#1

17.4.1970 FF1 (Kantonspolizei Thurgau/Kripo Konstanz) Bodenseerätsel (Mordfall Löw)

in Filmfälle 22.03.2008 02:25
von bdvogel (gelöscht)
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Hallo allerseits,

nachdem sich dieser FF, den ich leider nicht in meinem Archiv habe, jüngst bei Y*t*be eingefunden hat, dacht' ich, er wäre mal einen "Spekulationsthread" wert...

Schon bei der Lektüre des XY-Buchs vor ein paar Jahren (wo dieser FF auf S. 159-163 ausführlich behandelt wird) fand ich die Umstände dieses (offenbar bis heute nicht geklärten) Mordfalls äußerst spannend und mysteriös.

Nach Ansehen des Films hat sich dieser Eindruck verstärkt - da haben die XY-Buch-Schreiber echt recht: "Es ist ein Kriminalfall mit Elementen, wie sie sich kein Drehbuchautor besser hätte ausdenken können".

Ein echtes Puzzle an zahllosen Ungereimtheiten und rätselhaften Bruchstücken... vielleicht der von den ermitteltem Umständen her rätselhafteste Fall der XY-Geschichte?

Was meint Ihr?

Fröhliches Gruselraten & allen hier Frohe Ostern,

Bernhard.
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#2

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Der geheimnisvolle Tote im Rhein

in Filmfälle 22.03.2008 12:06
von schokolinski
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Vielleicht hatte er eine Geliebte und ist von seinem Nebenbuhler umgebracht worden. Den Waschlappen kann er sich ja irgendwo gekauft haben, vielleicht wollte er unbedingt einen in diesen komischen Farben haben...
Rätselhaft blieben dann aber natürlich immer noch die Hotelwechsel, v.a. der Gegensatz zwischen 5 DM-Pension und bestem Hotel der Stadt. Das ganze erinnert mich auch leicht an den Fall Gaum.
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#3

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Der geheimnisvolle Tote im Rhein

in Filmfälle 22.03.2008 12:51
von Heimo • 1.422 Beiträge
Für mich passt der Welt in eine Reihe mit dem Gaum-Fallo der dem Mann an Hans Herbert K., der aus Rio zurück kam. Die Fälle sind so verworren, dass sie kaum von außen zu durchschauen sind.
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#4

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Der geheimnisvolle Tote im Rhein

in Filmfälle 24.03.2008 16:25
von TanteLuise • 16 Beiträge
Mit dem Waschlappen finde ich nicht so furchtbar mysteriös, der kann vom Täter stammen, von einer Liebschaft usw. Was einen merkwürdigen Eindruck macht ist, dass er seine Bekannten nicht (mehr) kennt. Die Hotellwechsel könnten den Hintergrund haben, dass er seine Spur verwischen wollte, das seine Aktiviäten nicht nachvolziehbar sein sollen. Er hat ja auch die Finte gelegt, er würde die Bodenseeinsel verlassen, was ja nicht der Fall war.

Kann das sein, dass es sich nicht um eine Geliebte handelt, sondern um einen Geliebten? Ich meine der Film hatte da auch andeutungen gehabt, ebenso die Andeutung des Arztbesuches beim Dermatologen - in dessen Kompetenz ja auch Geschlechtskrankheiten fallen, wie ein Forumsteilnehmer angedeutet hat.

Was auffällt, ist es wurden dem Opfer mehrere Verletzungen beigebracht, die es getötet hätten: Die Verletzung des Geschlechtsorganes, das Drosseln und gestorben ist er an Ertrinken. (Der Blutverlußt hätte ihn auch so umgebracht).
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#5

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Der geheimnisvolle Tote im Rhein

in Filmfälle 25.03.2008 21:31
von schokolinski
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Ich finde die Tatsache, dass er seine Bekannten nicht gegrüßt hat, aber auch nicht soo mysteriös, schließlich hätte er sich sonst vielleicht auf ein Gespräch mit ihnen einlassen müssen und dann wäre er sicher in Erklärungsnot geraten.
Das mit den homosexuellen Kontakten wird ja auch im Buch gemutmaßt.
Etwas merkwürdig ist ja auch, dass seine Frau gar nicht nachgeforscht hat, wo ihr Mann denn steckt oder selbst die Polizei informiert hat. Ist ja schon krass, wenn der eigene Mann eines Tages abends aufsteht und verkündet, er werde nun nach Österreich (?) fahren und dann nie wieder auftaucht und sich auch nicht meldet.
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#6

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Der geheimnisvolle Tote im Rhein

in Filmfälle 26.03.2008 23:13
von bdvogel (gelöscht)
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***Etwas merkwürdig ist ja auch, dass seine Frau gar nicht nachgeforscht hat, wo ihr Mann denn steckt oder selbst die Polizei informiert hat. Ist ja schon krass, wenn der eigene Mann eines Tages abends aufsteht und verkündet, er werde nun nach Österreich (?) fahren und dann nie wieder auftaucht und sich auch nicht meldet. ***

Das scheint mir auch eines der Haupträtsel in diesem von vorn bis hinten rätselhaften Fall zu sein. Ganz und gar unlogisch, das Verhalten der Gattin, oder? (Oder gabs eventuell da schon vorher "private Unstimmigkeiten", die man im FF taktischerweise ausgespart hat?)

Eine ganz andere Auffälligkeit: Obwohl doch sicher einer der rätselhaftesten XY-Fälle aller Zeiten, wurde er offenbar in keiner der zahlreichen HÖRZU-Serien behandelt.

Irgendwie schade, daß wegen der Verjährung des Mordes in der Schweiz wohl keine Unterlagen mehr existieren (nach Auskunft des XY-Buches), anhand derer man einige Details nochmal genauer nachvollziehen könnte - für ne spannende Doku wär der Stoff sicher geeignet. Oder für Hercule Poirot...

Bernhard.
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#7

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Bodenseerätsel (Mordfall Löw)

in Filmfälle 17.10.2011 08:07
von Waldmeister • 61 Beiträge
Ich gehe davon aus, dass es sich bei dem Bodensee-Mordfall um einen Mord im Homosexuellen-Milieu gehandelt hat, wie es 1969 gerade im Raum Zürich viele Morde dieser Art gegeben hat, weil Zürich damals ein beliebter Treffpunkt für Homosexuelle war. L. war zu Pfingsten 1969 ebenfalls für drei Tage in Zürich. Dort hat er vielleicht seinen späteren Mörder kennengelernt.


Zu der Mordserie im Raum Zürich kann man hier etwas nachlesen:


http://schwulengeschichte.ch/inhalt/5-jahre-der-repression/ein-neuer-mordfall/zuerich-weltzentrum-der-homosexuellen-eine-polemik/?print=1

Der Zeitungsbericht in der TAT ( Schweizer Zeitung, die von 1935 bis 1978 erschienen ist) vom 26.9.1969 ist interessant.

Offensichtlich hat es im Raum Zürich im Jahre 1969 eine ganze Mordserie im Homosexuellen- Milieu gegeben, denn es wird über den sechsten Mord an einem Holländer berichtet. In Zürich sollen damals mindestens 4000 Männer im Homosexuellenregister aufgeführt worden sein.

Interessant ist auch, dass teilweise wohl den Opfern die Hauptschuld an ihrer Ermordung gegeben wurde. Sie hätten sich Strichjungen mit aufs Hotelzimmer genommen und die waren dann über das, was das Opfer von ihnen verlangt hat, so angeekelt, dass sie es getötet haben. Im Falle des getöteten Holländers wurde berichtet, dass er die beiden Burschen durch sein Ansinnen selbst auf den Pfad des Verbrechens geführt habe.



Und dann noch dieser Hinweis:

http://schwulengeschichte.ch/inhalt/5-jahre-der-repression/ein-neuer-mordfall/

Es wird über einen unaufgeklärten Mord im „Männermilieu“ aus dem Jahr 1961 berichtet. Die Akten wurden nach drei Jahren geschlossen.

_______________


Obwohl es damals offensichtlich viele Morde dieser Art gegeben hat, finde ich doch einiges mysteriös, beispielsweise den plötzlichen Aufbruch des Opfers, seinen Weg über Innsbruck in den Bodenseeraum, dann die Sache mit den Friseurscheren, seine auffällige Kleidung, so als wolle er auf sich aufmerksam machen , natürlich auch die Umstände seines Todes, die schweren Verletzungen im Genitalbereich, das Badewasser in den Lungen und die Strangulation und vor allem die aufwendige Beseitigung der angekleideten Leiche im Rhein.

Dass sich der Mörder mit der Beseitigung der Leiche so viel Mühe gegeben hat unterscheidet diesen Fall mE von den anderen Mordfällen im Homosexuellen-Milieu, denn in den anderen Fällen wurde die Leiche einfach im Hotelzimmer zurückgelassen.
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#8

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Bodenseerätsel (Mordfall Löw)

in Filmfälle 17.10.2011 11:20
von Oma Thürmann • 762 Beiträge
Hallo Waldmeister,

vielen Dank für die interessanten Links! Im Lauf der Diskussion in einem anderen Forum hatte sich mal jemand die Mühe gemacht, im Archiv des Südkuriers zu stöbern; dabei kamen vier Artikel zum Vorschein, die neue bzw. andere Informationen enthalten als die Falldarstellung in Aktenzeichen, hier die beiden wichtigsten: L.s Abreise aus Selbitz war organisierter als geschildert (Grund war vermutlich ein Familienstreit); L. wurde mit einem Damenstrumpf erdrosselt.

Der Einfachheit halber hier die vier Artikel:

Südkurier Nr. 220

Rubrik: Südwestdeutsche Umschau
Mittwoch, 24. September 1969

Aus dem Rhein wurde eine männliche Leiche geborgen

Kripo frägt: Wurde der Unbekannte ermordet? - Schweizer und deutsche Behörden arbeiten in der Ermittlung zusammen

Singen/Diessenhofen (s-oe) Rätselraten herrscht bei den Polizeidienststellen in Diessenhofen und Frauenfeld und bei der Kriminalpolizei in Konstanz und Singen:
Im Rhein bei Diessenhofen wurde am späten Montagnachmittag die Leiche eines bisher noch unbekannten Mannes geborgen. Um den Hals der bereits stark aufgedunsenen Leiche, war eine braune Damenstrumpfhose geschlungen.
Von den zuständigen schweizer Behörden wurde sofort die Kriminalpolizei Singen eingeschaltet. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Tote aus dem Umkreis von Singen kommt. Kriminalhauptkommissar Georg Riemensperger von der Singener Kriminalpolizei gestern zum SÜDKURIER:

"Auf die vier offiziell als vermißt gemeldeten Personen paßt die Beschreibung nicht." Trotzdem kann man natürlich nicht aussschließen , daß es sich bei dem Toten um einen Singener handelt. Diese Vermutung liegt in der Tat nicht sehr fern: Die schweizer Kriminalisten haben festgestellt, daß sich der Mann in den letzten Wochen im Raum Konstanz, Singen, Stein am Rhein, aufgehalten haben muß.

Mit hoher Wahrscheinlichket rechnen die Kriminalbeamten aus der Schweiz und Deutschland damit, daß es sich um ein Verbrechen handelt. Die Art, wie die Strumpfhose um den Hals des Mannes gezogen ist, spricht am meisten dafür.

Der Mann der der mindestens eine Woche im Wasser lag, ist 40 bis 50 Jahre alt, 165 cm groß, hat mittlere Statur, dunkelbraune, leicht ergraute Schläfen, angehende Stirnglatze, braune Augen, Teilzahnprothese. Besonders auffällig ist eine strahlenförmige Narbe an der rechten Hüfte. Der unbekannte Mann trug einen dunkelgrauen Anzug, ein weißes Hemd und einen Gabardinemantel. Er hatte eine Armbanduhr der Marke "Desira" am Arm.

Nach den Ermittlungen der Polizei ist es möglich, daß es sich bei dem Ertrunkenen um einen Kellner handelt. Sachdienliche Hinweise nimmt jede schweizer oder deutsche Polizeidienstelle entgegen.

______________________________

Südkurier, Nr. 221
Donnerstag, 25. September 1969

Weiter Rätsel um den Toten von Diessenhofen

Identität noch nicht geklärt - Alles deutet auf ein Verbrechen hin

Singen (hem) immer mehr Kopfzerbrechen bereitet den deutschen und Schweizer Kriminalisten die Wasserleiche, die , wie berichtet, am Montag bei Diessenhofen im Rhein geborgen wurde. Sie hatte eine Strumpfhose um den Hals. Während man vorgestern noch fest davon überzeugt war, daß es sich um einen Kellner handle, stellte man jetzt fest, daß der etwa 40-50jährige Mann auch drei Friseurscheren bei sich hatte.

Nach den umfangreichen Ermittlungen steht fest, daß der Mann noch vor zwei Wochen auf der Reichenau war, um dort die Scheren zu verkaufen. Außerdem verstärkt sich der Verdacht, daß es sich um einen Homosexuellen handelt. Der Singener Kripochef, der gestern in Diessenhofen war, um die Identität des Toten zu klären, mußte unverrichteter Dinge wieder abreisen: Die Leiche ist zu sehr entstellt, um irgendwelche Ähnlichkeiten zu erkennen. Zur Zeit wird noch ein Hinweis der Berner Kriminalkommandatur geprüft, wonach der Tote von dort stammen könnte.
Verwirrend ist vor allem, daß die Kleidung des Mannes von einer Zürcher Firma stammt, während er nur deutsches Geld bei sich hatte. Im übrigen haben die Untersuchungen ergeben, daß der Mann erdrosselt wurde.

_______________________________

Südkurier
Rubrik Konstanz, wahrscheinlich 29. September 1969

Identität des Toten geklärt:
Friseur aus Oberfranken auf Erholungsfahrt ermordet

Der am 22. September aus dem Rhein bei Diessenhofen (Schweiz) geborgene Tote ist identifiziert (siehe auch Meldung auf der Südwestdeutschen Umschau). Es handelt sich um den 56jährigen Inhaber eines Friseurgeschäftes Josef Löw aus Selbitz in Oberfranken, der nach Angaben der Schweizer und deutschen Kriminalpolizei ermordet worden ist.
Die Kriminalpolizei Hof (Oberfranken) bestätigte dem SÜDKURIER telefonisch die Identität des Ermordeten, der am 3. August mit unbekanntem Ziel aus Selbitz abgereist ist.

Der ermordete Friseur hatte sich nachwieslich in der Zeit zwischen dem 13. und dem 16. September in Konstanz und auf der Insel Reichenau aufgehalten (der SÜDKURIER berichtete mehrmals über den Fall). Recherchen des SÜDKURIER ergaben, daß der Mann am 3. August überstürzt kurz vor 24 Uhr seine Wohnung in Selbitz verlassen hatte und zunächst nach Hof mit der Eisenbahn gefahren war. Dort kaufte sich Löw - er hatte 2000 DM mitgenommen - eine Eisenbahnfahrkarte nach dem Süden Deutschlands.

Als Ursache für den überstürzten Aufbruch des 56jährigen wird häuslicher Streit angenommen. Löw besaß in Selbitz ein gutgehendes Friseurgeschäft, das er sich nach dem Kriege - er war Flüchtling aus dem Sudetenland - aufgebaut hatte. Die Familie, Ehefrau und zwei erwachsene Töchter, half ihm dabei. In letzter Zeit allerdings hatten sich Familienstreitigkeiten gehäuft: Die Töchter heirateten und beabsichtigten wegzuziehen. Es wird nun von der Kriminalpolizei in Hof und den Familienangehörigen vermutet, daß diese Streitigkeiten die eigentliche Ursachen für die Abreise sind.

Angeblich wollte Löw wie er selbst auch sagte, einige Wochen in den Süden Deutschlands fahren, um sich zu erholen.

Im Interesse der Ermittlungen wollte sich gestern die Kriminalpolizei Konstanz nicht zu der identität des Ermordeten äußern. Die schweizer Kollegen, die ebenfalls mit den Ermittlungen befaßt sind, teilten dagegen Namen und Adresse des Toten gestern schon mit.
Josef Löw hatte am 17. September seinen 56. Geburtstag. In diesem Zusammenhang vermuten die Angehörigen , daß der Ermordete ausgiebig gefeiert und so unter Umständen durch unbekannte Hand den Tod gefunden haben müßte. Über den oder die Täter ist nach Auskunft der Kriminalpolizei Konstanz nichts bekannt.

_______________________________

Südkurier Nr. 225 / Seite 10

Rubrik: Konstanzer Zeitung

Dienstag, 30. September 1969

Josef Löw wurde wahrscheinlich in den Rhein gestoßen

Kriminalpolzei bittet die Bevölkerung um Mitfahndung

z-a. Nachdem jetzt die Identität des am 22. September bei Diessenhofen (Schweiz) aus dem Rhein geborgenen Ermordeten geklärt worden war (der SÜDKURIER berichtete darüber), bittet nun die Kriminalpolizei Konstanz die Bevölkerung um Mithilfe bei der Fahndung nach den unbekannten Tätern. Wie berichtet, handelt es sich bei dem Toten um den 56jährigen Friseur Josef Löw aus Selbitz (Oberfranken), der eine Erholungsfahrt an den Bodensee gemacht hatte. Er war am 3. August von seiner Heimatstadt aufgebrochen; vermutlicher Anlaß für die Reise war Familienstreit.

Die Kriminalpolizei Konstanz teilt nun mit, daß Josef Löw in der Zeit vom 9. bis zum 20. August in Lindauer Hotels übernachtet habe. Über die Zeit vom 20. bis zum 29. August ist bekannt, daß der Friseur sich in einem Hotel in Konstanz aufgehalten hat.
Am 8. September wechselte Löw in ein anderes Konstanzer Hotel über, wo er bis zum 15. September blieb.
Vermutlich mit einem Kurschiff - die Kriminalpolizei fand eine Schiffsfahrkarte bei dem Toten - trat Löw dann am 16. September eine Fahrt nach Stein am Rhein an; das Schiff fuhr etwa um 9 Uhr in Konstanz ab. Von diesem Zeitpunkt an, dem 16. September, wurde der Friseur nicht mehr gesehen. Am 22. September zog man seine Leiche aus dem Rhein.

Die Kriminalpolizei nimmt nun an, daß Josef Löw mit ziemlicher Sicherheit in den Rhein gestoßen wurd. Der Tote hatte, als man ihn fand, eine Damenstrumpfhose um den Hals geschlungen. Hinzuzufügen ist noch, daß Löw am 17. September seinen 56. Geburtstag hatte. Man vermutet, daß hier ein Zusammenhang mit seiner Ermordung besteht.
Die Kriminalpolizei Konstanz bittet die Bevölkerung um Mitfahndung.

- Wo hielt sich Löw zwischen den festgestellten Aufenthalten in Konstanz und in Lindau auf, also in der Zeit vom 3. bis zum 9. August, vom 29. August bis zum 8. September und in der Nacht vom 15. auf 16. September?

- Wer hat Löw in der Zeit vom 3. August bis zu seinem Verschwinden gesehen, insbesondere am 16. September, dem Tag, an dem er wahrscheinlich ermordet wurde?

- Wer hat Löw in Begleitung dritter Personen gesehen?

- Wer kann sonstige Angaben zu Löw machen?

Weiter teilt die Kriminalpolizei mit, daß in einem Schließfach eines Konstanzer Hotels das Gepäck von Josef Löw gefunden wurde. Auffällig ist dabei, daß sich ein Smoking und benutzte Smoking-Hemden darunter befanden (insgesamt sechs). Die Kripo fragt nun, ob jemand den ermordeten Friseur in dieser Kleidung gesehen hat?
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#9

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Bodenseerätsel (Mordfall Löw)

in Filmfälle 17.10.2011 15:22
von Waldmeister • 61 Beiträge
@Oma Thürmann

Das sind interessante Zeitungsberichte!

Somit spricht einiges dafür, dass der Aufbruch des Opfers doch nicht so abrupt und scheinbar grundlos erfolgt ist, sondern es war vermutlich auch ein Ergebnis von vorangeangenen Querelen im Familienkreis.

Für mich ist die Sache mit den Friseurscheren vor allem mysteriös. Wer Geld für teure Hotels hat, muss sein Handwerkszeug nicht verscherbeln. In einem anderen Forum hat jemand für diese Verkaufsversuche mE eine sehr plausible Erklärung gegeben.

L. ist mit seinen Scheren von Friseurgeschäft zu Friseurgeschäft gezogen, um sich umzusehen, ins Gespräch zu kommen,weil er einen Bekannten, in den er sich bei seinem Pfingsturlaub 1969 verguckt hatte, wiederfinden wollte, um die Beziehung fortzsetzen. Der Bekannte muss ebenfalls Friseur gewesen sein. Dieser Mann war, aus welchen Gründen auch immer an einer Fortsetzung der Beziehung nicht interessiert. Er schrieb an L. einen entsprechenden Brief.( Es wurde in der XY Sendung erwähnt, dass L. einen Brief erhalten hat.) L. war aber von weiteren Suchaktionen nicht abzubringen, er war hartnäckig, weil er gefühlsmäßig zu stark involviert war, verlängerte sogar seinen Aufenthalt im Bodenseeraum und so soll es dann zur Tat gekommen sein.

L. ist daher vielleicht nicht von einer flüchtigen Bekanntschaft getötet worden, sondern da gab es eine Vorgeschichte. Daher auch die Mühen mit der Beseitigung der Leiche. Tatort war wahrscheinlich kein Hotel, wo sich Homosexuelle trafen, sondern eine Wohnung.

Von daher gesehen eignete sich der Fall schon sehr für eine Fernsehfahndung, weil es Zeugen gegeben haben könnte, die Täter und Opfer zusammen gesehen haben, vielleicht nicht gerade im September 1969, aber zu Pfingsten, zumal das Opfer offensichtlich auffällige Kleidung ( Smoking und Boogie Schuhe) liebte.
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#10

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Der geheimnisvolle Tote im Rhein

in Filmfälle 16.10.2008 14:03
von Goldberg • 14 Beiträge
In der Tat ist es so dass die Akten zu diesem Fall nach 30 Jahren vernichtet wurden. Ich finde den ganzen FF merkwürdig - leider konnte ich nicht die dem Film folgenden Fragen mitbekommen, finde es jedoch unfassbar dass scheinbar niemand diesen Mann in diesem doch sehr langem Zeitraum wahrgenommen hat.

Infolge der Darstellung muss man allerdings tatsächlich von einem obsurken Doppeleben ausgehen. Ich glaube übrigens schon, dass seine Frau mit ihm in Kontakt stand dies aber wie einige andere Dinge einfach "nicht gezeigt" wurden.

Den abstrustesten Fakt an dem Fall finde ich allerdings den Versuch 2 Scheren für 18 Mark zu verkaufen...
(Im Hinterkopf schwirrt mir bei diesem Fall allerdings die ganze Zeit eine These vor:
Kann es nicht sein dass dieser Mann etwas mit Glücksspiel zu tun hat?)

Den in diesem Thread erwähnten FF Kaufmann aus Rio finde ich persönlich übrigens gar nicht so mysteriös. Da hat in meinen Augen jmd gewußt, dass der Mann Geld hat ist ihm gefolgt und hat ihn gekillt und vermutlich nicht mitbekommen dass das mitgeführte Geld bereits auf der Bank war. Somit wurde halt der Koffer wichtig. Die Neigungen des Opfers sind eher sekundär zu betrachten vor allem da ich vermute dass der FF in erster Linie auf der Aussage des Schauspielers beruht.

Eine weitere Anmerkung zur sexuellen Ausrichtung: Gerade in der Zeit haben homosexuelle Menschen normale Ehen als Schein geführt und gerade eine Stewardess als Frau ermöglicht hier doch das perfekte Ausleben. Natürlich spekulativ aber Feststellen lässt dies sich nicht mehr - ich würde den Mann aber eher als homosexuell als bi betrachten.
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#11

Re: 17.4.1970 FF1 (Kantonspolizei Thurgau/Kripo Konstanz) Bodenseerätsel (Mordfall Löw)

in Filmfälle 14.02.2013 08:35
von bd-vogel • 570 Beiträge
Was mich hier interessieren würde: Dieser Fall wurde ja damals gemeinsam von den Schweizer und deutschen Ermittlungsbehörden (KaPo Thurgau und Kripo Konstanz) vorgestellt. Nun sind ja die Verjährungsfristen in Mordsachen in beiden Ländern unterschiedlich - wie sieht es mit den Akten in diesem Fall aus? (Bastian?)

Bernhard.
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#12

Re: 17.4.1970 FF1 (Kantonspolizei Thurgau/Kripo Konstanz) Bodenseerätsel (Mordfall Löw)

in Filmfälle 14.02.2013 21:25
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo bd-vogel!
Ich bin zwar nicht der Bastian, möchte aber etwas zu deiner Frage schreiben: In dem Buch "Aktenzeichen XY...ungelöst-Kriminalität, Kontroverse, Kult"-erschienen 2004- steht auf Seite 162, das die Thurgauer Polizei 1973 die Akte schließt und die Ermittlungen einstellt. Alle Dokumente sollen wohl vernichtet worden sein und in der Schweiz ist dieser Mord verjährt-wenn ich mich richtig erinnere, verjährt in der Schweiz Mord nach 30 Jahren, das wäre in diesem Fall 1999.
In Deutschland liegen bei der Staatsanwaltschaft und Polizei Konstanz auch keine Akten mehr zu diesem Fall vor. Der zuständige Untersuchungsrichter ist verstorben und die ermittelnen Kommissare sind im Ruhestand(Stand 2004).
Ich hoffe, ich konnte Dir ein bißchen weiterhelfen.
So denn, einen schönen Gruß von schildi
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#13

Re[2]: 17.4.1970 FF1 (Kantonspolizei Thurgau/Kripo Konstanz) Bodenseerätsel (Mordfall Löw)

in Filmfälle 15.02.2013 01:52
von bastian2410 • 1.567 Beiträge
bd-vogel>Was mich hier interessieren würde: Dieser Fall wurde ja damals gemeinsam von den Schweizer und deutschen Ermittlungsbehörden (KaPo Thurgau und Kripo Konstanz) vorgestellt. Nun sind ja die Verjährungsfristen in Mordsachen in beiden Ländern unterschiedlich - wie sieht es mit den Akten in diesem Fall aus? (Bastian?)

bd-vogel>Bernhard.

Mensch, Bernhard, mach mich nicht fertig. In vier von fünf Postings von dir lese ich meinen Namen- verbunden mit schwierigen Fragen. Und für eine Juristenantwort suchst Du Dir den mysteriösesten aller Fälle heraus.

Ich habe mir den Mordfall Löw gerade ein weiteres Mal angeschaut. Wir nehmen an, die Darstellung im FF stimmt und Löw ist nicht auf hoher See gestorben (das wäre richtig kompliziert).

Es gilt das Tatortprinzip- an der Stelle, an der das Verbrechen verübt wurde, ist auch dessen Gerichtsbarkeit zuständig. Es spricht viel dafür, dass Löw in Deutschland (Konstanz) ermordet wurde- demnach ist in Deutschland der Tatort. Mord verjährt in Deutschland nicht. Daher müßten Akten im Archiv vorhanden sein.

Ist der Tatort nicht feststellbar, gilt als Standort der Gerichtsbarkeit der Auffindeort- der wäre hier die Schweiz. Aber wie gesagt, es spricht viel für eine Tat in Dtschl. und das reicht, um ein Ermittlungsverfahren einzuleiten und – sollte es soweit kommen- einen Tatverdächtigen vor Gericht zu stellen.

Das war einfach. Interessant wird es, wenn ein Tatverdächtiger in der Schweiz festgenommen wird. Die Schweiz ist kein EU- Land, aber 2008 (ungefähr ohne nachzugucken) den Schengener Abkommen beigetreten. Das Abkommen verlangt, dass Tatverdächtige unter bestimmten Voraussetzungen an andere Länder zur Strafverfolgung ausgeliefert werden müssen- auch eigene Staatsbürger.

Ist ein Schweizer Staatsbürger Tatverdächtiger, wird er nicht ausgeliefert, da die Schweiz kein EU- Land ist. In der Schweiz droht auch kein Prozeß, weil die Tat seit 1999 verjährt ist. Der Tatverdächtige könnte strafrechtlich nicht verfolgt werden.

Ist der Tatverdächtige kein Schweizer, wird aber in der Schweiz festgenommen, wird es kompliziert. Eine Auslieferung kann grds. nur erfolgen, wenn die Tat in dem Land, welches ausliefern soll, auch strafbar ist. In der Schweiz ist Mord zwar strafbar, wäre zu diesem Zeitpunkt jedoch verjährt- strafrechtlich nicht verfolgbar. In Deutschland ist „verjährt“ und „nicht strafbar“ das gleiche, hier würde Deutschland nicht ausliefern. Hier geht es jedoch um Mord- ich weiß nicht, ob die Schweizer Sonderregelungen für solch einen Fall haben. Wenn nicht, könnte der Mörder von Löw in der Schweiz weiter unbehelligt leben- auch wenn er Deutscher ist.

Konkret auf die Frage von Bernhard: Tatort ist wohl Deutschland, also ist der Fall nicht verjährt. Auch die Schweizer Kapo müsste weiter ermitteln, wenn Deutschland ein sogenanntes Rechtshilfegesuch einreicht. Sollten Akten vernichtet worden sein- wie schildi sagt- wäre das großes Unding. Dass ein leitender Kommissar in Ruhestand geht, ist kein Grund dafür, Akten in einem Mordfall zu schließen.

In der Schweiz ist der Fall seit über 13 Jahren verjährt-dh die Akten könnten vernichtet sein. Da beide Dienststellen jedoch zusammengearbeitet haben, haben auch die Deutschen die wichtigsten Ermittlungsergebnisse aus der Schweiz in ihren Akten.

@Bernhard

Bei Deinen anderen Fragen an mich in anderen Threads bin ich dran.
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#14

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Bodenseerätsel (Mordfall Löw)

in Filmfälle 09.03.2010 13:32
von Moskito6 • 78 Beiträge
0
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#15

Re: 17.4.1970 FF1 (Thurgau/Konstanz) Bodenseerätsel (Mordfall Löw)

in Filmfälle 10.03.2010 13:31
von Moskito6 • 78 Beiträge
Wie mir gestern durch den super Bericht von Blofeld aufgefallen ist, gibt es im im Fall der "Adlerwirtin" und im Fall "Löw" eine Gemeinsamkeit.
Sowohl in Günzburg als auch auf der Insel Reichenau wo Hr. L. das letzte Mal lebend gesehen wurde, gibt es jeweils eine psychiatrische Landesklinik mit dementsprechenden persönlichkeitsgestörten Insassen und Patienten.

Der Rhein fließt genau an der Reichenau durch den Bodensee vorbei in Richtung Schaffhausen, der Auffindeort der Leiche war zwischen Konstanz also "Reichenau" und "Diessenhofen"/Schaffhausen.

Interessieren würde mich wirklich mit welcher Tatwaffe wurde die Genitalverstümmelung begangen? Mit einer (Frisör) Schere oder einem Messer?

Hier ein Profil eines Serientäters, über den ich leider nicht mehr herausfinden konnte:

Von 1974 bis 1984 fielen dem Gelegenheitsarbeiter Frank Müller ein 13-Jähriger, ein Jugendlicher und vier erwachsene Männer zum Opfer. Unter anderem trennte er fünf seiner Opfer das Geschlechtsteil ab, zerschnitt es. Seine Erklärung: ”Ich habe denen den elften Finger abgeschnitten, weil ich wissen wollte, wie das Ding funktioniert, wie das Pipi da rauskommt.” Bei seiner ersten Tat, als er einem Mann mit einem Kalksandstein das Gesicht zerschmetterte, verzichtete er notgedrungen auf sein bizarres Ritual. ”Ich bin doch gestört worden”, ließ er die Vernehmungsbeamten wissen, ”leider ist es dann dazu nicht mehr gekommen.”
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