeit zur Aufklärung mit heranzuziehen, von Anfang an zu einer Aufklärungsquote von über 40 Prozent geführt. Damit war das Instrument "XY" sehr schnell auch ein anerkanntes Fahndungsmittel der Polizei.

Lange Zeit wurde die Sendung kritisch hinterfragt. Das hat sich inzwischen vollkommen geändert. Warum?

Die gesellschaftlichen Bedingungen und Sichtweisen haben sich gewandelt. Unsere schärfsten politischen Gegner sind heute längst unsere größten Befürworter und Unterstützer. Zum Beispiel Otto Schily, der als Anwalt von Baader/Meinhof ein Gegner von "XY" war, hatte Jahre lang als Bundesinnenminister die Schirmherrschaft für unseren "XY-Preis – Gemeinsam gegen das Verbrechen" inne. Der Geist der 68er verblasst so langsam, Kriminalitätsbekämpfung wird schon lange nicht mehr gleichgesetzt mit dem Ruf nach dem zu Recht gefürchteten Polizeistaat. Medien berichten heute so viel und zum Teil so reißerisch über Kriminalität, dass eine Sendung wie "XY" durch ihre Sachlichkeit und Seriosität auffällt.

Das Kriminalitätsbild ändert sich ständig. Wie reagiert "XY" darauf?

Wir versuchen, durch die Auswahl der Fälle auch den neuen Formen der Kriminalität Rechnung zu tragen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aufnahme von schwerer Kriminalität im Internet in unsere Sendung. 1999 haben wir erstmals in der Geschichte der Fernsehfahndung nach der Identität eines missbrauchten Kindes gefragt, dessen Fotos im Internet aufgetaucht waren. Zusammen mit der Spezialabteilung des Bundeskriminalamtes haben wir damals lange und gründlich überlegt, ob wir damit richtig im Sinne des Opferschutzes handeln. Gemeinsam mit der zuständigen Staatsanwaltschaft haben wir dann die Regelung gefunden, bei Hinweisen auf fortgesetzten Missbrauch die Bilder im Sinne einer schnellen Aufklärung zu veröffentlichen. Nur drei Tage nach der Ausstrahlung konnte bei unserem ersten Versuch das Kind tatsächlich identifiziert und der Täter ermittelt und festgenommen werden. Inzwischen wurden auf diese Weise vier Kinder aus den Fängen skrupelloser Sexualtäter befreit. "XY" hat damit wieder einmal weltweit Schule gemacht. USA und Kanada bemühen sich seitdem, ebenfalls den Weg über das Fernsehen bei der Bekämpfung von Internetkriminalität gehen zu können. In den USA wurden inzwischen mehrere ähnlich gelagerte Fälle ausgestrahlt und ebenfalls kurze Zeit später aufgeklärt.

Der "moderne" Fernsehzuschauer ist Sensationen, spektakuläre Berichterstattung und schnelle Bilder gewöhnt. Wie schaffen Sie die Gratwanderung zwischen neuen Sehgewohnheiten, Auftrag und Anspruch der Sendung, Erwartung der Polizei und dem Quotendruck?

"XY" hat einen großen Vorteil: Die Tatsache, dass wir reale Fälle nachstellen und diese nicht zur reinen Unterhaltung, sondern zum Zwecke der Aufklärung zeigen, verleiht der Sendung ein ganz eigenes Profil. Die Zuschauer kennen "XY" meist schon seit ihrer Kindheit und schauen mit einer ganz bestimmten Erwartungshaltung zu. Wir haben daher nur sehr behutsam und nach und nach eine Modernisierung vorgenommen, haben junge, ambitionierte Regisseure am Start, die auf ganz anderem Gebiet ihre Regieerfahrungen gesammelt haben. Wir bekommen von ihnen frischen Input und Ideen für die Umsetzung. Ansonsten legen wir bei unseren Drehbüchern viel wert auf Kontinuität, damit das Aktenzeichen-Typische erhalten bleibt.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Rudi Cerne?

Rudi Cerne ist für die Sendung ein Glücksfall. Mit ihm haben wir einen überaus professionellen, engagierten und durch und durch sympathischen Kollegen mit im Boot, ohne den wir uns "XY" heute gar nicht mehr vorstellen können. Und das geht dem Publikum offenbar genau so. In kürzester Zeit hat er es geschafft, zur Identifikationsfigur von Aktenzeichen zu werden, weil er voll und ganz hinter dem Thema steht und persönlich ehrlich involviert ist. Trotz des übergroßen Erbes, das er von Eduard Zimmermann übernommen hat, kann man inzwischen mit Fug und Recht behaupten: Rudi Cerne ist "XY" und umgekehrt.

Unter Ihrer Federführung wurde 2002 der "XY-Preis" ins Leben gerufen. Warum?

Der "XY-Preis" ist eine logische Konsequenz aus unserer intensiven Zusammenarbeit mit der Polizei. Nachdem in den Medien immer wieder mangelnde Zivilcourage bei der Bevölkerung beklagt worden ist, berichteten uns gleichzeitig die Kriminalbeamten immer wieder von mutigen Bürgern, die bei schweren Verbrechen Schlimmeres verhindert hatten. Die Beamten bedauerten ihre mangelnden Möglichkeiten, diesen Menschen Anerkennung zukommen zu lassen. Was lag da näher, als die Popularität von "XY" zu nutzen, um das zu übernehmen und positive Beispiele für couragiertes Verhalten zu zeigen.

Wird es "Aktenzeichen XY" auch noch in 40 Jahren geben?

Davon bin ich überzeugt, denn der Einsatz der Medien wird immer wichtiger. Für die Ermittlungsbehörden ist es längst Standard, die Medien zu nutzen. Für sie ist "Aktenzeichen" ein wichtiges Instrument. In Zeiten schwindender Grenzen braucht es überregionale Berichterstattung. Auch bei der Polizei geht der Trend in Richtung Bundes- und sogar Europaeinheiten. "XY" unterstützt heute schon Ermittlungen der benachbarten Länder und kooperiert mit Schwestersendungen im Ausland. Dies alles wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen, wie auch die Komplexität der Kriminalität zunehmen wird.

Quelle: Auszug aus dem ZDF Presse Spezial: 40 Jahre Aktenzeichen ´XY ungelöst


Quelle: http://www.presse-partner.de/start.cfm?pageid=515&articleid=2747&type=detail
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#9

Re: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 22.03.2010 20:13
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Hier mal ein Interview aus 2003 mit Ede über xy und das von ihm produzierte Pro-Sieben-Magazin „Anatomie des Verbrechens“:


Medien
„Ich bin ein halber Bulle“
"Aktenzeichen XY“-Erfinder Eduard Zimmermann produziert ein neues Kriminalmagazin und kritisiert unnötigen Seelenstriptease
Von FOCUS-Redakteur Stefan Ruzas

FOCUS: Haben Sie vom ZDF schon sachdienliche Hinweise bekommen, Herr Zimmermann?

Zimmermann: Soll das eine Scherzfrage sein, oder was? Wozu denn Hinweise?

FOCUS: Wann das von Ihnen erfundene „Aktenzeichen XY“ abgesetzt werden soll. Den Sendetermin verschiebt das ZDF Anfang 2004 ja schon von freitags auf donnerstags. Nach immerhin 36 Jahren! Und nach dem österreichischen steigt nun auch das schweizerische Fernsehen aus ...

Zimmermann: Das ZDF wird „Aktenzeichen XY“ nicht einstellen, sondern neu positionieren. Und was den Donnerstag angeht: Da soll „Aktenzeichen XY“ das ZDF-Programm aus der Schwäche rausholen und nicht umgekehrt. Wir haben zwar nicht mehr wie einst 35 Millionen Zuschauer, sondern vier bis viereinhalb, aber der kriminalistische Erfolg, die Aufklärungsquote, ist von 40 auf 38 Prozent kaum zurückgegangen.

FOCUS: Halten Sie „Aktenzeichen XY“ trotzdem noch für zeitgemäß? Es gibt eine ganze Flut von Kriminalsendungen mit echten Verbrechen wie „Anwälte des Todes“, die viel moderner daherkommen.

Zimmermann: Die Zuschauer unterscheiden schon sehr genau, was echt ist und was nicht. Wir erzählen keine Märchen. Das, was wir machen, hat eine viel stärkere Wirkung. Wir helfen, Verbrechen aufzuklären. Dementsprechend groß ist die Betroffenheit. Und wir stehen ja immer in einem Zwiespalt: Das Ereignete in seiner knallharten Realität zu zeigen wäre unerträglich, es zu verharmlosen, ist verantwortungslos. Bisher haben wir diese Gratwanderung ganz gut bewältigt. „Aktenzeichen XY“ ist bis heute ein Unikat.

FOCUS: Wissen Sie, was Sciencetainment ist, Herr Zimmermann?

Zimmermann: Wie?

FOCUS: Sci-ence-tain-ment. So nennt Pro Sieben die ebenfalls von Ihnen produzierte neue Sendung „Anatomie des Verbrechens“.

Zimmermann: Ach du meine Güte! Ich will Pro Sieben um Gottes willen nicht übel nachreden. Wäre ja auch Selbstmord. Aber jedes Gewerbe versucht eben, sich einen wissenschaftlichen Touch zu geben. Das ist wahnsinnig in, aber nicht unbedingt meine Nummer.

FOCUS: Die Sendung ist auch für Sie ein Perspektivenwechsel. Es geht nicht mehr darum, Verbrecher zu jagen, sondern zu erzählen, warum Verbrecher hinter Gitter sitzen. Da werden Vergewaltigungsszenen gern auch zweimal gezeigt. Spannende Unterhaltung für Spanner ...

Zimmermann: ... bei uns hält sich das sehr im Rahmen, aber eine emotionale Inszenierung gehört dazu. Wenn Sie sich in Polizeiarchiven die Tathergänge anschauen würden, gäben Sie mir Recht, dass unsere Versionen verantwortbar sind. Wir werden doch nicht die Zusammenarbeit mit der Polizei aufs Spiel setzen. Ohne die läuft nichts! Ich bin sowieso schon ein halber Bulle.

FOCUS: Mal ehrlich, hätten Sie früher Tatzeugen oder Angehörige von Opfern ins Studio eingeladen?

Zimmermann: Bei „XY“ würde das stören, bei „Anatomie des Verbrechens“ spricht nichts dagegen. Was wir nicht haben werden, sind die Tränen der Frauen oder Mütter von Opfern. Seelenstriptease finde ich zum Kotzen!

FOCUS: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum in vielen Kriminalprogrammen am Ende meistens Serben, Rumänen oder Ukrainer die Täter sind?

Zimmermann: Das liegt an den Zeiten. Es ist ein Elend. Wir beschäftigen uns mit schwerer Kriminalität, und die ist nun mal überdimensional in ausländischer Hand. Wir Deutsche sind da empfindlich, weil wir unsere Vergangenheit haben. Dann heißt es sofort: Ausländerfeindlich! Mir ist das eher peinlich.

EDUARD ZIMMERMANN

Der 74-Jährige gilt als Begründer des Programm-Genres Reality-TV.

Der Autor und Moderator

startete am 20. Oktober 1967 die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“, für die er 30 Jahre vor der Kamera stand.

Als Produzent

verantwortet er mit seiner Firma Securitel nicht nur „XY“, sondern seit kurzem auch das Pro-Sieben-Magazin „Anatomie des Verbrechens“.

Quelle: http://www.focus.de/kultur/medien/medien-ich-bin-ein-halber-bulle_aid_193401.html
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#10

Re: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 27.03.2010 23:13
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Bei allen Wandlungen, die xy seit 1967 freiwillig durchlaufen hat bzw. auf Geheiss von ZDF-Oberen durchleiden musste, gibt es eine - positive - Konstante: die Aufklärungsquote. Diese wird von den Verantwortlichen seit eh und jeh mit rund 40% beziffert. Während über Jahrzehnte von 40-42% die Rede war, sprach Ede Zimmermann 2003 von einem leichten Rückgang auf 38% (siehe oben das Interview), ehe dann Rudi Cerne im März 2010 (http://www.derwesten.de/staedte/velbert/Aktenzeichen-XY-greift-brutalen-Ueberfall-in-Velbert-auf-id2692870.html) die Quote wieder mit ca. 42% angab.
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#11

Re: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 10.04.2010 07:58
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Am 08.07.2009 veröffentlichte ein Autor namens Peter Mühlbauer einen interessanten und auch bebilderten Rückblick auf die Sendung:


Jugendschutz durch Horror

Peter Mühlbauer 08.07.2009

Ehrfurchtserklärung an eine Fernsehserie

In den 1960er Jahren trennte sich der deutsche Fernsehkrimi in einen Soap-und-Action-Teil, der im Tatort immer mehr raffiniert wurde (bis schließlich nichts mehr anderes übrig war) und in einen Milieustudien-mit-Horror-Teil, der in der Serie Aktenzeichen XY fortgeführt wurde.[1]

Den ersten Bereich, der sich in den 1990er Jahren mit Lindenstraße und Polit-Talkshow zu einer Art heiligen Propagandadreifaltigkeit verband, charakterisierte die [extern] Neue Züricher Zeitung in diesem Frühjahr wie folgt:

Der ganze zeitgeistige Quatsch einer seichten Talkshow- und Feuilleton-Soziologie hat im 'Tatort' seine Abladestelle gefunden. Politische Unkorrektheiten, wie sie sich zum Beispiel der Wiener Polizeimajor Kottan noch leisten konnte, sind heute undenkbar. Es dominieren, mit wenigen Ausnahmen, Gutmenschen, Allesversteher und Betroffenheits-Betschwestern. [...] Wenn das Adolf-Grimme-Institut, das solchen Gesinnungskitsch immer wieder auszeichnet, darin eine 'spannende Verhandlung zeitkritischer Stoffe' sieht, dann sagt das nichts über die Qualität der Krimis, wohl aber viel über das Elend einer trendigen Fernsehkritik. Bisher hat diese Entwicklung nur den 'Tatort' ruiniert und spannende Fernsehunterhaltung durch die Langeweile ersetzt. Wirklich schlimm würde es, wenn die echten Polizisten sich ihre Fernsehkollegen zum Rollenvorbild nähmen.

Der andere Zweig der Fernsehkrimi-Entwicklung hatte seine Wurzeln nicht nur in [extern] Stahlnetz (einer zwischen 1958 und 1968 gesendeten NDR-Produktion, deren Fälle auf tatsächlichen Vorkommnissen beruhten), sondern auch in der 1963 gestarteten Serie [extern] Vorsicht Falle!, der mit dem Etikett "erste Reality-Show im deutschen Fernsehen" kein größeres Unrecht angetan werden könnte (wenn man in Betracht zieht, was heute unter dem Begriff verstanden wird). Erfunden hatte die Sendung Eduard Zimmermann, nach autobiographischen Angaben ehemals Heimkind, Schwarzmarkthändler und Gefängnisinsasse.[2]

Unter dem Motto "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" berichtete er in Vorsicht Falle! vor allem über Trickbetrug. 1964 [extern] warnte er im Zusammenhang mit solchen Taten, kein seriöses Geldinstitut habe es notwendig, mit Postwurfsendungen um Kunden zu werben - an solchen Praktiken erkenne man deshalb die Gauner.

Was in Vorsicht Falle! noch völlig fehlte, war Horror. Den brachte das ebenfalls von Zimmermann erfundene und am Freitag dem 20. Oktober 1967 um 20 Uhr 15 zum ersten Mal ausgestrahlte Format Aktenzeichen XY so reichlich, dass die Sendung zu ihren besten Zeiten Einschaltquoten von bis zu 80 Prozent erreichte. Dabei kam ihr zugute, dass man unter Jugendschutz in den 1970ern teilweise etwas Handfesteres verstand als heute: In einer [extern] Folge mit einem Triebtäter, der sein Unwesen im Schwarzwald treibt, forderte Eduard Zimmermann die Eltern sogar extra dazu auf, die Kinder vor den Fernseher zu holen.

Für diese besonders gruslig machte die Serie, dass Wolfgang Grönebaum, die Hintergrundstimme in den Spielszenen, auch als Sprecher für die Sendung mit der Maus fungierte. Horror-Höhepunkte waren unter anderem die Kinder, die beim Familienausflug in den Wald eine Leiche finden ([extern] "Da wachsen Haare aus dem Boden") und der Offenburger Doppelmord an einer Mutter und ihrer Tochter, bei dem sich der Täter des Inhalts eines Besteckkastens bediente. Geradezu ein Splatter-Exzess muss die [extern] Sendung vom 22. Mai 1970 gewesen sein. Dort ging es um einzelne Körperteile von über 100 zerstückelten Leichen, welche die Polizei über einen Zeitraum von 15 Jahren zusammengetragen hatte.

Dafür wurden Homosexualität und Prostitution in den 1960ern nur in verklausulierter Form angedeutet: Da ging es dann unter anderem um "Neigungen" oder "Freundschaften mit jüngeren Männern" und Eduard Zimmermann sagte [extern] Sätze wie: "Der Lebenswandel der Toten wird von ihren Bekannten nicht sehr günstig beurteilt, für die Kriminalbeamten hat dies nicht von Bedeutung zu sein - es geht um Mord".

Der in Stahlnetz und in amerikanischen Kriminalfilmen entwickelte Tonfall, der durch scheinbar bürokratische Nüchternheit Grusel-Suspense generiert, wurde in Aktenzeichen XY perfektioniert, bis er schließlich einen so hohen Wiedererkennungswert hatte, dass er auch von Loriot [extern] parodiert werden konnte. Manche Texte von Moderator Eduard Zimmermann und Drehbuchautor [extern] Kurt Grimm waren teilweise ähnlich beeindruckend wie die Schöpfungen eines John Milius.

Heute fast vergessene Perlen sind beispielsweise [extern] "Georg Westphal genießt den Tag - aber der Tag ist noch nicht zu Ende", "Sie benutzte die falsche Fahrkarte - ihren Daumen" und [extern] "Für uns sind alle Freunde und Bekannte der Toten lediglich wichtige Zeugen, bis auf einen - den Täter". Oft ist allerdings unklar, ob die markigsten Dialogstellen den Autoren oder den Beschuldigten und Polizeibeamten einfielen - etwa wenn ein Zuhälter aussagt, er hätte ja nur "Benzingeld" von der Zwangsprostituierten genommen, weil sich die so gerne in seinem Sportwagen rumfahren ließ.

Doch nicht nur die Texter und Sprecher, auch die Darsteller trugen zu einer Zeit, als Schauspielschulen noch nicht auf Degeto-Standard vereinheitlichten und "Reenactment" noch ohne Kunstnebel, Zeitlupe und andere Guido-Knopp-Zutaten auskam, zum gelungenen atmosphärischen Gesamtbild bei. So sieht man in alten Folgen unter anderem Gerhard Polt als [extern] Polizisten und [extern] Raimund Harmstorf als Rocker.

Ein Punkt, der Aktenzeichen-XY-Folgen heute vielleicht interessanter macht, als sie früher waren, ist ihr Wert als Zeitdokument. Man sieht Rituale der Bundesrepublik wie das [extern] samstägliche Putzen ebenso wie [extern] Schwesternschülerinnen, [extern] die wie Gefangene gehalten werden, lernt, dass es noch Ende der 60er Jahre in deutschen Großstädten Trümmergrundstücke gab und dass amerikanische Kasernen als Zentren der Kriminalität galten.

In den 1970er Jahren spielt der seit dem Aufkommen von Mitfahrzentralen praktisch ausgestorbene Autostopp eine immens große Rolle in der Serie. [extern] Drogen kommen dagegen [extern] überraschend [extern] selten vor, ebenso [extern] Terroristen, die man damals "Anarchisten" nannte.

Die im Nachhinein besehen eindeutigen Höhepunkte von Aktenzeichen XY waren die besonders mysteriösen Fälle, wie jener eines [extern] fränkischen Friseurs, der ohne konkreten Anlass von einem Tag auf den anderen in die Schweiz fuhr, dort Scheren zu verkaufen versuchte, und schließlich als vorgetäuschter Selbstmörder mit einer falschen Schiffsfahrkarte [extern] im Bodensee landete, nachdem ihm vorher noch erhebliche Verletzungen am Geschlechtsteil zugefügt wurden.

Ein anderer bis heute ungelöster Fall ist der eines [extern] Bankdirektors, dessen [extern] Verschwinden auf so geheimnisvolle Weise vor sich ging, dass auch Eduard Zimmermann die Möglichkeit geheimdienstlicher Aktivitäten erwähnte, sie aber unter Verweis auf eine entsprechende Auskunft der "Behörden" in geradezu rührender Naivität sofort wieder verwarf. Besonders rätselhafte Fälle gab es auch im Vertriebenenmilieu, wie etwa den Mord an einer [extern] Taxifahrerin [extern] aus der Pfalz oder das Verschwinden eines [extern] Rentners [extern] aus dem Ruhrgebiet.

Die überwiegende Zahl der großen grusligen Fälle wurde bis jetzt nicht gelöst - die Aufklärungsmeldungen vom Anfang der XY-Sendungen beziehen sich meist auf Ausbrecher, Betrüger, Heiratsschwindler, Diebe, Hehler und andere Standardkriminelle. Dass sie weiterhin offen sind, machte sie zu Kristallisationspunkten neuer [extern] Kulturschöpfungen durch [extern] Fans der Serie, wie etwa der Kennzeichnung von [extern] Tatorten mit Google Maps. Die Serie selbst, die nicht nur Vorbild für [extern] America's Most Wanted war, sondern (durch ihre Konzentration auf Gegenstände) auch ein Vorläufer der CSI-Formate, verkam nach dem 1997 erfolgten Weggang von Eduard Zimmermann zusehends. Mittlerweile wird sie von Rudi Cerne moderiert - einem ehemaligen Eiskunstläufer und Sportreporter.

Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30673/1.html
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#12

Re: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 17.04.2010 20:59
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
Artikel der Berliner Zeitung vom 5. August 2009:


"Das hat sich keiner ausgedacht"
"Aktenzeichen XY" hat sich modernen Sehgewohnheiten schrittweise angepasst - mit Erfolg
Peer Schader

Manche Verbrechen brauchen etwas länger, um aufgeklärt zu werden. Im Jahr 1989 ermordeten ein junger Mann und eine junge Frau in Köln einen 61-Jährigen. Als der Fall kurz darauf Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY. ungelöst" war, meldete sich ein Zuschauer, der das Pärchen kannte. Die Polizei machte die beiden ausfindig, konnte ihnen aber nichts nachweisen. Zwanzig Jahre danach rollte sie den Fall mit Hilfe neuer Ermittlungsmethoden wieder auf und bat zum Speichelprobentest - bei dem das Pärchen den Mord gestand, wie "Aktenzeichen XY"-Moderator Rudi Cerne in der vergangenen Sendung berichtete.

Dabei haben sich natürlich nicht nur die Ermittlungsmethoden der Polizei im Laufe der Jahre weiterentwickelt, sondern auch "Aktenzeichen XY" - zumindest äußerlich: Das ZDF spendierte seiner Aufklärungssendung ein neues Studio, beim Heranzoomen an Tat- und Fundorte hilft inzwischen Google Earth und die Tafeln, auf denen die Phantombilder der gesuchten Täter eingeblendet werden, sehen aus als kämen sie direkt aus den Rechnern von Jack Bauers Kollegen bei "24".

"Veränderungen mit dem Holzhammer gibt es bei uns nicht - das geht allenfalls ganz behutsam. Das ist wie bei einer Kür im Eiskunstlauf, an der man feilen muss bis alles stimmt", sagt der frühere Eiskunstläufer Cerne, der die Moderation im Jahr 2002 übernahm und die Sendung ganz im Sinne ihres Erfinders Eduard Zimmermann fortführt: nüchtern und unaufgeregt. Alles andere wäre auch gar nicht möglich, glaubt Cerne: "Bei uns verbietet sich Voyeurismus. Es ist das Prinzip der Sendung, korrekt zu sein, nicht zu übertreiben. Wahrheit ist die oberste Pflicht. Da darf nicht rumgedoktert und verfälscht werden." Die grundlegendste Veränderung der vergangenen 42 Jahre war womöglich der Wechsel des Sendeplatzes, erst vom Freitag auf den Donnerstag, dann auf den Mittwoch, wo seit vergangenem Jahr die Sendezeit auf 90 Minuten verlängert wurde.

Der Kommissar liest ab

Und wer genau hinsieht, entdeckt noch Spuren einer längst vergangen geglaubten Zeit: Viele Kommissare, die in der Sendung um die Mithilfe des Publikums bitten, sind ebenso kameraunsicher wie ihre Vorgänger und lesen ihre in Polizeideutsch vorformulierten Berichte ein bisschen steif vom Papier ab. Die filmischen Rekonstruktionen der Verbrechen laufen zwar im Breitbildformat und werden oft mit professionellen Schauspielern gedreht - spätestens wenn es aber um den "Enkeltrick" geht, bei dem Betrüger älteren Damen am Telefon vorgaukeln, sie seien ein Verwandter in Geldnot, um an deren Erspartes zu kommen, sieht das dann doch wieder aus wie vor zwanzig Jahren. Und bei aller Verpflichtung zur Faktentreue nehmen sich die Autoren so manche dramaturgische Freiheit, die zur Emotionalisierung eines Verbrechens beiträgt. Um zwei jugendliche Räuber zu finden, die einer alten Dame auf der Straße beim Handtaschenraub derart schwere Verletzungen zufügten, dass sie im Krankenhaus verstarb, wird nicht bloß die eigentliche Raubsituation nachgestellt, sondern auch minutenlang das Leiden und der Sterbenskampf der alten Dame auf dem Krankenbett inszeniert - obwohl das nicht zur Nüchternheit im Studio passt.

"Das hat sich sicher im Laufe der Jahre so entwickelt. Man muss da auch mit der Zeit gehen", räumt Cerne ein. "Andererseits darf man es auch nicht übertreiben. Das ist vielleicht auch der Grund, warum die Konkurrenzversuche bei den privaten Sendern nicht funktioniert haben."

Dazu beschränkt sich die Redaktion bei der Auswahl der Fälle mit der Polizei offensichtlich auf dasselbe Muster: Häufig geht es um unbescholtene Bürger, über die unvorhergesehen das Böse hereinbricht. Dass etwa ein Mord im Zuhältermilieu filmisch nachgestellt wird, bleibt die Ausnahme - und die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der dazu was zu sagen hätte, mittwochabends ZDF guckt, ist ja vielleicht auch eher gering.

Letztlich ist entscheidend, dass "XY" zu den wenigen Fernsehsendungen gehört, die ein konkretes Ziel verfolgen. Cerne sagt: ",Aktenzeichen XY' kann mit einem Schlag eine riesige Öffentlichkeit herstellen. Die meisten Fälle sind vorher schon durch die Lokalpresse gegangen, aber es gibt diesen Punkt in den Ermittlungen, an dem die Polizei darauf angewiesen ist, auch Zeugen anzusprechen, die ganz woanders in Deutschland wohnen und doch etwas von einer Tat mitbekommen haben." Wer weiß, vielleicht weil sie an besagtem Tag gerade aus dem Urlaub zurückgefahren sind oder geschäftlich unterwegs waren. Als in der vergangenen Sendung das Foto eines Mannes gezeigt wurde, der mit einer EC-Karte eines Vermissten im Ausland Geld an einem Automaten abhob, führte der Hinweis eines Zuschauers innerhalb kürzester Zeit zur Verhaftung des Betreffenden.

Drängt die Polizei da nicht, noch öfter auf Sendung zu gehen? Nein, sagt Cerne: "Wir sind schon an der Leistungsgrenze. Noch eine Ausgabe mehr würde den Rahmen sprengen." Wegen des Erfolgs, der sich auch in den Quoten von bis zu fünf Millionen Zuschauern niederschlägt, geht Cerne inzwischen ja schon zwölf Mal im Jahr auf Sendung und nicht wie früher nur zehn Mal. Es soll auch nicht der Eindruck entstehen, als wolle die Polizei ihre Ermittlungen ans Fernsehen delegieren - in der Regel ist diese Möglichkeit für besonders schwerwiegende Fälle reserviert: Mord, Totschlag, schwerer Raub, Kindesmissbrauch. Viele davon sind derart unfassbar, dass sich kaum ein Krimiautor wagen würde, so was auszudenken. "Ich werde immer wieder von Leuten angesprochen, die sagen: Das gibt's doch gar nicht, was ihr da zeigt. Ich kann dann nur antworten: Es ist aber so passiert, das hat sich keiner ausgedacht. Und das ist entsetzlich", sagt Cerne. Dabei gibt es auch viele positive Fälle, in denen Bürger mit Zivilcourage dazu beitragen, Verbrechen zu verhindern - und dann dafür den "XY Preis" verliehen bekommen.

Kerner arbeitet nach

Eine grundlegende Änderung gab es im Vergleich zu früher dann aber doch: Die zweite Sendung, in der Eduard Zimmermann am späten Abend über die eingegangenen Zuschauerhinweise berichtete, ist abgeschafft worden, weil das Interesse daran nachließ. Dafür passiert das jetzt immer mal wieder in den Talk-Sendungen von Johannes B. Kerner und Markus Lanz, die Betroffene ins Studio einladen, um mit ihnen über das Verbrechen zu sprechen, dessen Opfer sie waren. Cerne wird dann am Bildschirm zugeschaltet und berichtet über Resonanzen auf die vorangegangene Sendung - aber selbst einmal Betroffene zu sich ins Studio einzuladen, kommt für ihn nicht in Frage: "Unsere oberste Pflicht ist nach wie vor, dabei zu helfen, Verbrechen aufzuklären."

1 600 aufgeklärte Fälle

Am 20. Oktober 1967 strahlt das ZDF zum ersten Mal die Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" aus. Erster Moderator ist Eduard Zimmermann (Foto), der die Zuschauer mit folgenden Worten begrüßt: "Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung nutzen, das ist der Sinn dieser Sendereihe." Bereits in der sechsten Sendung wird der erste Mordfall mit Hilfe der XY-Zuschauer geklärt.

In den mehr als 400 Sendungen wurden etwa 3 750 Fälle behandelt. Knapp 1 600 davon wurden aufgeklärt, das entspricht einer Quote von 42 Prozent. Seit 2002 ist Rudi Cerne der Moderator.

Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0805/media/0007/index.html
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#13

Re[2]: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 19.04.2010 18:00
von xyzuschauerseit72 • 1.079 Beiträge
xyzuschauerseit72>Bei allen Wandlungen, die xy seit 1967 freiwillig durchlaufen hat bzw. auf Geheiss von ZDF-Oberen durchleiden musste, gibt es eine - positive - Konstante: die Aufklärungsquote. Diese wird von den Verantwortlichen seit eh und jeh mit rund 40% beziffert. Während über Jahrzehnte von 40-42% die Rede war, sprach Ede Zimmermann 2003 von einem leichten Rückgang auf 38% (siehe oben das Interview), ehe dann Rudi Cerne im März 2010 (http://www.derwesten.de/staedte/velbert/Aktenzeichen-XY-greift-brutalen-Ueberfall-in-Velbert-auf-id2692870.html) die Quote wieder mit ca. 42% angab.

Ganz interessant im Vergleich dazu die Aufklärungsquote der SAT 1-Sendung Fahndungsakte, die einige wenige Jahre wöchentlich lief, aber auch schon längst wieder Geschichte ist:

"Die Aufklärungsquote der Verbrecherjagd auf Sat 1 soll bei 25 Prozent liegen, sagt Thomas Goldack - "ein sehr ordentlicher Schnitt", wie er findet."

Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2000/0510/lokales/0051/
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#14

Re: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 26.07.2010 03:27
von bastian2410 • 1.560 Beiträge
jetzt schaut euch mal die Kritik des Spiegels aus dem Dezember 1967 an. Mein lieber Herr Gesangsverein, harte Worte!!!!

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46164840.html
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#15

Re: XY im Wandel der Zeit

in Rund um XY 27.07.2010 01:56
von bastian2410 • 1.560 Beiträge
der stern zieht auch ganz schön über das Format "XY" her, aber im Jahre 2007, nämlich am 20.9., genau zwei Jahre vor Ede´s Tod.

http://www.stern.de/kultur/tv/kuehn-kuckt-die-tv-kolumne-wenn-der-ede-ums-eck-kommt-600534.html
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