Hier ein Artikel aus der Hamburger Morgenpost vom 05.10.2000 zum Fall Sellschopp (Briefmarkenhandel Hamburg). FF 3 XY vom 08.05.1998:
Millionenbeute - Ex-Prostituierte "überfallen", damit sie nicht in unter Verdacht gerät Abgekartetes Spiel gegen den Ehemann
Die herausgewachsene Dauerwelle hat Diana B. (34) mit Haarspangen in Form zu bringen versucht. Müde, verlebt, schuldbewusst sitzt die ehemalige Prostituierte auf der Anklagebank des Landgerichts. Das Opfer ihrer Tat ist ihr Ehemann Klaus B. (40). Vorwurf: Geiselnahme und schwerer Raub.
Diana B. ist geständig. Ebenso wie die Mitangeklagten Andreas Sch. (33), Robert F. (40) - beide sind auch in das Verfahren gegen "Albaner-Willi" verstrickt - und Oliver K. (21). Ein Verbrechen, aus dem die Liebe bereits als Sieger hervorging. Doch die Justiz wird nicht so milde verfahren.
Es ist der 17. November 1997, als Diana B. ihren Mann in seinem Briefmarkenhaus "Sellschopp" anruft und ihm sagt, sie müsse etwas Wichtiges mit ihm besprechen. Kurz darauf lässt sich Diana B. von ihren Kumpanen mit Klebeband an Händen und Füßen fesseln. Als Klaus B. vor der Wohnungstür in Billstedt steht, wird er niedergeschlagen, ins Haus geschleppt und sieht, wie seine gefesselte Frau mit einem Schlagstock bedroht wird. Die drei maskierten Räuber hantieren mit Pistole und Messer, erpressen die Zahlenkombination der Geschäftstresore von Klaus B., fesseln auch ihn - mit einem Telefonkabel - an Händen und Füßen und legen ihm ein Handtuch übers Gesicht. Zwei Räuber fahren dann mit Ehefrau Diana ins "Sellschopp" an der Paulstraße, räumen drei Tresore leer: Sie nehmen Briefmarken im Wert von 1,2 Millionen Mark und knapp 6000 Mark in bar mit.
Ein Verbrechen, beinahe perfekt inszeniert - zunächst wird Ehefrau Diana B. ebenfalls für das Opfer dieser brutalen Räuberbande gehalten. Doch als die Kripo einen Hinweis aus Frankfurt erhält, wo die millionenschwere Beute in einem Auktionshaus auftaucht, platzt die Geschichte.
Vor Gericht lässt Diana B. über ihren Anwalt sagen: "Ich wollte als Prostituierte aussteigen. Robert F. verlangte von mir aber 10000 Mark ,Abstecke'. Ich hatte das Geld nicht, wollte meinen Mann auch nicht fragen. Ich stand sehr unter Druck." Sie habe sich nicht an der Planung der Tat beteiligt, aber darauf vertraut, dass ihrem Mann nichts passieren würde. "Ich glaube, er hat mir die Tat, die mir wie ein Albtraum aus ferner Zeit erscheint, verziehen. Wir leben nach wie vor in getrennten Wohnungen. Aber mein Mann und ich verbringen die Wochenenden zusammen und fahren auch gemeinsam in den Urlaub."
Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.